Großbritannien.
London, 6. Juli. (Mmt ist die viette/Mhiige Uebersicht der Staatseinnahmen veröffentlicht worden, deren Ergebniß doch nicht so schlecht ausgefallen ist als man von vielen Seiten erwartete. Verglichen mit dem entsprechenden Quartale des vorigen JahreS haben Zoll, Stempel, Einkommensteuer und Post 602,266 Pf. St. weniger, dagegen Streife und Vermischtes 274,485 Pf. St. mehr kingebracht, so daß der Ausfall 327,741 Pf. St. beträgt.
In London fand vorigen Dienstag eine bedeutungsvolle Feier Statt: die Einweihung der prachtvollen St. Georgienkirche, welche die englischen Katholiken in der Hauptstadt der protestantischen Beschützerin des Glaubens erbaut haben, ein würdiges Seitenstück zu Westminster und St. Paul. ES war ein Kirchenfest im größeren Stile, zu welchem Geistliche aus aller Herren Länder herbeigeeilt warm. Eine Prozession, in der zwei Erzbischöfe, 11 Bischöfe (darunter Trier und Lüttich) und 260 Geistliche gingen, entfaltete zuerst nach langen Jahrhunderten der Unduldsamkeit den Engländern jene Pracht wieder, welche ihr Cultus nur sehr abgeblaßt nachahmt; die perlengestickten Mitren, die gestickten goldbrokatenen Gewänder, die schimmern- den Krummstâbe, dazu die hohen und würdigen Ge. stalten der meisten Priester, namentlich des englischen Erzbischoss in partibus Dr. Wiseman, mußten auf die Zuschauer einen tiefen Eindruck machen, — „genug, um dies Land aus seiner protestantischen Gelassenheit aufzuschrecken," meint die Times. In der Kirche selbst waren alle großen Familien anwesmd, welche trotz Cromwel, Oanien und Hanover dem alten Glauben treu geblieben find; Lord Arundel und Lord Schrews- bury hielten den Opferteller. Der Baumeister der Kiechr, welche in dem reichen gothischen Stile des englischen Mittelalters erbaut ist, heißt Pupin.
Fr ankreich.
Paris, 9. Juli. Der Ftnanzminister hat geäußert, daß wegen der La,,e des Staatsschatzes die postalische Reform bis zur nächsten Legislatur verschoben werden solle. — General Duvivier ist vorgestern Nacht im Militärspital zu Val-de-Grace in Folge seiner Wunde an hinzugetretenem Starrkrämpfe gestorben. Er ist der fünfte General, den Frankreich durch den Juniaufstand verliert; sechs Generale wurden bekanntlich verwundet und einer derselben, Damasme, mußte amputirt werden. Mit Ausnahme der Schlacht von Moskau hat kein Kampf der Republik und des Kaiserreiches so viele todte und verwundete Generale gekostet; in den größten Schlachten zählte man durchgängig nur einen oder zwei Generale unter den Todten. — Abdel - Kader soll sehr erfreut darüber sein, daß Lammoriciere jetzt Kriegsminister ist. Er hofft, der Minister werde erfüllen, was der General versprach. — Das Seine-Departement hat, da nun auch Duvivier gestorben ist, drei neue Repräsentanten zu wählen.
— Die Zahl der Verhafteten wächst noch jeden Tag bedeutend an und beträgt schon etwa 11,000, welche größtentheils in sieben Forts untergebracht sind; der Rest sitzt in sieben hiesigen Gefängnissen, auf der Pvlizeipräfectur und in der Cafirne Tournon. Man spricht von wichtigen Aufschlüssen, welche manche Gefangene gegeben haben. Einer der in einem Fort ein- gesperrten Insurgenten hat an den Repräsentanten Thouret ein Schreiben gerichtet, worin er sagt, daß er wichtige Geheimnisse, von been das Heil der Jiepublif abhänge, mitzutheilen bereit sei, wenn man ihm die Freiheü zusichere. Thouret hat den Brief an Cavaig- nac übergeben.
