ren, lvir sperren uns gegen Niemand ab, aber das Nachforschen hintendrein, ohne daß irgend eine Klage kingelaufen ist, halten wir für sehr überflüssig. Das alte Polizeisystem, was sich überall eindrângte, wo es nicht hinqehörtc, sind wir müde geworden.
Es wm den von dem zur Entwerfung der Statuten bestimmten Ausschuß dieselben vorgelesen und zur Be- ratbung gebracht. Sie wurden in der vorgeschlagenen Fassung angenommen, nur ein Zusatz zn §. 3, den Waylmodus betreffend, beigefügt. Sie lauten:
Statuten des demokratischen Vereins.
8.1. Zweck des Vereins: Consequente Durchführung des demokratischen Prinzips.
§.2. Mitglied des Vereins kann feder unbeschol- tene Deutsche werden, der ein Alter von 20 Jahren erreicht hat.
§. 3. Die Geschäftsführung deö Vereins wird besorgt von einem Vorstande von 11 Mitgliedern, bestehend aus einem ersten und einem zweiten Vorsitzenden, zwei Schriftführern, einem Kassenführer und sechs Beisitzern. Der Vorstand wird auf ein Vierteljahr gewählt,'.die ausgetretenen Mitglieder sind wieder wählbar. —
§. 4. Der Vorsitzende und dessen Stellvertreter werden schriftlich einzeln in einer Volksversammlung gewählt; die übrigen Vorstandsmitglieder werden zusammen gewählt und verteilen die einzelnen Aemter unter sich. Bei der Wahl der beiden Vorsitzenden ist absolute Stimmenmehrheit nöthig, stellt sich diese nicht das erste Mal heraus, so wird nochmals, aber nur unter den beiden Candidaten, welche die meisten Stimmen batten, gewählt. Für die übrigen Vorstandsmitglieder ist die relative Stiminenmehrheit entscheidend.
§. 5. Der regelmäßige Beitrag beträgt wöchentlich mindestens 1 und höchstens 6 Kreuzer.
8 6. Wöchentlich findet eine regelmäßige Versammlung am Mittwoch statt. Außerordentliche Versammlungen sagt der Vorstand an. —
Nachdem durch Annahme der Statuten der demokratische Verein definitiv constituirt war, wurde die Adresse an die Nationalversammlung, welche schon in der vorigen Versammlung beschlossen war, verlesen und angenommen und dabei der Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen, daß Erklärungen »in demselben Sinne noch aus anderen Gegenden des Herzogthums an die Nat.-Vers. abgehen würden.
„An die National-Versammlung zu Frankfurt a. M-
Mit Entrüstung haben wir vernommen, daß die Versammlung die provisorische Centralgewalt, den unverantwortlichen Reichsverweser, mit einem unbedingten Veto bekleidet hat. Die Souper änetät deS Volke- ist errungen, resp, hergestellt worden durch die Revolution in den Märztagen, und das Vorparlament hat sie ausdrücklich anerkannt. DaS Volk hat also seine Souve.änetât nicht von dieser hohen Versammlung erhalten, sondern hat sie ihr anvertraut. In dem einem Unverantwortlichen zugestandenen Veto liegt eine Veräußerung des der Versammlung anvertrauten Gutes: der VolkSsouveränetät.
Wir protestiren feierlichst gegen diesen Mißbrauch der der National-Versammlung anvertrauten Gewalt, halten uns unsere Rechte ausdrücklich bevor und erklären demgemäß, daß wir die Rechte des Volkes, ungeachtet der Beschlüsse dieser Versammlung, als ungeschmälert betrachten.
Wiesbaden, 15. Juli 1848."
(Folgen die Unterschriften.)
Weiter wurde noch das Schicksal der Adresse an die nassauische Kammer, sowie die von der Polizei vorgenommene Untersuchung über die letzte Versammlung bekannt gemacht. Nächsten Mitwoch wird die Wahl des Vorstandes vorgenommen.
Wiesbaden, 15. Juli. Wir bitten unsere Leser folgende Probe der Staatsweisheit und Wahrheitsliebe der nass. allgemeinen Zeitung etwas ins Au^e zu fassen.
