„Dreiheit und Neehè! "
M 121 Wiesbaden. Freitag. 7. Juli AKâ
Die „Freie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen dapauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., halbjährig 3 fl. 30 fr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau halbjährig 4 fl. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 3 fL —
Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnscrations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
Vielseitig geäußerten Wünschen zu entsprechen, haben wir uns entschlossen, außer dem halbjährigen nunmehr auch ein vierteljähriges Abonnement zum verhältnißmäßigen Preise eintreten zu lassen.
Anfrage an die Oberpostamts-Direction in Frankfurt.
Dem kräftigen Aufkommen unsrer politischen Tagesliteratur steht kein Hinderniß so störend im Wege, als her enorme Aufschlag, den sich die Zeitungen ganz nach der Willkür der Postanstalten gefallen lassen müssen. Früher lag in diesem Zwang ein den Negierungen sehr w llkommeneS Mittel, um Blatter von mißliebiger Richtung zu unterdrücken; jetzt, wo dieser Grund doch hoffentlich weggefallen ist, scheint aber das Institut der Post und namentlich die einzelnen Expeditionen für die Zeit, in der noch kein Gesetz für diesen Gegenstand durch die National-Bersammlung erlassen ist, ihre Gewalt im reichsten Maße verwerthen zu wollen. Von allen Gegenden kommen uns Klagen zu über zu hohe Preise der „Freien Zeitung", z. B. eben wieder von Walmerov, wo sie halbjährlich 5 fl 30 Kr. kosten soll; andere Orte, z. B. Walluf, beklagen sich über Preiserhöhung. Eine Veränderung des schon seit langer Zeit angekündigten Preises von 3 fl. 30 Kr. halbjährig hat aber in der letzten Zeit nicht Statt gefunden. Die „Freie Zeitung" kostet in Wiesbaden halbjährig 3 fl. 30 Kr. und auswärts im Herzogthum Nassau, nach dem von uns mit der Oberpvstamts-Direction abgeschlvßnen Contrakt, 4 fl. 30 Kr. Alles, was darüber gefordert wird, ist vom Uebel, denn wir sind der Ansicht, daß von sog. Fach- und Bestellungsgebühren nach einem Contrakt, wie der unsrige, gar keine Rede sein kann, wenn derselbe nicht ganz illusorisch sein soll.
Die Angestellten der Post erhalten für ihren Dienst ihre Besoldungen und zu dem Dienst gehört doch auch wohl das Erpedireu der Zeitungen, für den Transport und das Erpediren erhält aber die Post einen Aufschlag auf jedes Eremplar der Freien Zeitung von 2.fl. jährlich, mit welchem Recht kann also eine Expedition mehr fordern, wie die kontraktlich festgesetzten 4 fl. 30 kr. halb- oder 2 st. 15 fr. vierteljährig?
Wir hoffen, daß die Oberpostamts-Direktion zu Frankfurt sich dieser Sache annehme und unsere Abonnenten dieser enormen Steuer überheben wird.
Die Chartisten Englands.
(Von George Iulian Harney, dem Redacteur des Northern Star, dem Organ der Chartisten, der „Neuen rheinischen Zeit." mitgetheilt.)
Die Chartisten sind die Nachfolger der Radikal-Reformer, die zuerst unter aristokratischem und später unter dem Einfluß der Mittelklasse, von der Zeit deS amerikanischen Krieges, bis zum Jahre 1830 jene große Agitation für eine radikale Reform des Parlamentes aufrecht zu erhalten wußten.
Damals, nämlich im Jahre 1780, publizirten die Reformer unter der unmittelbaren Leitung von Charles James For, Richard Brinsley, Sheridan und anderer Häupter der Whig-, einen Plan allgemeiner Bolkswahl, der von dem Geiste der heutigen Volks-Charte nicht im geringsten verschieden ist. Leute, wie der Herzog von Richmond und Earl Stanhope, waren damals Vertheidiger des Systems der Charte. Selbst der später so tyrannische Pitt gehörte zu den feurigsten Radikalen. Wie er später ein Tory wurde, an dem selbst Georg III. keinen Fehler zu finden wußte, so war er in seiner Jugend ein Demokrat, dem selbst ein Horne Tvoke daS vollste Vertrauen schenkte.
