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Freiheit und Neeht

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Wiesbaden. Samstag, 29* Juli

isas.

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Nassauischer Landtag.

Sitzung vom 25. Juli.

(Fortsetzung und Schluß.)

Reg.-Comm. Vollpracht entgegnet, daß taS Ge­setz blos den Zweck habe, einen Zustand herzustellen, der die Erhebung der Steuern möglich mache. Eine Beitreibung der Steuern beim Einzelnen würde zu nichts führen.

Fresenius: In der Steuerverwrigerung liegt eine Gesetzesverletzung so gut wie in Excessen, und ich finde deshalb den vorliegenden Entwurf mit dem Gesetze über die Haftbarkeit ganz analog. Hinsichtlich dessen, was über die Stellung der Schultheißen gesagt worden, muß ich gestehen, daß ich diejenigen Gemeinden sehr bedauern würde, die ihren Schultheißen deshalb verachteten, weil er seine Pflicht ordentlich erfüllt,

Keim: Es ist beschlossen worden, den Entwurf pa­ragraphenweise zu berathen, und ich trage darauf an, daß dies jetzt geschieht. Es fragt sich bei einem Ge­setzentwürfe vor Allem, ob er nothwendig und ob er zweckmäßig ist. Daß der vorliegende nothwendig, ist nach den gemachten Vorlagen wohl unzweifelhaft. Hier­über brauche ich also nichts weiter zu sagen, und ich gehe daher zum zweiten Punkte über, nämlich: ob der­selbe zweckmäßig ist. Die Zweckmäßigkeit wird sich leicht ergeben, wenn man bedenkt, daß, obgleich bis jetzt nur passive Renitenz vorgekommen ist, sich unter den Renitenten gar Manche befinden, die vielleicht blos deswegen nicht zahlen, weil sie hoffen, daß wohl eine Zeit kommen könne, wo man gar nichts zu zahlen habe. Man hat gesagt, es sei ein Ausnahmegesetz, das leicht der Freiheit des Volkes gefährlich werden könne. Ich finde diese Befürchtung unbegründet, da das Gesetz ja grade die Ordnung und Gesetzlichkeit bezweckt.

Großmann: Es ist der Antrag gestellt worden, den Entwurf zu verwerfen wegen des Prinzips. Das demselben innewohnende Prinzip ist aber das der Frei­heit, das der Selbstregierung der Gemeinden.

Leisler: Nicht allein der Mangel an Geld und die Widersetzlichkeit sind die Ursache der Rückstände an Steuern und Gefällen, sondern auch die Verwirrung der Begriffe. So bin ich schon öfter von ganz recht­lichen Personen befragt worden, ob man denn auchAc- cis zu bezahlen habe? Was die Zweckmäßigkeit des Gesetzes betrifft, so wird sich dieselbe leicht ergeben, wenn man berücksichtigt, daß, seitdem die Regierung wieder kräftiger ausgetreten ist, d. h. also in den letzten 8 Tagen, mehr Steuern eingegangen find, als vorher in 8 Wochen. -

Nachdem nun noch einige Redner dargethan haben, daß, wenn dein so sei, das Gesetz ganz überflüssig sein dürfe, wird der Antrag Wenkenbachs I. zur Abstim­mung gebracht und verworfen.

Vorsitzender Wirth: Wenn der Entwurf des Ab­geordneten Raht auf wesentliche Abänderungen in dem Entwürfe abzielt, so wird es gut sein, diesen vor allen Dingen zur Kenntniß der Kammer zu bringen, um zu sehen, ob der Entwurf nicht erst wieder an die Com­mission zu verweisen ist. Wir haben sonst doppelte Ar­beit und Zeitverlust.

Reg.-Comm. Werren meint, derselbe sei in der gestrigen Ausschuß-Sitzung bereits mitgetheilt und be­sprochen worden, daher der Kammer bekannt; Raht, so wie Wimpf widersprechen dem; auch der Vorsitzende Wirth bemerkt, daß ihm der Raht'sche Entwurf noch ganz unbekannt sei, worauf Raht seinen Gegen-Ent­wurf vorträgt.

Reg.-Comm. Vollpracht: Dieser Entwurf stimmt im Wesentlichen mit dem der Regierung überein; zur Einschreitung gegen einzelne Schuldner ist jedoch der letztere nicht gegeben worden.

Wenkenbach 1. stellt den Antrag, daß zuerst der Entwurf Raht's discutirt werde.

