Einzelbild herunterladen
 

verkündigt. In Folge der von dem Vorsitzenden Wirth in der vorhcrgcgangenen Sitzung gegebenen Erklärung sollte noch die Wahl eines neuen Vorsitzenden geschehen. Da indessen eine Verständigung zwischen Wirth und Hehn er stattgefunden hatte, so erklärte Wirth, daß die angekündigte Wahl unterbleiben werde. Die Ta­gesordnung war erschöpft und die Sitzung wurde ge- ichlossen.

Die nächste Sitzung ist Dienstag den 11. Juli, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung:

1) Regierungscrigenzetat Nro. 11. (Cap. 5 Schul­wesen, Fortsetzung)

2) Instruktion zum Jagdgesetz,

3) Petitionöbericht.

Markscheiden auf den Braunkohsengruben des Wester­waldes. Für Reisekosten sind verwilligt 5725 ff. Die als Beitrag zu den Druckkosten einer ffstematifchen Versteinerungskunde und Geognosie von Nassau durch die Gebrüder Sandberger angeforderte Summe von 1000 wird gestrichen. Fresenius sprach für Ver- Willigung von 500 fl. Wim Pf wollte eventuell die Summe verwilligt wissen, wenn statt der bisherigen die Industrie nicht fördernden Petrefaktenkunde mehr praktssche Untersuchungen, z. B. über Lagcrungsver- Hältnisse rc. angcstellt würden. Beide Anträge hatten keinen Erfolg. . L

VI Mcdiemasiveicn. Dafür werden im Ganzen 69 383 fl. verwilligt, angefordert waren 84,969 fl.

' Für Besoldungen werden verwilligt 25,954 fl. statt der angeforderten 26,152 fl., wovon der Frucht­mehrbetrag für 9 Individuen gestrichen wird. Der Ausschuß spricht dabei die Erwartung aus, daß für den Badearzt in Wiesbaden künftig keine Besoldung mehr angefordert würde, die frühere Kammer habe sich schon gegen die Wiederbesetzung dieser Stelle verwahrt; es würden sich, falls es hier an einem Badearzt fehle, tüchtige Aerzte aus dem Lande finden, die die Stelle mientgcidlich übernehmen würden.

Für Canzlei aufwand verwilligt 980 fl..

Für Reisen 24,850 fl., 700 fl. weniger als tm vo­rigen Jahr, wegen des Ausfalls von 4 Medicinalac- cefsistkn.

Für die Irrenanstalt waren angefordert 29,938 fl. Verwilligt werden 14,950 fl., indem auf den Antrag der Commission von den angeforderten 20,987 fl. für Mobiliar in diesem Jahr nur 6000 fl. verwendet wer­den sollen. Wimpf findet es bedenklich, daß seit Jah­ren so viel Geld für die Irrenanstalt in Nassau ver­wendet würde; wenn Jemand im Ausland diese Sum­men läse, so müßte er das halbe Herzogthum für när­risch halten!

Für die Hebammen lehre und Entbindungsan­stalt werden die angeforderten 2649 fl. bewilligt.

Für Druck der Sanitätsbcrichtc werden 400fl. verwilligt, obgleich Hehn er aus Streichung angetragen und gesagt hatte, daß mit Demselben Recht die Theo­logen, Juristen rc. eine UnterstützungSfumme für Zeit­schriften fordern könnten.

In Cap. VII. Zuschüsse zu milden Fonds, werden gefordert in Tit. 1, 20,000 fl. als Beitrag zur allgemeinen Armenversorgung. Eine Bemerkung in demBcrichte, daß die Anforderungen von Jahr zu Jahr gewachsen sei, woran die bisherige unzweckmäßige Or­ganisation der Armenpflege einen bedeutenden Antheil babc, führte zu einer Erörterung zwischen dem Abg. Bertram, welcher dieses Capitel des Gesammtberichts bearbeitet hat, und dem Reg.-Commissär Werren, indem letzterer nicht die Organisation der Armenpflege selbst diesem Tadel unterworfen haben wollte, wenn er auch flirr und da Mangel in der Ausführung zuge­stehen müsse. W impf stimmte Bertram bei und meinte die Geistlichen trugen vielfach Schuld an dem geringen Erfolge der Armenpflege, da sie häufig die Unter­stützung den Betschwestern zugewenvet hatten.

Die angeforderten 20,000 fl. werden bewilligt. Ebenso die in Tit. 2 dieses Capitels angeforderten 9288 fl., als Beitrag zu der allgemeinen Watsenver- sorgung.