I — In einem von Linientruppen besetzten Wacht- Hause auf dem Bastilleplatze flog heute Morgen ein Sack mit Patronen, der in einem Cabinet neben der Wachtstube stand, mit fürchterlichem Knalle in die Luft und riß einen Thiil des Daches hinweg; ob das Feuer böswillig gelegt war, weiß man noch nicht. Die Soldaten des PvssnS kamen mit einigen leichten Wunden davon; der Ofsicier ward schwerer verletzt und ins Spital gebracht. — Lamartine ist seit mehreren Tagen unpäßlich und konnte daher den verschiedenen Leichen- begräbnissen nicht beiwohnten.
— Seit drei Tagen begehren so viele Personen Pässe für die Departements und fürs Ausland, daß man jetzt drei verschiedene Erpeditionen zu ihrer Abfertigung errichtet hat. — Die Natonalwerkstätten für Weiber waren iy daS Auflösungsdekret einbegriffen und 25,000 Weibspersonen sind daher jetzt ohne Beschäftigung; die den Maires angewiesnen Geldmittel reichen nicht aus, ihnen per Kopf täglich 2 Pfund Brod zu geben, wie ihnen zugesagt wurde. Gestern begaben sich daher 400 dieser Weiber zum Arbeitsminister, um Beistand zu begehren. Der Minister, alS er vernahm, daß mehrere von ihnen zahlreiche Familien hätten, machte ihnen Hoffnung, daß daS Arbeiscomite seine Vorschläge genehmigen uud daß man die Werkstätten für Weiber wieder öffnen werde. —
— Der bekannte Socialist Proudhon gibt heute dem Publikum einen Decectentwurf zum Besten, von dem er sagt, daß man ihn der National-Dersammlung nicht als eine Bitte, sondern als einen Befehl vorlegen müsse. Nach demselben sollen alle Hauseigenthümer, Gutsbesitzer und Hypothekeninhaber ihren Miethsleuten, Pachtern rc. gegenüblr für die drei Jahre vom 15. Juli 1848 bis zum 15. Juli 1851 auf ein Drittel der ihnen zustehenden Miethe, Pacht oder Zinsen verzichten, und es soll die Hälfte dieses Drittels dem betreffenben Miether rc., die andere Hälfte aber dem Staate zu Gute kommen. Letzterer soll die ihm zufallenden Summen, welche Proudhon auf mehrere Milliarden berechnet, dazu verwenden, den öffentlichen Credit, den Geldumlauf, das Versicherungswesen rc. auf neuen Grundlagen zu organisiren. Ein Journal meint, Barbös habe Proud- hon's System weit kurzer in dem Vorschläge zusammengefaßt, die Reichen mit eimr Milliarde zu besteuern.
(Köln. Ztg.)
Nassauischer Landtag.
XV. Sitzung, vom 12. Juli.
Die Abg. Siebert, Hehner und Großmaun sind mit Urlaub abwesend.
Der Vorsitzende zeigt die seit der letzten Sitzung in hoher Anzahl eingelaufenen Petitionen an, darunter eine von der in Oranienstein abgehaltenen Lehrerversammlung um neue und zeitgemäße OrgMiftttion deS VolkSschulwesens.
Reg.-Com. Ler. Meiner srühcren Ankündigung cnOprechend ist der Bericht der Commission für Volks- bewaffnung. bei der Regierung jetzt eingelaufen:
2) Soll für den feuerfesten Depositenschrank 650 fl. nachträglich angefordert werden, deren Verwilligung die Kammer schon in der vorigen Sitzung gebilligt habe.
Müller II fragt die Reg.-Commissäre, wie es mit den Besoldungen der Angestellten gehalten werden solle, welche außer ihrem Dienst noch die Verwaltung gewisser Fonds besorgten und dafür noch besondere Vergütungen auS:biefen Fonds bezögen. — Er führt mehrere Beispiele an und spricht seine Mißbilligung mit dieser Einrichtung aus. Es fei ein Mittel für die Regierungen, das bestimmte Maaß der Besoldungen dadurch zu überschreiten, daß sie einem Angestellte
I nach einen solchen Posten überweise. Er wünsche daß künftig die Regierung derartige Anforderungen' nicht ; mehr stelle.
