Präsident mit den Vicepräsidenten und den Mitgliedern der Commission sich in dessen Absteigequartier begeben, um den Zeitpunkt zu vernehmen, an welchem derselbe der Nat.-Vers. sich vorstellen wolle. Zu der festgesetzten Zeit begibt sich sodann eine aus der Nat.-Vers. gewählte Deputation von 50 Abgeordneten zum Reichs- verweser, um ihn in die Kirche abzuholen. Daselbst nimmt er einen Ehrensitz ein, und der Präsident hält ihm gegenüber eine Anrede, verlieft nochmals das Ge- setz über die Centralgewalt. Hierauf verläßt der Reichs- verweser wieder die Paulökirche.
S i m o n aus Trier will, daß man keine Deputation dem Reichsverweser entgegenschicke, da es mit der Würde der Nat.-Vers. nicht verträglich sei.
Nach mehreren Rednern dafür und dagegen beschließt die Nat.-Vers., die Anträge der Commission an zu nehmen, und hierauf wird die Deputation der 50 durch das Loos gewählt. Den alten Arndt traf das Loos, was ein ungewöhnliches Vergnügen in der Nat.-Vers. hervorrief. Dasselbe fand statt, als Blums Name aus der Urne fiel.
Morgen Sitzung um 9 Uhr, an welche sich wahrscheinlich die Vorstellung des Reichsverwesers anschließen wird.
Frankfurt, 12. Juli. Empfangsrede des Präsidenten der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung, Hrn. v. Gagern, an den Erzherzog Johann: „Durchlauchtigster Erzherzog Reichsverweser 1 Die Nationalversammlung hat mich beauftragt, in ihrem Namen an der Spitze dieser Deputation Eure kaiserliche Hoheit bei Ihrer Ankunft ehrerbietig zu begrüßen. Dem allgemeinen Dankgefühle darf ich Worte leihen, das sich kundgegeben in dem in so erwünschter Weise schnell gefaßten Entschluß: die provisorische Cen- tralgewalt über Deutschland, die Eurer kaiserl. Hoheit gesetzlich übertragen worden ist, sofort übernehmen zu wollen. Ganz Deutschland vereinigt sich in diesem Dankgefühl, und sieht in der hochherzigen Entschließung Eurer kaiserlichen Hoheit, der die Ausführung unmittebar folgt, die Bürgschaft einer glücklicheren, n'ner glorreichen Zukunft. Wir dürfen voraus- setzen, daß es in der Absicht Ew. kaiserl. Hoheit liegt, in der National-Versammlung zu erscheinen, um dort mittelst feierlichen Akts die hohe Würde eines Reichsverwesers förmlich anzutreten. Es liegt mit in dem Zwecke unserer Sendung, daß wir Ew. kaiserlichen Hoheit Wünsche in dieser Hinsicht ehrerbietigst entgegen- nehmen."
Hierauf entgegnete der Reichsverweser:
„Ich danke Ihnen, meine Herren, für den Empfang. Als ich die Nachricht von der Wahl des deutschen Volkes bekam, war ich erstaunt, daß mein großes Vaterland, das große Deutschland, in meinen ab ten Tagen an mich einfachen Mann gedacht hatte. Es gibt Anforderungen an den Menschen, bei welchen er nicht schwanken darf, in welchen Lagen und in was immer für Verhältnissen er sich befinden mag. Wenn das Vaterland ruft, so ist es Pflicht, seine letzte Kraft, seine letzten Jahren demselben zu weihen. Dieß hat mich bewogen, Ihren Ruf anzunehmen, um mit Ihnen das große heilige Werk zu vollenden. Da habt Ihr mich; ich gehöre zu Euch."
Heute Morgen um 9 Uhr findet die feierliche Einführung des Erzherzogs-Reichsverwesers in der Versammlung der St. Paulskirche statt. (F- I.)
