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M 1^0, Wiesbaden. Samstag, 22. Juli ISIS«

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Statistische Uebersicht der Parteien in der National-Bersammlung.

Wir haben vor einiger Zeit eine Zahlen-Uebersicht der National-Versammlung je nach den Ständen, aus welchen sie zusammengesetzt ist, gegeben; wir haben da­mals gesehen, daß die bei weitem größere Majorität aus den Klassen der nach dem alten System Bevor­zugten gewählt ist, und daß sie vorzugsweise aus Pro­fessoren, Regierungs-, Hof- und unzähligen andern Ar­ten von Räthen und Beamten, aus Ministern, hohen Militärs und adeligen Grundbesitzern besteht, und daß die unabhängerigen Stände, wie Fabrikanten, Gewerb- treibende, Advokaten, Aerzte, Grundbesitzer rc. nur in kleiner Anzahl vertreten sind.

Sehen wir nun heute einmal, ähnlichen Betrach­tungen derOesterr.Älgem. Zeitung" folgend, in welche Gruppen sich jene Elemente vereinigt haben und wie stark diese sind.

Die Leute des ancien règime,die äußerste Rechte" sind 46 Mitglieder. Beißler, Lassaulr, Radowitz, Vincke gehören zu dieser Partei. Baiern und Tirol sind stark hierin vertreten. Warum sollten auch die Ultramonta­nen sich nicht anschließen? Diese Partei will von der Revolution nichts wissen; für sie gab es keine Revolu­tion. Hr. Radowitz erklärte, er hätte eine Evolution gewünscht, damit der Polizeistaat sich in den Rechtsstaat verwandelt hätte, aber keine Revolution. Ihr Grund­satz istAlles für die Fürsten." Wenn nebenbei fürs Volk auch etwaS auSfäUt, so läßt man es geschehen.

Die zunächst stehende Partei istdie Rechte"; sie zerfällt in mehrere Schattirungen, von welchen einige sich zur äußersten Rechten, andere zum rechten Centrum neigen; ich nannte diese Partei in einem meiner frühe­ren Berichteäußerste Rechte, zuweilen mit dem rechten Centrum stimmend," sie zählt 139 Mitglieder. Sie re- präsentirt den alten KainmerliberaliSmus. Da sitzen alle die Schönredner aus dem weißen Saale: Beckerath, Lichnowsky rc., ferner alle die Professoren, die Folianten vollgeschrieben über die politische Freiheit des Volkes, die die Staatslerica aufgezogen, während jeder Kammer- session einige Dutzend Reden über die Nothwendigkeit der Preßfreiheit gehalten haben, ferner sitzen da die Mo­nopolisten, Aristokraten, Bureaukraten u. s. w., die man früher vor den Märztagen und kurz nach den Märzta­gen auch zu den Liberalen zu zählen pflegte. Sie wollen eine mäßige Freiheit, d. h. die Freihttt als Monopol für die bessern Stände, eine Freiheit, wie sie Louis Philipp eingerichtet hatte.

Diese Doctrinaire, deren Vorbild und Abgott Gui- zot gewesen, sie haben jahrelang gebrütet und sind stets für liberal gehalten worden, und jetzt will man ihnen

den Boden unter den Füßen wegziehen, und die Revo­lution, die sie mit Heraufbeschworen und herbeigewünscht, droht sie zu verschlingen, und hat sie bereits niedcrge- worfen. O undankbares Geschick! hierher gehören Bas­sermann, Beckerath, Dahlmann, Gervinus, Lichnowsky, Welcker, Waitz u. s. w.

An diese Partei schließt sich daS rechte Centrum an, mit 112 Mitgliedern. So wie die früher genannte, und die später aufzuzählenden 2 Parteien, spaltet sich auch diese Partei wieder in Fraktionen nach rechts und links.

In den beiden Centren im rechten wie im linken Centrum, da sitzen die Massen der Halben und Unent­schiedenen. Die im rechten Centrum fürchten sich vor Reaction, sie wollen weiter gehen als die Rechte, aber sie haben keinen Muth, keine Energie, keine Prinzipien, dann sitzen da die Ministercanbidaten und Aspiranten, die wollen sich nicht unmöglich machen.Gehts nicht hier, so gehts drüben." Auch die Professoren, die ra- dicalcu Professoren, die sich noch zu retten hoffen aus der Sünvfluth, haben im Centrum ihren Sitz aufge­schlagen.

