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Arm Leitung.

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âeiheit und NeehL!"

^ 127. Wiesbaden. Donnerstag, 13. Juli 18L8.

Die Freie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., halbjährig 3 fl. 30 fr.; auswärts durch Die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großh<rzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke 5 fL -

Jnssrate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

A^^^ Vielseitig geäußerten Wünschen zu entsprechen, haben wir uns entschlossen, außer dem halbjährigen nunmehr auch ein vierteljähriges Abonnement zum verhâltnißmäßigen Preise eintreten zu lassen.

Die deutsche Centralgewalt.

(Schluss.)

III.

Die Unverantwortlichkeit der höchsten VollziehungS- gewalt ist in der That nur ein Ideal, ein Traum der Doctrinärs. Sie ist gar kein haltbarer Begriff und nicht praktisch ausführbar. Was bedeutet die Ver­antwortlichkeit vor Gericht, gegenüber dem schrankenlosen Urtheil der freien Presse?

Und welchem Manne ist die Ehre nicht höher als sein Lebeu?

Ueber die Ehre sitzt aber die freie Presse stets zu Gericht!

Die Unverantwortlichkeit ist die Brücke, mit welcher jene Gelehrten aus dem Mittelalter in die Neuzeit hinab­steigen wollen. Aber hat man es denn nicht vernom­men, wie diese Brücke in Frankreich donnernd zusam- menbrach, wie sich da zeigte, daß sie in der Luft schwebte, ohne Stützpfeiler und Haltpunkte? Versteht man so Geschichte? Hört es ihr Tauben und Harthörigen Seitdem die Fürsten von Volkes Gnaden und nicht mehr von Gottes Gnaden, seitdem ist die Unverantwort- lichkei't ein Unding.

Ein Abgeordneter der Nationalversammlung hat sich in dem Frankfurter Journal vom 2. Juli der undank­baren Mühe unterzogen, dem deutschen Volke zu zeigen, daß der Unverantwortliche eigentlich doch verantwortlich sei. Er sagt: wir, die wir für Unverantwortlichkeit stimmten, wollten dem Streben der Ehrgeizigen nach dem Besitze der höchsten Gewalt den Boden wegneh- men; der Eine, der an der Spitze steht, ist Niemand Rechenschaft schuldig, allein er kann nicht handeln, ohne seine verantwortlichen Minister: sein kleinster Befehl be­darf zur Gültigkeit einer Gegenzeichnung der Minister. So ist es dem Machtinhaber nur möglich, Böses zu verhindern, nicht aber Böses zu thun:

O des leeren Traumes und Schaumes! Hat Euch Louis Philipp nicht eines Bessrn belehrt? Wer hat jemals unter dem vollkommensten Schirme des Rechtes mehr Böses verübt?

Wenn ihr die höchste Macht an Händeu und Füßen durch eure Unverantwortlichkeit fesselt, so kämpft freilich der Ehrgeiz nicht um den Sitz auf dem Thron, wohl aber um den auf der Ministerbank die Minister sind eigentlich die Regenten, und nur wer verant­wortlich, regiert auch.

Ist der höchste Gewaltinhaber ein thatkräftiger, sei­ner Kraft bewußter Mann, so wird er regieren wollen,

und regieren: auch ohne Minister die Werkzeuge Louis Philipp's haben es euch bewiesen; bekümmert sich aber der Gewalthaber um mchts: nun so ist eben der Ministersitz höchstes Ziel des Ehrgeizes.

Die Mehrheit der Versammlung in Frankfurt ist, überall hört man eS heraus, bei Dahlmann und Ger- viaus in die Schule gegangen.

Dahlmann wollte um jeden Preis die Unverant­wortlichkeit durchsetzen, um einen Uebergang zum Kaiser- thum zu haben. Er scheint diese Abendröthe deutschen Glanzes der Morgenröthe der Freiheit unserer Zeit noch nicht unterzuordnen, und eben dieses Uebergangs wegen ging man auch nicht auf den Wunsch der Linken ein, der lautet:

Der Reichsverweser hat die Beschlüsse der Natio­nalversammlung zu verkünden und zu vollziehen: man wollte das absolute Veto des einstigen deut­schen Kaisers vermitteln.

Nun wir glauben uuS nicht zu täuschen, daß auch diese Vermittelungsbrücken auf Sand gebaut seien; der Kaiser Dahlmanns ist schon längst schlafen gegan­gen, Ihr aberseid nicht imStande, Todte zu erwecken! ,

DerdeutscheZuschauer" über die Naffausche Ständekanl »er.

