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unb Zerrissenheit Deutschsunds eine Hemmung der deut­schen Umwälzung unmöglich machten, so könnte dieser Sieg der Reaktion wirklich Bedenken erregen. Hart­näckig stemmt sich diese gegen sedeS Verlangen des Volkes, Waffen zu tragen und wie könnte man an dem Dasein einer Reaktion noch zweifeln, da doch diese Forderung eine der ersten in ganz Deutschland war.

Wien, 10. Juli. Die Gemahlin Sr. kaiserl. Ho­heit des Erzherzogs Johann, die Baronin Brandhof, trifft im Laufe dieser Woche hier ein und wird zum erstenmal in der k. k. Hofburg absteigen, wo bereits die Gemächer für sie in den Stand gesetzt werden. Bisher bewohnte sie bei ihrem Hiersein stets eine Pri- vatwohnung im sogenannten Micha: lerhause am Kon­stitutionsplatz und kam nie zu Hof, wo ihr besonders der weibliche Theil sohr feindlich gesinnt war, der uns über diese Neuerung in Innsbruck nicht wenig erbost sein wird, zumal man bei ihrer Ankunft besondere Fest­lichkeiten veranstalten will. Herr Raveaur, welcher wegen einer Unpäßlichkeit nicht mit den übrigen Depu­taten nach Frankfurt zurückkehrte, sondern hier blieb, ist der Liebling des Wiener Volkes gewnrden, dem seine Beredsamkeit ungemein zusagt. (Bresl. Z.)

Frankreich.

Paris, 10. Juli. Die Untersuchung über den letz­ten Aufstand ist von ihrer Beendigung noch weit ent­fernt. Eine Commission von 6 Personen verhört fast ununterbrochen die 800 Gefangenen, welche im Fort Jary sitzen, unter denen sich gerade die Brigadenführer, die Chefs des Aufstandes und die muthmaßlichen Mör­der des General Brea finden.

Mehrere von den Verhafteten zeigten sich bereit zu Aufklärungen, und theilweise auf ihre Angaben sind am Sonnabend wieder 250 Personen eingezogen wor­den, vorzugsweise Schenkwirthe, Logiewirthe und selbst einige vornehme Personen.

Rußland.

St. Petersburg, 6. Juli. Die Cholera wüchet hier auf eine wabrbaft erschreckliche Weise. Am 2. Juli erkrankten hier 766 Menschen an der Cholera und starben 396, während 58 geheilt wurden. Am 3. er­krankten 1000, starben 534, genasen 129 und blieben 2606 in der Behandlung. Binnen zwei Tagen sind die Generale Backow, Ssablukow, Rajewski, der ZtaatS- rath Wlassow und der Collegienrath Stackelberg an der Cholera gestorben.

Am 30. wurde ein Deutscher, weil er angeb­lich bei dem Vergiften von Lebensmitteln angetroffen wor­den sein sollte, von einem Volkehaufen so geschlagen, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Die Behörde schritt kräftig ein. Schon am Tage nach diesem Aus- tritt erschien ein Bataillon Infanterie auf dem Platze der That, bildete ein Quarre und drei der Haupt­rädelsführer erhielten hier ihre Strafe. Erst das Er­scheinen des Kaisers machte der Erecution ein Ende, und seine kräftige Ansprache an das Volk wird hoffent­lich dieses bewegen, seinen thörichten Wahn aufzuge- ben. Man rechnet, daß hier bis jetzt 7000 Men­schen an der Cholera gestorben sind.

Nassauischer Landtag.

XVI. S'tzung, am 14. Juli, Vormittags 11 Uhr. (Fortsetzung.)

Für Gewerbe werden mit Einschluß einer Unter­stützung von 300 fl. für den Gewerbeverein 4500 fl. gkjvidert und bewilligt. Wimpf bemerkt hierbei, daß die Unterstützung der Gewerbe sehr spärlich sei; in Vergleich mit derjenigen, welche für Ackerbau verwendet würde. Die Gewerbe müssen aber unterstützt werden,

und er würde, wenn die gegenwärtige Zeit nicht ohne­hin schon so hohe Ausgaben nöthig gemacht hätte, da­rauf antragen, für die Gewerbe eine höhere Summe zu verwiUigen.

