^ Frankfurt, 24. Juli. In der heutigen Sitzung der National - Versammlung wurden wieder neue Beiträge für die Flotte angezeigt: 6525 fl., unter andern auch ein Kästchen mit Ringen, goldnen Spangen und sonftiaen Schmucksachen von Stuttgart. ^u Kiel nt bereits eine Schule für Bildung von «eeo,sij-eren gegründet worden. Reichsminister Schmerling theilt der N.-B. mit, daß ein Waffenstillstand mit Dänemark nicht abgeschlossen worden sei, wohl aber auf den 20. Juli eine Unterredung festgesetzt, in welcher e.n Waffenstillstand unterhandelt werden solle; bis dahm fei nur eine Waffenruhe eingktreten gewesen. General Wrangel habe dem Reichsministerium dies gemeldet und zugleich erklärt, er werde keinen andern Waffenstillstand schließen, als welcher der Ehre Deutschlands angemessen sei. Schmerling erklärt, es sei der feste Wille des Reichsministerinms, wenn ein Waffenstillstand nicht zu Stande käme, dem General Wrangel sofort die nöthigen Truppen zuzusenden, den Krieg mit Dänemark entschieden führen und schnell beenden zu können. Es sei daher Wrangel bereits aufgefordert .worden, dem Reichsministerium Nachricht^ zu geben, welche Heeresmacht er noch nöthig habe. Ferner theilt der Reichsminister mit, . daß an den sardinischen Gesandten eine Note abgegangen sei in Betreff der Blokade Triests. Auf eine frühere Note der Bundesversammlung habe Sardinien erklärt, es werde Triest keineswegs "bloknt und es müsse diese Nachricht auf einem Irrthum beruhen. Allein aus einem, vorige Woche eingelaufenen, Schreiben des Gouverneurs von Triest gehe hervor, daß die Blokade nicht aufgehoben sei. Es würden alle Schiffe, welche ein oder auslaufeu, von der feindlichen Flotte untersucht, ob sie Kriegsbedarf mit sich führten; Nachts dürfe kein Schiff die Blokade- Linie Jassiren und ferner habe der Befehlshaber Albini erklärt, wenn er Lebensmittel bedürfe, werke er landen und so er Wiker stand finde, die Feindseligkeiten sofort wieder eröffnen. Die Dlokade Triests bestehe noch fort. Schmerling bemerkt,' er habe der N.-V. diese Mittheilung gemacht, damit dieselbe sehe, wie die Ckntralgcwalt für die Ehre und Macht Deutschlands stets besorgt sei und sowohl jetzt wie künftig alles auf- bieten werde, sie zu wahren.
Es wird hierauf zur Berathung der Posener Frage geschritten und zuerst die verschiedenen Ant.äge verlesen, theils für Aufnahme Posens in den deutschen Bund, theils dagegen, theils für Ernennung einer eigenen Commission für diese Frage.
Ruge stellt den Antrag, die Posener Abgeordneten zur Verhandlung und Abstimmung nicht zuzulaffen. Lichnowsky und Andere widersetzen sich dem Anträge : denn durch wen könne man denn besser erfahren, ob Posen deutsch oder polnisch sein wolle, als durch seine Abgeordneten. Kerst behauptet, Ruge handle gegen sein Mandat, welches mit seiner Forderung gewiß nicht übereinstimme. Er wird deßwegen vom Präsidenten zurecht gewiesen, weil die Abgeordneten der N.-B. an kein Mandat gebunden, nur ihrem eigenen Gewissen verantwortlich seien. Es wird sodann verlangt, die Posener Abgeordneten zur Verhandlung, aber nicht zur Abstimmung zuzulassen, was dann von der N.-V. beschlossen wird.
Der Berichterstatter, Stenzel, legt den Zerfall Polens dem Adel zur Last. Wie in Deutschland, so habe auch in Polen der Adel stets die Königsmacht zu schwächen gesucht mit als cs ihm gelungen war, verlor der Bauernstand dadurch seinen letzten Schutz. Nie ist.für diese Volksklaffe etwas in Polen geschehen und seit 1601 vis 1768 kein einziges Gesetz zum Schutze der Bauern gegeben worden. (Ein Ruf von der Linken: „und in Deutschland?") Auch die Städte waren gänzlich unterdrückt und als endlich diese von der Leibeigenschaft befreit und ihnen verschiedene Eigenthumsrechte eingeräumt wurden, geschah für den Bauernstand — nichts. Daher sei es gekommen, daß es Po-
I len an einem kräftigen Mittelstände fehle, der allein I die feste Grundlage eines jeden Staates sei.
