schrist aber komme in keinem konstitutionellen Staate vor. — Creuz und Bertram erklären, daß die Com- misston auch nur einen Wunsch geäußert habe.
(Fortsetzung folgt.)
Deutschland.
4- Frankfurt, 8. Juli. Nachdem ich nähere Details über den gestrigen Krawall in Sachsenhausen erfahren habe, beeile ich mich, sie ihnen mitzutheilen. Auf Veranlassung einer Katzenmusik und Fenstercin- wcrfens bei einem Bäcker in Sachsenhausen vorgestern Nacht, zogen gestern Abend 4 Uhr 10—12 Gensdar- darmen nach Sachsenhausen, um die Urheber zu verhaften. Dieß sollen übrigens ansäßige Bürger sein, und wären deshalb ebensogut auf eine Citation hier erschienen. Allein der wohlweise Bürgermeister und Rath der Stadt Frankfurt hatte es anders beschlossen, da er der vielfach geäußerten Ansicht ist, daß die Canaille mit Kartätschen in Ordnung gehalten werden müsse. Besagte Gensdarmen versuchten nun in der That einen Mann fest zu nehmen, wurden aber also» bald von der zusammenlaufenden Menge ihrer Beute beraubt und in die Flucht gejagt, wo sie dann bei den Behörden die geeignete Anzeige machten. Diese fanden es hierauf für nothwendig, die bewaffnete Macht ein- schreiten zu lassen und schickten etwa 40 Soldaten nach Sachsenhausen, an deren Spitze drei Offiziere und auch mehrere freiwillige Jäger (Bürgersöhne) zogen, welcher letztere Umstand die meiste Entrüstung des Volkes Her- vorbrachte. Die Soldaten suchten des entwischten Verhafteten wieder habhaft zu werden. Nun aber eilten von allen Seiten die Sachsenhäuser zusammen und drängten- die Soldaten so, daß diese in das deutsche Haus sich zurückzogen. — Um ihren Kameraden zu befreien, vei suchten einige aus der Menge das Thor zu sprengen, da wurde dieß plötzlich geöffnet und auf die außenstehende Menge, unter welcher die Mehrzahl bloße Zuschauer waren — gefeuert. Jetzt erreichte die Entrüstung des Volkes den Gipfel. Viele Bürger, welche bei der ganzen Sache unbetheiligt, gleichgültig, nur unschuldige Zuschauer gewesen waren, wurden nun Theilnehmer; man schrie und lief nach Waffen; und in unglaublicher Schnelligkeit sah man Stutzer und Doppelflinten erscheinen. In diesem kritischen Augenblick öffnete das Thor des deutschen Hauses sich nochmals und eine zweite Salve flog über das Volk, welche 3 oder 4 schwer in Armen und Beinen verwundete, wovon Einer hoffnungslos danieder liegen foll. Ihrerseits eröffneten die Sachsenhäuser auch das Feuer und schossen einen Sergeant tobt, verwundeten mehrere Soldaten. Die Mehrzahl der Letzteren ent- schlüpfte hierauf durch eine Hinter thüre und kehrte au der neuen Eiseubahubrücke in die Stadt zurück, da die alte Mainbrücke durch unglaublich schnell errichtete Barrikaden gesperrt war, um Sachsenhausen gegen Militärzuzug aus der Stadt zu sichern. Zugleich auch sollen die Schienen der Main-Neckar-Eisen bahn aufge- riffen worden sein. Es konnte überhaupt Niemand vom linken Mainufer auf das rechte gelangen, ohne sich in Nachen übersetzen zu lassen. Das deutsche HauS wurde im weiteren Verlaufe gestürmt und von oben bis unten nach den Soldaten durchsucht. Zuletzt fand man ohngcfähr 12 davon im etall unter Stroh ver- steckt, woraus sie von der wüthenden Menge gezogen wurden. Ein Korporal, der sich geäußert haben soll, die Soldaten würden weder Kind noch Weib in Sach- senhausen verschonen, wurde mit ergriffen und mit einer so tüchtigen Tracht Schläge bedeckt, daß er schrie, man solle ihn lieber erschießen, als auf solche Weise entehren. Ein Gensdarm wurde ebenfalls windelweich geschlagen, und beide sodann mit den Soldaten, denen nichts geschah, entlassen. — Das Haus des verhäng- nißvollen Backers wurde vollständig demolirt. Heute Morgen wurde die Passage endlich wieder frei in Folge
eines Vergleiches, welcher zwischen den Sachseuhäusern und der Stadt zu Stande kam und dahin lautet: die Barrikaden werden hinweggeräumt, die Ordnung wiederhergestellt, unter der Bedingung, daß weder Soldaten noch Gensdarmen in Sachsenhausen fürder sich sehen lassen.
