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âeitzeiL und Recht!"

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Wiesbaden. Montag, 2a. Juli

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Die ^reie 3eituna" erscheint täglich in einem Bogen/ Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und S. W Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 fr., halbjährig 3 fl. 30 fr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesnschen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr , innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke S fl. -

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnseratrons-Gcbühren betragen für die vierspaltige Pctitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Consequenzen des demokratischen Prinzips,

Wer nicht an der Oberfläche der Begebenheiten stehen bleibt, sondern in die Tiefe der Strömung blickt, muß zu der Ueberzeugung gelangen, daß unsere Um­wälzung einen politisch-socialen Charakter habe, und rie demokratischen Wogen schon lange die Dämme, welche ihnen das Mittelalter entgegengesetzt, durchbrochen und sich ein anderes Bett gebahnt haben. Die Privileg, 'rlen Stände, die Trümmer einer traurigen Verkennung der Menschenwürde, sind begraben, wer wollte den körper­losen Hüllen noch eine Realität und Berechtigung im Lichte unserer Zeit zugestehen?

Man ist darüber einig, daß alle Vorrechte abge­schafft werden müssen. Der Ruf, keine feudalen Stände mehr! tönt durch alle gebildeten Länder. Soll aber das Prinzip der Gleichheit eine Wahrheit werden, so müssen alle Ständeunterschiede v rschwinden. Sind aber die Vorrechte vernichtet, so können auch ihre Abzeichen nicht länger bestehen, denn sie sind ohne allen Inhalt, bedeutungslos, ihre Beibehaltung jedoch gefährlich, denn sie bieten den Inhabern einen Vorwand, einen vermein­ten Rechtstitel, um ihre Gelüste für die Wiedererlan­gung der verlorenen Vorrechte wach zu erhalten, sie zu Intriguen anzuspornen. Sie hinterlassen in dem neuen StaatSorganismus einen gefährlichen Stoff zu Reac­tionen, der mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muß; an sich schon znklnstcn sie die Gesellschaft, ver­nichten das erhebende Gefühl der Einigkeit und der Liebe zum Gemeinwesen. Die Demokratie ist von der Gleichheit aller untrennbar, ja sogar ohne sie unmög­lich. Und wozu soll endlich der aller Vorrechte ent­kleidete Tand eines Titels, ein Spielzeug für große Kinder, und waren die Adelsverleihungen stets Beloh­nungen ehrenvoller Auszeichnungen? oder dem Volks­wohle nützliche Handlungen? man denke an die Gräfin LandSfeld und an jene edle Dame, in deren Diplome es hieß:propter nostro corpori paratam delecti- onem, und man wird sich mit dem Verluste dieser Titel trösten und zu eigener Auszeichnung ange- eisert finden, statt fremde Verdienste zu Krücken seiner Eitelkeit zu nützen.

Die Franzosen haben alle Adelstitel abgeschafft, nicht deshalb, weil sie eine republikanische, sondern weil sie eine demokratische Regierungssorin cingeführt. Ve- , nedig und die alten Reichsstädte, haben dargeihan, daß sich der Adel zwar mit einer Republik aber nicht mit der Demokratie vertrage.

Das sind also keine republikanischen Tendenzen, wie ' die Reaktionärs glauben, sondern Folgerungen des de-

mokratischen Prinzips in der Monarchie. Die Besei­tigung der übrigen leeren Titel ist damit verbunden.

(A. Oestr. Z.) Dr. Joh. Swoboda.

Deutschland.

Wiesbaden, 22. Juli. Wir haben gestern über die Reorganisation unserer Bürgerwehr berichtet und von dem Geiste, der in der zu diesem Behufe nieder- gesetzten Commission sich geltend macht. Wir kommen nochmals darauf zurück.

Was zuvörderst die Commission selbst anlanat, so müssen wir sie von vornherein für eine ungesetzliche halten, da sie nicht etwa auS einer freien Wahl der Bürger hervorgegangen ist, sondern sich ganz gegen alle Vorschrift und Gesetz eigenmächtig aufgeworfen hat. Der Stadtvorstand hat nämlich nach Gutdünken aus jeder Compagnie einige Personen ausgewählt, und im Vereine mit diesen über die Würdigkeit oder Unwür- digkeit der einzelnen Wehrmänner in geheimer Sitzung entschieden.