Alle diese Aristokraten und ministeriellen Kandidaten zogen sich aber erschreckt zurück, als plötzlich die französische Revolution ausbrach und von den Reformern von 1780 war Major Cartwright, „der treu unter den Treulosen erfunden", fast der Einzige, der nach wie vor der Alte blieb. Pitt wurde damals Premier von England. Die Aristokratie und die Mittelklasse war für ihn, und getrost hätte er sofort den Krieg ge. gen die junge französische Republik beginnen können, wenn nicht, trotz des Desertirens fast aller Führer, eine I
ziemlich kompakte demokratische Partei zurückgeblieben wäre, welche mit großer Sympathie für die französische Bewegung, die Reform-Agitation fortgesetzt hatte. Um sich den Rücken frei zu halten, mußte dieser ein Ende gemacht werden, und kühn streckte Pitt seine Faust nach den Leitern jener Klubbs und jener correspondirenden Gesellschaften aus, welche die Demokraten aller Orte des Landes bisher in ununterbrochenem Verkehr hielten. Die infame Deportation Muir's, Palmer's, Geralds, Skirving's und, Margarot's, welche Mitglieder des in Edinbourgh gehaltenen britischen Konvent's waren, und der Triumpf Hardy's, Thelwal's und mancher Anderen über den Renegaten Put, Alles tu einem Jeden bekannt, der sich mit der neuern Geschichte Englands nur in etwas befaßte. Ein Paria,nents-Akt machte dann sämmtlichen politischen Verbindungen ein Ende und die Aufhebung der HabeaS-Corpus-Akte trug nicht wenig dazu bei, die ohnehin noch nicht recht unter die Masse der Arbeiter gedrungene Reform - Agitation in ihrem Entstehen zu erdrücken.
Der lange Krieg gegen Napoleon, der den Engländern die Herrschaft zur See und das Monopol für den Absatz britischer Fabrikate auf allen asiatischen und amerikanischen Märkten sicherte und eine kolossale Entwickelung der industriellen Thätigkeit Englands nach ßch zog, lenkte außerdem die Gemüther von der innern Politik des Landes ab, so daß ein mehrjähriges Darniederliegen der revolutionären Partei unausbleiblich war.
Der Frieden änderte indeß Alles. . Das Monopol des englischen Handels fiel und Zehntausende außer "Beschäftigung geworfene hungernde Arbeiter, vereinigten sich mit nicht weniger drohenden Massen verabschiedeter Soldaten und Matrosen:
„The broken tools whom lyrants cast away.“ (Zerbrochene Werkzeuge, fortgeworscn von Tyrannen), uud erhuben den Schrei der Reform.
Burdett und Hunt, ersterer als Leiter der radikalen Mittelklasse, letzterer als Haupt der proletarischen Phalanx, wurden jetzt die Führer der neuen Bewegung.
William Cobbett, der zu gleicher Zeit auftrat und als Redner und Schriftsteller den ungeteilteren Enthusiasmus des Volkes hervorrief, kann eigentlich nicht als Parteichef betrachtet werden. Dieser wunderbare Mann, auf den die Engländer, trotz aller seiner Fehler, wohl Ursache haben, stolz zu sein, hatte nicht die Eigenschaften eines jederzeit wirksamen Demagogen; sein un- gemerner Egoismus ließ ihn auch nie mit irgend einem andern populären Manne sechs Monate lang überein- stimmen.
Was nun die Arbeiter angeht, so übten sie, obgleich sic die Masse der radikalen Partei ausmachten, doch noch nicht den Einfluß aus, mit dem sie später in der Chartisten- Bewegung |o charakteristisch hervortreten. Selbst die Leiter der „ultra physical force men“, jener Leute welche ihre Zwecke durch physische Gewalt durchzusetzen sich nicht scheuten, gehörten in jener Zeit nicht in die Reihe der Arbeiter. Thisilewood war Soldat; seine Freunde, die beiden Watsons stammten aus der Mittelklasse.
Die nach dem Frieden aufs Neue begonnene Agitation, welche von Burdett und Hunt geleitet und von dem alten Cartwright und Cobett unterstützt wurde, sollte indeß nicht lange dauern. Die aristokratische Mittelklasse sah sich in zu großer Gefahr, als daß sie sich nicht gern mit dem Gouvernement vereinigt hätte, um einem aus der Entwickelung der Industrie hervor-
Wie kam der Teufel zum Namen Lucifer ?
