sie Prozessionen und Wallfahrten und sonstige Feier, bereiten halten, mit allem möglichen Prang und Glanz und wehret ihnen nicht — wenn ihrs nicht grade im Interesse der Sittlichkeit haltet, dagegen einzu schreiten. Glaubt mir, sie werden dadurch der guten Sache weit mehr nfig.cn als schaden. .
Erfreulich ist es, daß der Verfassungsausichuß der der Reichsversammlung in seinem Entwurf der Grundrechte des deutschen Volks in den die Gewissens- und GlaubenSfneiheit betreffenden §§. dieselben Ansichten ausspricht wie die eben dargelegten. Wenn er sich auch meistens nur in sehr allgemeinen Ausdrücken bewegt, so spricht er sich doch im §. 16 ganz deutlich über die Annahme der Civilehe auS, und wenn auch die Reichs- Versammlung nicht den ganzen Entwurf annehmen wird, so glaube ich doch fest, daß sie in diesen Punkten der von dem Ausschuß dabei bekundeten freisinnigen Richtung folgen wird und sie mit den nöthigen Vervoll- ständigungen genehmigt. —
Was unser nassauischer Landtag in dieser Beziehung thun wird, davon habe ich noch keine Ahnung, indeß ist es gewiS der Wunsch aller Gutgesinnten, daß auch erhierbeiten allerfreisinnigsten Weg wandeln möge.
(Den Vorschlag der unbedingten Uebcrtragnng bei Kirchen- vermègenS an die Gemeinden können wir nicht billigen, wollten aber dieses einen Punktes wegen nicht beu ganzes Aufsatz zurücklegen. D. Red.)
Deutschland.
Usingen, im Juli. Das^von dem Commissär H. Landcs-Regnrung, Hr. Assessor Hendel, mit den Baffenheimischen Gemeinden getroffene vorläufige Abkommen hat biS jetzt die Genehmigung des Standcs- Herrn nicht erhalten. Drese Zögerung hat die längst geahnten und vorhergesagten Folgen, einen furchtbaren Zustand der Rechtlosigkeit und Unordnung, den Anfang des Faustt echts und der Anarchie, wirklich herbeigeführt. Seit 4 Tagen sind fast alle Einwohner der Gemeinde Schmitton beschäftigt, die Gräflichen Waldungen umzu- hauen, an sedem Tage wurden durchschnittlich vierhundert der schönsten Eichen gefällt und fortgebracht, und noch immer dauert das Berhcernngswerk. Diese That wird unfehlbar die fürchterlichsten Folgen für die Gemeinde Schmitten haben, denn cs ist gewiß, daß die Staatsgewalt, wie sie nicht anders kann und darf, die strengsten Maßregeln zur Unterdrückung dieses Zustandes anwendet. Dieses Ziel wird auch sicher erreicht werden, aber wie sich hernach alles wieder zum Guten wenden soll, wissen die Götter.
Ich bemühe mich bei dieser Gelegenheit so einfach und theünahmlos zu schreiben, wie es möglich ist. Denn wir bleibt nunmehr der in der heutigen Nummer der „freien Zeitung" abgedruckte Schmähbrief „an den Redacteur des Bolksfreundes" zu beantworten. Dieses Machwerk, ohne Zweifel von dem Gräflich Baffenhei- mifchen Rentmeister zu Eransberg, hat das Viperngist seiner verletzenden Ausdrücke nicht umsonst gebraucht, nicht eine Secunde stehe ich an meinen Namen zu neunen. Die in Mo. 94 des „ Lolkefreundes" und Nro. 127 (oder 126?) der freien Zeitung gedruckte Correspoadinz aas Usingen vom 26. Juni d. I., an- fangend mit den Worten: „An die früheren Mitthei- lun ea :c.", ist ein Auszug aus einem in höchster Eile entworfenen Privatbncfe von mir an den damaligen Redacteur des „Bolksfreundes", welcher mich um de- taillirte Mittheilungen über den Stand der fraglichen Angcikgcnhcit dringend ersucht hatte. Mich darauf beschränkend, einfach die bisherigen Vorgänge zu erzählen, überließ ich es Herrn E., hiernach eine Notiz im Volksfreunde zu machen oder auch einen Theil des Schreibens nach vorgängiger b-sserer Redaction zu veröffentlichen, denn die Fassung derselben bedurfte zu diesem Zwecke allerdings einer Abänderung die aber so viel ich sehe, nicht vorgenommen worden ist.