- Berlin, 7. Juli. (Wes.-Ztg.) In der heutigen Sitzung theilt der Präsident Grabow mit, daß ihm durch den Ministerpräsidenten zwei fernere königliche Botschaften für die Nationalversammlung zugegangen seien, 1) eine Botschaft wegen Errichtung der Bürgerwehr, und 2) ein Gesetz-Entwurf, betreffend die Verpflichtung der Gemeinden zum Ersatz des bei öffentlichen Ausläufen verursachten Schadens. Dieselben gehen zur schleunigen Berathung in die Abtheilungen. Es erfolgt alsdann die Anzeige, daß eine große Menge von Adressen, mci- stentheils um eine Beschleunigung der Verfassungs-Arbeiten bittend, eingegangen seien und zur Einsicht auf dem Büreau niedergelegt werden sollen. Eine fernere Mittheilung gibt Kenntniß von einem Schreiben des Ministerpräsidenten von Auerswald, in welchem er an- zeigt, daß der Marine-Ausschuß zu Frankfurt den Druck einer Denkschrift des Prinzen Adalbert von Preußen ' über die Bildung einer deutschen Flotte in 2000 Exemplaren auf Bundeskosten veranstaltet habe, wovon er 40 Exemplare übersendet. Es wird der besondere Abdruck dieser Brochüre für sämmtliche Abgeordneten beschlossen. Der Abg. d'Ester erhält für einen dringenden Antrag vor der Tagesordnung das Wort; derselbe geht dahin, daß die in der Sitzung vom 4. Juli nach der namentlichen Abstimmung noch gefaßten Beschlüsse a!S nichtig mögen aufgehoben werden. Die sofortige Dis- cussion wird jedoch mit 226 Stimmen gegen 151 abgc- Ichnt, und der Antrag daher auf die gewöhnliche Tagesordnung gesetzt. Jacobi begründet hierauf gleichfalls als dringend den Antrag, die hohe Versammlung möge beschließen, daß die preußische constituirendè Versammlung den von der deutschen National'- Versammlung zu Frankfurt gefaßten Beschluß, wonach ein unverantwortlicher Reichsverweser gewählt ist, nicht anerkennen könne, wohl aber anerkenne, daß cs jener Versammlung unbedingt zugestanden habe, diese Wahl ohne Zustimmung der einzelnen Regierungen vorzunehmc», daß die preußische Regierung daher nicht befugt war, bestimmte Vorbehalte in Beziehung auf die Wahl zu machen. Die Versammlung tritt dem Anträge Jacobi's bei, der Be
rathung dieses Gegenstandes die Priorität auf der Tagesordnung für nächsten Dienstag einzuräumen.
Der Antrag des Abgeordneten Greb el eine Commission zu ernennen, welche zum Zwecke der Debatte über die beabsichtigte Zwangs an leihe aus den sämmtlichen Büchern und Belegen über die Verwaltung der Finanzen und des Staatsschatzes vom Jahre 1840 an bis auf die Gegenwart die Versammlung mit der nöthigen Information versehe, wird wirklich zur sofortigen Erörterung gestellt und führt eine lange Berathung herbei. Besonders der Finanzminister Hansemann, der sich diesem Anträge widersetzt, muß vielfach scharfe Ausfälle auf seine frühere Wüksamkcit als Abgeordneter und seine jetzige Minister hören, und es wird die Verwaltung des Staatsschatzes einer überaus scharfen Kritik unterworfen. Schließlich erhält ein Amendement des Abg. Parisius, dahin -gehend, daß der Finanzminister aufgefordert werde, eine Vorlage über die Verwaltung der Finanzen und des Staatsschatzes in ehester Zeit, spätestens in 14 Tagen zu machen, und daß dann eine Commission zur Prüfung derselben niedergesetzt 'werde, die Beistimmung der Majorität der Versammlung. Eins Antrag des Abg. Wander zu beschließen, daß jeder Beamte, der Jemanden ungerechter Weise verhaften läßt, dem Verhafteten völligen Schadenersatz leiste und außerdem mindestens viermal so lange verhaftet bleibe, als er einer Person die Freiheit entzogen hat, wird durch die Erklärung des Justizministerö beseitigt, daß dadurch meistcntheils eine Strafmilderung eintreten würde, indem dieses Verbrechen schon jetzt eine 1% bis 2jährige Festungs-, event. Zuchthausstrafe nach sich ziehe.