Bücking spricht für den Ausschußantrag, er hoffe nicht, daß man in der Geschichte nicht von einem schlkswigischen, böhmischen, steperischen oder posenschen Kriege lesen werde (allgem. Beifallklatschen). Der deutsche Theil PosenS Hänge mit einer Liebe an Deutschland, welche nicht auszutilgen sei; er hoffe, die N.-B. werde sie nicht zurückweisen und so auf eine friedliche Weise die Frage lösen; denn die Deutschen in Posen seien fest entschlossen, nie ihre Nationalität aufzugeben und im äußersten Falle zu dem letzten Gesetze der Völker zu greifen — zu den Waffen (Anhaltender Beifall).
Blum spricht gegen Einverleibung Posens und bemerkt: es werden wohl wichtigere Beschlüsse noch in der N.-V. gefaßt werden, als der heutige, aber keiner, der mehr auf Gerechtigkeit Anspruch macht. Er weist hin auf Polen, als einen Schutzwall gegen Rußland, und bittet, bei dem Hervortreten der Schattenseite dieses Volkes, auch zu berücksichtigen, wie zerrissen es seit langer Zeit sei, wie wenig geichehen sei für seine Bildung. Hub wir sollen ein Volk nicht zu hart beurtheilen, an dessen Lastern wir zum Theil selbst Schuld sind (Oh, Oh, von Seiten der Rechten). Tilgen müssen wir die Schuld unserer Vater an Polen, denn ein Volk kann und darf nicht untergehen, wie ein einzelner Mensch. Der alte Gagern, welcher nie auf der linken Seite irgend einer Standeversammlung gesessen, hat schon gesagt, daß es keine Ruhe geben werde, bis die Sünde, welche an Polen begangen worden, gesühnt sei. Bald werden wir vielleicht Gelegenheit haben, mit Ernst unsere Aufmerksamkeit auf ein Volk zu richten, das seit 80 Jahren unterdrückt ist und uns als Beispiel'dienen könnte, der glühendsten, festesten Vaterlandsliebe.
Wenn man auch nicht Rücksicht nimmt auf die unterdrückte Nationalität, oder anst die Schuld, welche zu sühnen ist, so muß man doch nach Prinzipien handeln, und wird die Nationalität vorangestellt und Posen getheilt, so müßte man auch Schleswig zerschneiden und Südiprol und das slavische Oesterreich lostrennen, und müßte die Ostsccprovinzen von Rußland zmückforder» und Elsaß, daö sogar unter einer Republik schmachtet (Heiterkeit). Mit Gewalt kann man Polen nicht übe> zeugen, wenn es Unrecht hat, sondern nur mit Gründen. Die Schicksale der Völker sind nicht auszuhalten, und ist es nöthig, baß Polen die deutschen Theile herausgebe, so trage es sein Schicksal. Mit Ruhe und Tiefe aber muß die Frage behandelt werben und wie Preußen dieselbe zur genauen Erforschung einem Ausschusse übertragen hat, so wollen auch wir das Reichsministerium aufforder», die Sache reiflich zu erwägen und dann erst, nach erstattetem Berichte, zur Entscheidung schreiten (Rauschender Beifall).
Jordan aus Berlin: Man hegt häufig eine durchaus irrige Meinung von Posen und glaubt, der größte Theil sei polnisch; allein dieß ist nicht der Fall, son- cern vielmehr ein großer Theil Posens entschieden deutsch. Die Polen verlangten Anerkennug ihrer Nationalität und die Deutschen glaubten gleiche Berechtigung zu haben. Sollen wir nun die Deutschen als als Ausländer unter polnischer Herrschaft verlassen und sie gänzlich von Deutschland trennen. Wer diese Meinung hat, der ist, ich sage es geradeheraus, ein Volks- Wrätier (Bravo, einige Ohl). Bei der Festung Posen ist allerdings die Scheidelinie der Nationalität verletzt worden, allein diese mit 10 Millionen deutschem Gelde erbaute Festung ist für Deutschland unentbehrlich und eine abgeschlossene Festung ohne Verbindungs- Mittel ist von wenig Werth. Die Sympathie für Polen ist übrigens nicht zu tadeln, denn noch selten hat ein Volk glühendere Vaterlandsliebe gezeigt als Polen, allein aus der Politik muß alle Sentimentalität entfernt werden.