In Tit. 3 wird ein von 3860 fl. zur Civil-Witt- wen- und Waisencasse gefordert. Der Bericht hatte 2000 fl, die zur Eapitalanla'ge bestimmt waren, ge­strichen, weil sie bei der Beschaffenheit des Fonds ab­gehen könnten, ohne daß irgend ein Abzug an bewillig­ten Gnadengehalten nöthig würde. Reg-Com. Gieße verwahrt sich gegen diesen Abstrich, weil die Anforde­rung auf gesetzlichen Bestimmungen beruhe und nach einigen Erörterungen zwischen Diesem und dem Abg. Bertram, welcher den von ihm beantragten Abstrich aufrecht erhalten wollte, bewilligt die Kammer die angeforderte Summe von 3860 fl. unverkürzt.

Die genehmigte Etatssumme für dieses Capitel be­trägt im Ganzen 33,148 fl., während im vorigen Jahre 48,897 fL bewilligt worden waren.

Das Cap. VIII. Bcsserungs- und Strafan­stalten, fordert:

a) für das Cvrrectionshaus zu Eberbach 25,814 ff.

b) für das Zuchthaus zu Diez . . . 25,671 fl. im Ganzen 51,485 fl. welche auf den Antrag der Com- mission bewilligt werden.

Ebenso die in Cap. XIV. angeforderten 2800 fl. für Ueberzugslosten.

In Cap. XVi. Landesschulden werden zur Deckung der Zinsen und zur Schuldentilgung 164 644 für 1848 angefordert und bewilligt.

Cap. IX.Beförderung der Landwirth- schaft und Industrie" konnte noch nicht zum Vor­trage kommen, weil der mit der Bearbeitung dieses Capitels der Regierungserigenz beauftragte Abgordnete Wimpf seinen Bericht noch nicht vollendet hatte.

Der Bericht über Cap. XV.Unvorherge­sehene Ausgaben" wurde ausgesetzt, bis einige am Anfänge der Sitzung nachträglich von der Reg-Com­mission eingebrachte Vorlagen von der Commission be­gutachtet seien. Die Kammer verwandelte sich nun in einen allgemeinen Ausschuß uad zog sich in ihr Bera- thuugsznmner zurück, um sich über den Vorschlag der Spezialcommisston der Landescreditkaffe in den einzelnen Aemtern zu verständigen.

, J^a$ halbstündiger Unterbrechung wurde die Sitzung wieder ausgenommen und das Ergebniß der Berathung

Deutschland.

Wiesbaden, 8. Juli. In Folge der eingetretenen Umgestaltung der Landescreditcasse werden bald in ver­schiedenen Städten des Herzogthums Diskontobanken errichtet werden. Wo bleibt dagegen unser Wechsel- recht? Bei Den mannigfaltigen Ansprüchen, die an die Reichsvcrsammlung gemacht werden, kann es doch noch sehr lange dauern, bis wir in ganz Deutschland ein gemeinsames Wechfclrecht haben. Andere deutsche Staa­ten haben bis dahin wenigstens eine Aushilfe in ihren besonderen Wechselrcchtcn, indeß das Herzogthumganz ohne dieselbe ist.

Wiesbaden, 10. Juli. Wir können uns nicht ent­halten, das Programm der heute dahier stattsindcnven Feier zu Ehren des Reichsverwesers Erzherzog Johann mitzutheilen, es erscheint uns dasselbe sehr würdlg, von anderen Städten als Richtschnur angenommen zu wer­den (besonders zur Fastnachtzeit):

Programm.*)

Die öffentliche Feierlichkeit zu Ehren des ReichS- verwesers von Deutschland.

Kommt die Nachricht der Annahme Seitens des Reichsverwesers früh Morgens, so findet Geläute und Schiefen, (Kirchengeläute und 101 Kanonenschüße von 1112 Uhr statt. Wenn sie Nachmittags ankommt die Verkündigung durch Geläute und Kanonendonner Abends von 78 Uhr. In beiden Fällen Abendö um 9 Uhr Zapfenstreich der vereinigten Militär und Bür­germusik.