Ucbrigens kann ich mich hinsichtlich des von I. M. Sch. ausgehenden Schrerbe.- s einfach erklären, der Verfasser desselben hat sich selbst gerichtet, und ich will mich
nicht so entwürdigen, ähnliche niedrige Schmähworte zu gebrauchen, wie sie trotz des pathetischen Aufschwungs in gesperrter Schrift, in jenem Briefe vorkommen. Wessen man eigentlich beschuldigt wird, bleibt mir ein Räthsel. Soll etwa die Ankündigung, „daß die Lüge von langer Zeit an den Weltpranger kommen werde", bedeuten, daß mein Brief eine Unwahrheit enthielte? Aber man möge sich hüten, denn was ich erzählte ist Zehntauscn- den bekannt, und wer mich einen Lügner nennt, drückt sich das Brandmal des BerläumdcrS auf. Der Graf von Baffenheim ist von mir nirgends angegriffen worden, und cs sollte mich unendlich freuen, wenn dieser Herr — besonders hinsichtlich seines Verhaltens in der Sache mit den 7 unglücklichen Gemeinden — als Musterbild für „ganz Europa" hingestellt werden könnte.
C. Wirth.
Worms, 20. Juli. Auch hier hat sich vor einigen Wochen ein Bürgerverein gebildet, welcher jeden Montag Abend zur Besprechung politischer und socialer Tagesfragen sich versammelt. Dieser neugegründete Verein, welcher die Entwickelung der Freiheit auf dem Wege der Ordnung und des Gesetzes erstrebt und ebenso entschieden der Reaction, als dem unvernünftigen Sich- übcrstârzen entgegcntritt, findet bei dem gesunden Kerne der hiesigen Bürgerschaft eine rege Theilnahme. Die Grundsätze des Vereins sind in den ersten 4 Paragraphen ter Statuten ausgesprochen und lauten: „§. 1. Der Verein geht von der Ueberzeugung aus, daß die Souveränetät des Volkes die aU hu^e Quelle und Grundlage des heutigen deutschen Staatsrechtes bilde, und erkennt in dem Parlamente das einzige gesetzliche Organ des gcsammten deut chcn Bolkswillens. §. 2. Der Verein verzichtet damit keineswegs auf das Recht, seine Wünsche und Forderungen dem Parlamente auf geeignete Weise vorzutragen und alle gesetzlichen Mittel anzuwenden, um denselben früher oder später Eingang zu verschaffen, §. 3. Der Verein hat den Zweck, in wöchentlichen Versammlungen seiner Mitglieder die politischen und sozialen Tagesfragen zu besprechen, einen ächt vaterländischen Sinn zn wecken und zu pflegen, die Verschmelzung aller Stände und Berufsklaffen in der großen Idee des freien deutschen Bürgerthums zu verwirklichen und durch fortwährenden Gedankenaustausch diejenige politische Bildung für alle herbeizuführen, ohne weiche heute Niemand mehr seine Bürgerpflichten erfüllen kann. §. 4. Der Verein achtet jede andere politische Meinung, nimmt aber auch für die seinige ein gleiches Recht in Anspruch. Zwischen allen Bürgern ohne Unterschied des Standes, der politischen und religiösen Meinungen will er ein ächt bürgerliches und humanes Verhältniß." Als Organ des Vereins ist die Wormser Zeitung zu betrachten. (F. I.)
