Frtit Zkitung.
„âeiheit unk Neeht!"
M 133. Wiesbaden. Mittwoch, 19. Juli - ISAS.
Die „Freie Leitung" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnrmcr^- Preis vom 1. ^uli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., halbjährig 3 ft. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesuschen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke S fl. -
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â^^è Pjelseitig geäußerten Wünschen zu entsprechen, haben wir uns entschlossen, außer dem halbjährigen nunmehr auch ein vierteljähriges Abonnement zum verhältnißmâßigen Preise eintreten zu lassen.
Eine Zeitfrage.
(Stimme aus Wien, von Kletzinsky.)
Eine Frage schreit nach Lösung, es ist die, ob Dynastie und Hof vor den gemeinen Angriffen vieler Blätter geschützt und gerechtfertigt werden müssen, während man Nation und Freiheit den Wühlereien der ehr. losesten Schandpresse preis gibt. Was gilt uns höher, die erbliche Thronwürde, oder das unveräußerliche Menschenrecht? Auf diese entschiedene Frage muß unS bald entschiedene Antwort werden. Als man die traurigen Folgen des 26. Mai höchst wahrscheinlich mit vollem Rechte einer kleinen Volksschänderischen Partei aufbür- dete, erklärte daS Untersuchungscollegium eines löblichen Criminalgerichtts rührend naiv, daß sich in der peinlichen Halsgerichtsordnung des Kaiserreiches wohl Gal- genregeln und Kerkergesetze gegen die Verletzungen deS allerhöchsten schwarzgelben Thronsessels aber durchaus keine Andeutungen vorfänden, daß an der Nation ein Hochverrath könne verübt werden. Mit dieser Antwort, deren alleinseligmachende Logik wohl Niemand bezweifelt, mußte sich die Residenz und das Volk zufrieden geben. Man zweifelt an der Reaction, wie man einst an der Allmacht der Jesuiten gezweifelt hat, weil man sich unter beiden Ungeheuerlichkeiten vorstellt, während es doch die Aufgabe jeder besonnenen Diplomatie ist und war, in anscheinenden Kleinigkeiten die Hebel gewaltiger Pläne anzubringen; es ist gerade so, wie bei der Entstehung eines großen Brandes, rs fällt ein Funke, kaum vermögend, dürres Stroh zu entzimden, in die volle Scheuer, der träge Fuß des Knechtes müht sich kaum, ihn auSzutreten, wer jetzt mit dem Mahnrufe : Feuer! die Gegend wach riefe, würde von dem maul- wurfSällgigen Pöbel verhöhnt und verachtet, allein Halm um Halm frißt der Funke weiter, der Sturm der Gelegenheit und der Verwirrung bläst darein, eine Feuei- säule verzehrt die Früchte der Freiheit, während die wasserlose Feuerspritze — zu spät im Brande selber untergeht. —
Eine solche Reaction herrscht in den freisinnigen Instituten unserer neuen Zeit, sie schleicht in öffentlichen Räumen umher, predigt von der Kanzel, mault im Salon, winselt in Journalen und poltert in der Gaststube; man kann nicht bloß Reaction machen, man kann sie schreiben, man kann sie blinseln, lachen, es gibt reactionäre Thränen, wie es reactionäre Röcke gibt, der eine donnert, der andere flüstert, dieser spricht mit vollen Backen, wohl geordnetem Phraseywust, jener ergeht sich pfiifig in halben Andeutungen, ja man ißt, man nieSt, man schläft Reaction. — Ein solches Reac-
tionsmittel ist das Fatiguatwns'system der Nationalgarde; die Anordnung einer Hoftrauer der FreiheitS- Miliz wegen des TodeS einer namenlosen Erzherzogin, ein solches furchtbares Reactionsmittel war die Cunc- tatorspolitik des gestürzten FabiuS-Ministeriums. Zweideutigkeit und Halbheit, Pagoden in dem Götzentempel, den der leere Buchstabe des Gesetzes unter der Form der Legalität sich erbaut hatte, wann wird euch endlich der siegende Blitzstrahl des Geistes der Gesetze zertrümmern? Die himmelschreiende Frage, ob es einen Hochverrath an der Nation gebe, ist somit mit der himmelschreienden Antwort: Ja! zu entscheiden, und es entsteht hieraus die unverweigerliche Forderung, jede Verdächtigung der Freiheit, jeden Verrath am Volke nicht nach dem Hoflakeien-Gesetzbuchs, sondern nach den ewigen, Jedem ins Herz geschriebenen Gesetzen der Menschheit mit eiserner Strenge zu richten und mit dem Fluche öffentlicher Verachtung zu brandmarken. Nachdem man Jahrhunderte lang die Völker geknechtet nnd geschändet, begehrt man von den Anfängern und Neulingen der Freiheit, sogleich die mäßigste und cere- monirüste Höflichkeit im Gebrauche derselben.