Sie sagt in ihrer letzten Numer in einem Artikel, der mit einem noch vielversprechenden „Forts, folgt" schließt nachstehendes:
„Nachdem die Republikaner und was drum uud dran hängt, durchgcfaUen waren mit der Republik, kurchge. fallen mit der Abschaffung des Zehnten, durchgefallen mit ihren Volksversammlungen in Höchst und Diez; nachdem die Ereignisse tu Frankfurt und Paris ihren Wühlereien die -spitze abgebrochen, versuchten sie mit der Vetofrage noch einmal einen Sturm zu erregen, ein bischen, „Revolurionches zu spielen." Es ist aber ein Sturm in einem Glas Wasser geworden. Das spaßhafteste bei der Sache war, daß man gegen das unbe« dingte Veto der Regierung anstürmte, während die Regierung — gar kein unbedingtes Veto in Anspruch genommen hatte (?!) So lassen sich vierhundert Männer an der Nase herumführeu! DieKam- mermehrheit hat übiigens bei diesem Anlaß gezeigt, daß sie hohlen Spektakel nicht fürchtet, und polttssche Bildung, die freilich zur Stunde noch Eaviar für die große Masse ist, (das dumme, dumme Volk!) höher anzuschlagen weiß, als landläufiges Geschrei. Diese mannhafte Haltung gereicht ihr und dem nassauischen Volke, welches sie vertritt, zur Ehre.
Von berufenen und unberufenen Politikern ist nun, wie wir denken, die Sache hinreichend erörtert worden. Dagegen wird cs viele Leser intrrejsiren, auch vom ju- ristrichen Standpunkt ein Urtheil über diese Ge-, sitzgebungsangelegenheit zu hören. Wir reihen daher den bereits gegebenen Erörterungen den nachfolgenden Aufsatz eines rechtskundigen Mannes an:
In der Sitzung vom 12. Juli 1818 ist von mehreren Abgeordneten der Nassauischen Volkskammer der Antrag gestellt worden: die Kammer möge beschließen, daß sie ein Recht der Regierung zur Mitwirkung' bei der LandeSgesetzge- dung nicht anerkenne.
Die Sache, um die fich's hier handelt, ist für den Kundigen klar und einfach; für den Nichtkundigen verwickeln sich heut zu Tage mit unter die einfachsten Rechtsfragen, weshalb wir es für unsere Pflicht halten, einige Worte zur Verständigung in gegenwärtigem Aufsätze nitderzulegen" rc. re.
Die nass. allgemeine Zeitung begnügt sich nicht damit, nur falsche Urtheile und Ansichten auszust-lleu wie es beiläufig gesagt auch einem ehrlichen Mann passiren kann, nein sie zieht vor, lieber die Thatsachen zu verfälschen, dann laßt sich auch viel leichter gerade so über dieselben urtheilen, wie es gewünscht wird! So hat Wenkenbach den Antrag gestellt, der Regierung kein absolutes Veto zuzuerkeuuen, aber im zweiten Theil des Antrags geradezu ausgesprochen, daß er und die anderen Antragsteller ein suspensives Veto, je nach seiner Einrichtung, nicht sirr unverträglich mit dem Be- gnssder Volkessöuveramkat hielten / deßhalb werde die Regierung ersucht, den Ständen demnächst einen Gesetzes- Vorschlag über dies suspensive Veto vorzulegey.
Dies alles weiß die nass. Allg. Ag« f° güt wie wir, allein da dieser Vorschlag vielleicht manchem vernünftig oder sogar nothwendig erscheinen könnte, Wen- kenbach aber der Linken in der Kammer angehört und die Linke nach der Ansicht der besagten Ztg. nicht- vernünftiges sagen darf, so mußte der Antrag so hinge- steUt werden, daß er geradezu das Gegentheil von der Wirklichkeit enthält.
Mit welchem Ausdruck will man ein solches lügnerisches Verfahren bezeichnen?