Was die Behörden nun thun können oder werden, das ist jetzt eine weit schwierigere Frage, als es vorher war. Durch die unbesonnene Brutalität der Polizei ist der gestrige Krawall rein bei den Haaren hcr- beigezogen worden, so gut wie Guizot die Februarrevolution bei den Haaren herbeigezogen hat. Die Geld- männer schreien wohl, man müsse mit allein Ernste mit der Militärgewalt entschreiten ; zu was das aber führt, das sollten die letzten Monate in allen Punkten Euro- pa's hinreichend bewiesen haben. Die Behörden konnten sich dadurch nur noch mehr in die Kleinme bringen.
Hannover, 5. Juli. Die zweite Kammer hat den ihr von der ersten gemachten Vorschlag, einen Gene- ral-Seeretär für die erste Kammer zu wählen, abgelehnt, da die Besetzung dieses ständischen Amies der demnachstigen, ganz neu gestalteten ersten Kammer vor- zubehalten sei. Das Ersuchen der zweiten Kammer die Conferenzen zur Erledigung der diveegirenden Beschlüsse während der Sitzung oder wenigstens heute Abend vorzunehmen , wurde von der ersten Kammer abgelehnt.
(W.-Z.)
Die „Hannov. Morgenz." sagt: Heute vor 11 Jahren wurde durch das erste Patent des Königs die Gültigkeit des Staatsgrundgefetzes in Frage gestellt, und heute wieder wurde durch Annahme des betreffenden Schreibens der Stüvefche Versassungöeut- wurf definitiv erledigt.
Hildesheim, 3. Juli. (Hild. Ztg.) Heute Morgen hat uns das seit mehreren Wochen hier in Quartier gelegene Bataillon des Gard.-RegimentS verlassen, um nach Göttingen zu marschiren, wogegen bereits gestern Abend einige Compagnien des 7. Infanterie-Regiments als Besatzung mit der Eisenbahn hier finge» troffen sind.
Trier, 28. Juni. (Nh.- u. M.-Ztg.) Der Herr Bischof Arnoldi ist im Begriff, nach London abzureisen. Er geht dahin, eingeladen vom Bischof Wisemann, um der Einweihung der neuen schönen katholischen Cathe- drale zu London beizuwohnen. Es werden dort über 50 Bischöfe Zusammenkommen.
Breslau, 1. Juli. Die „Berl. Ztgsh." entwirft ein trauriges Bild von den Zuständen in Oberschlesien, besonders im Eulengebirge, wo der Hungertyphus nun auch zu grassiren beginne; zwei Aerzte seien schon daran gestorben , die übrigen nicht mehr im Stande, die Kranken uothdiuftig zu besorgen. Eme Deputation ist schon beim Obilprasikenten Pinder in Breslau ge» wesen, hat aber keinen für die Unglücklichen tröstenden Belcheid gebracht.
Berlin, 4. Juli. (Voss. Z.) Die Spielbanken sind endlich am Sonntag Nachmittag von dem Peay vor den Zelten entfernt Worten! Es hatten sich nicht weniger als neun und zwanzig dioulettische etabhrt, welche dort bereits vor dem Beginn der gewöhnlichen Volksversammlung ihr Unwesen trüben. Ein Mann aus dem Volke — seiner Kleidung nach ein Arbeitsmann — der dem Treiben einige Jett ruhig zugesehen hatte, wandte sich plötzlich an die Versamnulten, stellte ihnen das Gefährliche und Verwerfliche dieses Treibens vor und fragte sie, ob sie ihm bchülflich sein wollten, die Spieltische zu entfernen. Ein allgemeines Ja! war die Antwort, und die Masse räche alsbald wohlgeordnet gegen den Feind aller gesellschaftlichen Ordnung vor. Der Arbeitsmann redete die Bankhalter ruhig an, sitzte ihnen das Unzulässige ihres Treibens auseinander und ersuchte sie alsdann, „um sich keine Weiterungen zu verursachen," das Feld zu räumen. Im diu waren alle Tische verschwunden, einige mit einer Eilfertigkeit, daß sie das Geld auf der Erde verloren. Mehrere Soldaten, welche vorher ihr Geld verspielt
hatten, kamen jetzt auf den Einfall, daß es an der Zeit sein möchte, sich desselben in aller Eile wieder zu be- mächtigen. Sie ergriffen daher einen der Bankhalter, dem sie in der Leidenschaft sogar thätlich zusitzten. Allein jetzt wandten sich die Vollstrecker des Volksrechts gegen diese Letzteren uad bedeuteten ihnen, daß die Sache so nicht gemeint worden. Verspielt sei auch verloren; man möge die Leute ruhig abziehen lassen. Das war das Ende der Spielbanken unter den Zelten — wir hoffen für immer.
