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Arm Stitung.

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âeiüeil und Recht!"

M 126. Wiesbaden. Mittwoch, 12. Juli L8â

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe Man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburgs sowie der Kurhessischen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke 5 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die deutsche Centralgewalt.

Aus der goldnen Graffchaft, 9. Juli. So hätten wir denn jetzt nicht mehr bloß ein Deutschland in Ge­danken, ein Deutschland der frommen und poetischen Wünsche, sondern ein ganz konkretes: einen Staaten- staat oder Bundesstaat, der sich imponirend nach innen und nach außen, alle einzelne Staaten deS deutschen Bundes umfassend, über letzteren, als eine europäische Großmacht, erheben soll.

So lange Deutschland nur ein Organ für die ge­setzgebende Gewalt hatte, war aber seine Freiheit noch nicht thatsächlich ausgesprochen: nunmehr, nach Errichtung einer Vollziehungsbehörde, tritt eigentlich unser Vater- land als ein nenes Glied in der Staatenkette auf.

Wir wollen uns dieser Thatsache freuen , als einer solchen, können jedoch nicht umhin gegen die Art und Weise, wie die Nationalversammlung in Frankfurt diese Vollziehungsbehörde beliebt hat, gerechte Bedenken zu erheben.

Wir gehören nämlich nicht zu denen, welche die Ein­heitum jeden Preis" möchten: wir wollen die Ein­heit nicht auf Kosten der Freiheit erkaufen, und glauben vielmehr, daß nur diejenige Einheit eine wahrhaftige, auch für die Zukunft sich fest bewährende sein werde, welche auf der Grundlage der Freiheit, wie sie unser Jahrhundert nur zu feierlich, nur zu unzweideutig aller- warts proklamirt hat, sich aufbaut.

Auch wir wollen die nationale Größe unseres heiß­geliebten Vaterlandes; aber wir wissen, daß ein Volk erst dann eine Nation wird, wenn es frei ist.

Wir fragen aber nun: hat die constituirende Natio- nalversammlung bei der Schaffung der Centralgewalt den jetzt die civilisirte Welt durchdringenden und sie all­mächtig beherrschenden Ideen der Volssouveränität bil­lige Rechnung getragen, und wir müssen zu unserm größten Leidwesen hierauf mit Nein! antworten.

Die Linke der Nationalversammlung hat die For­derungen der Zeit begriffen; sie wollten nicht die Ein­heit auf Kosten der Freiheit erkaufen, sie jchaarte sich muthig um das Banner der ungetrübten Volkösouverä- nitât : Ehre diesen Männern, diesen wahren Kindern der Zeit/und namentlich auch Ehre dem Abgeordneten, welchen die gvldne Grafschaft nach Frankfurt zur Wah­rung der heiligen Interessen des Volks entsendet hat; er war der Einzige der nassauischen Abgeordneten, wel­cher mit der Linken gestimmt hat; er hat das auf ihn gesetzte Vertrauen seiner Wahlmänner glänzend gerecht­fertigt. Die große Mehrheit der Nationalversammlung besteht aber leider aus halben, lauen, unentschiedenen und offen erklärten Verfechtern der dynastischen Interessen. Sie sprachen theils harmlos, theils wohlüberlegt den

Zeitideen die Berechtigung ab, sich geitend zu machen, und sind deßhalb die eigentlichen Revolutionäre. Sie mögen aber wohl bedenken, daß sie das Rad der Re­volution mit ihrer Stubengelehrsamkeit nicht aufhalten.

Unter diesen Mehrheitsmännern sind viele, welche die Geschichte gründlich aus ihrer Stube studirt haben; allein das Volk kennen sie deßhalb noch lange nicht, und weil sie eS stets unter ihrer Würde hielten das Volk kennen zu lernen, so verstehen sie auch durchaus nicht die heißen Wünsche des Volks. Sie, die Manner der Halbheit sind es, welche unsern Zustand immer in der Schwebe halten, welche die Revolution in Perma­nenz erklären, und welche deßhalb am meisten die jetzige Geschäftslosigkeit und den dauerndem Arbeitsmangel auf dem Gewissen haben.

1L

Man hat den Erzherzog Johann von Lothringen- Habsburg gewählt, er ist ein Fürst; aber Gagera er­klärte, man wolle Fürsten wählen, nicht weil sie solche seien, sondern obgleich sie eS seien. Neben diesem Fürsten sind die verehrten VolkSmänner Gagern und Vater Jtzstein genannt worden.