Stuttgart, 20. Juli. Mit unserm Gerichtswesen steht es nou) unnur ucht, wie es soll, und wenn auch der frühere freisinnige Abgeordnete Römer jetzt Vorstand des Justizdcpartementö ist, so scheinen die Gerichte die letzte Zeit der Heimlichkeit doch noch dazu an- wenden zu wollen, die ihnen mißfälligen Untersuchungen auf die lange Bank zu schieben, andere höheren Orts gefällige aber so zu betreiben, wie cö eben Gunst bringen kann. Das führt zu dem ernstlichen Wunsche, daß die so nöthige Reorganisation unseres Gerichtswesens baldmöglichst vorgenommen werde, denn der bis jetzt herrschende HtimUchkettSschlendnau hat selbst auf die ihrem Privatcharakter nach besten Beamten seinen unheilvollen Einfluß. Ein Beweis dafür ist die schändliche Geschichte mit dem Rottenburger Ketzergericht, wo ein armer Zimmermaler, Franz Adbcrger, 'auf die unverantwortlichste Weise mißhandelt und aus der Bischofs- stadt vertrieben wurde. Diese Schandthat hat eine Klage bei dem Oderamtsgericht Rottenburg, als der zuständigen Behörde, zur Folge gehabt. Der Oberamts- richter dort ist als ein loyaler, wohlwollender Mann besannt, aber bis heute ist gar nichts in dieser Sache geschehen, ohne Zweifel, wert der Hr. Oberamtsrichter sich entweder scheuen muß, gegen die bisher stets so
sehr geschonten geistlichen Herren und die Ortsbehörden einzuschreiten, oder weil er gar einen gewissen Terrorismus der dortigen fanatisirten Bevölkerung fürchten muß. — Der Beschluß der Nationalversammlung über die Vermehrung der deutschen Heere hat hier einen höchst Übeln Eindruck hervorgebracht und trägt nur wenig zu größerem Eifer solcher Bürgerwehrmänner bei, welche die Volksbewaffnung nur als eine neue, dem Bürger aufgelegte Last betrachten, und deren Zahl ist nicht gering. Diese hatten sich wenigstens mit einer Verminderung der stehenden Heere geschmeichelt, und nun kommt eine Vermehrung, die ihnen nicht einlkuch- tcn will. — So sehr man sich im Interesse der Geschäfte nach Ruhe sehnt, so fängt man immer mehr an ersprieß, lieber Gestaltung der deutschen Verhältnisse auf dem friedlicher Entwickelung zu zweifeln an, und^o wenig auch die Republik im Augenblick offene AnhânAr" hat, eben so sehr wünscht man ziemlich allgemein ein wett entschiedeneres Auftreten des Reichstags, gerade um einen gewaltsamen Umsturz, dem man hier allerdings abhold ist, zu vermeiden. (F. I.)
, = Frankfurt, 22. Juli. Der Präsident verliest knien Protest von Mitgliedern der Linken, dagegen, daß der Präsident die gestern beantragte „namentliche Ab- stününmg" bei dem Martin y'schen Antrag nicht habe vor sich gehen lassen. Der Protest wird zu den Akten gelegt, der Präsident bemerkt aber, daß das Verlangen nach namentlicher Abstimmung zu spät, übrigens nicht von 50 Mitgliedern unterstützt gewesen sei.
Der/Präsident zeigt an, daß von Nürnberg 4096 fl. d-e deussche Flotte eingegangen sind (darunter circa 3000 von Fraucu.) (Bravo.)
Hierauf bittet der Präsident die Nat.-Vers., dieselbe möge in der kommenden Debatte sich der Mäßigung bemühen, welche die Rücksicht gegen das Auslandes heischt, damit nicht durch unvorsichtige Reden der Friede gestört werde. (Beifall.)
An dcr Tagesordnung ist in dec Nat-Vers, heute die Posen'sche Frage, vorher aber noch die Verhandlungen über einen Bericht des völkerrechtlichen Ausschusses (durch Wydenbrugk) der Nat.-Vers. Über verschiedene Anträge und Petitionen, die auswärtigen Verhältnisse zu Rußland, Frankreich, Nordamerika betr.
Der Ausschuß, ist der Ansicht: 1) daß unsere auswärtige Pölitik die Ehre und das Recht Deutschlands über jede andere Rücksicht setzen werde, ist ein Grundsatz, welcher einer besondern positiven Anerkennung nicht bedarf. Er lebt in dem Herzen des ganzen Volkes, welches sich der Vereinigung in einem Staate erfreut, welches für seine Freiheit und Einheit jegliches Opfer- auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen bereit sein wird.
Der Ausschuß glaubt aber hervorheben zu müssen, daß Deutschland keinen fremden Staat in der selbststän- digen^MvMWUZttn^nnen^ngelegenheltet wie finden, oder je die Hand zu einem Kampfe verschiedener Staaten um politische Prinzipien die Hand bieten wird. In der folgerichtigen und thatkräftigen Durchführung dieser Grundsätze, welche alle gesitteten Völker zu den ihrigen gemacht haben oder machen werden, liegt die Bürgschaft, daß die in der Geschichte fast beispiellos dastehende Bewegung, welche den Welttheil ergriffen, nicht zu einem allgemeinen Völkerkampfe auS- arten, daß sie nicht ihre schönsten Errungenschaften selbst zu Grabe tragen werde. Man ist vielmehr zu der Hoffnung berechtigt, daß der Frieden Europa's an den wenigen Punkten, an welchen er gestört ist bald wieder hergestellt scin wird. Der Ausschuß ladet die N.-V. ein, sich mit diesen einfachen obersten Grundsätzen der auswärtigen Politik einverstanden zu erklären.