Reg.-Commissär Vollprächt widersetzt sich diesem Anträge mit dem Bemerken, daß die Vorschläge deö Abgeordneten Raht bei den einzelnen Paragraphen geltend gemacht, und daß banii etwa beliebte Amende­ment gestellt werden könnten, dass aber der Ent­wurf der Regierung jedenfalls zur Discussion kommen müsse.

Demgemäß schreitet nunmehr die Kammer zur Be­rathung der einzelnen Paragraphen, die alsdann bis auf den §. 5 sämmtlich mit unwesentlichen Abänderun- den angenommen werden.

Bei §. 5 stellt der Abgeordnete Schmidt des Amendement, daß die Erccntionsgebühr nicht von der Gemeinde vorgelegt, sondern sofort von den Renitenten direct erhoben werde, welches Amendement durch Stimmenmehrheit angenommen wird und wodurch das Princip deS Gesetzes eine wesentliche Abänderung erlitten.

Der von der Berichterstattungs-Commission bean­tragte Zusatz-Paragraph dahin lautend:daß das Ge­setz mit dem Beginn des nächsten Landtages außer Kraft trete" wird ebenfalls angenommen.

Zuletzt beantragt noch der Abgeordnete Lang den weiteren Zusatz-Paragraphen:Sobald unter dem Schutz des Militärs die Pfändung und Versteigerung

vollzogen ist, hört die Einlegung des Militärs auf." Dieser Zusatz - Paragraph wird ebenfalls angenommen.

Deutschland.

Wiesbaden, den 22. Juli. Wer die Verhältnisse deS Nassauischen Schulwesens und die Wirksamkeit deS bisherigen Schulreferenten Seebode nur einigermaßen kennt, wundert sich gewiß nicht wenig, wenn er in einer der letzten Nummern der Nass. Zeitungeine Stimme vom Westerwalde" hört, die dem bekannten Ausspruche des Abgeordneten Justi, daß Seebode im ganzen Lande mißliebig sei, keck und dreist entgegenruft: Seebode ist beliebt! Diese einsame Stimme vom Westerwalde ist ein ganz fremder Ton unter denje- nigen, welche seit Jahren in dem Nassauischen Schul­wesen gewirkt haben, und kann nur von einem solchen herrühren, der entweder der Schule ganz ferne steht, oder als Lehrer irgendwo am Westerwalde, etwa zu Hadamar, unter der Aegide des Hr. Seebode einge­kehrt ist. Daß solche, welche der Liebe des Hrn. See­bode ein gutes Plätzchen im Nassauerlande verdanke», sich zu dessen Schirm zusammenschaaren, das kann man ihnen so arg nicht verdenken, sie kämpfen ja zum Theil für ihre eigene Sache; nur dürfen sie nicht, wie die Westerwälder Stimme, so unüberlegt und srech in die Welt hineinschreien und der Wahrheit ins liebe Ange­sicht schlagen. Da hat es doch in der Nass. Allg. Ztg. Beilage Nr. 106 ein Kampfgenosse jenes Westerwâl- ders, ein Unbekannter aus Wiesbaden, den wir indeß trotz dem hier und da aufgetragenen Firniß haben er­kennen können, klüger angefangen. Dieser Herr weiß obgleich er erst kurze Zeit im Nassauischen ist, doch recht gut, wie es sich mit der Stimmung gegen Hin. See­bode verhält, und wird cs auch nicht wagen die Be­schuldigungen des Mißtrauens und der Mißliebigkeit von seinem Clienten abwälzen zu wollen. Kluger Weise vertheidigt er ihn nur indirect, und tritt auch erst her­vor, um den gegen Seebode aufgebotenen Landsturm aus dem Felde zu schlagen, nachdem er neulich bei einer Gelegenheit gehört, daß der Abg. Justi seinen angekün­digten Antrag in Betreff Seebode's fallen lassen wolle und höchst unzufrieden sei, daß ihn dieselben Lehrer, welche ihn zu seinen Aeußerungen gegen Seebode in öffentlicher Kammersitzung gebracht, jetzt im Stiche lie­ßen mit dem Material zu seinem Antrag. Welche Be- wandtniß es auch mit dem Anträge Justi's habe, ob und aus welchem Grunde er ihn ausgegeben (man sagt es sei ihm versprochen worden, man werde sich beeilen seinen Antrag überflüssig zu machen), lassen wir dahin

Die fliehende Insel.

Eine Seema uns sage von H. Smidt.

(Fortsetzung.)