Berlin, 4. Juli. Die Aenderungen, welche an den unter Bornemanns Leitung -ntworfenen Gesetzen über das Schwurgericht vorgenommen werden sollen, geschehen, wie ziemlich glaubhaft versichert wird, gegen die Ansicht des bermaligen Justizministe s, ausschließlich nach dem Willen des Hrn. Hanscmann. Jeder nach dem Gesetz vom 8. April Wahlfähige soll nach dem von Marter entworfenen Gesetz auch zum Ge« schworneu wahlbar sein; Erforderniß ist hiernach nur Unbescholtenheit und Großjährigkeit. Hr. Hausemanu will die Befähigung zur Theilnahme an der Imp von einem, freilich nur geringen Census abhängig gemacht wissen. Zur Ausführung dieses von Hrn. Hansemann beliebten und höchsten Orts durchgesitzren Planes sind eben die römischen Herren hierherberusen, welche sämmtlich dem stireren Freundes- und Geschäftskreise des gegenwärtigen Finauzministers angehören. In wie weit Hr. Märker sich eine prinzipiell so durchgreifende, die demokratische Basis total aufhebcnde Aenderung der von ihm entworfenen Vorlage gefallen lassen wird, in wie weit besonders er ein Nachbeben hierin mit seiner anerkannten Unabhängigkeit und mit der Verantwortlichkeit eines Ministe, s vereinbaren zu können glaubt, wird sich, wo nicht früher, doch schon bei der Diskussion der Entwürfe in der Kammer Herausstellen müssen.
Viel Aufsehen macht der Rücktritt des Cultus- ministers äiobbertué. Man will behaupten, daß die Mittel und Wege zur Begründung eines einigen Deutschlands, welche die übrigen Minister einschlagen wollen, sich allerdings nicht vertragen mit den Absichten und Plänen des von allen Parteien als charakterfester Mann anerkannten Rodbertus. Ueberhaupt will man wissen, daß das Ministerium Auerswald bald wieder von der Schaubühne abtreten werde, und sieht einem neuen Ministerium, Milde an der Spitze, entgegen. So viel steht fest, daß die Linke der Kammer mehr als im Anfänge nach einem beflimmten Plan handelt und immer mehr Terrain gewinnt. Die letzte Interpellation des Ktiegsmlniflerii durch den Abg. Gladbach, wobei ein großer Theil der Kammer durch unzweideutige Aeußerungen sein Mißfallen zu erkennen gab, soll den Kriegsminister, so wie den Depart.-Direktor Obr.-Lieutn. v. Griesheim bewogen haben, ihre Demission zu geben.
Unsere Börse, die geilein sehr animirt, verlor auch heut von ihrer Lo'bhaftigkeit Nichts. Die Course waren fest und daS Geschäft ein ziemlich umfangreiches.
(W. Z.)
Halle, 30. Juni. (Parteiungen.) Bei uns herricht jetzt große Aufregung, so daß man nicht ohne Besorgnrß ist, der Meinungsstreit könne in einen fac- tgchen Kamps übergehen. Es hat sich ein Preußen- c^ub gebildet, welcher reactionärer Bestrebungen be» fchuldigt wird. An seiner Spitze stehen pensionirte Offiziere, einige Professoren, Hauptmitglieder sind Fleischer und Halloren. Die S-tzungen des Clubs sind geheim. Dazu kommt, daß dieser Club eine Ergeben- Heilöadresse an den Prinzen von Preußen geschickt hat, der er 2000 Unterschriften verschaffte, indem er sie namentlich durch Gensdarmen auf den Dörfern umhcr- sandte. Diese Adresse ist ohne Wissen des größten Theils der hiesigen Bürgerschaft abgesandt und hat mannigfache Verstimmung hervorgebracht. Als Gegen- deinvustratwn wurde ein grobe Volksversammlung in Merseburg veranstaltet als eine Gedächtnißfeier der in Berlin gefallenen Freiheitskämpfer. Von hier Wa
in einem indianischen, mit Perlen verzierten Gürtel stack sein Messer und Tomahawk, den er jetzt herauszog und neben sich in den Baum schlug.