! Reg.-Com. Ler: Für die Verwaltung einzelner Fonds waren früher besondere Renumerationen aus diesen selbst bestimmt. Diese sind, als jene Fonds unter die Regierung gestellt wurden, denjenigen, welche die Verwaltung übernehmen, überwiesen worden; übrigens hat die Regierung diese Sache schon in Erwägung gezogen und wird nähere Auskunft und Vorlage" darüber geben.
Ehe zur Berathung des Regierungserigenzetats âber- gegangkn wird, schlägt Gergens vor, daß die Berichterstatter über diesen Gegenstand sich neben den Präsident setzen sollen, damit dieser die Zahlen gleich finden könnte. Der Antrag wurde trotz seiner Wichtigkeit'nicht dtscutirt sondern sogleich vollzogen.
Nach der Tagesordnung kommt der Regierungseri- genzetat, (II. Abtheilung, Cap V., Fortsetzung).
3) Centralstudienfond.
Für das Taubstummeninstitut werden angefordert und bewilligt 4342 fl. Als Beitrag für die Elementarschulen sind 10,000 fl. angefordert u. für arme Gemeinden 4000 ff. Die Commission äußert ihre Ansicht über die Art der Vertheilung dieser Unterstützung dahin, daß es zweckmäßig sein dürfte, nicht bloße Unterstützungen, sondern vielmehr ständige Gehaltzulagen zu gewähren.
Bellinger: Damit ist noch wenig geschehen; die i Besoldung der Elementarlehrer muß höher gestellt wer- ' den, ob man dies durch Geld oder durch Grundstücke ! bewerkstelligen soll, muß eine besonders dazu erwählte : Commission untersuchen. Die Lehrer sollen künftig nicht ! nur Kinderlehrer, sondern Volkslehrer in ihrer ! Gemeinde sein, hierzu müssen sie aber eine unabhängige und bessere Stellung haben, als bisher.
Creuz stimmt dem vorigen Redner bei, will aber außerdem, daß die Kammer jetzt gleich ihre Gesinnung und Theilnahme an den Bestrebungen der Lehrer, eine bessere Stellung zu erhalten, bethätige; er trägt darauf an, schon in diesem Jahre statt der geforderten 10,000 fl. das Doppelte zu bewilligen.
Fresenius. Wir müssen sparen, wo es nur geht, aber an den Volksschulen können und dürfen wir nicht sparen. Ich stimme dem Antrag des H. Abg. Creuz zwar bei, trage aber weiter darauf an, die ganze Summe zu verdoppeln und nicht nur zu dem einen Posten von 10,000 fl. noch weitere 10,000 hinzufügen.
Kremer und Leisler sind auch dafür.
Wimpf. Allerdings ist der Lehrerstand besser zu stellen, allein dieß wird bei der neuen Organisation geschehen, besonders da, wie ich höre, viele Abgeordnete die Ansicht haben, daß die Schullehrer nicht von den Gemeinden, sondern vom Staate zu besolden seien. — Er ist gegen die Erhöhung der Summe.
Müller II. Diese Organisation wird erst später eintreten, allein das Bedürfniß liegt jetzt und sehr dringend vor.
(Die Fortsetzung morgen; von besonderer Wichtigkeit war noch in der heutigen Sitzung ein Antrag, den Wenkenbach I. im Verein mit Müller II., Gödecke, Justi, Creuz, Schmidt und Unzicker stellte: die Kammer möge, in Anbetracht der in der vorletzten Sitzung von Hrn. Reg.-Comm. Werren Namens der Regierung ausgestellten Behauptung, daß diese die Kammerbeschlüffe nicht zu vollziehen brauche, erklären, daß sie das von der Regierung in Anspruch genommene Veto nicht an, erkennen. Die Rechtfertigung des Beschlusses ward auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung, Freitag den 14. Juli gesetzt.)_____________________________________
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Möller.
Bekanntmachungen.
(SU) Es ist mir sehr schmerzlich, daß ich immer- wâdrend hören muß, ich hätte mein Kind vor- fâtziich durch einen Schuß unglücklich gemacht, was aber nicht der Fall ist, denn, im Begriff mein Gewehr zu Putzen, entwischte der Hahn meinem Daumen und der Schuß traf mein Kind. Ich fordere deshalb alle, die mich kennen, auf, ob Re mich nicht als redlichen Mann und als liebenden Familienvater tennen und mir je das Geringste nachsagen können.