Zur Unterstützung des PrivatvereinS für Beförde­rung der Seidenzucht werden 300 fl., für das chemische Laboratorium in Wiesbaden 500 fl. und für Ausbil­den van Künstlern und Handwerkern auf Academien und Reifen 1500 fl. bewilligt.

Die GesammlvklwiUigung beträgt 3500 fl.

Cap. X V. Unvorhergesehene Ausgaben. Außer den bereits früher in der Sitzung vom 3. Juni gemachten Bewilligungen zur Unterstützung armer Gemeinden, beim Wegbau werden noch bewilligt für die Rheinorte zu den Hinterfüllungsarbeiten 3376 fl., für Aktemransport und Processe der Landessteucrkaffe 200 fl., zur Anschaf­fung zweier Wagen im Biebricher Hafen 393 fl.

Wenkenbach rechtfertigte nun seinen Antrag gegen daS beanspruchte Veto der Regierung. Er führt 2 Punkte in der Rechts rligung klar und deutlich auS, baß nämlich die alte Verfassung von 1814 nicht mehr zu Recht bestünde und daß ein absolutes Veto der Re­gierung mit dem Prinzip der Volkssouveränetät nicht vereinbar sei; wohl aber könne dieses bei einem sus­pensiven Veto der Fall fein, je nachdem dieses einge- lichlet sei. Er trägt darauf an, der Regierung fein absolutes Veto zuzuerkennen, daß diese aber der Kam­mer baldigst eine Vorlage über ein Suspensiv - Veto mache.

Schmitt und Born lesen ein kurioses Spezialvotum vor, des Inhalts, daß sie mit der Rechtfertigung ein­verstanden seien, aber nicht mit dem ersten Punkt der- selben, sie glaubten, daß die alte Verfassung noch zu Recht besteht.

Großmann. Die Heutige Rechtfertigung des Hrn. Abgeordneten Wenkenbach bezieht sich gar - nicht auf seinen Antrag in der letzten Sitzung, eS wäre heute die Rechtfertigung des früheren Antrages, wonach der Regierung gar kein Veto zustehen soll, nicht aber die Rechtfertigung eines neuen Antrages an der Stelle ge­wesen.

Reg.-Com. Werren erklärt, daß in der letzten Sitzung gar nicht von absoluten oder suspensiven, son­dern ganz von dem Veto überhaupt die Rede gewesen sei.

Der Einwand, daß der jetzige Antrag Wenkenbachs ein anderer sei, wird einfach von der Linken dadurch widerlegt, daß sie den jetzigen nur als Erläuterung und genauere Ausführung des früheren bezeichnet.

Lang: Der alte Streit darüber, auf welchem Bo­den wir stehen und ob die alte Verfassung uns gegen, über noch gilt, ist jetzt wieder einmal praktisch gewor­den. Wir haben, wie in der Rechtfertigung des An­trag- ausgeführt ist, in den ersten Tagen des März eine gelungene RevolrttivK gemacht und dadurch das StaatSgrundgesetz mit allen seinen Theilen vernichtet. Die alte Ordnung der Dinge, welche dem Einzelnen gegenüber allerdings noch aufrecht erhalten werden muß, ist eine rein provisoiische, und besteht nicht weil sie auf bindende Weise zu Stande gekommen ist, sondern, weil wir sie auS Gründen der Nothwendigkeit bisher noch bestehen ließen. Wir sind dazu berufen, nicht das Alte zu stützen, sondern die neue gesetzliche Ordnung aus der Grundlage der neuen Prinzipien ins Leben zu rufen. Wie können wir also durch die alten Formen und Ge­setze gebunden sein? Ich kann mir nichts Verkehrteres denken als diese Versammlung, von der die neue Ord­nung ausgehen soll, fortwährend an diejenigen Bedin­gungen binden zu wollen, gegen welche das Volk Re­volution zu machen genöthigt war; denn auf diese Weise könnte die Einführung neuer Gescsetze geradezu unmöglich gemacht werden. Ich werte sogleich zei­gen.

