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M 122 Wiesbaden. Samstag, 8. Juli I8â8

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., halbjährig 3 fL 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke S fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

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Vielseitig geäußerten Wünschen zu entsprechen, haben wir uns entschlossen, außer dem halbjährigen nunmehr auch ein vierteljähriges Abonnement zum verhältnißmäßigen Preise eintreten zu lassen.

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Die Eiferer der Ruhe und Ordnung.

Aus der goldnen Grafschaft, 1. Juli. JnWies- baden hat sich eine Gesellschaft für Frecheit, Ordnung und Gesetz gebildet, welche die Freiheit will aber auch die Ordnung. Indem diese Gesellschaft Freiheit und Ordnung so neben einander setzt, als zwei selbstständig anzustrebenden Ziele, begeht sie von vorn herein einen logischen Unsinn, weil die Freiheit eben in der Ord­nung besteht, und die wahre Ordnung eben die wahre Freiheit ist. Immerhin wäre es jedoch auch möglich, daß diese Gesellschaft sich bei der Ordnung etwas ganz andere« gedacht hätte als die Freiheit selbst, nämlich eine Ordnung um jeden Preiß, selbst auf Kosten der Freiheit. Die Ordnung in diesem Sinne ist aber eben die Unordnung und wir müßten die Bürger Wiesba­dens, welche sich jenem Vereine anschloffen, sehr bekla­gen, wenn sie einen Begriff der Ordnung im lctztge- nanuten Sinne für möglich hielten. Es gibt freilich jetzt allenthalben Leute genug, die da meinen, wenn das Volk weniger petitionirte, keine Volksversammlun­gen abhielte, die freie Presse nicht im weitesten Sinne auSbeutete, in keine Vereine sich einließe, so würde so­fort Ruhe, Ordnung und Geschäftsverkehr wieder er­stehen, und diese entblöden sich nicht dem Volke, weil möglicherweise mit der freien Presse, dem AssociationS- i echte, Mißbrauch getrieben werden kann, die fteie Presse und das freie Vereinigungsrecht, diese Bollwerke aller volksthümlichen Freiheit zu verdächtigen. Die Ord­nung welche man aber dadurch erzielen will, daß man das Volk behindert überall und unter jeder Bedingung seine Stimme zu erheben, gleicht der Ruhe des Grabes. Man muß in Deutschland nun einmal sein gereitzteS Wesen aufgeben; nicht bei jedem schwanken Schritte den das Volk thut, nun sofort, dem Volke die Mün­digkeit und die Berechtigung zu freien Institutionen ab« sprechen wollen. Nachdem bisher eine tiefe Nacht den politischen Horizont des deutschen Michel bedeckte, ist derselbe urplötzlich in den krassesten Sonnenschein hi­naus getreten. Michel ist nur hier und da geblendet worden, aber im Ganzen können wir mit Recht in ihn das Vertrauen setzen, daß er, auch hier und da auf Abwege gerathene, doch die richtige Straße nicht ver­fehlen, und er sich des vollsten reinsten Freiheitslichtes würdig zeigen wird.

Was wollt Ihr also; indem Ihr ewig dem Volke zuruft: zur Ordnung, zur Ordnung! Nun es mißfällt Euch, daß daS Volk seine Souveränetät ausüben will, ihr Schriftgelehrten und Schreibstubenhelden möchtet

allein wieder das Ruder in die Hand nehmen, und zu­vor das Volk in seinen alten Schlaf einlullen.

Aber täuschet Euch ja nicht, ihr Ordnungsmänner, ihr Eiferer der Ruhe, die ihr jetzt in alle Welt hinaus­posaunt ohne Ordnung kein Brod, und die ihr in Eurem befangenen Sinne, die Demokraten und Repu­blikaner, welche ihr einmal nichtwegleugnen könnt und welche sogar jeden Tag neuen Zuwachs erhalten, mit den erbärmlichsten nicht weniger denn kindischen Vor­würfen belastet. Ja wohl gibt cs ohne Ordnung kein Brod, aber weil ohne Freiheit die Ordnung ein Unding, entweder eine GrabeSöde, oder eine trügerische Eisdecke so sind es gerade die Demokraten, welche die dauerhafte Ordnung anstreben, eben weil sie auf ihr Banner die Devise:Freiheit im vollen Sinne" geschrieben haben.

Die unglücklichen bafsenheimischen Ort­schaften

Schmitten, Reifenberg, Seelenberg, Ar­noldshain, Amts Usingen, und die vergeblichen Versuche zu ihrer Rettung.

(Sämmtlichen Landtagsabgeordneten zur Beachtung empfohlen.)

(Sch! ..)

