Einzelbild herunterladen
 

lautet: §. 4. Die Strafe des bürgerlichen Todes soll nicht statt finden.

Ein Antrag Lettel'S, der Abkürzung der Verhand­lungen, Verminderung der Anträge - Wuth, vonSteg- reifrittern, die keiner Partei angehören" (wie Bieder­mann sich auSdrückte) bezweckt, führt nach einigen Dis­kussionen zu keinem Resultate. Sodann wurde nach eini­gen Kathederreden die Sitzung geschlossen.

Bon der Niederelbe, 16. Jul. Die provisorische Regierung hat vorgestern eine Aufforderung an die zur Zeit sich außerhalb des Landes aufhaltenden bisher von der Militärpflicht befreiten 2025jährigen Holsteiner, sich zu den bevorstehenden Sessionen zu melden, erlassen; sie hatferner unter demselben Datum die Errichtung einer Seeofficierschule in Kiel beschlossen und zu Directioren derselben den Etatsrath Prof. Scherk (einen geborenen Posener, Prof, der Mathematik in Kiel), den Prof. Christiansen zu Kiel und den Capitän Donner von der Kriegsmarine ernannt; sie hat endlich eine Reihe von Ernennungen und Beförderungen im medicinischen Administrationsfache vorgenommen.

Sondershausen, 9 Juli. Der Landtag wird in der Kürze zusammenberufen werden um über ein neues Wahlgesetz zu berathen. Die finanzielle Zerrüttung des Landes, welche durch die willkürliche Verwaltung der Finanzen hervorgerufen worden ist, verlangt dringend Abhülfe. (W-Z.)

Wien, 14. Juli. Die fortwährenden Auf­reizungen der radikalen Presse, und besonders der Straßen­literatur, gegen das Militär und dessen geheime Reac- tionSabfichten haben in allen Klassen des Volkes eine sehr bedrohliche Aufregung hervorgerufen. Streifpa- rrouillen werden auf das platte Land entsendet, um daS dort einquarticrte Militär zu beobachten, und das Land­volk war darauf vorbereitet, auf den ersten Wink in die Stadt zu ziehen, um die bedrohte Freiheit zu schützen, und zahlreiche Volkshaufen vom Stephansplatze beob­achteten die ganze Nacht hindurch die Thürmerswoh- nung, von der das Signal zum LoSbruch der Truppen erfolgen sollte. Die Nationalgaide verlangte und er­hielt scharfe Patronen und für das Geschütz wurden 360 Kugelpatronen und 360 Kartätschenbüchsen aus dem Pulvermagazin auf der Türkenschanze abgefaßt. Eine Commission der Nationalgarde durchsuchte die L k. Stal­lungen am Glacis und das k. k. Lustschloß Belvedere, welche das Gerücht als die beiden Orte bezeichnete, von denen aus die Stadt bombardirt werden sollte, und wo sich bereits Wurfgeschütz und Munition in Menge be­finden sollten; doch ward nirgends etwas vorgefunden. Die Aula war von Tausenden belagert, die Alle gegen die Truppen Verwünschungen ausstießen, und im Sicher­heitsausschuß war bereits davon die Rede, die Batte­rien der Nationalgarde auf den Linienwällen aufzu. stellen, um den Zuzug frischer Truppen zu verhindern. Hierzu gesellte sich noch eine Herausforderung, die der Kürassieroberlieutenant Graf Beaumont an einen Bür- ger-Cavalleristen erließ, der eine Unhöflichkeit des ge­nannten Offiziers in einem Journal gerügt hatte-, und um der Verwickelung die Krone aufzusetzen, entspann sich zwischen dm Obercomandanten Oberst Panasch und der Militärbehörde gleichzeitig ein ärgerlicher Zwist we­gen der Aeußerung des Ersteren, daß daS sogenannte Kanynenkreuz, jenes Zeichen, das alle Theilnehmer an dem Freiheitskriege von 1813 in der österreichischen Armee erhielten, kein Ehrenzeichen sei.

