geschah, da die Brautleute doch nicht unverrichteter Sache von Elz abziehen mochten. Es fragt sich nun, welche Gültigkeit haben solche unterschriebene Reverse? Was Har der Staat zu thun, in weichein eine derartige systematische Anleitung zur Lüge und Heuchele» gegeben wird? Wenn z. B die Familie sich an «oem Protestant. Orte aufhalten muß, wo die Schulbildung nur be» einem evangelischen Lehrer zu erlangen »st? Oder wenn sonach der Mann in seiner Ueberzeugung zum Protestantismus sich hingezogen fühlt? Ich null an uhrm , was ich in diesem Falle gethan hatte, vorausgesetzt, daß die Ebe nur durch solche Geistliche möglich gewesen wäre Ich hätte dem Pfarrer Alles zugestanden, mündlich und schriftlich; hätte mich verbindlich gemacht, auS dem sogenannten deutsch-katholischen Leseverein w den römisch-katholischen überzutreten ; 5 Gulden für den neuen Baldachin der hiesigen kathol. Kirche zu bezahlen, für einen neuen Chorrock, Junggesellen- und Jungfrauen- Fahnen re. re. extra beizusteuern und ein Eremplar der Rhein- und Moselztg. oder des Nassauischen Zuschauers an, und die Freie Ztg. abzuschaffen und dgl. und nach der Copulation hätte ich einen großen Artikel in die sreie Zeitung gcinacht mit dem wahren Sachverhalt und den Abt dabei weidlich ausgelacht. Solche Mittel sind nun nicht fürs sonstige Leben anzuempfehlen, aber die Herrn muß man mit gleichen Waffen schlagen: Aug um Aug, Zahn um Zahn. Wie lange soll aber der Staat zusehen, daß man seinen Grundpfeilern auf die frechste Weise den Umsturz bereitet? Wird er bald den Pastoren das Heft aus den Händen winden, das sie sich widerrechtlich angemaßt? Wie ist es zu rechtfertigen, daß wenn der Staat eine Verbindung rechtskräftig zn- lâßt, den Siebten hintennach ein neues Placet zusteht? Das ist die wohlverstandene Religionsfrecheit! Hier berühren sich vorzugsweise die Lebeuspunkte deS Staates und der Pfaffenherrschaft — auf dem Gebiete der Ehe — - und es wird sich wohl bald zeigen, wo die Seele wohnt. Wenn der Staat sagt, ich bewillige unbedingte Religionsfreiheit, so heißt das für mich ist keine Religion vorhanden, ich nehme meine Angehörigen als Staatsbürger, mögen sie nebenher Christen, Türken, Heiden, Juden :c. sein, nur darf durch .diesen Umstand der für mich Nebenumstand ist, mein Zweck nicht beeinträchtigt werden. Das Pfaffenregiment (wohl zu unterscheiden vom wahren Katholicismus und der Religion überhaupt) argumeNtirt anders: „Wir sind Katholiken, gehören vor Allem der kathol. Kirche an, deren Oberhaupt in Rom ist, diese Kirche verleiht unS eine Masse Rechte, die wir dein (schwachen) Staate deS Mittelal- ters abgerungen haben, mögen diese dem jetzigen Staate widerstreiten oder nicht, denn ihm gehören wir Zufällig an. Habt ihr einmal die Freiheit des Cultus anerkannt, so erkennt ihr auch alle sonstigen Rechte der kathol. Kirche an " Das ist grundfalsch, nicht als Katholik, Protestant, Jude; nicht als Schuster oder Leinweber hat man diese Freiheit und Rechte, sondern als Staatsbürger und kein Recht,' keine Freiheit, die man sich als diesem oder jenem angehörend erlaubt, darf im Geringsten die Rechte eines dritten, das Wohl des Staates beeinträchtigen. Wenden wir dieses auf vorliegenden Fall an. Der angeführte junge Mann gehört der kathol. Konfession an, und da der Staat die kirchliche Kopulation bis jetzt als die einzige hat, so ist dafür der kathol. Pfarrer da, sowie der auch die Geburts- u. , Sterbefalle für den Staat aufzuzeichnen hat. Oder ist das der freie Wille der Pfarrer, zu thun, wenn sie es »vollen, so möchte ich in aller Wlt wissen, wofür der Staat ihnen bis jetzt den ruhigen Genuß ihrer dicken Pfründen sichert. Der Pfarrer hat zu copuliren, und dann sich um sich zu bekümmern, weil der Mann seit der neuesten Zeit seine Kinder erziehen lassen kann, wie er will, abgesehen Moen, daß er selbst nach einander allen verschiedenen Konfessionen, die denkbar sind, angehören kann; dieses Recht hat er als Staatsbürger oder besser, der Staat bekümmert sich nicht darum. Nun schreibt aber die katholische Kirche, oder vielmehr