Ruge und Pie äußerste Linke stellen folgenden Antrag 2
„Da der bewaffnete Friede den Völkern eine unerträgliche Bürde auferlegt, so beantragen die Unterzeichneten einen allge-
Ange nur von blutigen Thränen befeuchtete Schandmäler ! der Menschheit! Denn hier war es, wo der ehrgeizige, üppige Ludwig XIV. Hunderte seiner unglücklichen Mit- \ menschen durch Sonnenhitze, ungesunde Luft und schlechte Lebensmittel umkommen sah; wo er Millionen verschwelt- ; bete, welche er dem armen Frankreich noch erpreßt hatte, um nur leinen Plan durchzufcyen und auf Kosten edler 9)?cin'dienk-bcn Jemen Ehrgeiz zu beschwichtigen ! — lind wie Jener hantelte, so handelten auch seine Nachkommen; darum wird nimmermehr dem schönen Frankreich Glück und Friede erblühen, so lange solche Menschen noch das Land aussaugen können!"
„Wacker und wie ans der Seck gesprochen!" sagte, Ion von ne freundlich auf die Schultern klopfend, der edle Mirabeau, welcher plötzlich hinter ihm stand.— „Aber hier, Freund ist wahrlich nicht ter Ort, unsere Gedanken frei auszusprechen; denn noch treiben die Spione der Tyrannei ihr Unwesen, noch sind die Leltres de cachet in Kraft! Und so lange diese Schandzeichen der Despotie bestehen, können wir uns nicht als freie Männer betrachten I"
Nach diesen Worten bogen sie in eine Haupt-Allee ein und verließen den Garten.
Kaum hatten sie jenen Laubengang verlassen, in welchem sie obiges Gespräch geführt hatten, so theilte sich das Gebüsch und beiaucschlüpfte ein schadenfrohes Lächeln im Gesicht, ein Mann welcher die Arme in Lie Seite
stemmte und mit mit gedämpfter Stimme den bereits aus dem Gesicht Entschwundenen nachdrohete:
„Habe ich dich endlich, Herr Louis Touronne? — Waric Du sollst mir nicht wieder entschlüpfen; Nicht umsonst soll mich Dein Dich warnender Freund Mirabeau an die herrliche Erfindung tev Lettres de cachct erinnert haben! — Im Eisthurm sollst Du es büßen, daß mir Deine spitzigen Worte in der National-Ver- sammlung ein Zittern verursachten! Dort Freulidchen, lerne darüber nachdenken, was ich was ein Jesuit vermag, und was Du ihm mit Deiner sogenannten Frei- hlit entgegensetzen kannst!"
Eine boshafte Lache aufschlagend, verschwand der Sprecher dieser Worte, der niemand Anders, als La Cour war, in einer Scitcn-Allce.—
IV.
Am nächsten Tage herrschte allgemeine Bestürzung in ter Versammlung der Volks-Repräsentanten: der wackere Tourvnnc war spurlos verschwunden! Vergebens sandte Mirabeau nach allen Richtungen Boten aus; vergebens ließ Bailly in allen Winkeln von Versailles Naü'sorschungcn an flehen : er war nirgends zu finden! —
Tod) nirgends war die Trauer um das plötzliche 23er= schwinden ZG u r o une 6 größer, alt in einem freundlichen H^M der Straße St. Augustin. Hier saß betrübt, den niedlichen Surfen fopf in die Hand gestützt, ein junges
Mädchen, das mit wehmüthigem, thränen umflörMt'Dliess das Portrait eines Mannes betrachtete, welches vor ihr lag. Dasselbe führte die Unterschrift:
„Zur Erinnerung meiner Amelie.
Versailles im Juni 1788. Louis Sou von ne."
Vergebens bemühte sich Amelie, der hervorbrechenden Thränen Herrin zu werden; je länger sie das Portrait betrachtete, desto heftiger quollen jene aus den schönen Augen hervor.
„Oèoch immer so traurig mein gutes Äintj" fragte 1 eine schon etwas ältliche eben eintretende Dame. „Härme Dich nicht so ab; Deinen Louis hat jedenfalls ein wichtiges Geschäft plötzlich abberufen, so daß er uns nicht Lebewohl sagen konnte."
„Umsonst versuchst Du, gute Mutter, mir Trost zu verleihen; nicht bedenkend daß Du selbst desselben bedarfst.—Die grauenerrgenten Bilder, welche meine Phantasie durchziehen, vermag niemand Slnders, als er selbst zu bannen."
„Darum laß uns geduldig einige Tage harren; quäle Dich nicht mit »»gegründeten Besorgnissen; vielleicht erhalten wir bald durch Herrn Mirabeau bestimmte Nachrichten.
„Aus der Bastille oder dem Eisthurm drang noch nie die Stimme eines Lebendig-Begrabenen zu seinem Mitmenschen!" —