Hadamar, 14. Juli. Es kommt mir Nr. 6. des Nass. Zuschauers, des neuen Horts der kathol. Kirche, zu Gesicht, worin Pfarrer Hartmann die Wahrheit des von mir in der „Freien Ztg." vom 5. und 6. Juli abgelegten Faktums bestreitet. Die Sache verhält sich aber nichtsdestoweniger gerade so, wie wir sie erzählt haben und kann auf Verlangen der jenseitigen Herren mit noch einigen interessanten Ncbenum- ständcn des Genaueren belegt werde». Ja es liegt
schon wieder ein ähnlicher Ehe-Fall vor. Daß Hartmann nach den Vorschriften seiner Kirche gehandelt, haben wir am allerwenigsten bestritten; das aber ist einleuchtend, daß diese Anweisungen der vom Staate ausgesprochenen Toleranz schnurstracks zuwider laufen. Sollte ferner Pf. Hartmann von der angeführten Petition wegen Herausgabe aller Staatsgüter, die früher Besitzthum der Kirche waren, nichts wissen, so möge er sich an Mor. Lieber zuCamberg, der besser weiß, als er, was zu Limburg vorgeht, um Aufklärung wenden, und dieser wird ihn nicht im Stiche lassen. Außer dem Nass. Zuschauer beschäftigt sich auch die „Rhein- und Moselzeitung" vom 9. Juli Nr. 160 mit unserm âickcl, indem dort Moriz Lieber, ein großer Sprach- k.nner, die Ehegeschäste ganz bei Seite lassend, einen Satz auszlkht und denselben mit Fallstaff'scher Weisheit vergleicht, weil wir gesagt hatten: „Die Jesuitenkniffe sollten auf den Sand gesetzt werden." Wenn Moriz Lieber das nicht versteht, so ist es nicht unsere Schuld; jedenfalls spielt er dabei den unfreiwilligen Fallstaff (ShakeSspeare hätte gewiß, wenn er zu unserer Zeit gelebt, diesen interessanten Charakter Sir John Lie. der genannt) und er mag sich von einem Aesthetiker belehren lassen, wer am lächerlichsten ist: der unfreiwillige oder der freiwillige Komiker.
Wir haben uns oft besonnen, warum in aller Welt Mor. Lieber so eifrig auf die Trennung der Kirche vom Staate versessen sei, da ihin doch niemals der Staat es verwehrte außer den Altären der Kirche noch besondere in seinem Hause zu haben. Wir haben eS neulich erfahren. Dr. Mor. Lieber ist auch Theehänd- ler und steht in dieser Hinsicht mit geistlichen Krankenanstalten in Verkehr. Da aber eine Verordnung der preuß. Regierung zu Cöln vom Anfang der 20er Jahre, W»^ , H von Quaksalbereien, mit namentlicher Anführung des Licber'schen Thee's redend, besagt, es sei nicht zu dulden, daß ein Pfund dieses Artikels über 1 V2 Rthlr. koste, während der Apotheker dafür nur etliche Silber- groschen nehmen dürfe, so muß bei der Trennung der Kirche vom Staate diese Schranke, falls die Verordnung, wie wir hoffen, noch besteht, mitfallen, und „da liegt des Pudels Kern," wie M. Lieber sagt!
Oberursel, 14. Juli. Heute Morgen wurde ein 20jähriger Jüngling beerdigt, bei dessen Grabe dem Menschenfreunde bittere Gedanken und Gefühle Kopf und Brust erfüllen mußten; denn der sonst so blühende Jüngling starb nach schmerzhaftem Krankenlager an den Folgen — der Frohnleichnamöfeier. Man hatte dieses Fest heuer mit außerordentlichem Pompe gefeiert, eine Abtheilung Bürgerwehr machte fast unaufhörlich Rotten- feuer, das nur von Böllersalven unterbrochen wurde.
Bei dem Laden nnd Feuern der Böller war jener Jüngling beschäftigt, und erhielt durch Voreilichkeit eines andern Feuerwerkers ein Böllerladung in die Waden, _____ welche diese an einem Beine wegriß. Der Arine lag fast beständig in Krämpfen, bis er vorgestern verschied.
So wagt man den Namen dessen zu mißbrauchen, der die störenden Händler und Wechsler aus den Vorhallen des Tempels trieb, so wagt man, diesen zu miß, brauchen, daß man in dessen Namen den Gottesdienst mit Mordwerkzeugen, mit Kriegslärm und Kriegöge« räthen begleitet.
Wenn man die Berichte über die Umtriebe der Heuler außerwärts liest, so muß man hier lachen, — solche Sachen ist man hier so gewöhnt, daß man dieselben gar nicht beachtet. Hier ist bereits Alles confessionell, Schuhe und Stiefel, Streichfeuerzeuge und Talglichter werden mit der Religion in Verbindung gebracht.
Die beabsichtigte Fabrikanlage der Herren Klotz und Scheikler aas Frankfurt in hiesiger Gemarkung bringt manche Leute zum Wahnsinn, man befürchtet, dadurch die Religion zu vernichten!
Der Pfarrer drohte bereits'einem Bürger, der für die Fabrik gestimmt, mit ewiger Veidammniß.
So oft auch die Gemeinde zusammen kommt, um über den Verkauf einiger Morgen Wald, die doppelt
Ja wahrlich, nicht jeder Gimpel bekommt Tinen Tritt von unsern Füßen — Ich habe, mein lieber Re^iernngsratb Die Ehre Tje höflich zu grüßen.