Man täusche sich also nicht: die Mehrheit hat Jo­hann gewählt, mehr weil er ein Volks freund ist, als weil er ein Fürst, und es war dieser Mehrheit, welche vor entschiedenen Schritten zurückbebt, nur höchst erwünscht, daß sich ein Fürst auffinden ließ, der zu­gleich Volksmann. Diese Mehrheit glaubte so die schrof­fen Ucbergänge vermeiden zu können: allein in der Po­litik und namentlich im unsern Tagen kann die Ent­schiedenheit der Meinung nicht genug gepriesen werden.

9lun, wir wollen sehen, wie weit in Johann der Vvlksfreund dem Prinzen die Wage hält, wir sind sehr gespannt, zu erfahren, ob er im Stande, den ungeheuren Anforderungen Genüge zu leisten, ob er seine Aufgabe die einen ganzen Mann in der höchsten Bedeutung deS Worts heischt, gewachsen ist.

Das haben wir zu der Person zu sagen : wir schrei­ten zu der Beleuchtung der Sache.

Man hat in der Paulskirche einen Reichsvcrwcser beliebt, der unverantwortlich ist, und man hat nicht, entschieden auf den Wunsch der Linken eingehend, ver­langt , daß dieser Reichsverweser die Beschlüsse der Nationalversammlung ausführen müsse. Indem man dieß that, hat man dem Grundsatz der Volkssouveräni­tät offenbar den Rücken gekehrt. Es muß daS Gefühl jedes freien würdigen deutschen Mannes verletzen, von Jemanden beherrscht zu werden, welcher für seine Hand­lungen, Niemanden denn seinem Gewissen verantwort­lich: und daneben denke ich mir, nimmt man dem Manne, den man unverantwortlich wollte, in der Un-

Verantwortlichkeit seine höchste Würde, seinen gerech testen Stolz, seine Manneszierde.

Denn wer in Wahrheit ein Mann ist, der muß wollen, daß er Rechenschaft stehe für alles Reden und Thun, der muß sich verletzt fühlen, wenn man ihn nicht mehr Herr feér.er Thaten sein läßt: und Herr meiner That bin ich nur, wenn ich sie vor Gott und Welt zu verantworten bereit bin.

So hat also die Mehrheit anstatt die Würde deS Reichsverwesers durch die Unverantwortlichkeit, welche nur Unwürdigen ziemt, zu erhöhen, dieselben dadurch nur geschmälert.

Nassauischer Landtag.

XIV. Sitzung, vom 8. Juli.

(Schluß )

II. Justiz - und Polizeiämter. Im Ganzen werden dafür bewilligt 181,879 fl.

Für Besoldungen werden angefordert 121868 fl. und bewilligt 121,062 fl.

Für Canzleiaufwand . . . 13310 fl.

Für das Inventar . . . 1283 fl.

Für die Reisen und Diäten, worunter die Pferde- fourage für 27 Beamten einbegriffen ist 13310 fl.

Für Polizeiauswand . . . 30,000 fl.

Die zur Herstellung eines geordneten ZustandlS hinsichtlich der Holzfrevel preu^if^er Unterthanen in diesseitigen Grenzwaldungen nöthigen Maßregeln haben in diesem letzten Capitel die Anforderung um 8000 fl. gegen das vorige Jahr erhöht.

III. Forstverwaltung.

Für Besoldungen werden angefordert und »er« willigt . . 21880 fl.

Für Canzleiaufwand . . . 300 fl.

Beim Titel Inventar werden die 28 fl., die zur Anschaffung eines Registraturschrankes in Weilburg an­gefordert werden, gestrichen.

Für Reisen . . . 6900.

Im Ganzen 28580 fl. Die Summe wird in der Erwartung bewilligt, daß die bevorstehende neue Or­ganisation in Betreff dieses Capitels der Landessteuer­kaffe wesentliche Erleichterungen bringen werde.

IV. Berg- und Hüttenverwaltung.

Für Besoldungen werden nach Abzug des Frucht- betrags für ein Jndiv'duum 10,638 fl. bewilligt, für Canzleiaufwand nur 550 fl., da hier auch der Auf­wand für jede Bergmeisterei auf 150 fl. von 200 herabgesetzt ist. Für daS Inventar sind 550 fl. verwilligt zur Anschaffung nützlicher Instrumente zum

Der Fluch.

Aus Gerstäcker'S Mississippi-Bildern.

(Fortsetzung.)

Sie lagerten sich jetzt Alle, der erwarteten Geschichte zu horchen, denn Harper war in der ganzenRange" als der beste Erzähler und kurzwei igste Gesellschafter bekannt. Dieser aber rückte seine Decke ein wenig zu­recht, wechselte fein Priemchen, richtete sich auf den einen Ellenbogen auf, und trat nun vor allen Dingen einen der ihm nächsten Hunde in die Rippen, die sich alle zwischen ihn und das Feuer gelagert hatten, daß er laut ausschrie und sich mit den übrigen etwas weiter entfernte.