Es ist unverkennbar, daß die Armuth und daS Elend in den standeshel-rlichen Gemeinden bei unzuret, chendem Ackerbau den höchsten Grad und diesen Höhe­punkt um so schneller erreicht hat, als die Kleinweber, Nagelschmiede und Nadler, woraus die meisten OrtS- einwohner bestehen und welche in diesem Industriezweige noch einigermaßen Verdienst gehabt, seit längerer Zeit durch die inmittelst entstandenen Maschinen und Fabriken zu arbeiten beinahe gänzlich aufhören mußten. Wir wissen nicht, ob Sie sich, Herr Graf, jemals um daS Loos dieses unglücklichen Volkes bekümmert haben, oder ob Sie von Ihren Beamten durch falsche oder halb­wahre Berichte belogen worden sind, aber das wissen wir, daß jetzt die Stunde der Erlösung für dieses miß­handelte und ausgcplündeite Volk geschlagen hat, sei es nun, daß Sie unsern Worten Gehör geben oder nicht. Wir haben die Pflicht übernommen, Ihnen, Hr. Graf, die Wahrheit zu sagen, welche sich dahin zusam­menfassen läßt, daß durch schaude, hafte, systematische, Jahrhunderte lange Auslaugung die unglückliche Be­völkerung dieser 7 Gemeinden zur Verzweiflung und an den Bettelstab gebracht worden ist. In den Ge­

birgsorten wohnen häufig 34 Familien in Einer Stube; ein Nagelschmied in jenen Orten verdient beim rastlosesten Fleiße von Morgens 5 bis Abends 8 Uhr 18 Kreuzer, in Wernborn, Cransberg rc. treibt die Verzweiflung und der Hunger jährlich Hunderte lum- pigter Menschen, häufig Kinder, nach England, Frank­reich und Rußland auf jene berüchtigten Bettelfahrten, welche ganz Deutschland entehren. Die Berichte Ih­rer Hrn. Beamten mögen sehr sanft und beruhigend lauten, namentlich wenn sie von 30,000 fl. jährlicher Einkünfte begleitet sind; aber wir können Ihnen, Herr Graf, auS eigenem Augenschein die Versicherung geben, daß die Bewohner jener 7 sog. bassenheimischen Ort­schaften zu den unglücklichsten Menschen der Erde ge­hören, daß Viele von ihnen wandelnde Leichen sind, daß aller Fleiß sie nicht vor der Verzweiflung schützt und daß sie die Opfer der grausamsten, Jahrhunderte langen systematischen Ausplünderung sind.

Es mußte uns in E staunen setzen, Herr Graf, als uns von diesen unmenschlich hart bedrängten nassaui­schen Schlesiern, wovon Viele durch Hunger und Roth in wahren Stumpfsinn verfallen sind und nur noch die Ge­stalt von Menschen haben, unS weinend die Mittheilung machten, daß ihr StandeSherr sich niemals in ihren Orten persönlich habe sehen lassen, um sich durch Selbst- anschauea von ihrem Elende zu überzeugen und dadurch veranlaßt zu werden, geeignete Mittel zur Abhilfe ihres Nothstandes anwenden zu lassen, vielmehr hätten die Beamten die standesherrlichen Rechte nach und nach zur Ungebühr erweitert, und durch die frechsten Ueber- griffe die seit Jahrhunderten bssessenenen Gemeindege­rechtsamen beinahe gänzlich aufgehoben.

Die standesherrlichen Gemeinden wollen daher in den Vollgenuß ihrer Rechte wieder eintreten, und ver­langen :

I. Die OrtSgemeinde Wernborn.

1) Ueberlaffung der Jagd- und Fischereigerechtigkeit in der Gemeinde. 2) Abschaffung des Zehntens von allen Bodenerzeugnissen, und der Grundzinsen.

II. Die OrtSgemeinde Cransberg.

1) Ueberlaffung der Jagd- und Fischereigerechtigkeit in der Gemeinde. 2) Abschaffung des Zehntens von allen Bodenerzeugnissen, den Grundzinsen und des Zins. Hafers. 3) Beschränkung der standesherrlichen Schäfe­rei auf den gräflichen Grundbesitz. 4) Wi< dererlaubniß zuin Beitrieb des VieheS in die gräflichen Waldungen. 5) Einführung von 23 Holztagen im Monat zum Einsammeln des Lesholzes, der Erdstöcke, des Laubs und des MovseS. 6) Theilung des Waldes, die sog

Der Fluch.

AuS ©erjWerö Mississippi-Bildern.

(Fortsetzung.)