Wenn auf unseren Vorhalt von Mitgliedern der Commission behauptet wuide: cS sei keineswegs die Ge­sinnung der Wehrmänner in Betracht gezogen worden, so können wir dies wenigstens mit einzelnen Thatsachen widerlegen. Als nämlich der Regierungs-Revisor We­ckert (auch ein Mitglied der Commsifion und ein Mann, der schon 1830 sich auf eine gewisse Weise sehr dienst­fertig crwiesrn) von einigen Personen darüber zur Rede gestellt wurde, wie man den Buchhändler. Fischer we­gen Kurzsichtigkeit aus der Bürgerwehr habe ansstoßen können, da dies doch gar kein Grund sei, so hat der­selbe geradezu gesagt: die Kurzsichtigkeit sei auch gar nicht der eigentliche Grund gewesen. Die Ursache der Ausstoßung sei die, daß er Mitglied des demokratischen Vereins sei. Nun muß hierbei noch bemerkt werden, daß der demokratische Verein erst proj-ctirt und noch nicht einmal ins Leben getreten.

Zur weiteren Charakterisirung des Geistes, der in der Commission sich geltend machte, führen wir an, daß ein Mitglied, welches heftig über alle freisinnigen Bestrebungen sich ausiieß, auf die Einrede, ob er dann noch hinter den 4. März zurückgehen wolle, ciwicdeKe: Denken kann Jeter, was er will, aber aussprechen darf er es nicht.

Was den Geist im Allgemeinen anlangt, der sich im jetzigen Augenblicke bei der hiesigen Bevölkerung kund gibt, so bietet sich uns in dieser Beziehung ein keineswegs erhebendes Bild Mr. Leute die vor w nig Tagen als kühne Helden des bcu. mischen Pnnzipö

auftraten, und das Wort Volkssouveränetät fortwäh­rend im Mund führten, sind plötzlich kleinlaut und ser­vil geworden, und Andere, die nicht wagten, ein Wort zu reden, und mit ängstlichen, demüthigen Gesichtern einherschlichen, heben ihr Haupt stolz empor und schrei­ten mit eckelhafter Arroganz und Unverschämtheit einher.

Das Spionieren und Denuncieren soll so sehr über­hand genommen haben, und namentlich von vielen Bür­gern in so eifriger Weise betrieben werden, daß selbst die Beamten ihre Entrüstung darüber nicht unterdrücken sonnen.

T Aus der Provinz. Ich muß nochmals wegen der Wiesbadener Ereignisse die Feder ergreifen, und ge­rade jetzt halte ich es doppelt für meine Pflicht, wo eS wie cs scheint, gefährlich wird, der Regierung die Wahr­heit zu sagen. Vorerst will ich einen Vergleich zwi­schen den Vorfällen in Diez und Wiesbaden ziehen; hier wie dort sind von einem Haufen Trunkener unge­setzliche Handlungen begangen worden. Hier wie dort hat sich ein Theil der Bürgerwehr lässig gezeigt und ih en Obern den Gehorsam verweigert; hier wie dort hat sich die Wehrmaunschaft Gefangene auf dem Trans­port entreißen lassen; hier wie dort hat sie die gewalt­same Befreiung aus den Gefängnissen nicht verhindert; in Diez sind sogar noch weit ärgere Ercesse von den Tumultuanten begangen worden , und dennoch ist es Numand eingefallen, die dortige Bürgerwehr zu c.t- waffnen; wohl aus dem einzigen Grund, weil Mrt die Angriffe gegen mißliebige Personen gerichtet waren; allein macht das einen Unterschied in der Strafbarkeit? ist überhaupt ein Grund vorhanden, 1500 Wehrmänner zu entwaffnen, wovon 50 derselben ungesttziiche Hand­lungen begangen haben? Heißt das mcht daS Institut der Wkhrmannschaft mit Fußen treten? Heißt das nicht die ganze Volksbewaffnung mit einem Spielzeug vec> gleichen, das man den Kindern nur so lange gibt, als sie hübsch geschickt und artig sind, und das man ihnen abnimmt, wenn Eins ungezogen wird? Und das thut der Mann, der gerade die erste der 9 Forderungen au 4. März so lebhaft vertreten hat? Oder hat er sich vielleicht, seitdem er selbst den höchsten Rang einnimi-- überzeugt, daß das Volk noch nicht reif sei für d Freiheit? Nein, man muß erröthen über solche Mau regeln, die der Ausfluß derselben Schwache sind, welche sich früher durch Zusehen und Nichtsthun kundg-gebern Man maß noch mehr erröthen über eine Kamner, k s einen fast einstmimigen Dank votiern kann für Stettin 5 des Vaterlandes aus der Gefahr, die ihm aus de dem Tnmultuiren von einigen Betrunkenen hatte er­wachsen können! Fast ist es traurig, Nassauer za j sein, und eS ist Pfl cht sämmtlicher Wehrman er

Louis Touronne.

Novelle ans den Zeiten der ersten französischen Revolution.