Unser Volk war human gegen die feilen Knechte, die ihm vor Kurzem den ehernen Fuß auf den blutenden Nacken gesetzt hatten, unser Volk, ein wahrer Heiland der für die-bat, d>? i$~ mißhandelten, schützte die Rechte, die inan ihm selber erst verkümmert hatte, und Reaction heißt dafür der Höllenundank jener entwischten Feiglinge, die daS Volk in seinen Riesenarmen zermalmt hätte, wenn ihm nicht Menschlichkeit heiliger wäre alS Rache. Also weg mit der allzugroßen Höflichkeit gegen Andere, damit sie nicht zur lebensfeind- lichen Givbheit gegen uns selbst werde, und gesetzlich aufgegriffen jeden reactionären Versuch, jede Verdächtigung und Verkümmerung unserer Freiheit, dann wird es sich endlich zeigen, wie so manche reaktionäre Fratze sich hinter einer liberalen Maske versteckt hat.
Die Zehntfrage.
& Von der Weil, 12. Juli. Wie die Pietisten Alle, welche in der Menschenwelt nicht Zufall und Sündhaftigkeit, sondern ewige Gesetzmäßigkeit erblicken, „Ungläubige" nennen, während dieselben doch in Wahr- Hklt die Gläubigen find, d. h. diejenigen, welche au die absolute Macht der Idee glauben: eben so werfen uns die Gegner der Zehntaufhebung vor, wir wollten den reichen „Adligen" und „fremden Gutsbesitzern" den Zehnten schenken, während doch sie selbst es sind,
welche mit ihrem Vorschlag einer „billigen" Ablösung (etwa zum 16fachen Betrage) denselbenein Bedeuten- tes „schenken" wollen. Wir haben die Zehntfrage stets mit einer ausgleichenden Vermögens- und Einkommensteuer in Verbindung gesetzt. Da man aber von einer solchen" Besteuerung, als einer allzu radikalen Maßregel, Nichts wissen will, so haben wir in Nro. 122 der „Freien Zeitnng" den andern noch übrigen Ausweg eingeschlagen, nämlich nach einer progressiven Scala abzulösen. Es ist dies freilich das nämliche Princip; aber die Gegner merken es nicht; und man muß sich in die Zeit und in die Leute von schwachem Gemerk schicken. So ereifert sich z. B. in Nr. 17 des „Lahnboten" ein Correspondent „vom Fuße des Westerwaldes" gar sehr darüber, daß durch die Aufhebung des Zehntens „das Heiligthum des Eigenthums angetastet" werde und schlägt am Ende ganz naiv die „Ablösung mit progessiver Skala etwa von 7fachem bis zum 25fachem Betrag" vor. Als ob M'cht dadurch, daß ich den „Aermeren" nur den 7fa- chen Betrag zahlen lasse, das sogenannte „Heiligthum des Eigenthums" eben so gut „angetastet" würde, wie wenn ich demselben ohne alle Entschädigung von dem Zehnten befreie. Wenn man doch erst logisch denken lernte, ehe man sich zum Publizisten berufen glaubt! — Die progressive Staig fange also nicht mit dem 7fachen, sondern mit dem Ofachen Betrag an, d. h. für die unterste Klaffe der Grundeigenthiimer werde der Zehnte ohne Weiteres aufgehoben ; und zwar stelle man, wie wir schon in dem angeführten Artikel vorgeschlagen haben, in diese Klasse die ganze große Schaar der zurückgekommenen und verschuldeten und geringen Bauern, wie wir sie nicht blos in unsern Gebirgsgegenden, sondern auch in den besten Landstrichen des Herzogthums.haben. Man sagt freilich: wir können den Armen ihre Schulden nicht abnehmen; aber das verlangt auch Niemand. Ihr sollt dieselben nur in eine Lage versetzen, daß sie nicht Schulden zu machen nöthig haben. Das verlangen wir allerdings, und wenn Ihr das nicht könnt, dann haben wir vergebens unsern 4. März gehabt, dann liegt unsere Revolution noch in der Zukunft. Warum sind unsere Bauern, die einen Grundbesitz von 10—20 Morgen haben, so tief heruntergekommen? Weil die Lasten, welche auf ihrem Besitzthum liegen, in gar keinem Verhältniß zu dem Ertrage desselben stehen.
Da sind die verschiedenen Kategorien der StaatS- steuern, da ist die Kirchen- und Gemeindesteuer, da ist der Hirtenlohn, da sind die Gülten und Grundzinsen,
Der Fluch.
Aus Gerstäcker's Missssfippi-Bilderu.