G. -W.
Der Fluch.
Mut DerstLiker'ß Misfisfippi-Bildern.
(Fortsetzung.)
Endlich öffneten sich ihre Lippen und mit tonloser, doch deutlicher Stimme rief sie aus:
©ott — Gott selbst hat Dich in die Hände ter Rächer geliefert, Du bist ihnen verfallen — stirb ! und leblos sank sie in Stevens Arnie, der, über ihren Anblick erschreckt, hinzusprang.
Ha! das ist einer der Mörder meines Bruders und Deiner Schwägerin, Henry; schrie da Jim und riß das Messer aus der Scheide — Hliiid, Deine Stunde hat geschlagen, und in wilder Wuth stürzte er gegen den Indianer, der aber, seiner wenig achtend die Blicke noch immer, wie durch Zauberei gebannt, auf die alte Frau geheftet hielt. Bald wäre sein Schicksal entschieden gewesen, doch Stevens warf sich, dazwischen und hielt den Arm des jungen Mannes aus.
Halt, James, rief er dabei , der Judianer ist mein Gast! Hat er unsere Verwandten ermordet, wie ich selber nicht mehr zweifle, so verfolg' ihn und räche Dich, wenn er uns verlassen hat, aber nicht in meinem Hause, das er, von mir eingcladen, betrat.
Stevens wandte sich jetzt zu dem Wilden, der sich, was auch seine Gefühle sein möchten, stolz aufrichtete, legte seine Hand auf dessen Arm und sagte:
Sitz nieder und iß und ruhe Dich aus bis morgen früh — Deine Hand ist roth von dem Blute meiner theuersten Verwandten, diese alte Frau ward wahnsinnig durch Dich, und ich glaube, Dein unerwartetes Erscheinen hat sie jetzt getobter; Du kennst und ehrst das Gesetz der Blutrache — doch das der Gastfreundschaft ist heiliger — Du bist sicher.
Der Indianer schien hierin nichts Außerordentliches zu finden, er ließ sich ruhig am Feuer nieder lind legte selbst seine Waffen von sich, um desto besser ausruhen zu können. Nur einmal warf er noch einen flüchtigen Blick auf die übrigen Männer, und ein trotziges Lächeln zuckte, um seine Lippen, als er sah, mit welchem Grimin ihn die beiden jungen Männer betrachteten; verächtlich wandte er ihnen d.n Rücken.
Die Fran, welche bis jetzt vergeblich versucht hatte, die Großmutter ins Leben zurnckzurufen, ging nun an einen rohen Schrank, nahm allerlei Lebensmittel heraus und brachte sie dem Indianer. Sie schauderte, als ihr Auge dem forschenden Blicke des rothen Kriegers, den
er fest auf sie gerichtet hielt, begegnete, und fetzte ihm sein Essen hin, das er gierig verschlang. Er i vicfelte sich dann in seine Decke, streckte sich auS und war ober schien wenigstens bald eingeschlafen.
Damals, als Wilson's Freund die Alte zwischen den Ruinen fand, brachte er sie den Fluß hinunter zu ihrer andern Tochter, derselben jungen Frau, Henry's Weib, die eben noch dem Indianer Speise und Trank reichte lind dem die große Achnlichkeit derselben mit jener Frau, die er erschlug, «uffies
James Wilson, der Bruder jenes unglücklichen Mannes, der vom „grauen Falken" getobter wurde, .war später mit dem alten Stevens zu seinem 'Vetter, dem jungen Henry Woodsworth, an den Miyissippi gezogen , wo dieser ein großes Stück Land besaß, kas er mit seiner Frau, Stevens Tochter zu bewirthschaften wünschte. Leiel)t ließen sich die Beiden überreden, ihm dahin zu folgen, beim der Boden war trefflich, die Jagd vorzüglich, und der alte Stevens wollte sich nicht gern auch von seiner zweiten lochtet trennen, da er die erste auf solche fürchterliche Weise verloren hatte. Die Mutter aber, deren Verstand seit jener Schreckensnacht nie mehr zurückkehrte, lebte bewußt- und harmlos in den Tag hinein. In der ersten Zeit hatte sie oft nach ihrem Klärchen gefragt, doch auch das hatte sie kürzlich vergessen, bis der Anblick der ihr so wohl erinnerlichen Gesimtszüge des einen der Mörder sie aus ihrer I Lethargie gewaltsam emporriß. Wie eine, dem Verlöschen