Wiesbaden, 9. Juli 1848.
Peter Funk, Heidenberg No. 4b.
Die Ehefrau des Obigen bemerkt noch, daß eS heißt, sie wurde so vielseitig unterstützt und thätiger Antheil würde an ihrem Schicksal genommen, während, wenn uns nicht Herr Schneidermeister Rau und Herr Lazarus Levi mit einigen Gulden unterstützten, wir kein Brod mit unsern übrigen Kindern gehabt hätten.
(885) Zur Ueberwachung eines Hausthors auf dem Sande wird ein Frauenzimmer von mittlern Jahren gesucht, welche nebst freier Wohnung uud Heitzuna auch monatlich etwas Zulage erhält; nur solche, welche nicht gant unbemittelt sind, und über ihre Moralität sich vollständig ausweisen, dürfen sich bei der Expedition dieser BlatteS melden.
Turnverein.
(905) Donne-stag den 13. Juli b. JS., Abends 8 Uhr, Generalversamm- lnug in der „Schönen Aussicht" am Dotzheimerweg.
Die Tagesordnung bildet die Frage über den Anschluß an den demokratisch-republikanischen deutschen Turverbund, dessen in seinen Satzungen ausgesprochene Tendenz dahin geht: znr Erzielung der demokratischen Republik in Deutschland nach Kräften zu wirken.
Da ein hierauf bezüglicher Beschluß für den Bestand unseres Vereins von der größten Wichtigkeit ist, so wird um eine möglichst zahlreiche Betheiligung dringend ersucht.
Wiesbaden, den 8. Juli 1848. Ber Vorstand.
(911) Ein« Zündhütchen-Büchse mit Steh- schloß, w«lche auch mit Pulver und gewöhnlichen Zündhütchen gebraucht werden kann, sowie ein Paar vorzüglich schöne Pistolen find zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition.
(913) Gestern am 1t. Juni ist in der Colon- nabe eine goldene Armkette gefunden worden. Dieselde kann bei dem Finder, einem armen Jungen, aegen eine entsprechende Belohnung Langgaffe No. 38 in Empfang genommen werden.
Versteigerung.
(915) Mittwoch den 19. b. Mts., und die darauf folgenden Tage, Morgens 9 Uhr anfangend, läßt der unterzeichnete Vormund der Reinhard Genth'schen Erben auf der Petersau bei Castel die zur Hinterlassenschaft gehörenden Mobilien, „ I , 3 Pferde; viele Oeconomiegeräthschaften, als: Wagen, Karren, Pflüge, Eggen, Walze rc., sowie eine durch Pferde zu betreibeude Oel- und Mahlmühle, das Haus- und Weißgeräthe aller Art, mehrere Nachen und eine Nahe mit dem dazu gehörenden Geschirr, mehrere Bütten und Fässer, sodann 15 Malter Korn, Stroh, Heu, gedorrter Klee, viele Eentner altes Eisen rc., öffentlich an den Meistbietenden versteigern.
Mosbach, den 12. Juli 1848. Christian Genth.
(91‘2) Am verflossenen Samstag wurde von dem Cursaal durch die WilhelmSallee ein weißes Taschentuch, gezeichnet N. & G. verlöre«.
6
Der redliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen eine Belohnung an die Expedition diese» BlatteS abzugeben.
(e07) Neue Häringe bei Jf. Heckler.
(765) Auf dem Louisenplatz No. 6 steht der zweite oder dritte Stock, bestehend aus 8Zimmern, Küche, Speise- und Magdkammer, Dachkammer, verschlossenen Kellernn Bleichplatz, Regen- und Pumpwaffer, zu »ermietijen.
(901) 10 000 fl. find gegen Sichtliche Sicherheit auf Güter lOoolpl^M "uSzuleihm.
ijLMk Näheres in der Expedition die- seS BlatteS.
(908) 300 fl. liegen stündlich gegen doppelt gerichtliche Versicherung zum Ausleihen bereit. Wo? sagt die Expedition d. Bl.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritt er'schen Buchdruckerei.