Die Negierung beansprucht uns gegenüber ein Veto auf den Grund der allen Verfassung. Die Richtigkeit eines Satzes erprobt sich am besten in den Consequen« zen. Die Regierung könnte möglicherweise vermöge des Veto alle unsere Beschlüsse vernichten, dieselben wären dann als nicht vorhanden zu betrachten und von Neuerungen keine Rede; sie könnte die Revolution vollständig aufheben. Das Volk wäre dann in der Lage, eine Revolution gemacht zu haben, aber die Früchte davon nicht genießen zu können. Dies ist die Conse­quenz, wenn man die alte Verfassung und das Veto gelten läßt. Dagegen kann man nicht einwenden, die Regierung würde das nicht thun, denn das hängt von

^^»den ab und wir müssen uns auch gegen Möglichkeiten schützen. - Die alten Zustände genügen dein Volke nicht, es erwartet die nöthigen Neuerungen dieser aus seiner Wahl hervorgegangenen Versammlung. Wenn wir qiis aber nicht die wichtige Stellung errin­gen, wenn wir selbst kein Vertrauen zu uns haben, wie soll daS Volk uns das seinige zuwenden? Wir müssen unsere Stellung so auffaffen, daß wir dazu be. rufen sind, die neuen Prinzipien in dem uns (durch Frankfurt) angewiesenen engeren Kreise ins Leben zu rufen, sonst wäre es besser, wir gingen nach Haus Uns gegenüber kann die Regierung kein Veto haben wenn nicht alles in Frage gestellt sein soll; in wiefern sie eS bekommen soll, wird bei der VerfassungSfiage zur Sprache kommen. Die Sache scheint mir so einfach und doch wichtig, daß wir sie schnell erledigen kön. neu und müssen; ich schlage vor, sofort zur Abstimmung zu schreiten.

(Schluß folgt.)

Camberg, im Juli. (Entgegnung auf den^Arm^ in Nro. 115. Wenn man einen Artikel, mag er nun gut oder schlecht sein, veröffentlicht, so ist die Haupt­bedingungdaß man in jeder Beziehung bei der Wahr­heit bleibt. Dieses hätte der Verfasser des Aufsatzes der israelitischen G meinde Camb^rg an die Israeli, tischen Gemeinden des Herzogthums, inssonders an die in Niederlahnstein berücksichtigen sollen, so hätte ich nicht nöthig gehabt, ihn (den Verfasser) Lügen zu strafen.

Einsender hält seine Zeit für viel zu kostbar, um besagten Aufsatz in allen Theilen zu beleuchten, weß- wegen er auch nur einige Punkte daraus berühren will.

Daß der fragliche Artikel von der israel. Gemeinde zu Camberg ausgegangen, ist eine eben so schändliche Lüge, als eS eine freche Behauptung ist, daß die geist­reichen und wahrhaft belehrenden Predigten des Reli- gionslehrers H. S o n n e n b e r g e r seid dessen 8jäbriger Dienstführung, unsern Gottesdienst verschönert hätte.

Zur Rechtfertigung der ersten Behauptung diene, daß dem größten Antheil der Gemeindemitglieder jener Artikel ganz fremb gewesen, und zur Verständlichung der Letzteren ist folgender Beweis: der Rel.-Lehrer H. Sonnenberger hat, auf fast allgemeinen Willen der Ge­meinde seid verflossenem Marz, seine geistreichen und wahrhaft belehrenden Predigten, welche von vielen Gemeindemitgliedern schon Jahrenlang ver­abscheuet wurden, eingestellt wodurch der Gottesdienst jedenfalls schöner und andachtsvoller zu nennen ist.

Dem Referent besagten Aufsatzes rathet man daher, künftig bei der Wahrheit zu bleiben, alsdann könnte eS ihm schwer fallen denselben zu rühmen. Sollte aber der Verfasser, wie manche glauben (ich will es nicht behaupten) H. Sonnenberger selbst sein *), so erwähne ich zum Schluß, daßEigenlob st...."