Nachdem die Volksleidenschaft bereits auf's Höchste gestiegen war und sich schon der Ruf nach Entfernung der Garnison vernehmen ließ, ja ein blutiger Zusaui- menstoß unvermeidlich schien, reichte der Kriegsminister rasch die Hand zur Verständigung. Der Zwist mit Pannasch wurde ausgeglichen, die Duell-Angelegenheit geschlichtet, eine Untersuchung über die galizische Mili­tär-Adresse zugesagt und um jeden Argwohn zu bannen, von Seite des Offizier-CorpS an die ge- sammte Nationalgarde die Einladung erlassen, heute Morgens unter Vorantritt einiger Musikbanden, Arm in Arm die Stadt zu durchziehen und der ge- sammten Bevölkerung das Schauspiel inniger Ver­brüderung zu geben, ein Vorhaben, das indeß we­nigstens für heute durch einen starken Gewitterregen vereitelt ward. Dagegen begehrt das Offizier -CoipS, daß man endlich gegen die schlechte Presse mit Energie einschreite und nicht täglich der Wehrstand mit Koth beworfen werde, was nothwendig Spannung erzeugen müsse; die Offiziere weisen mit Verachtung die Zu- muthung zurück, als wären sie Werkzeuge der Reaction, auch sie wollen die Freiheit, d. h. die Freiheit, wie sie aus dem Schooße des gesetzgebenden Körpers hervor- geht und nicht, wie sie die Straßenemeute improvisirt. Der Reichstag ist übrigens demokratischer gesinnt, als Manche hofften, und hat dies jüngst in der Vorbera- thung über eine an Se. Maj. den Kaiser zu richtende Adresse bewiesen, in der er gebeten ward, den Reichs­tag in Person zu eröffnen. Die Majorität strich das Wortgebeten" und setzte dafür:eingeladen!"

(Bresl. Z.)

Donau-Fürstenthümer.

Die letzten Nachrichten aus Jassy vom 3. Juli mel- ken Gesundheitszustand nichts Günstigeres. Las Verhältniß der Gestorbenen zu den Befallenen be­trug daselbst 1 zu 4 Besonders wüthete die Krankheit n Volksklaffen. Gestern starb der Metro- "nd der Sohn des Residenten der hohen psorte, Tal-at-Effendi, und 176 andere Personen; ge­

gen 20,000 Menschen haben sich aus Furcht vor der Cholera von hier nach den Provinzen geflüchtet. Auch in Bucharest ist der Stand der Gesundheit gleich beun­ruhigend; das Verhältniß der Gestorbenen zu den Be­fallenen war wie 1 zu 3; am 25. Juni starben von 120 Kranken 53. (K. Z.)

Ga liziett

Ans Galizien, 11- Juli. Aus Russisch-Polen kommen täglich junge Leute über die Gränze, die mit Rücklassung ihrer Habe von dort entfliehen, wo auf alle junge Männer ohne Standesunterschied und ohne nachzusehen, ob sie körperlich geeignet, förmlich Jagd gemacht wird, um sie unter das Militär einzureihen. Eine solche Flucht ist mit Lebensgefahr verbunden. Aller Bedrohung, aller Absperrung ungeachtet hat sich die Kunde von den Vorgängen im w-stlichen Europa doch nach Russisch-Polen den Weg gebahnt, und wird um so anziehender und verlockender, als sie sich unter dem Siegel des Geheimnisses von Mund zu Mund durch das Land fortspinnt. Das weiß die russische Regierung auch nur zu wohl, daher fortwährend mo- bile Colonnen umherziehen, um alles in gehöriger Auf­sicht und Furcht zu erhalten. Dadurch hat sich auch der Ruf von der bedeutenden Macht der Russen an der preußischen und österreichischen Gränze und viel ansehnlicheren Truppenanhäufungen in Polen verbreitet, als der Fall ist. Unstreitbar ist es aber, daß sich eine russische Hauptmacht dem Pruth entlang hinzieht. Daß den Soldaten ein Feldzug gegen Westen lockend er­scheint und russischen Offizieren das Auge bei dem Ge- danke» vor Freude glänzt, aus Rußland heraus zu kommen, erklärt sich.

Sie zählen mit dem Uebcrfchreiten der Gränze da­rauf, auch ihr Loos ein minder gedrücktes werden zu sehen. Denn beneidenswerth ist der Stand eines russischen Officiers keineswegs. Ich sah im Pälaste des Fürsten Paskewitsch in Warschau Generäle wie stumme Erzbilder stehen und der Befehle warten; eine feierliche Stille herrschte im ganzen Gebäude, selbst das sonst hergebrachte Klirren der Säbel wurde verhütet. In Krakau ist die Fürstin Czartoryska aus Böhmen angelangt, und man besorgt, es werde das die kaum in etwas beruhigten Gemüther wieder in Aufregung bringen, (D. Ä. Z.)

FraNkre ich.

