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Dreiheit und Neeht!"

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Wiesbaden. Donnerstag, 27. Juli

LGL8.

erscheint in einem Bogen. - Bestellungen darauf behebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; ^ - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr., halbjährig 3 ff. 30 fr.; auswärts durch auihvarta b^ 7 fb% Nassau, deS Groöh rzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz die Post bezogen innerhalb des übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke S ff. -

Hanau ^^'^ bereitwillig ausgenommen. - Die Jnserations-iÄebührcn betragen für die vicrspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Der Nassauische Zuschauer und die Turner.

v Limburq, 20. Juli. ES ist eine armselige Ge­säte wenn eine ZeitungSredaction kurz nach derEnt- W des Blattes schon um den Stoff sich Kummer machen und in Folge dessen zu unsautern Mlttch, ihre Zuflucht nehmen muß. Lag dieser Fall schon in Nro. 1. des Nassauischen Zuschauers mit der Dillenburger Em- aabe über das Zehntgesetz vor und erweck,e die viel­leicht aut gemeinte, aber jedenfalls höchst unbesonnene Einladung des Capitalschuldners aus Hadamar in Nro 7 vielfache Un ufrirdenheit, so nöthigt uns die heutige Nro. 17. zu einer Erklärung, die sich die Re­daction für die Zukunft zu Herzen nehmen mag. Da­selbst ist nämlich in einem Artikel aus Limburg d. 18. ^uH ein Brief Jahn's an unsere Turngemeinde abge­druckt, mit einer Schlußbemerkung, die eben so bösw-llkg ist als sie die größte Uubrkanntscbatt mit der Sache, um welche es sich handelt, an den Tag legt. Es heißt: der (Turn-) Berein hat. zu dieser Feier (Einweihung der Turnerfahne) auch den alten Turnvater Jahn ge­laden. Dieser hat auf die desfallsige Einladung nach­stehende Zuschrift gesandt: (folgt der Brief wörtlich), am Schlüsse des Artikels stehen die Worte des Corre- spondenten:der alte Turnvater kivpst feinen entar­teten Söhnen wacker die Turnjacke aus; diese soll keine republikanische Toga, der Turnplatz kein cvmmu- nistisches Forum, Ziel und Streben der Turner kein catilinarisches sein, rc." Dafür diene Folgendes zur Berichtigung: Jahns Brief ist keineswegs eine Ant­wort auf die von hier aus ergangene Einladung, denn der Brief ist geschrieben zu einer Zeit, wo die Einla­dung ihren Mann noch nicht erreicht hatte; welcher Umstand aber daS Schreiben Jahns hervorgerufen, das den Hadamarer Redaktoren zu erklären halten wir für überflüisia; eine Antwort auf die Einladung ist bis jetzt (Abends 8 Uhr) noch nicht eingelaufen. Dagegen müs­sen wir den pei fidkn Correspondenten wegen seiner In. discretion ernstlichst zur Rede stellen, Jahns Brief ist an den ersten Sprecher der hiesigen Turngemeinde, C. The walt, abgegeben worden; wenn dieser das merkwürdige Aktenstück einzelnen Gliedern seiner Ge­meinde oder Bekannten zum Lesen übergab, so folgt da­raus noch für keinen die Berechtigung eine B röffeut- lichung vmzunrhmen, bevor die Plenarversamm­lung, ober vielmehr Jahn selbst, darüber entschieden hatte; am allerwenigsten wäre dazu der Nassauische Zu­schauer ausersehen worden; denn was es heißt: Lim­burger Corrlspondent des Nass. Zuschauers zu sein, da­rüber ist bei der Majorität unserer Turngemeinde kein Zweifel. Was den Schluß des'Aitilels, die eigene Bemerkung des Zuschauerzöglings, angeht, so müssen