Ein Freund der Wahrheit.

*) Anm. Dies ist nicht der Fall. D. Red.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Möller.

Bekanntmachungen.

Demokratischer Verein.

(934) Die Statuten des VemokratiseHen Hereins mit den Listen zum Einzeichnen liegen in den Buchhandlungen von Friedrich (am Friedrichsplatz), Fischer Lt Ritter, sowie auf der Wachkstube im Rathanse auf.

Ebendaselbst liegt auch die Adresse des Demokratischen Vereins an die Nationalversammlung zu Frankfurt.

Wiesbaden, den 16. Juli 1848.

(932) Zu dem Sonntag den 23. d. Mr. dahier stattfindenden Turntage des Bezirks für Taunus und Westerwald werden die Ver­treter aller dein Bezirke blos fetzt beigetre!e»en Gemünden und zu-der damit in Verbindung gebrachten F,ier der lleberreichuug der von den hiesigen Frauen und Jungfrauen für unseren Verein gestickten Fahne alle Turnbrüder, des HerzogtbumS hiermit eingeladen.

Das Anmeldelokal ist bei Herrn Bierbrauer A. Mengeè auf der neuen Anlage.

Eine alsbaldige Mittheilnng über die Anzahl dericnigen Mitglieder, welche uni mit ihrem Besuche beehren wollen, wird vuS sehr erwünscht fein. Der Vorstand der Turngemeinde zu Limburg.

Inserat:

(933) Zur Widerlegung de« in No. 123 dieser dntung über meine angeblich in der Stânde- Bersammlung auSgespröchene Ansichten er- schienenen Artikels beziehe ich mich auf meine deßfallnge Erklärung, welche in einer der nâch- sten Nummern der Nass. allgem. Zeitung er­scheinen wird, und bezeichne zugleich die in einer neulichen Volksversammlung ausgespro­chene Behauptung:ich hâtie die jetzigen Stände für blo« berathende, nicht beschließende erklärt, als eine ebenso elende wie unsinnige Lüge.

Wiesbaden, 15. Juiii'1848.

Werrew sen.

Versteigerung.

(915) Mittwoch den 19. b. Mts., und die darauf folgenden Tage, Morgens 9 Uhr anfangend, läßt der unterzeichnete Vormund der Reinhard Genth'schen Erben auf der Petersau bei Castel die zur Hinterlassenschaft gehörenden Mobilien, als: 6 Kühe, 3 Pferde; viele Oeconoiniegeräthschaften, als: Wagen, Karren, Pflüge, Eggen, Walze rc., sowie eine durch Pferde zu betreibende Oel- und Mahl­mühle, das Haus- und Weißgeräthe aller Art, mehrere Nachen und eine Nähe mit dem dazu gehörenden Geschirr, mehrere Bütten und Fässer, sodann 15 Malter Korn, Stroh, Heu, gedörrter Klee, viele Centner altes Eisen rc., öffentlich an den Meistbietenden versteigern.

Mosbach, den 12. Juli 1848. Christian Genth.

c-l-) Anzeige, die stenographische» Berichte der constituirenden Nationalversammlung betreffend.

In wenigs» Tagen wird der erste Band der stenographischen Berichte über die Verhand, Innren der constituirenden Nationalversammlung von 100 Bogen geschlossen sein, und ei beginnt damit ein zweites Abonnement ans weitere 100 Bogen zu 1 st. 12 fr. rhein. --- 1 ff. Conv.-M* r/ Thlr. preuß. Cour. Man abonnirt bei dem nächsten Postamte.

Es wird dringend gebeten, die Bestellungen auf diesen zweiten Ban^ möglichst bald zu machen^ damit die Größe der Auflage darnach bestimmt werden könne und nicht bei späteren Nachbestellungen eine Verzögerung der Ablieferung eintrete, wie dies leider beim ersten Bande der Fall war.

Frankfurt a. M., 28. Juni 1848. ,

Am Namen der Nationatverlammknng :

Die Redaetions-Commission.

Brsvoag l H. Fischer und S. Ritter. Druck der r. Ritter'schen Buchdruckerei.