Paris , 17. Juli. DasBien Public" will wissen, daß Hr. Marie, gegenwärttg Präsident der National- Versammlung, Herrn Bethmont im Justizministerium nachfolgen werde. Der Minister des Innern hat den Präfecten der Departements angezeigt, daß die Wer­bungen für die Pariser Mobitgarde eingestellt seien. Persigny, Laity und andere wegen ihres Treibens zu Gunsten Louis Napoleon's verhaftete Personen sind wegen mangelnder Beweise frcigelassen worden.

Seit 3 Tagen ist bei La Chapelle auf der Höhe der Festungswerke ein zweites Lager errichtet, welches Infanterie, Cavallerie, Artillerie und Genie-Truppen enthält.

Der neulich nebst seinen zwei Nissen verhaftete Escadronschef Constantin hat einen Selbstmordversuch gemacht; es sollen schwere Anklagen gegen ihn vor­liegen. Man versichert, daß die Verurtheilten der ersten Kategorie, welche die mindest Strafbaren umfaßt, nach Constantine tranSportirt werden sollen.

Großbritannien.

London, 14. Juli. (W-Z.) Ueber den Abschluß des Waffenstillstandes zwischen Dänemark und Deutsch­land hat das auswärtige Amt auf eine von Lloyd's ausgehende Anfrage folgendes bekannt gemacht:

Auswärtiges Amt, 12. Juli. Sir, mit Bezugnahme auf ihr Schreiben vom heutigen Datum bin ich von Viscount Palmerston beauftragt worden, Ihnen anzuzeigen , daß der Waffenstillstandsentwurf, welcher zu Malmve von den Bevollmächtigten Däne­marks und des deutschen Bundes vereinbart wvtden war, von der preußischen Regie ung angenommen und von derselben dem General Wrangel der Befehl zuge- schickt worden ist den Waffenstillstand zu unterzeichnen und vorläufig vollständig zur Ausführung zu bringen. Es scheint außerdem Grund zu hoffen, daß diesem Be­fehl, welchen die preußische Regierung als Vertreterin des deutschen Bundes in dieser Angelegenheit erlassen hat, der Bundestag zu Frankfurt die Auerkennug nicht versagen wird. Ich bin u. s. w. Eddisbury. An G. R. Robinson. P. M. Thairmann, Lloyd's."

Die Saison ist jetzt in ihrer Blüthe; ganze Zei­tungsspalten berichten von den DinerS, Ballen und Soireen, die in der vornehmen Welt einander drängen und an denen auch die erlauchten Fremden" Guizot, Metternich und wer sonst einen unfreiwilligen Aufent­halt in London führt fleißigen Antheil nehmen. LouiS Philipp dagegen hält sich mit seiner Familie in anstän­diger Zurückgezogenheit.

Aufforderung.

Wiesbaden, 20. Juli. Bekanntlich haben die Herrn Dr. ZaiS, Malm, Lotkchius u. Krempel das Resultat ihrer Unterhandlung mit dem Minister Hergenhahn in folgendem Maueranschlag öffentlich bekannt gemacht:

Zur Nachricht.

Die Deputation der Offiziere der Bürgerwehr an denkMi- Uister-Präsidenten Hergenhahn hat nach langer Berathung mit ihm folgendes Resultat erlangt.

Die Entwaffnung der 3 ersten Compagnien soll suSpendirt bleiben. Das Bürgerwehr-Gericht, welches bereits zusammen- gerufen ist, wird über die in Frage stehende Sache aburtheilen, und nach den von der Wehrmannschaft selbst bestimmten Ge­setzen, welchen unbedingte Folge zu leisten ist, das Weitere verfügen.

Wiesbaden, dèn 17. Juli 1848.

Dr. ZaiS. Malm. Lotichius. Krempel»

Ministerpräsident Hergenhahn hat bekanntlich in der öffentlichen Sitzung vom 18. l. M. diesen Maueranschlag desavouirt und erklärt, es beruhe der­selbe auf einem Mißverständniß, indem er keineswegs die Entwaffnungsmaßregel suspeudirt, sondern nur er­klärt habe, daß es der Regierung nur angenehm sei, wenn das Disciplinargericht ihre Verfügung noch be­kräftige, und daß er nur unter dieser Bedingung die Sache dem Disciplinargericht überlassen habe. Zwischen dieser Erklärung und der des Maueranschlags ist ein so wesentlicher Unterschied, daß von einem Mißver­ständniß kaum die Rede sein kann.

Wir fordern deßhalb die vier genannten Bürger- wehrofficiere auf, sich wegen des nach der Darstellung des Ministers Hergen Hahn ganz falschen Mauer- anschlags zu rechtfertigen.