(S ch l u st.) ’
Der Indianer, von der Schreckgestalt der alten wahnsinnigen Frau verfolgt, floh in wilden Sätzen durch das Dickicht. Wie es der alte Harper vorausgesehen, so kreuzte er auch dabei den Platz, wo der Bär gestern erlegt worden.war, tveii er dadurch jede Spur zu vernichten glaubte; die nachseyende Meute blieb aber auf den Fährten des fremden Hundes und schon konnte er ihr Nahen in dem brechenden Rohr und Buschwerk hören.
Er hielt und horchte und ein Schauer durchzitterte sein Gebein, das waren die Laute der nachseyenden Mente; er kannte sie nur zu gut, sie heulten auf seiner Fährte und er wußte, daß Flucht jetzt unmöglich sei. Vielleicht hätte er aber dennoch einen möglichen Rettungsweg versucht — der Mensch hängt am Leben und schleudert es nicht gern nutzlos bei Seite; abergläubische Angst jedoch, die ihn glauben machte, sein Schicksal müsse jetzt entschieden werde« — Maniton selbst sei cs, der^ ihn in jenes Haus geführt, damit das Wort der Wahnsinnigen in Erfüllung gehe, lähmte seinen Arm und machte ibn zu jeder selbstständigen That unfähig. Nur die Büchse gespannt und das Messer lose j» der Scheide, erwartete er den ersten Anlauf der Tvdcsb'otew
Dector war den übrigen weit voraus, und in wilder
Wuth kam er angesetzt, des Indianers Kugel fuhr ihm aber, schon auf zwanzig Schritt Entfernung, in die Eingeweide, und winselnd brach er zusammen. Näher und näher kam der Rest der Hunde, er wollte wieder laden, aber sein linker Arm war über Nacht so geschwollen, daß er ihn gar nicht gebrauchen konnte. Er lehnte sich, das bloße Messer in der Faust, mit dem Rücken gegen einen Baum, und erwartete den Angriff.
Dort kamen sie in wilden Sprüngen, ein weiß- und brauubeflccktcr voran, näher und näher. Sein armer Hund floh ängstlich zwischen die Füße des Herrn, dort, bei dem selbst Schutzbedürftigen Schutz suchend; der Indianer fühlte auch, daß der eigene Hund seinen Untergang beschleunigte, aber eS war das einzige, das letzte Wesen, das ihn liebte, und er vermochte nicht, es von sich zu stoßen. In blinder Wuth stmzten die ersten der Meute jetzt heran, sie verlangten nicht nach dem Menschen, sie wollten das Blut des Hundes, der sich mit allen Zeichen des Entsetzens in den treuen Augen hinter seinem Herrn zu verbergen suchte. Der e^ie fiel von des Jägers scharfem Stahl, der zweite, der dritte brach auf ihn ein. Te-nesch-ma-ka holte aus zum iuwier erneuten Todesstoß. Da erfaßte einer. der. Rüden feinen Hund und rang mit ihm auf der Erde — der Indianer wollte über ihn hinwegspringen, sein Fuß aber blieb in dem lebendigen Knäul hängen — er stürzte und war im nächsten Moment von den hcrbeifliegendc» Bestien erfaßt — erwürgt und zerrissen.
Harper, James und Henry sprengten in demselben Augenblicke heran, warfen sich von den Pferden und trieben mit Kolbenstößen die Hunde von ihrem Opfer — aber zu spät.
Schaudernd wandten sie sich von dem schrecklichen Anblick, schwangen sich wieder auf ihre Pferde und ritten langsam ihrer Wohnung zu. Der Fluch der Wahnsinnigen war erfüllt; schrecklich hatten die rothen Söhne der Wälder ihre furchtbare That gebüßt und ihre Gebeine waren in den Wäldern zerstreut.
Im Herbste des Jahres 1840 jagte ich dort am Tirvniaflusse, und mit meinem Begleiter, einem gebräunten, schlanken Amerikaner an dem Rohrdickicht binunterreitend, fanden wir einen ganz von Kugeln durchlöcherten Schädel. Es war der Te-»csch->na-ka's. Mein Jagdgefährte, der Sohn Henry Woovworth s, erzählte mir damals jene Begebenheit. Nachdem die Wölfe und Geier ihr Werk beendet, hatten die jungen Leute, wenn sie dokt herum jagten, den Schädel des uugnlckl^cheu Te-nc;ch- ma-ka zum Ziel genommen, sich im Buchten schieden zu übc». .
Ich grub mit meinem Toinahawk em Loch und ext» (darrte ihn.
Di- B«kwqodöwci» Storpav^ks S^
Unter Backwoodsmen versteht der Amerikaner Rue Mettschenclasse, welche die Wälder des wefilu1>cn Misst-