Man sagt Deutschland bedürfe Polens große Schuß-
mauer gegen Rußland; allein es wäre traurig, wenn ein Reich von 45 Mill., ein kräftiges, großes Volk ein anderes zu seinem Schutze nöthig hätte. Nein, eine so schlechte Meinung kann man von Deutschland nicht haben. Und selbst, wenn man Polen freigeben will, so muß man noch fragen, ob es im Stande ist, seine Selbstständigkeit aufrecht zu erhalten. Gewiß ist es noch nicht. Und wenn der mit Rußland unvermeidliche Krieg hereinbricht und uns zur Last fällt, ja, wenn Polen verlangt wir sollen Rußland geradezu den Krieg erklären, so heißt das doch zu viel von uns verlangt. Von andern Seiten droht man mit Frankreich, welches ebenfalls Freigebung Polens verlangt; ein solcher Beweggrund wäre eine Schmach, eine Feigheit.
Und wenn man vom Gesetze und Recht spricht, so ist allerdings Posen durch das Recht der Eroberung deutsch geworden, allein es ist auf friedlichem Wege durch den Pflug erobert worden. Das große, früher wenig bebaute Polen wurde durch eingewanderte vom Abel herbeigerufene Deutsche cultivirt und als diese Pächter durch Fleiß und Ausdauer wohlhabend geworden, durch Vorschüsse, Anleihen an den verschwenderischen Adel endlich selbst in den Besitz des Landes kamen; so ist diese Eroberung eine friedliche gewesen welche durch spätere Politik nur offtciesl bestätigt wurde. . Unwissenheit ist es, wenn man die Theilung Polens eine Schandthat nennt. (Zischen auf den Gallerien, Rufe nach Ruhe, Redefreiheit.) Polen selbst war am meisten Schuld an seinem Untergang und Preußen kann man am allerwenigsten deßwegen anklagen. Preußen hat Polen gebildet, hat es erzogen und wenn man jagt, es habe es auch unterdrückt, so ist es eben nur so unterdrückt worden, wie es in ganz Deutschland der Fall war. In der ganzen Geschichte haben wir kein Beispiel, daß ein Volk untergegangen sei, bat*- nicht schon physisch vorher zerrüttet war.
Ein Jahi hundert deutscher Regierung in Polen hat mehr gewirkt, als ein Jahrtausend polnischer Herrschaft hatte wirken können. Den Polen fehlt die Ausdauer, die Zähigkeit des deutschen Charakters und obgleich ihnen Talente nicht abzusprechen sind, so kann es uns doch nicht Wunder nehmen, daß das meiste Grunbeigenthuul in die Hände der Deutschen übergegangen ist. Wenn man sagt Polen sei unterdrückt worden, so ist das nicht wahr. Der Adel und die Geistlichkeit, welche das Volk aussaugten und wie Sklaven beherrschten, sind gedemüthigt und beschränkt worden. Von ihnen rühren die letzteren Aufstände, denn die Bauern befinden sich unter deutscher Herrschaft weiter besser, als unter polnischer. Von der Geistlichkeit wurden die Bauern aufgehetzt und ihnen gesagt, ihre Religion werde ihnen genommen und sie selbst protestantisch gemacht. Lange blieb dies Beginnen ohne Erfolg, allein es ist bekannt, wie sehr ein unge- bilvetes Volk durch vermeintliche Angriffe anf fem^ Religion fanatisirt werden kann und wie oft schon die " Religion nur ein Werkzeug in den Händen der Pfaffen war. So auch in Polen und es ging so weit, daß polnisch und katholisch für gleich bedeutend gilt. Daher kam es, daß die Begeistrung der Sensemänner keine nationale war, sondern eine religiöse, nicht eine polnische Fahne trug man dem Herre vor, sondern ein Kruzifix: Und seitdem diese Männer von ihrem Irrthum zurückgekommen sind, muß die Regierung alles aufwenden einen Aufstand der Bauern gegen den Adel und neue galizische Scenen zu verhüten. Und soll man auf die Frage antworten, woher es käme, daß die polnische Presse plötzlich so blühende Reden über Freiheit halte und die Literatur eine ganz andere geworden ist. (Ruse, ja, ja). Nun denn, es wird nicht so schwer sein, französische Phrasen in das Polnische zu übersetzen. (Allgemeine Heiterkeit und Beifallsklatschen.)
Jordan schließt unter großem Beifall mit den Worten: Freiheit für Alle; aber des Vaterlandes Wohlfahrt und Macht über Allen.
wird, die ihre Königin zu verderben trachtet. Fluch dieser Hexe, denn sie hat unsern Capitain aus einem braven Seemann zu einem trübseligen Schäfer gemacht, der Verse girrt und seine Augen mit Thränen netzt!"