Mit ihren Tomahawks gruben sic nun ein flackes Grab, legten die Leiche ihres Vaters nebst Schießbedarf und Büchse hinein, und bedeckten das Ganze mit etwas Erde und schwerem Holze, das sie hcrbeisckleppten, um die Wölfe zu verhindern, die Leiche wieder auSzuscharren. |

Die Ursache des Kampfes wurde ihnen nicht schwer zu errathen; der erlegte Bär, der erschlagene Hund, der Tomahawk, der, von der Hand des Haupt- lings geschleudert , in einer Fichte saß, die Fußtapfcu, wo sie gerungen hatten, die Messerwunden an beiden Leichnamen, ließ die scharfsinnigen Söhne der Wildniß bald Atles ziemlich genau bestimmen; aber Racke, furcht­bare Rache wurde der Familie des Unglücklichen gelobt, dessen einst so starker Arm, jetzt von Aasgeiern benagt, die Schwachen nicht mehr beschützen konnte.

Dieses beendigt, brachen sie auf, der Aelteste voran, die andern beiden in seinen Fußtapfcu folgend, nur Ein Ziel im Herzen den Wigwam des bleichen Gesichts nur ein Gefühl aus den dunkeln Augen blitzend, das der furchtbarsten Rache.

Düstere Wölkcumassm lagen aber im Westen aus- ' gethürmt und wuchsen höher lind höher; die Sonne sank i und schwarze Nacht lagerte ück auf die Wälder. Noch !

aber waren die dunkeln Gestalten mit ihren Gedanken von Rache und Zerstörung zu weit von dem ersehnten Ziel, um Hoffnung zu haben, es in dieser Nacht zu er­reichen, denn dichte Finsterniß machte jedes Vorsckreiten in dem mit dornigen Schlingpflanzen und wilden Wein­reben durchwachsenen Walde zur Unmöglichkeit.

Ein Feuer war angezündet, und schon lagerten die Krieger schweigend an der prasselnden Flamme, jeder mit seinen eigenen düsteren Gedanken beschäftigt, als der deutliche klare Ton eines Horns durch die fast lautlose, gewitterschwangere Luft drang.

Alle verstanden die Absicht des Zeichens, und ein teuflisches Lächeln durchzuckte ihre dunklen Gesichter, als sie, die Büchsen ergreifend, dem Laute folgten, der den geliebten Gatten zurückrufen sollte.

Clärcken war schon lange bei ihren Spielen am Kamine sanft eingeschlafen, und lag, dicht an die große weiße Katze angeschmiegt, die sich behaglich knurrend an ihre Seite drückte, auf der Erde, das Köpfchen auf ei­nen der kleinen, weißen Arme gelegt.

Obgleich aber der Truthahn saftig gebraten, und Hirschfleisch und Honig sonst eine Lieblingsspeise der gan­zen Familie war, wollte Doch heute kein Bissen den beiden Frauen sckmccken, uur William Haute tapfer ein und meinte, Vater sei schon so oft im Sturme draußen gewesen und eS wäre ihm nichts passirt, er werde also diesmal auch wieder morgen früh heimkommen.

Was man wünscht hofft man, und die Frauen ließen sich gern durch den Kleinen trösten; dennoch ging Anna verschiedene Male vor die Thür, blies einzelne Töne auf dem weit schallenden Horn, den Geliebten zu­rückzurufen, und horchte dann aufmerksam, ach vergeb- lick), in die finstere Nacht hinein. Der Sturin hatte jetzt seinen höchsten Punkt erreicht. Grelle Blitze zuckten durch den stöhnenden Wald und rollender Donner schmet­terte sein Siegeslied dazwischen. Die alte Frau hatte Clärchen vom Boden aufgehoben, das ruhigscklafende Kind auf das Bettchen gelegt und leise zugcdeckt, und trat eben zur Lampe, sie ein wenig Heller brennen zu machen, als draußen geklopft wurde.

Der Vater kommt, schrie William, sprang zur Thür, zog den Pflock heraus, riß dieselbe aus, und taumelte mit gespaltenein Haupte zurück in die urme seiner lautaufschreienden Mutter.

Wie Schatten schlüpften jetzt drei dunkle Gestalten in das Haus und alle Schrecknisse einer indianischen Metzelei begannen. Die zarte, schmächtige Form der jungen Frau, von dem Streich eines Tomahawk zu Boden geschlagen, wurde vor das Kamin geschleppt und dort mit teuflischer Fertigkeit sealpirt, während der Zweite die Alte erfaßte und, ohne sich erst Mühe zu geben, sie zu tödtcn, eben die Haare der vor Schrecken erstarr­ten alten Frau um seine Hand wickeln wollte, als diese den Dritten der Unholde erspähte, der das noch sanft schlummernde Kind vom Bette zog. (Forts. folgt.)