Ich wollte, die Hunde wären da, die Canaillen machen das ganze Revier rebellisch, sagte er ärgerlich; schon seit wir hier sind, höre ich sie nach dem Flusse zu, in dem Rohre; sie müssen eine Katze oder einen Fuchs haben, sie kommen immer wieder auf denselben Fleck zurück — wahrhaftig, sic haben es gestellt, rief er plötzlich, sprang wieder auf und lauschte, die linke Hand trichterförmig an bas Ohr haltend, lange dem kurzen Geheul und scharfen Gebell der Hunde. Henry, wollen wir hingehen? wandte er sich schnell zu dem vierten der Jäger, einem braunhaarigcn, blauäugigen, kräftigen jungen Manne, der, ebenfalls den Tönen horchend, an der Eiche lehnte.
Gott bewahre, fiel der alte Stevens ein, lehrt die verdammten Hunde auch noch Unarten, wissen die Bestien erst einmal, daß Ihr jeden Quark herunterschießt, den sie Euch auf die Bäume jagen, so können wir die Bärenjagd ganz aufgeben und hinter Opossums , wilden Katzen und Waschbären herlaufen — laßt sie ein paar Stunden unter dem Baume heulen und dann will ich das Horn blasen; ein Stück Fleisch verschmäht keiner von ihnen.
Stevens hat recht, sagte der alte Harper, den Rackern ist es nur um den Spektakel zu thun, hör' nur, wie sie heulen; verdammt will ich sein, wenn wir nicht
den halben Tag morgen reiten müssen, ehe wir auf eine warme Fährte kommen — blas das Horn , Henry, cs liegt gleich hinter Dir.
Der junge Mann, der sich wieder ruhig niedergc- legt hatte, ergriff das gewaltige Stierhorn, das zu dem eben erwähnten Gebrauch bearbeitet war, und blieb mehrere langgehaltcnc laute Töne. Einen Augenblick waren die Hunde lodtenstill, dann aber, als wenn sich ihre Zahl verdoppelt hätte, entstand ein solch mörderliches Jammern unter ihnen, daß alle viere laut auflachtcn. Henry warf das Horn wieder hinter sich und fing an dem Beispiele Harper's zu folgen, der schon emsig beschäftigt war, dünn geschnittene Scheiben Fleisch auf einem langen Holze nahe ans Feuer zu stecken, und darunter mehrere Scheiben Maisbrot zu legen, den heruntcrtröpfelnden Saft aufzufangen.
Stevens lind James oder Jim, wie er kurzweg genannt wurde, waren ihrerseits auch nicht faul, und in einer halben Stunde standen die jungen Bäume, an denen die Lebensmittel gehangen hatten, viel gerader.
Nach und nach ließen sich auch die Hunde sehen, eine schöne kräftige Raee, sieben an der Zahl, die wedelnd und freundlich grinsend die Zähne fletschten. Fl.isch war keins für sie da, denn die Jäger hatten den ganzen vorhergehenden Tag nichts geschossen. Am Morgen wollten sic sich nicht durch Schießen die Bärenjagd vertcr- ben, lind gegen Abend, als ihnen noch ein stattlicher Hirsch zum Schusse kam, fehlte ihn Harper. Der größte
der Hunde, ein Halbwolf von braungrauer Farbe an Kopf und Gestalt, selbst mit den glühenden Augen, genau wie ein Wolf, nur ohne dessen buschigen Schwanz, schmiegte sich schmeichelnd an den alten Stevens an, der zurückgelehnt, mit dem Kopfe auf seinem Sattel lag.
Nun Pluto? Alter? fragte dieser, freundlich dem schönen Thier in die treuen Augen blickend. Das kluge Geschöpf hörte aber kaum die liebevolle Stimme feines Herrn, als es spielend die rechte Taye auf seine Brust legte und ihm, ehe es der Alic Verbindern konnte, das ganze Gesicht beleckte. Na komm, pfui, leg’ Dich, schämst Du Dich nicht, Pluto, so groß und so ungezogen!
Ach, viele Scham hat er nicht, sagte Harper, frag nur Mrs. Williams, die hat ihn schon auf dem Striche, dienlich will sie Seife kochen, suchte all ihr altes Fett zusammen und stellt cs vor die Thür, um es in den Kessel zu thun, und wer wird gerade kommen, das Fett sehen und mit der Hälfte desselben auskrancn , alv eben dieser verschämte Pluto? Doch das i|t uebt, Jun, gib den Hunden ein Stück Brod, die armen Teufel müssen auch 'was zwischen die Rippen kriegen, morgen früh wird's schon wieder frische Zufuhr geben. Donnerwetter, am Tirvuia sind doch Bären. Aber da fällt mir ein, hinter — habe ich Euch denn schon die Bärengeschichte erzählt, wie ich in den hohlen Baum fiel? Noch nicht? gut, die sollt Ihr hören und dabei lernen, wie Geistesgegenwart Einen manchmal aub der Patsche reißen kann.
(Fortsetzung folgt.)