Die Feierlichkeit beginnt den darauffolgenden Tag früh Morgens um 6 Uhr mit einer Reveille der Bür­gerwehrmusik, sodann um 10 Uhr (wenn es Sonn­tag ist um 11 Uhr) Generalmarsch der Bürgerwehr; die Häuser der Start sind mit Fahnen geschmückt. Die Bürgerwehr versammelt sich in Der Schwalbacherstraße, das Militär in Den Kasernen. Die Bürgerwehr zieht mit Fahnen und klingendem Spiel über den Michels- berg, durch die Lang- und Webergaffe und stellt sich in Der Wilhelmsstraße auf. Die Infanterie in Pa­radeuniform zieht mit Musik und Fahnen durch die FriedrichSstraße, Die Artillerie durch die Louisenstraße. Alle drei Waffengattungen sind in der Wilhelmsstraße in eine Linie ausgestellt; die Infanterie bildet den rech­ten Flügel, die Bürgerwehr die Mitte und die Artil­lerie den linken Flügel. Der Stadtvorstand, der Stadtrath, die Geistlichkeit, Mitglieder oder Abgeord­neten Der Behörde, auch die Mitglieder der Kammer haben sich auf dem RathhauS versammelt und verfügen sich in einem Zuge von da über den Markt und durch die Burgstraße nach dem Platze vor der Kursaalwiese, sich an den rechten Flügel des Linienmilltärs anschlie­ßend. Nachdem der Herzog erschienen und die Fronte heraufgeritten ist (Gewchrpräsentirt), stellen sich die Bewaffneten in Colonne auf, marschieren nach der Kursaalwiese und bilden ein geschlossenes Quarre, wäh­rend der Herzog, der Stadtrath, Stadtvorstand, Geist­lichkeit re. rc. sich auf die Mitte der Kursaalwiese be­geben. (Im Innern des Vierecks darf sonst Niemand stehen.) In der Milte des großen Vierecks, steht eine Trübiene, Geistlichkeit, Magisterrath rc. rc. stellen sich um dieselbe, an tie vier Ecken nach außen gekehrt.

Wenn daS Quar« geschlossen ist, (Gewehrpräsen- dirt.) Jetzt steigt Der Herr Präsident Hergenhahn auf die Trübiene, ruft mit lauter Stimme,

es lebe der Erzherzog Johann von Oester- reich, der gewählte Reichsverweser der deut- scheu Nation hoch! höch! hoch!!

Während diesem Hoch Tusch Der Musik.

Der Verkündiger steigt herab, (Gewehr geschultert.) Ein Geistlicher steigt hierauf auf die Trübiene, spricht einige Worte des Dankes, mahnt zur Einigkeit rc. Er steigt herab. (Vielleicht spricht jetzt der Herzog j einige Worte) dann der Präsident der Deputirtenkam- i mer, besteigt die Trübüne (Gewchrpräsentirt) er ruft i laut unser Herzog lebe hoch! hoch! hoch! (schulterts i Gewehr.) Der Zug des Magistrats Der Geistlichkeit ! re. ec. bleibt um Den Herzog, vornen an der Wiese nach dem Hotel Zais gerichtet. Alle Truppen Defilieren vor I dem Herzog und ziehen durch dieselben Straßen, wie sie gekommen sind.

Zuletzt geht der Zug des Magistrats, der Geist­lichkeit 2C. rc. wie er gekommen nach dem Nathhaus.

Köln, 8. Juli. Lange Zeit war vor den großen politischen Ereignissen das im künftigen Monate zu I feiernde Dombau-Fest in den Hintergrund getreten; man

*) Anm, Ganz buchstäblich abzedruckt.

hatte nicht den rechten Muth, die längst besprochenen großartigen Vorbereitungen zu verwirklichen, weil man Besorgnisse über die politischen Zustände Deutschlands hegte. Jetzt, nachdem durch die Wahl des Reichsver- wesers eine frohere Aussicht in die Zukunft eröffnet ist, erscheint die bevorstehende Säcular - Feier des Kölner Domes als die nächste Veranlassung für die deutsche Nation, den errungenen Fortschritt durch ein Freuden- Fest zu bezeichnen. Der Dombau-Verein ist gegenwär­tig beschäftigt, die längst besprochenen Anstalten in's Werk zu setzen und dem Feste einen möglichst großarti­gen Charakter zu geben. Ohne dem durch den Vor­stand des Vereines zu veröffentlichenden Programme vorzugreifen, kann schon so viel aus der zuverlässigsten Quelle mitgctheilt werden, daß an drei Tagen, denZ.4., 15. und 16. August, die 600jährige Jubel -Felek der Grundsteinlegung, die Consecration der in der neuesten Zeit vollendeten Theile des Domes und die große Haupt- Versammlung der Vereins-Genossen Statt finden wer­den. Man gibt sich der Hoffnung hin, die Festlichkeiten durch die Gegenwart des Reichs-Verwesers, welcher bei der Grundsteinlegung im Jahre 1842 die jetzt erfüllten prophetischen Worte sprach, unseres königlichen Protek­tors und der hohen Reichs-Versammlung von Frankfurt verherrlicht zu sehen, und es läßt sich von der Kölner Bürgerschaft erwarten, daß sie mit dem Dombau-Ver- eine Alles aufbieten werde, um diese drei Tage des kommenden August den schönsten in ihren Annalen an», zureihen. Die in den nächsten Tagen abgehende, die Festlichkeiten betreffende Adresse an Pius IX., an deren künstlerischer Ausstattung die Herren Rambour und Levy Elkan während sechs Monaten gearbeitet haben, und die in diesem Augenblicke mit zahlreichen Unter- schristen bedeckt wird, ist wahrhaft ein Prachtwèrk^« nennen und wird in Rom der Stadt Köln und dem ' ganzen Dombau-Vereine Ehre machen. (K. Z.)