Kiel, 6. Juli. (H. C.) Die Dänen sind unserem Heere denn neulich bei Flensburg wieder glücklich entkommen. Wie man früher bei Schleswig die günstige Gelegenheit, das ganze dänische Heer zu umzingeln und zu vernichten, verabsäumte, so soll es hier wieder versäumt sein, wenigstens einen Theil des dänischen Heeres in unsere Gewalt zu bringen. Nach einem uns vorliegenden Privatbriefe soll nämlich der durch seine glückliche Kühnheit schon bekannte, übrigens eben so vorsichtige als unternehmende Major v. d. Tann den Plan gemacht haben, in der Nacht, welche die Dänen zum eiligen Rückzug aus Hadersleben benutzten, mehrere Stunden vor dem Aufbruch unseres Heeres mit seinem Freicorps über die Haderslebener Föhrde zu gehen und den Dänen in die Flanke oder den Rücken zu kommen, so daß ihnen der Rückzug verlegt würde. Beim Angriff der schleswig-holsteinischen Truppen wären bann die Dänen zwischen zwei Feuer gebracht, und bei der gerade nicht sehr heldenmüthigen Stimmung des dänischen Heeres wäre für uns ohne Zweifel ein sehr glänzender Erfolg errungen. Der Prinz von Augustenburg aber, der als Befehlshaber der schleswig- holsteinischen Truppen bisher eben kein Feldherrntalent bewährt hat, hat nach diesem uns vorliegenden Brief die Ausführung des v. d. Tann'schen Plans verhindert. Eine sehr heftige Scene soll in Folge dessen zwischen dem Major V. d. Tann und dem Prinzen stattgefunden haben. Sie Dänen konnten nun glücklich aus Hadersleben fortkommen, und nur ein kleines, für uns günstiges Scharmützel war noch möglich. Der schon längst in unserm Lande verbreitete Wunsch, daß endlich einmal an die Spitze unseres Heeres ein tüchtiger General uuv an die Spitze unserer Kriegsverwaltung ein tüchtiger Kriegsminister gestellt werde, wird immer dringender. Den keineswegs ganz ungerechten Vorwürfen, mit denen man uns in Deutschland von allen Seiten überhäuft, Warden wir dann doch.einmal ein Ende machen können.
Hamburg, 8. Juli. (B.-H.) Aus guter Quelle erfahren wir, daß Graf Pourtales und der schweogche Unterhändler mit den Bedingungen des Waffenstillstandes erst am Mittwoch Abend von Malmö in Berlin eingetroffen sind, am Donnerstag die ersten Conferenzen mit dem preußischen Ministerium gehabt haben und Abends nach Potsdam zum Könige gegangen sind, mit dein gestern (Freitag) Conferenzen statt- gefunden haben werden. Es ist also nicht zu verwundern, daß wir heute noch nicht über das Resultat unterrichtet sind.
Braunsdorf in Schlesien. Das Volk ist hier ganz wach; ich wollte den sehen, der cs jetzt wieder zurückzudrängen im Stande wäre. Auch unsere slavischen Brüder sind ganz andere Leute als die böhmischen Czechen. Sie erkärten feierlichst durch ihre Unterschriften, daß sie mit den deutschen Schlesiern wie Brüder in Ein tracht leben und von einer Einverleibung mit Böhmen nichts wissen wollen. Sie wollen im Bunde mit uns deutschen Schlesiern die Auwart- sch.aft besitzen aus eine freie glückliche Zukunft, indem die Freiheit Zweck, die Sprache nur M itel zu dem Zwecke sei. Möchten alle Slaven so denken und einschen, daß nur ein festes Zusammenhalten zur volksfreundlichen Freiheit, der von einigen Kurzsichtigen augefachte Sprachen- (nicht Nationalitäten-) Kampf nur der lauernden Reaction in die Hände arbeitet. (Allg. Oesterr. Ztg.)
Vom Dniester, 30. Juni. Der Jesuitenorden muß in Folge eines Ministerialerlasses nun auch Galizien bis zum 15. Juli verlassen. Wie bekannt, hat dieser Orden in Galizien folgende 4 Posten inne: zu Lemberg ein adeliges Condikt, in Westgalizien und zwar zu Neusandec ein Gymnasium, in Ostgalizeen und zwar zu Tarnopol ein Gymnasium und eine philosophische
Lehranstalt, endlich zu Starowics, Sandecer Kreises, welches Dorf zugleich ein Eigenthum dieses Ordens ist, eine Pflanzschule und Verbannungsort für die Jesuiten in Galizien. Dieser Orden hatte, wie zu ersehen, seine Arme über ganz Galizien ausgebreitet. (A. O. Z.)
Donau-^ürftenthümer.