Die Nassauische Ständekammer in ihrer Zusammen­setzung fiel für die Bewohner Nassau's gerade so aus, wie Die Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. für Deutschland. Man hoffte von dieser, wie von jener, energische Handlungen, und hat sich zum Theil we­nigstens getäuscht. Eine der Hauptursachen, welcher wlr die, dem energischen Fortschritt nicht günstige Zu­sammensetzung der Kammer zuschreiben müssen, ist die natürliche Folge des früheren politischen Vervummungs- und Abhängigkeitösystems, nach dessen Entfernung das unbedeutendste Licht, welches sich hier und da einmal erlaubt hatte, hinter dem Weinttsch mit dem unrecht­mäßigen Domänenbesitz der regierenden Familie flüsternd anzu spielen, später aber nach dem 4. März zur Wie­derherstellung der Ruhe, Athem und Leben fast geopfert hatte, sofort für sehr geeignet befunden wurde, in der Ständtkammer das Interesse des Landes zu vertreten. Der Mangel an Parlamentarischen Talenten unter dem besseren und gediegeneren Theil der Kammer mag wohl auch seinen Grund in dem bisherigen, nichts weniger wie öffentlichen, Leben haben, sowie die geringe poli­tische Bildung bei der Mehrzahl der zurechnungsfähigen

Elemente wohl ihren Grund in den Folgen des im Sturz begriffenen Systems der Unterdrückung jeder po­litischen Ansicht haben mag. Die gegenwärtige Kam­mer würde vor einem Jahre sich nicht gerade, was Rührigkeit anbelangt, unter andern deutschen Kainmern zurück haben finden lassen, aber für die Gegenwart ist sie in ihrer Mehrzahl nicht elastisch, nicht belebt genug, um den Anforderungen der Zeit zu entsprechen. Wir wollen nun die einzelnen bemerkenswerthen Persönlich­keiten unter Bemerkung ihrer politischen Farbe zu zeich­nen versuchen.

Vor allen Dingen sei der drei Ueberreste auS der vorjährigen Kainmer, in Berücksichtigung ihrer damaligen politischen Wirksamkeit (!) gebührend gedacht, deren erster, Herr Bertram aus Wiesbaden, viel Geist zu entwickeln sucht, was ihm aber, da er sich als Träger gewisser allgemein nassauischer *) Ten­denzen geriet und dabei schlecht spricht, nicht recht ge­lingen will. Eine hie und da eingeworfene geistreiche Frage, z. B. woher es wohl kommen möge, daß das Wiesbadener Crimenalgericht weniger Geld koste, als das Dillenburger, zog erst unsere Aufmerksamkeit auf den Fragesteller. Die Hauptgegenstande seiner ange­strengtesten Aufmerksamkeit sind Pie Bewerb- und Han­delsfragen; auch ergreift er jede Gelegenheit, um der Versammlung sein Rednertalent (?) nicht vorzuent- halten.

Siebert von Hadamar, eine stattliche Figur, mit kräftigem Organ, berechnet unaufhörlich, wie viel die Verhandlungen dem Lande kosten mögen, und zeigt bitteren Groll wegen einiger Druckfehler in den Protokollen. Man muß demselben die Anerkennung seines Strebens nach wirklicher Wohlfahrt des Landes, so weit er es zu verstehen glaubt, ohne Widerrede zollen.

Das dritte übriggebliebene Mitglied der vorjährigen Kammer, Herr Müller von Eschborn (ij spricht wenig oder gar nichts (woran er sehr wohl thut), stimmt mit der Mehrzahl und scheint mit seinen Wäh­lern im offenem Kampf, bezüglich seiner parlamentari­schen Tüchtigkeit zu sein, wie aus einem Artikel Nro. 110 der freien Zeitung hervorgeht.

Herr Müller von Nastätten (II.) greift mit Energie die Mängel des bestehenden Systems an und will das System zum Sturz bringen. Tüchtige Gesinnung und viel Energie sind bei demselben nicht zu verkennen, wir glauben aber, daß seine ehrenwerthen

) Von der Nassauer allgemeinen) Zeitung, welche uns we­

nigstens ultra-couservativ scheint. «Amuerk. des d. Zusch.

Der Fluch.

Aus Gerstacker's Mississippi-Bildern,

(Fortsetzung.)