Lon Hermann Schulze.

(Fortsetzung.)

Warte, heuchlerischer Schurke, für diese Worte sollst du büßen!" sprach in halblautem Tone ein junger Mann, der schon seit ci tut halben Stunde im Vorzimmer auf Audienz harrte und die letzten Worte jenes feilen Volks- 1 verräthers gehört hatte.

Louis Touronne, dies war der Name deS jungen . i Mannes, mochte ungefähr 24 Jahre zählen; er bcklci- , bete ein Amt bei der Steuereinnahme in demselben Orte in der Dauphine, in welchem jener La Cour war; er kannte diese Wucherscele, er wußte die schändlichen In­triguen, welche derselbe gespielt hatte, um in die Natio- nal-Versammlung zu kommen, um sich durch seine Für- jprawc für das aristokratische Element, sowie, durch sein jesuitisches Benehmen in die Gunst des Königs zu setzen, und dadurch zu einer Leibrente zu gelangen hoffte. Tou- ronue war gleichfalls Abgeordneter der Dauphine, und er war eben im Begriff, kein Könige in jener Audienz tue Augen zu öffnen, ihm die entsetzlich bedrückte Lage : bev französischen Volkes zu schildern, und hoffte durch | tie Aufklärung über die wahren Verhältnisse ciucm lln= ßfücf vmzubcngcn, welches seiner Seele nur zu deutlich ! oorfchwebic.

Allein aus der Audienz ward nichts, denn als eine Stunde später La Cour den König verließ, schützte der Letztere Ermüdung vor, und verlor dadurch den Rath eines Freundes, der ihm von großem Nutzen hätte wer­den können.

II.

Ganz Frankreich schwebte in J-bel, als die Nachricht von Ort zu Ort flog, daß der wackere Sieyes es durchgesetzt habe, daß, trotz aller Machinationen des Adels und der Geistlichkeit 1) die Volksvertreter durch eigne Willenserklärung die N a t i 0 n a l - V e r sa m m l u n g bildeten, und 2/ bie Arbeiten zur Wiedergeburt des Staates sogleich beginnen würden.

Jedoch der Adel, sowie die höhere Geistlichkeit be­stürmten den König so lange, mit Bitten, Vorwürfen und versteckten Drohungen bis derselbe endlich nachgab und den Befehl gab, die National-Versammlung zu schlie­ßen. Allein die Vertreter der Nation hatten einen hei­ligen Eid geschworen, nicht eher zu Pasten, als bis Frankreich eine neue Verfassung habe. Sie versammelten sich in den, Ballhaus der Prinzen und endlich, auch hier vertrieben, in der Kirche des hl. Ludwig wo sich ihnen die Mehrzaltl der Geistlichen anschloß. -

öK'f und Adel, so wie die ganze hcrrschsüchtige Ari­stokratie bebten vor Zorn. Der König, welcher den bösen Einflüsterungen dieser Parui Gehör schenkte, hielt am 23- Juni den Laubständen eine Strafrede, in welcher er

ihnen androhte, wenn sie sich seinem Willen nicht fr. würden und nicht in drei Kammern (nach Stände ) abstimmten, so sei die Versammlung aufgelöst und e Erzielung der Volkswohlfahrt ruhe allein auf den L . liehen Schultern.

Der ganze Adel, sowie Viele der hohen Geistlichkeit ^ ließen hierauf den Saal. Auf das Tiefste in ihren Reck' teil gekränkt und mit einer Entrüstung, die sich lu iu beschreiben läßt, saßen aber die Repräsentanten des n ae nannten dritten Standes (des eigentlichen Kerns Volkes) schweigend da.

Als endlich, um das Maaß voll zu machen, König sogar einen Schergen, seinen Obereeitmon e . nie: sandte und an seinen Befehl e^micru ließ, da kom:. sich der edle Mirabcau nicht länger mäßigen und entrüstet rief er dem Abgesandten zu:

Ge h' , sage Deinem Herrn, das; wir 'Abgeordneten der Nativ-n siub, welche nur . ia Gewalt der Bajonette vertreiben kann:"

Mit lautem Beifall begrüßte damals die französische Bcvölkerimg tiefe wenigen Worte, durch welche das Ge bände hundertjähriger Tyrannei zusammenstürzte. Es war ein Moment, wie ihn später unser Schiller vc,cheub

3a, eine Grenze hat Tyranuenmacht.

Wenn der Gedrüctie nirgends Recht taun finden, Wenn unerträglich wird die Last kann greift er Hinauf getrosten Muthes in den Himmel sind holt herunter seine ew'gen Rechte, Die droben hangen unveräußerlich