Vor ihnen lag eine Insel in allem Schmucke des tropischen Himmels, dieselbe, wo Capitain Robert seine Geliebte gefunden, und wo er sie gelandet hatte, um die Vergebung ihres BaterS zu erflehen. Keiner sprach mit seinen Genossen; Jeder war für sich zu sehr mit diesem Wunder beschäftigt, als daß er die Meinung seiner Ge­fährten hätte erkunden mögen.

Capitain Robert fuhr von seinem Lager auf, und als er die Insel vor sich sah, erschien ihm Atles, was von dem Augenblick an vorgegangen war, da er seine Frau an's Land geschickt hatte, bis zu dem gegcnwärti- gen, nichts als ein langer, wüster Traum.

Unser Boot bleibt sehr lange aus!" begann er zu seinem Steuermann gewendet; »die Sonne steht schon hoä>, und meine Frau konnte längst zurück sein. Ich baue die Nacht war laug genug zu einer Unterredung mit ihrem Vater."

»Mehr als lang!" war die unwillkürliche Antwort dev Steuermanns.

Boot über Bord!" gebot der Capitain,ich will ihr nachfahren. Am Ende macht der Alte noch große Schwierigkeiten! Verdammt sei er!"

Die Leute machten sich sogleich an's Werk, um dein erhaltenen Befehl Folge zu leisten, der Steuermann aber zog den Capitain auf die Seite:Herr! laßt Euch be­schworen! Geht nicht! Es ist Hexenwerk!"

Einfalt!" lachte Robert.Soll ich nicht mehr wissen, was doch erst gestern Abetzd geschehen ist, und bin ich am hellen Morgen betrunken? Boot vor den Fallreep !"

Und Eure Krankheit? Das Fieber, was in Eurem Blute rast?"

Fieber! Ja, wahrhaftig! Es träumte mir über Nacht, ich irrte auf der See umher und hätte ein heftiges Fieber! Sonderbar, daß ihr daß wißt! Ihr müßt dasselbe ge­träumt haben!"

Ihr träumet nicht, Herr! Es war Wahrheit!"

Ha! Ha! Ha! Also ein heftiges Fieber, ich weiß nicht, wie und wo, und jetzt auf einmal Alles vorüber! Mein Kopf ist klar und hell, und meine Arme und Beine sind Eisen und Stahl! Geht, Herr, geht! Bringt Eure Träumereien anderswo an, und laßt mich nach meinem Weibe sehen!"

Dau, begleite ich Euch!" entgegnete entschlossen der Steuermann.

Und das Schiff bliebe ohne Befehlshaber? Nein, ihr bleibt am Bord. Gebt wohl Acht auf Wind und Wet­ter, »nd bereitet Alles dazu vor, daß wir die geringste Veränderung benutzen können, ich will mich beeilen zurück zu kommen."

Er sprang den Fallreep hinab ins Boot" und dieses

flog dem Lande zu. Deutlich sah der Steuermann, wie dasselbe hinter einen Felsenvorsprung glitt und nicht wie­der zum Vorschein kam. Der Capitain wurde am Ufer sichtbar, doch nur auf wenige Augenblicke. Kaum war er hinter einer blühenden Baumhccke verschwunden, als man bemerkte, daß die Distanze zwischen Insel und Schiff sich erweiterte.

Der Steuermann fuhr bestürzt zurück. Als wolle er seinen Augen nicht trauen, wandte er sie ab, erfrischte sie mit Wasser und blickte dann wieder auf. Die Insel war noch weiter entfernt!"

Vorderdeck hoi! Seht ihr den grauenvollen Spuck? Zum zweiten Male läuft uns die,e Zauberinsel davon! Gebt Acht, Leute, ob wir sie vielleicht wieder gewinnen mögen! Mich dünkt, ich höre, wie der Wind auffrischt; macht hurtig, und stellt Euch zu Fall und Brassen!"

Aber die Segel lagen fest und unbeweglich an den Mast gedrückt. Der Steuermann löstt mechanisch die Pinne des Steuers und riß es mit einem gewaltigen Stoß auf die entgegengesetzte Seite. Durch die plötzliche Aufregung im Wasser aus seiner Lage gebracht, bewegte sich der Vordertheil des Schiffes wenige Linien seitwärts, dann aber lag er wieder wie angtfesselt.

Die Insel war indessen wieder weiter aus dem Ge­sichtskreis der entsetzten Schiffsmannschaft gerückt worden. Als die Sonne ihren Kreislauf vollendet hatte, und von dem westlichen Horizont ir die Fluth tauchte, war die Insel verschwunden.