Viele Bürger»

Erklärung.

In Nr. 121 der Nassauischen Zeitung vom 20. l. M. ist die Angabe enthalten, daß auf den Antrag des Abgeordneten Leisler, die Kammer möge durch Auf- stehen ihre dankbare Anerkennung der von der Regie­rung zur Widerherstellung der Nnhc ergriffenen Maß­regeln zu erkennen geben, 37 Mitglieder diesem Antrag b^igestimmt, und 3 Mitglieder, nämlich die Herren Lang, Hehner, und Müller II. gegen denselben gestimmt hätten.

Diese Angabe beruht auf einem Irrthum, dc: be­richtigt werden muß. Es waren nämlich zuvörderst gar keine 40 Mitglieder in der Kammer anwesend, indem die Abgeordneten Wirth, Unzicker, Wenkenbach 11, und Hatzfeld fehlten, sodann hatte sich der Unterzeich, nete schon bei dem Beginne der Rede des Abgeord. Leisler an ein Fenster gestellt und wendete der Kammer den Rücken zu, um auf diese Weise den Kelch des Herrn Leisler an sich vorübergehen zu lassen; in dieser Stellung befand sich der Unterzeichnete in dem Augen­blick noch, als Abg. Leiöler unerwarteter Weise seinen Antrag stellte, und daß er seine Meinung darüber nicht durch Nikdersitzen zu erkennen gab, beruhte allein auf dem Umstand, daß an dem Fenster, wo er sich befand, zufällig kein Stuhl war, und er es zur Vermeidung besonderen Aufsehens für unangemessen erachtete, sich auf die Erde zu setzen.

Wenkenbach I.

Entgegnung.

(Von Hofgerichts-Präsidenten Rnht in Dillenburg)

Ich könnte die Würdigung des gegen mich gerich­teten namenlosen Artikelsvon der Lahn in Nr. 96 der Nassauischen allgemeinen Zeitung ebenso beruhigt dem gesunden Takte des Publikums überlassen, wie es mit den von Zeit zu Zeit in der- Freien Zeitung und als Inserat auch in der Nassauischen Zeitung gegen mich erschienenen Artikeln, voll von Uebelwollen aber leer an thatsächlicher Begründung irgend einer Beschuldigung, bisher von mir mit vollkommen recht­fertigendem Erfolg geschehen ist.

Wenn ich von dieser Regel meines Verhaltens, niedrigen Parteiumtrieben gegenüber, jetzt eine Aus­nahme mache, so geschieht nicht um mein dort be­zweifeltes Verhalten hinsichtlich der Domänenangelegen- Heit, wie es in der Ansprache der hiesigen Wahlmänner erwähnt ist, zu bestärken. Der Einsender weiß am besten, daß die einzig zulässige aber auch vollkommen hinreichende Bestätigung die unterbleibende Widerlegung aus ofsiciellen Quellen ist. Ueberdieß darf wohl der bloße Zweifel des Anonymus, welcher freien Zutritt zu diesen Quellen hat, selbst als directe Bestätigung betrachtet werden.

Was mich allein zu der gegenwärtigen Aeußerung bestimmt, ist die mit seltenem Fleiß aus 32 Jahre alten Regierungsacten herausgesuchte, einzige und erste Thatsache, welche bis jetzt zur Unterstützung der vielen leeren Deklamationen über BüreaukratiSmuS und Des­potismus gegen mich vorgebracht wird,daß ich näm­lich im Jahre 1816 als Regierungs-Assessor denun- terthänigsten Antrag" gestellt habe, den DomänensiscuS für die verlorenen Renten, Gefälle und Leistungen nach Analogie der standesherrlichen Kammcrkassen zu ent­schädigen, weil derselbe zu einer solchen EMlchadigung berechtigt sei, und daß ich den Betrag dieser Entlchä- digung auf mehr als 140,000 fl. begutachtet habe. Hieraus soll denn folgen, daß ich bergetragen habe, den Beutel der Staatsbanken (?) auszubeuten, um der Domänenkasse eine Einnahme zuzuwesien, gegen deren Rechtmäßigkeit von jeher die gegründetsten Em. Würfe erhoben worden seien." So sehr ich auch, ent­fernt von jenen Acten, gegen den Einsender im Nach­theil bin, so wird doch schon eine einfache Erinnerung blnreichen, auch diese einzige Frucht seiner mühsame« Arbeit auf ihr Nichts zurückzuführen.

Bei der genauen acteumäßigen Bekanntschaft deS Einsenders mit den Vorgängen bei den Behörden und