In jener berüchtigten, finsteren Zeit,
Die vermummt in ein trügerisch-frvmmeS Kleid
Den rohesten Aberglauben gebar,
Saß einst zusammen eine Kuttenschar
Beim Becher und hielt geheimen Rath ; —
Denn bedenkliche Zeiten waren genaht —
Mit welchem Namen man solle belegen
Den Missethäter, der verwegen
Zu zerreißen wage ihre Schlingen
Und Licht ins verworrene Dunkel zu bringen?
Einstimmig nef's, wie aus hohlem Faß':
„Den Lichtbringer nenne man Satanas,
„Daß, wenn eS einem Verwegenen glücke
„Ihn alsbald der Haß des Volkes drücke."
Und seit dieser Richterspruch geschah
Sind -Lucifer" und „Satan" Synonyma.
Woher baun auch, wie jeder weiß,
Dies Ränkebrütende Geschmeiß,
Wie ehedem, so in unseren Tagen
Männer, die Lichter im Wappen tragen,
Verfolgend bedrohen mit Bann und Fluch
Und nvtiren ins schwarze Ketzerbuch
Und benamse» das ganze lichtfrenndliche Heer
Als leibhaftige Jünger des Lucifer.
Dr. Kremer.
Der Fluch.
Aus Gerstäcker'S Mississippi-Bildern,
(Fortsetzung.)
Wilson, von viel kräftigerm und stärkeren Körper- bau als der Andere, faßte seinen Feiuv in die Arme, hob ihn vom Boden und ihn mit dem linken Arme fest haltend, rannte er ihm sein breites Jagdmesser drei Mal bis ans Heft unter dem Arm in die Brust und warf dann den Sterbenden auf die Leiche seines Hundes. Aber auch über ihn kam eine Schwäche und Mattigkeit, die ihm bald nicht mehr erlaubte, aufrecht zu stehen. Das Blut quoll ihm in rothen Wellen unter dein Jagdhemde vor, und an den Fuß einer Fichte sinkend, lag er eine Weile, fast bewußtlos beide Hände auf die Wunden gepreßt, aus denen der dunkleLebenssirom langsam zwischen seinen Fingern durchrann.
Noch einmal kehrte das Bewußtsein zurück, er versuchte sich aufzurichte», vermochte es aber nickst, uud fühlte, daß sein Ende nahe war; er wollte beten, aber seine Gedanken verwirrten sich. Noch einmal rief er sein Weib — seine Kinder — sank dann zurück und hauchte mit ihren theuren Namen sein Leben aus.
Es wurde Abend, und ängstlich sah die Gattin oft zur Thür hinaus durch das kleine Feld, ob der Mann noch nicht heimkehre von der langen Jagd, denn er hatte keine Decke mitgenommen, und die Nacht war kalt und rauh!
Die alte Mutter saß am Kamin, die Hände im Schooße gefaltet, und blickte starr in die Gluth hinein, während die kleine Clara zu ihren Füßen spielte und ihr blondes Lvckenkvpfchcn liebkosend an der Großmutter Knie schmiegte, die dann, ohne die Augen vom Feuer zu wenden, ihre linke Hand auf des Kindes Kopf legte und mit den Fingern durch die krausen Löckchen fuhr.
Ich weiß nicht, Mutter, begann die junge Frau, aber mir ist's heute Abend so sonderbar zu Muthe. Wilson ist doch schon oft Abends apsgeblieben, aber nie war mir's so beklommen, so unheimlich wie gerade heute. Der Wind blies heute Nachmittag reckt stark, es wird ihm doch wohl durch stürzendes Holz kein Unglück zugestoßen sein? Ich wollte, er wäre da; wo auch nur William bleibt, die paar Kolben Mais zu holen nimmt er sich gar lange Zeit.
Nun, er wird wohl kommen, sagte die Alte, wer weiß, ob ihn nicht eine Fährte ein Stück wett in den Wald hineingelockt hat, und da möchte cs r .bl dunkel werden, ehe er zurückkehrt; bereite lieber das Abendessen, das Herumlaufen wird ihn hungrig gemacht haben.
William kam jetzt mit dem Mais ans dem Felde, fütterte das Pferd und trat dann in die Stube, während