Freiburg , 5. Juli. (N. R. Z.) Gestern Vormittag ist auf Befehl des hiesigen Stadtamtes ein Lehrer am Lyceum, Hr. Hannemann, verhaftet und in das Kriegs­gefängniß geführt worden. Abends wurde er wieder in Freiheit gesetzt. Ursache der Verhaftung war, daß er für die republikanischen Flüchtlinge Beiträge sammelte. So eben (Morgens 6 Uhr) rücken 300 Mann würtembergische Reiterei hier ein. In Mannheim ist der Faktor Der Hoff'schen Druckerei verhaftet worden. Ueberhaupt Verhaftungen durchs ganze Land. So kann und wird es nicht lange mehr fortgehen.

Berlin, 5. Juli. Den Rücktritt des Hrn. R od- bertus bringt man mit den verschiedensten Dingen in Verbindung. Vorzüglich findet das Gerücht Glauben, daß Hr. R. ausgetreten, weil man Seitens des hie­sigen Hofes an Den österreichischen die Forderung ge­stellt haben soll, dem Prinzen von Preußen den Ober­befehl über das gesammte deutsche Heer durch Den Erz­herzog Johann übertragen zu lassen. Unser Justizmi­nister, Hr. Märker soll auch gewillt sein, sein Porte­feuille abzugeben.

Man versichert heute mit großer Bestimmtheit, daß der frühere Minister Der öffentlichen Arbeiten, Hr. v. Patow, an Die Stelle des Hrn. Meding als Ober- Präsident der Provinz Brandenburg treten wird.

Auch im BotkSklub hat man seine Mißbilligung über Die Art der Wahl eines Reichsverwesers zu er­kennen gegeben und dies in einem Placate ausgesprochen.

Unsere Börse gewährt jetzt ein etwaS besseres Bild als bisher. Die Course sind heut wieder etwas gestiegen und zeigte sich nicht unbedeutende Kauflust. Skaats-Sch.-Sch. 72 bezahlt, Bank-Anth. fl 78 gesucht.

(M. Z.) Der Lieutenant Techow, welcher den Hauptmann von Natzmer durch falsche Nachrichten da­hin gebracht haben soll, daß er ohne Befehl das Zeug­haus räumte, ist vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilt worden. Herr Techow war bisher im Kriegs-Ministerium angcstellt und Herr Oberst-Lieut. V. Griesheim, der stehende Kriegsministerial- Vertreter und Ncdncr in Der Nationalversammlung, hatte ihn früher, Dem Vernehmen nach Der Bürgerwehr als Chef empfohlen.

Der Staatö - Anzeiger meldet die Abreise des General von Bülow nach Wien; der amtliche Theil der Sendung dieses Adjuvanten des Königs besteht in der Ueberbringung der persönlichen Glückwünsche des Monarchen für den Erzherzog Johann, während die Anerkennung der preußischen Regierung bereits vor ein paar Tagen durch einen Courier nach Wien befördert worden ist.

Die preußische Diplomatie wird fürs Erste, so hören wir in gut unterrichteten Kreisen behaupten, im Status quo bleiben. Hr. v. Usedom, dem Art. 14 des Rechö-DekretS gemäß, wird preußischcr Gesanv- ter- beim Reichsverweser in Frankfurt. In Paris, Lon­don u. s. w. werden neben Dem Gesandten Deutsch­lands , die Gesandten Preußens, Oesterreichs u. f. w. fürs Erste -fort bestehen. Der Verfaffungs-Com- mission bieten große Schwierigkeiten die Rechte Braun­schweigs auf OelS in Schlesien und Die von Thurn- unD Taris ans Krotoschin in Posen. Hier compliciren sich die Feudalrechte mit Den internationalen Tractaten. Das Parlament in Frankfurt wird wohl ein Dreinfehen haben muffen.

Magdeburg, 3. Juli. (K. 3 ) Am gestrigen Nach- mittage fand eine große Versammlung der Hiesigen, aus etwa 10,000 Mckgliedern bestehenden freien Gemeinde Statt, um über den Zurücktritt in die verlassenen resp. Pfarrgemeinden, Den Die neuesten politischen Ereignisse jetzt ermöglicht haben, Beschluß zu fassen. Durch Stim-