^er Tag war unterdessen längst hinabgesuuken in die Fluch, und einzelne Sterne blitzten mit südlichem Feuer an der tiefblauen Himmelsdecke. Der Mond tauchte aus den Wellen aus, und hüllte das Meer in einen feenartigen Lichtmantel. Die Wunder des Oceans tauchten auf und verliehen dem Ganzen einen mârchenhafctn Charakter. Strahlend in den sieben Farben des Regenbogens schwamm eine ganze Flotte kleiner Meerthicre, wunderlich anzu- schauen an Gestalt und Bewegung, geschaukelt von der Diehnung des Meeres und sich badend im Mondculicht; jetzt rannten sie gegen den Rumpf eines Hai's, der sich schlafend auf dem Wasser dehnte, und sanken lautlos in die Tiefe hinab; plötzlich erschien ein großer Theil des Meeres mit Schlingpflanze des Crokus bedeckt; in diesem schwimmenden Walde ruhten die trägen Schildkröten und ließen sich forttragen, der unbekannten Ferne zu; an einer andern Seite steuerten zwei gefräßige Delphine mit ihren farbenreichen Flossen durch die Fluth, gleich leidenschaftlich erregten Jägern, und ängstlich vor ihnen her- fliehend, tauchte plötzlich eine Schaar von fliegenden Fischen aus den Wogen auf, die feuchten Schwingen im Strahle des Mondes spiegelnd; am äußersten Horizont erhoben sich einzelne Welten, sie brachen mit dumpfen Geräusch ans einander und besäeten das flache Meer mit Milicncn
blitzender Sterne, die in dem Moment des Entstehens auch wieder vergingen.
Das Auge des .Steuermanns weilte mit finsterm Blicke auf alle diese Erscheinungen des Tropenmceres, deren jede einzelne den Stoff zu einem übersinnlichen Märchen bietet; sein Verstand wollte diese Wunder hin- wegläugnen, aber seine Phantasie flammte mächtig empor; sie nahm die Klarheit seines Geistes gefangen, und zeigte ihm die seltsamen Erscheinungen der Geisterwelt in allen ihren phantastischen Windungen.
Da fuhr er plötzlich zusammen, als hätte ein Blitzstrahl, der auS heiterer Höhe herabfährt, ihn versengend berührt; die Augen drängten sich fast ans ihren Höhlen und stierten in die Zaubcrnacht hinein. In weiter Ferne sah er, wie sich eine bläuliche Masse aus dem Meere erhob, und sich im Mondenlicht badete; sie stieg immer höher und gränzte scharf gegen den klaren durchsichtigen Himmel ab. In demselben Augenblick, da diese neue Erscheinung ten einzigen wachen Mann am Bord des Schiffs mit tausend Aeugsten erfüllte, flog ein seliges Lächeln über das Gesicht des Capitains, und seine Arme breiteten sich weit aus; aber seine Auge» blieben geschlossen; nur lm Traume hatte er sein Weib, feine Elisa wieder gefunden.
Kein Lüftchen kräuselte die weite Fläche' deS Meeres, keinen Zoll weit bewegte sich das Schiff, das wie angefesselt auf der Fluth lag, und dennoch näherte sich das
selbe mehr und mehr der Insel, die immer dnkl!!!N't^I aus der Nacht hervortrat.
Plötzlich vernahm man ein lautes Krachen, als ob die Brigantine mit furchtbarer Eile auf den Strand jage; sie bebte vom Kiel bis zum höchsten Trepp. Der Capi- tain erwachte nicht aus seinem tiefen Schlaf, der Steuermann stand, das Auge auf die Insel gerichtet, und war außer Stand sich zu bewegen. Aber die Mannschaft sprang auf und rieb sich schlaftrunken die Augen.
„Was ist das? Sind wir der Küste nahe, und jagen wir unsere Brigantine auf den Strand?" riefen Einzelne aus der Menge.
„Albernes Zeug!" schrie der Bootsmann dazwischen, der sich nicht von seinem Lagerplatz erhoben hatte. „Das Schiff liegt wie angenagett und sucht nach Brise. Ein Lai ist unter den: Schiff weggesteuert mit hat seinen Kopf an unsere Seitenplanken gestoßen, das ist Alles!"
Die Matrosen legten sich beruhigt wieder hin, der Steuermann aber, vom Ficberfrost geschüttelt, nicht wagend, das Auge noch einmal auf die Zauberinsel zu rtchten. warf sich neben dem Lager des Capitains auf das Verdeck nieder und schloß die Augen. ,
Aufs Neue flammte der Morgen über das Meer hin, aber ein Schrei des Erstaunens begrüßte ihn aus allen Theilen des Schiffes.
(Fortsetzung folgt.)