Das linke Centrum ist die schwankendste aller Par­teien, es zählt 167 Stimmen. ES spaltet sich in 4 Hauptsractwuen, während zuweilen die eine mit der Linken und auch der äußersten Linken stimmt, stimmt die andexe mit der Rechten und äußersten Rechten. Die Verhältnisse dieser Partei sind die traurigsten, jedes Dutzend möchte für sichPac^» machen." Weder die Linke noch die Rechte kann auf ihre Stimmen zählen. Raveaur ist der Führer der verschiedensten Fractionen des linken Centrums. Er hat einen grossen Einfluß auf die Versammlung, seine Rede ist einfach, aber man sieht, daß die Worte dem Manne vom Herzen kommen; er würde mit seinem Blute einstehen für die Sache der Freiheit, für die Sache Deutschlands. Unglückseliger Weise weiß er seinen Einfluß, seine Stellung nicht zu benützen, statt an Prinzipien festzuhalten, die Rechte zu spalten und an sich zu ziehen und so die Linke zu stär­ken, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den ewigen Vermittler zu spielen zwischen der Rechten und Linken, und ist im Stande, um vermitteln zu können, sich und seine Stellung anfzugeben, und das linke Centrum fliegt bald nach rechts, bald nach links. Darum taugt Raveaur nicht zum Parteiführer, er ist sogar gefährlicher als solche, weil er im Momente der Entscheidung lieber vermittelt als siegt. Die Linke ist die bestorganisirte Partei; die äußerste Linke, oder die radical-demokratische Partei, welche früher nur aus 19 Mitgliedern bestan­den hat, ist nun auf mehr als 40 angewachsen, sie geht in allen Fragen mit der Linken, die 70 Mitglieder zählt,

an welche sich auch 60 Simmen der entschiedensten Frac- tionen des linken Centruins anschließen; so kömmt eS, daß die Linke mit einer Stimmenzahl von 175 bis 200 auftreten kann.

Die Linke hält fest an ihren Grundsätzen, ihr Prin­zip ist die Volkssouverainetât.

Bei der Debatte über die Centralgewalt hätte die Linke ein weit besseres Resultat erzielen können, wenn ihre Führer nicht unzeitig großmüthig oder taktvoller gewesen wären. Die Männer der Linken sind Demo­kraten mit Herz und Kopf, mit Leib und Seele. Die Rechte, die so siegbewußt die Debatte über die Central- Gewalt begann, hatte während derselben eine Stütze nach der andern verloren, und als am Schlüsse der Debatte Gagerneinen kühnen Griff" that, da war sie förmlich aufgerieben und zersplittert; daß die Rechte, die ganze Rechte keine Grundsätze, nicht einmal den Kern eines Principes besitze, das mußte selbst die Ger- vinuS'scheDeutsche Zeitung", das Organ der Rechten, eingestehen. Sie hat auch keine Führer, keine Tactik.

Der Führer der Linken ist Robert Bluir. Bogt, Schaffrath, Wesendonk, WieSner, Jordan, sind ihre besten Redner.

Die äußerste Linke, d. i. die radical-demokratische Partei, hat ihre Grundsätze in dem bekannten Manifeste ausgedrückt. An ihrer Spitze stehen Ruge, Berger, Zitz, Zimmermann aus Stuttgart ist einer ihrer tüch­tigsten Redner.

Wenn man die von uns früher gegebene Uebersicht mit der heutigen zusammenhält, so sieht man, daß die bevorzugten Klassen in der Nationalversammlung die Majorität bilden. Da dieses aber in der Nation der umgekehrte Fall ist, so erklärt sich hieraus die Thatsache leicht, daß die Majorität des Volkes hinter der Lin­ken steht und sich durch die Rechte nicht 'gewahrt findet. Die Lösung dieses Confliktes werden wir in den näch­sten Tagen einer Betrachtung zu Grunde legen.

Nassauischer Landtag.

Sitzung vom 18. Juli.

(Schluß.)

Leisler sagt: wenn es jemals Pflicht eines jeden Mannes war, seine Meinung offen auszusprechen, so ist dies jetzt der Fall. Der Redner nimmt sodann an, daß sich die öffentliche Meinung in unserer StadtM der Art kundgegeben habe, daß kein Zweifel mehr dar. über obwalten könne, daß sie mit der von der Regierung ge. troffenen Maßnahme einverstanden sei und dieselbe voll­kommen billige. Dann verbreitet sich der Redner weitläufig

Die Backwoodsmen Nordamerikas.

(Fortsetzung.)