Der Gedanke an Verhungern durchfuhr mich wle ein Blitz, ich sprang auf und versuchte aufs neue mit der Stärke der Verzweiflung, die steile Höhe hinauzuklim- men aber vergebens, ich fand keinen Halt, und der Stamm, der freilig oben enger wurde, war unten, wo ich mich befand, zu weit, meinen Rücken dagegen zu stemmen und mich vieleicht auf die Art in die Höhe zu arbeiten ich fiel zurück. Wilde Gedanken von Selbst­mord gingen mir durch das Hirn, und ein wahrer Trost war mein Messer, das ich an der Seite fühlte; ich wußte doch, daß ich gegen Verhungern geschützt war.

Als ich noch so finuend und die Hände krampfhaft gefaltet dasaß, war es mir, als höre ich etwas sich drau­ßen am Baume bewegen und ankrallen. Ich hielt den Athem an und lauschte es war am Baume, und wie mir schien, etwas höher, als ich mich befand ich wollte schreien, doch in dem Aaugenblicke verdunkelte sich die Oeffnung über mir, dichte Finsterniß umgab mich, aber der Gedanke drängte sich mir auf: Es ist der Bär, der in sein Bett zurückkehrt, das er, wie Ihr wißt, um diese Jahreszeit oft verläßt, um zu trinken.

Was jetzt thun? mit ihm um mein Lebe» kämpfen? cs war kaum des Kampfes werth doch riß ich das

Messer aus der Scheide und erwartete den langsam und behaglich Heruntersteigenden (die Höhlung war wohl an die dreißig Fuß tief), der wohl nicht ahnen mochte, welche Gesellschaft er unten fände. Als er aber tiefer kam, erwachte in mir eine andere Idee ich stieß das Messer in die Scheide zurück, und gerade, wie er dicht über mir war (Ihr wißt, er geht stets mit dem Hin­tertheile zuerst in einen hohlen Baum), klammerte ich mit verzweifeltem Griffe beide Hände in das dicke Fell an seinen Hüften und erfaßte, um ganz sicher zu sein, den kurzen Schwanz mit den Zähnen ich stak an ihm wie ein Blutegel. Was der Bär damals gedacht hat, als er auf solch sonderbare Weise in seinem eigenen Hause empfangen wurde, kann ich nicht sagen; das weiß ich aber, daß er im ersten Schrecken nicht schlecht in das faule Holz einkratzte, als er mit den gewaltigen Tatzen ausfuhr und sich mit ungeheurer Kraftanstrengung und in wilder Eile den Weg hinaufarbeitete, den er erst eben so behaglich und mit sich selbst zufrieden heruntergekom­men war. Meine einzige Angst war nur, daß seine Kräfte unterwegs ausgehen möchten, das hatte aber keine Roth hinauf ging's wie ein Räderwerk, und kaum sah ich mich oben wieder mit dem Kopfe im Freien, als ich meine Zähne und Hände öffnete, den Bären befreite und mich selber an dem Rande der Oeffuug anklammerte, um nicht zum zweiten Male hinunter zu fallen, denn der Bär wäre wahrlich nicht so schnell wieder zu meiner Hülfe gekommen. Wie Gottes Donner fuhr er an der

Eiche hinunter, und ehe ich mich noch recht festseyen und die Haare, die ich von dem Hintertheile des Bären im Munde behalten hatte § ausspucken konnte, war die Bestie schon im Dickicht verschwunden.

Und da habt Ihr Euch' nicht einmal bei ihr be­danken können? lachte Stevens.

Bedanken? nein? brummte Harper der Racker war in unmenschlicher Eile, ja wahrhaftig, nicht ein­mal um jäh er sich, wen er da eigentlich im Schlepp­tau gehabt übrigens hätte ich mich auch ohnedies in der Geschwindigkeit mündlich nicht bedanken können, denn als wir oben anlangten, hatte ich das ganze Maul voller Haare.

Unter Lachen und Erzählen verging der übrige Theil des Abends und es wurde endlich Zeit sich niederzulegen. Henry und Jim trugen noch ein paar tüchtige Klötze in die Flamme, schoben die Kohlen zusammen und holte« ihre Zinnbecher voll Wasser von dem nahen Bache, um, wenn sie in der Nacht einmal trinken wollten, nicht barfuß dorthin gehen zu müssen, zogen dann ihre Leggins oder Kamaschen und Moccasius aus, deckten dieselben auf ihre Büchsen, die sic neben sich legten, rvllteu sich in ihre Decken und waren bald, wie die beiden Alte«, in tiefen Schlaf versunken.

(Fortsetzung folgt.)