Von der Moldauer Gränze, 29. Juni (Bresl. Ztg.) Nach übereinstimmenden Nachrichten aus der Moldau und Wallachei hat der Hospodar der Wallachei, Fürst Bibesko, eine höchst zweioeutige Rolle bei den neuesten Bukarester politischen Bewegungen gespielt. Er schloß sich den Bojaren, welche die Bewegung leiteten, an, und stellte sich im entscheidenden Momente sogar an ihre Spitze. Mit dein russischen General Duhamel, der sich hierüber entrüstet stellte, da sich die Verschwörer vom russischen Protektorate lossageu wollten, war Alles abgemacht, und so der Vorwand zum Einmarsch russischer Truppen in die Donau-Fürstenthümec bewirkt. Die Bojaren find in die Falle gegangen, und die Folgen dieses Einmarsches sind unberechenbar. Was England und Frankreich zu diesem ersten Schritte Rußlands,,der eine Besetzung von Constantinopel in Aussicht stellt, sagen wird, muß sich bald entscheiden. Nach den bestehenden Traktaten ist Rußland bei dieser Besetzung zwar im buchstäblichen Recht, indem ausdrücklich zwischen Rußland und der Pforte stipulirt ist, daß, im Falle Unruhen in den Fürstenthümern ausbrechen erstere Macht sogleich einrücken kann. Auch halte General Duhamel den türkischen Kommissar Talat Effendi am 23. in Jassy an seiner Seite, als die Russen einrückten. — Bedenkt man nun die bedrohliche politische Lage, in der sich in diesem Augenblicke der ganze Con- tinent, vorzüglich aber ber österreichische Kaiserstaat befindet, so sieht man in diesem Ereignin nichts anderes, als die alte, standhaft verfolgte russische Politik, sobald Europa der Revolution verfallen ist, über das otto- manische Reich herzufallen, und vorerst die Donau- Mündungen ganz in Besitz zu n hmen. Die Bestürzung ist in Bukarest, wo man die Russen stündlich erwartet, gränzenlos. Die compromittirtcn Bojaren flüchten sich. An einen Widerstand ist nicht zu denken.
Ungarn.
Pesth, 3. Juli. Sämmtliche ungarische Erzbischöfe und Bischöfe haben dem Erzherzog Statthalter erklärt, daß sie bereit sind, allen ihren Gütern, zu Gunsten einer besseren Besoldung der Pfarrer, zu entsagen. Bedenkt man, daß mancher Erzbischof in Ungarn mehr als eine Million jährlich Revenüen bisher bezicht, so wird man diese zuvorkommende Entsagung nicht nur klug, sondern auch patriotisch nennen müssen. (Br. Z )
S p a it i e tu
(Carlist i' scher Aufstand.) Den modernsten Revolutionen für Volkssouveränität und für Freiheit in ihren äußersten Cousequenzen stellt plötzlich die pyre- nässche Halbinsel einen seltsamen Contrast gegenüber. Während nordwärts vom Gebirge die Republik „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf ihre Barrikadenf.ch- nen schreibt, erhebt auf den südlichen Abhangen Don Ramon Cabrera wieder einmal das al c Banner der Glaubensarmee und den Kriegsruf „Die heilige Jungfrau und Karl VI.!" Am 24. v. M. betrat der gefürchtete General mit einem zrhlecichcn Stabe und vielen Reitern bei der Pia de Salinas den spanischen Boden,' auf welchem sein alter Waffengefährte Boquica ihn bereits mit 1000 Mann erwartete. Die Führer umarmten sich mit Thränen in den Augen, nnd Cabrera sprach: „Vorwärts meine Freunde! Laßt uns unsern Feinden und Europa beweisen, daß für ein unglückliches Land keine andere Rettung ist, als in dem Königthum Karls VI. Vorwärts, der S eg erwartet uns!" Unt r lautem Jubelrufe auf Cabreka und den rechtmäßigen König setzte sich dann die Kolonne nach Süden zu in Marsch.
Cabrera hat einen feurigen Aufruf an die Männer Spaniens erlassen. Er fordert sie auf, den Thron Ferdinands, welchen ein verderbter König des Auslandes.im Bunde mit einer entarteten Prinzessin zum Gegenstände der Spekulation gemacht hat, und die glänzendste Kröne des Erdballs, welche durch finstere Hri- rathsränke an Weiber und Fremdlinge verkauft worden ist, dem rechtmäßigen, von Gott gesalbten Könige zu- rückzugeben. Die Franzosen hätten bereits den Urheber des schändlichen Verraths von ihrem Boden vertrieben; Spanien w rde nicht länger s ine ruchlosen . Helfershelfer an seiner Spitze dulden. Der alten erlauchten Fahne sollen sie sich zuwenden, welche auf der einen Seite die Aufschrift „Karl VI., auf der andern das erhabene Wort „Svauische Unabhängigkeit" führt. Aber selbst auf Cabrera ist der Geil der Zeit nicht ohne Einfluß geblieben. Er verlangt keine Rache; er will nur Gerechtigkeit, und er empfiehlt seinen Anhängern Milde und Verzeihung gegen alle Femde die sich unterwerfen.
Freilich werden die wilden Guerillas, aur deren Karabiner das göttliche Recht der Bourbonen sich vor. zugsweise stützt, von dieser neuen Lehre ,v wenig verstehen als ihnen convenirt.
Weitere Nachrichten über den Marsch Cabrera's fehlen bis jetzt noch; aber man weiß, daß am 29. v. M. auch die Generäle Elio, Abra, Arrago, Zavala, Zuzi'nt' und andere Anführer der Karlisten in Navarra cne Fahne des rechtmäßigen Königs entfaltet haben.