wir billig erstaunen über die Unkenntnisse und den un­verschämten Schulmeisterton, in Sachen, die in nichts weniger als in den Ressort der Limburg-Hadamarer Geistesh.lken fallen. Der fragliche Brief ist für die Nass. Tm »gemeinden (3 oder 4 ausgenommen) eine Belobung; für die Maulhelden aber, z. B. die Nass. Zuschaue, sippschast, die, wie Essighausmanner in Fraut- furt, in alles heretnrcdet, wovon sie nichts versteht, eine Zurechtweisung. Die Nassauischen Depmüten in Hanau, besonders aber die Vertreter von Limburg und Hada­mar waren, unbeschadet ihrer eignen U beizeugung, der fisten Ansicht, daß die Turngemeinden cm bist.muttes pol.tisch, s G aubensbrkcnntulß nicht au die Spitze stellen büi steil um keinen auszuschließen, der viellelchl anderer Meinung wäre uno auch um der Gefahr einer bittern Täuschung übe, hoben zu sein. Denn wer steht einem dafür, daß man, trotz eines z. B. streng repuvuka- nilchrn Glaubentbekenntnisses, bei Licht besehen, feine Republikaner, wohl aber Herzmarcabrudcrjchast- ler entdecke? Deswegen muß die politische Bildung, die in den Lese- und Redeveriammlungen der Turner erworben wird, diese nach und nach in den Stand setzen, w.il sie auch Staatsbürger sind, ein Glaubensbeteunt- niß aus eigner Urbedeutung sich bilden zu können, wozu bei uns auch der Nass. Zuschauer sein Theil bei­tragen wird, wenn auch nur negativ. Daß aber unsere Mitg'iedrr noch nicht alle auf der Stufe stehen, in politicis sich selbstständig zu entscheiden, davon lonnen sich die Zuschauer von Limburg und Hadamar einen Schuldtheil zumessen; das Havtu wir in Hanau vorge- bracht und das weiß auch der alte Jahn recht gut. Auf ihn brauchen also die Zuschauer nicht zu zah-rn. Es kommt uns überhaupt ganz sonderbar vor, wenn sich unsere Gegner, auf Manner wie John re. berufen, o raß die Leute doch nicht so schwachkopfig waren. Wir weiten, daß mit Ausnahme der Pfarrer; kein Mitglied des Parlaments, sei ist auf der rechten Seite gefunden wird, welches nicht in den Augen unserer H.u er ein radikaler Wühler wäre. Haben wir oben den Jahn- schen Brief eine Anerkennung für uns genannt, so ge­stehen wir damit noch lange nicht dem alten Turnvater das Recht zu über alle Bestrebungen der Gegenwart, welche sich in den Turnvereinen offenbaren, vielleicht im Bewußtsein seiner Bedeutung in den Heldentagen der Freiheitkriege, in höchster Instanz zu entleiben resp, den Stab zu brechen. Jahn hat feine Z it gehabt und er mag wohl mit Verdruß auf eine Jugend herabsehen, die in ihren Plänen viel weiter geht als er es je ver­muthen konnte; dafür leben wir auch im Jahre 1848 und nicht mehr anno 1813 und 14. Das ist, was man historische Berechtigung nennt; seine Bedeutung

für Deutschland bleibt nichts desto weniger ungeschmâler und daraus fließt auch die Nachsicht, die man mit ihm hat, wenn er alle demokratisch - republikanischen Bestre­bungen nur Landläuferu und Landbet.ügern, Rotten- stiftern, Dummhüteii und Dubbern zuschreibt. Gekränkte Eitelkeit, weil er vielleicht selbst füllt, daß es aus ist mit ihm! das sind aber lauter Dinge, bei denen der Zuschauer sich erst gehörig umschauen sollte, bevor er feine Machtsprüche auskramt, wir wenigstens sind Tur, ner seit lange und kannten schon Jahn zu einer Zeit, wo die Redaktoren deS Nass. Zuschauers wohl noch keine Ahnung ihrer künftigen Größe, an die Spitze eines weltheirschknden Blattes zu stehen, haben konnten. Mö­gen die Leute ihr Gewicht einsehen und es nicht leicht­sinnigen, indiskreten Leuten in die Hände geben; die Sache ist bekanntlich schwieriger als eine deutsche Gram­matik nach Jakob Grimm oder französische Lehr­bücher ü la Mayer & Ahn zu fabrikiren.Ueber das Erste selbst drinnachst mehr."

Deutfchlsnd.

]/ Cronberg, 22. Juli. Am 18. d. M. wurde der'.n-Frantfurtrr Eilwagen in dnn Walke zwischen E'ch und Glashütten von vier Wildschützen angegriffen und des Geldes, das aus drei Fäßchen mir 9 bis 10,000 fl. besinne, beraubt. In dem nächsten Busche standen außerdem noch mehrere Räuber, die sammt ich mit Waffen, resp- Flinten vers H. n waren, als Reserve. 2Per dein seitherigen wiwrn Treiben auf den Jag- d'N nur einige Aufmerksamkeit g- li h ii hat, wird schon langst darin die ba di e Folde der Eingriffe in die öff ntll'che Sicherheit ersannt haben. Ein Subsistenz­mittel können die Jagden unter ihrer gegenwärti­gen Beschaffenheit nicht gewähren, daher jene S ub. cte, die ihr früheres Brodgeschaft der Jagd wegen ganz bei Seite gelegt haben, und nunmehr dasselbe auch r icht wieder betreiben^en, weil sie der Arb it n t vöbnt sind, auf das reisende Pubkikum, und da natür ich der Postwagen unter dieser ihrer Wrldgattung am se st sten sein mag, zunächst auf diesen als auch zur hohen I igd gehörig, pürschen werden. Mit dieser Beaebenl elt bestätigt sich aber die Behauptung des nsssau schen Ab- geordiieten, der da sagte, die Jagd verwildere den Men- stet, und wenn ihm ein Colleg erwiederte, daß er schon zwanz-g Jahre jage, aber dadurch noch zu keiner Ge­waltthat veranlaßt wo den sei, so bitte ich, zu bedenken, dass, wie nicht alle Rüdesheimer Ber>weine gleichen Ge­halt haben, ebenso die Menschen auch nicht eine und dieselbe JdkUtitat besitzen.