Die Wirkung bleibt dabei nicht aus, schwache Augen, hohle Zähne und mürbe Knochen sind die natürlichen Folgen, und ich weiß einen Fall, wo ein sonst kräftiger, starker Mann im Boxen seinen Gegner mit der Faust vor die Stirn stieß, und sich selbst den rechten Arm­knochen über dem Handgelenk abbrach.

Der Backwoodsman ist gewöhnlich ein ausgezeich­neter Schütze und führt stets die lange Büchse, weil er, wie er sagt, die kurzen Stutzen nicht ruhig halten kann, setzt die Kugel mit dem abgeschnittenen Theil nach unten auf und wischt den Lauf, wenn ihm irgend die Zeit dazu bleibt, nach jedem Schuß aus. Gewöhnlich ist er anch etwas Büchfenschmied und kann sich sein Feuer- schloß, zu dem er mehr Vertrauen hat, als zu den Percussionsgewehren, wenn nicht eine bedeutende Repa- ' rsttur daran nöthig ist, selbst wieder in Stand setzen, wie er auch so ziemlich in alle übrigen Handwerke hjucin- psuscht. Aber gerade dieses Hineinfindcn in alle Ar- :

, in alle Lebensverhältnisse macht ihn auch allein unabhängig und frei, da er sich das, was er braucht, » * ""schaffen kann. Merkwürdig, und nicht vom ^n lancr übertroffen, ist sein Ortssinn, womit er nicht

^" Scher' besuchte Plätze mitten im dichten Walde niever auffindet, sondern auch, nach der bloßen Be- |

schreibung eines andern meilenweit entfernte Bäche, selbst Bäume und Felsstücke erreicht und erkennt.

Ein Jäger hatte etwa sieben Meilen von dem Platze entfernt, wo wir uns damals aufhielten, im vorher­gehenden Jahr sein Taschenmesser bei einem am Morgen früh verlassenen Lagerplatz liegen gelassen, und bat mei­nen Begleiter, da er hörte wir beabsichtigten in jener Gegend zu jagen, ihm das Messer mitzubringen.

Und wo liegt es?" frug dieser. Die Beschreibung, welche der Jäger gab, war folgende.

Wenn Ihr mit diesem Bach, der hier fließt, hinauf bis zu seinen Quellen geht, so kommt Ihr auf den Bergrücken, der die Wasser unseres Flusses von denen derlest hand fork scheidet dort haltet Ihr euch westlich immer auf dem Gipfel hin, bis zu da, wo Ihr an einen alten Huricane (ein Ort, wo ein früherer Orcan die Bäume niedergerissen hat) kommt; ihr könnt nicht bequem hindurch, wenigstens nicht mit den Pfer­den ; unten also daran hinwegreitend, d. h. südlich da­von, kommt Ihr zu einem Bach, der im Anfang einer südwestlichen Richtung zu folgen scheint, sich aber dann ganz links abwendet, dem folgt Ihr bis zu der Stelle, wo ich am vorigen Jahre den Wald anzündete. Der Bach macht dort um die Spitze eines flachen Hügels eine plötzliche Biegung, und ein paar hundert Schritte weiter hin werdet Ihr schon die Stelle finden, wo wir die Lagerstangen abhiebeu, um die Decken aufzuspannen.

Das Lager selbst war unter einer vom Blitz getroffenen Rotheiche dort muß auch das Messer liegen."

Noch an demselben Abend erreichten wir nach dieser Beschreibung den Platz, welchen mein Jagdgefährte augenblicklich als den bezeichneten erkannte, und fanden das Verlorne.

Der Backwoodsman ist gastfreundlich und nimmt für Nachtherbcrge und Bcwirthung kein Geld, d. h. wenn er nicht an irgend einer belebten Straße wohnt; ist das aber der Fall, und liegt sein Haus z. B. an einem der durch den Staat auögehaucncn Wege, die größere Städte mit einander verbinden, oder gar an derTexaSroad" durch Arkansas, welche fortwährend Auswanderer passiren, dann erwacht der Spcculationö- geist in ihm er schafft einige Fremdenbetten an und läßt sich grwöhnlich einen Dollar für Manu und Pferd bezahlen; doch nimmt er das auch nur von Reisendenz feine Nachbarn sind ihm immer willkommeu. Das Wort Nachbar" wird übrigens, besonders iu Arkausas und Texas, in einer etwas weitläufigen Beziehung gebraucht. Ich erinnere mich, daß sich ein Mann, Namens Bah­rens, einst bitter beklagte, von seinennächsten Nach­barn" so vernachlässigt zu sein, und das ihm nächste HauS lag 20 Meilen von dem seinen entfernt.

(Schluß folgt.)