So, ihr Bestien! glaubt ihr, das Feuer sei blos euretwegen da, und wir nur hier hinten, eure faulen Knocken gegen den Wind zu schützen ? fort mit euch! Pluto hatte seine spitze Schnauze auf seines Herrn Knie gelegt und sah, als Harper die andern Hunde vertrieb, mit den großen, treuen Augen fragend zu ihm auf, doch als der alte Stevens ihn leise beruhigend auf den KvW klopfte, nahm er wieder seine alte Stellung ein, wäh­rend er durch ein kurzes Bewegen seines ®tumpf|d)ivaii= zes die Absicht zu wedeln anzeigte.

Also, hob er an, wegen der Geistesgegenwart! Es sind nun wohl fünfzehn Jahre und ich war noch ein junger, rüstiger Kerl, als unserer fünf von Vincennes, aus dem Wabash, in einem Kanoc hinuntergingen,

über den Ohio fuhren und miS nun in dem so bernbm- ten Jagdgebiete von Kentucky befanden; es gab Wild die Fülle, und die Bären liefen herum, wie bei uns die Schweine. Nach einigen Tagen, die wir dort am Ohio gejagt hatten, gehe ich eines Morgens es war im Winter, im Februar und bitter kalt sackte im Walde hin, und sehe nicht weit von mir einen hohlen Baum, mit einer großen Oèffnung oben drin. Blitz! denk' ich, der Baum sieht gerade aus, als wenn er zum Winter- quartier eines der fetten Schwarzen gemacht sei ich gehe hin, beseh' ihn auf allen Seiten und finde deutliche Spuren, daß Bären daran auf- und abgeklettert sind; so denke ich bei mir, Du willst einmal hinanfkleuern und hineiuircchcn, riecht's nach Bären, so holst Du Hülfe und dann werfen wir Feuer hinein, und ist nichts drin, so brauchen wir die Zeit nickt damit zu vertrödeln. Ich kletterte mit Hülfe eines jungen Baums, der dicht daneben stand, hinauf und komme mit dem Kopfe auf die Oeffnuug: Es riecht stark nach Bären, aber hiebt darüber hatte der Stamm noch eine JÖöMung ich steige also noch weiter hinauf, auch die meine Nase zu stecken. Da trete ich unvorsichtig auf den Rand der ersten; ein Stückchen faules Holz bricht, ich falle, und rutschte, wie eine Kugel in heu Büchsenlauf, sanft und pfeilgeschwind in Den hohlen Baum nieder.

Unten glücklich angelangt, war aber meine erste Sorge mich nach meiner Unterlage zu erkundigen, denn nicht ganz wohl ward mir bei dem Gedanken, mit einem

Bären den engen Raum zu theilen, ich wurde jedoch in dieser Hinsicht bald beruhigt, denn weiches, faules Holz war Alles, auf dem ich stand, und in das ich bis über die Knöchel eingesunken war. Das Innere des Baums überzeugte mich jedoch, daß er entweder einem Bär zum Aufenthalt diene oder erst ganz kürzlich gedient habe; der scharfe Genick war erstlich gar nicht zu verkennen, und der Stamm selbst schien inwendig so glatt und nett auè- gekratzt und gescheuert, daß er fast wie gehobelt aus jâh.

Ass ich mir nun Alles ordentlich besehen hatte, wollte ick meinen Rückzug antreten; wer aber beschreibt mein Entsetzen, als ich fand, daß meine Abfahrt aller­dings sehr leicht gewesen, zum wieder Hinaufklettern aber auch die Krallen und Stärke eines Bären gehörten. Den Augenblick will ich meinem ärgsten Feind nickt gön­nen. Kalter Angstschweiß brach über meinen ganzen Leib aus, und ich kauerte mich Dumpf brütend nieder, zu über- tegen, was ich thun könne. Zu schreien und zu toben wäre Uuftmi gewesen, cs war kein Haus in entern Uw freifc von wenigstens achtzig biv neunzig englischen B?ci- leu, ausgeuommeu an der andern Seite des Ohio, mh nur blindes Ungefähr hätte einen meiner Jagdgefährtcn dorthin führen können. Noch dazu hatten wir erst Den Tag vorher verabredet, den Fluß weiter hinunter zu gellen, und Die Andern konnten mir glauben, ich sei vor- angegangen, während ich hier elendlich verschmachten mußte.

(Fortsetzung folgt.)