Die fliehende Insel.

Eine SeeniannSsage von H. Smidt.

(Fortsetzung.)

Die glühende Tochter Mexico'S und die gereifte Jung­frau des paradiesischen Brasiliens thaten Gelübde auf Gelübde, aber keine fand jemals Veranlassung, dasselbe einznlösen. Robert ging kalt und fnbllvs an ihnen vor- ; über, denn Herz und Sinn waren einem Mädchen zu- ! gewendet, das auf einer kleinen Insel, inmitten des OceanS, in dem Hause eines durch sie beglückten Vaters lebte. Mit lautem Jubel halte cr ihr das Geständnis; der Liebe abgerllug.cn , und sie in seine Arme geschlossen als seine Braut. Der Vater gab feine Einwilligung, doch nur unter der einzigen Bedingung, daß Robert nie Die Insel verlassen solle, so lauge er lebe, da er nicht die grast besaß, sich von seinem Kinde oder seiner Hei- math zh trennen. Robert weigerte sich, sein Ehrgeiz strebte mächtig in die Ferne. Der Vater versagte ihm die Tochter, aber er blieb beharrlich in seinem Werben. Die Liebe war willig gegen die Sprache der Verführung, und er entführte Elisa aus dem Hause des Vaters. Als dieser die SUiebt entdeckte, waren die Segel von Roberts ^Bl'igautine kaum ned) am fernsten Horizonte sichtbar. Sein Fluch donnerte den Flüchtigen nach. Lange schwam­

men sie auf der Fluch des Oceans umher, ohne die Küste eines bcfrcunteccn Landes zu erreichen. Zwar hat­ten ihre Herzen, aber nicht der Segen der Kirche sie vereinigt. Robert suchte die Angst der Geliebten hin­wegzuspotten, aber sie brach in Thränen aus und flehte mit ton Tönen der Verzweiflung Mitleid zu haben mit ihrer Qual. Vor ihr erschien in stets drohender Hal­tung die Gestalt ihres Vaters, und nicht eher glaubte sie der Vergebung des Himmels würdig zu sein, bis sie zu seinen Füßen ihre Scinilv gebüßt habe, und von ihm tntsüudigt worden sei. Robert ward von ihren Klagen gerührt, und versprach die Insel aufzufuchen, wo der Vatrr wohne. Ein günstiger Wind, der siw erhob, schien den Moment der Versöhnung beschleunigen zu wollen, und an einem Abend lag die Insel vom Golde der Sonne bestrahlt, vor ihncir. Ein Boot ward bereit gehalten, und Elisa fuhr dem Lande zu, ohne den Geliebten; sic wollte dem Zorn des V.ttcrö zuerst allem begegnen. Kaum hatte ihr Fuß das Land betreten, als die Sonne untertauchte, und tiefe Nacht den weiten Ocean umhüllte. Ein wilder Sturm brach aus, und gebot den Schiffern auf ihrer Huth zu sein; sie sorgten mit Umsicht, und eS gelang ihnen, den mächtig antrângendcn Wellen, die riesengroß emportauchtcn aus der Tiefe, und sich über das Schiff hinstürztru, Trotz zu bieten. Aber was wa­ren die Schrecken der augenlosen Nacht gegen diejenigen, die der junge Morgen der Mannschaft der Brigantine brachte? Rings um ihnen branfete der Ocean in feiner

iv ldesten Aufregung und die Insel war verschwunden. Anfangs hielt man cs für eine Täuschung der Sinne, aber man überzeugte sich nur zu bald von der Wahr- beit; die wilde Fluch hatte nach und nach'die Grund- vefien der Insel untergraben und sie während der Nacht für immer in der Tiefe deS Meeres begraben.

Wie sinnlos raste Robert durch daS Schiff und konnte nur mit der größten Anstrengung von einem Selbst­morde zurückgehalten werden. Er wüthete gegen sich selbst und seine Umgebung, und erst dann war Hoffnung, ihn zu beruhigen, als die Gewalt des Fiebers ihn zu Boden warf und seiner Tobsucht ein Ziel feyce.

Das war die Geschichte des unglücklichen Capitains, der in Träume versunken, sich auf seinem Ruhebette uin- herwarf.

'Ein verdammtes Gespenst hat feiucn Kopf berückt, brummte der alte Steuermann vor siel' hin, bis ganz allein auf dem Verdeck hin und bergmg, denn die Krise hatte ganz aufgehört, die Segel hingen idüair am Mast mit die Pinne des Steuers war am Backbord festgc- bundtn. Die Matrosen lagen schlafend im Schatten der Böte. ,

Ich sage es nochmals, ein verdammtes Gespenst hat ihn bezaubert!" brummte der Alte,und jene Insel, wo er es gefunden, war sein wirkliches Eiland, sondern die irrende Insel, wovon sie in ben Liedern singen, daß sie unflât durch den Ocean irrt, und nur denen sichtbar