das abstrakte Pfaffenthum den einzelnen Pfarrern vor, in Mischehen, die sogen. Rechte der Kirche an den Kindern zu wahren, und hat der protestantische Pfarrer gleichen Scruprl, so mag das Brautpaar sehen, wo eS getraut wird, der Staat weißt es auf die kirchliche Verbindung als die einzige hin. Da liegt der Knoten, das ist katholische Religionsfreiheit. Der geringe Dienst den der Pfarrer dem Staate zu erweisen hat (der geringste unter allen Leistungen im Vergleich zu den übrigen Staatsbürgern) dient zur Zerrüttung der Grundpfeiler des Staates. Und da petitionirt man, der Staat solle sich nie in Confessions-Sachen tinmischcn. Gehorsamer Diener! der mischt sich überall ein, wo die Rechte eines seiner Angehörigen stets von geistlichen oder weltlichen Pfaffen geschmälert werden.
(èchluß folgt.)
Deutschland.
Weilburg, 30. Juni. Wie allenthalben, so ist auch in der hiesigen Lahngegend die Reaktion sehr ge, schästig, die Begriffe des Volkes zu veaw irren und demselben einen Widerwillen gegen eine republikanische Verfassung einzuflößen. Besonders hat sie in der Stadt Wellburg ihre Werkstätte. Dies kann nicht auffallen, wenn man bedeukt, daß Weilburg die uralte Residenz der nassauischen Fürsten war, und noch Viele da sind, welche die Hofluft eingeathmet und allerlei Vortheile und Privilegien genossen haben. Daher findet man hier nicht wenig Aristokraten, Bureaukraten und Anhänger der Bourgevtsie. Alle Mittel, welche der politische Jesuitismus zur Verdächtigung der republikanischen Verfassung darbietet, wenden sie an und reden der sogenannten konstitutionellen oder demokratischen Monarchie — bem vielbeliebten Mittelweg zwischen Despotismus und Anarchie — das Wort. Sie schwatzen bem Volke vor: die Republik sei weiter nichts als Pöbelherrschaft — sie leiste keine Garantie für die Sichcr- Heit des Eigenthums und der Person, — in einer Re- publik müsse der gleiche fein Vermögen mit dein Armen theilen, in ihr sei überhaupt kein fester und wahrer Rechtszustand möglich und was dergleichen plumpe, längst abgenutzte Kunstgriffe mehr sind.
Die Herren Reaktionärs will ich hier nicht na- inentlich ansühreü und bemerke nur zum Troste und zur Freude für alle, welche Deutschland eine republikanische Regierungsfonu wünschen, daß auch hier ein Verein von Demokraten vorhanden ist, welche nur in dieser allein Deutschlands künftige Größe erblicken. Zu ihnen gehören meistens junge, gesinnungstüchtige und intelligente Männer. Daß dieselben für die Verbreitung republikanischer Gesinnungen Sorge tragen, versteht sich von selbst. Und wie schwer es auch sein mag, einem lange unterdrückten Volke die wahre Beschaffenheit eines wohl- eingerichteten Staates äufzudecken, weil seine Begriffe von Jugend auf an das Verkehrte gewöhnt sind, und ihm die Wahrheit selten oder gar nicht zu Ohren gekommen ist, so bricht sich doch das Licht der politischen Aufklärung hier und in der Umgegend Bahn, denn ihre Zahl »vâchst täglich. Nach so vielen Täuschungen und Plüfungen muß endlich das Volk zu der Einsicht kommen, daß Deutschlands Rettung einzig und allein in der Einführung einer Föderativ-Republik zu finden ist. Manchem, noch vor einigen Wochen demokratisch-monarchisch Gesinnten gehm jetzt die Augen auf; er erkennt, daß unserm Vaterlande nur durch eine Radikalkur aber nicht durch einen neuen Kaisertbron geholfen, ,und ihm niemals wahre Größe, noch wahres Glück zu Theil werden kann, so lange noch seine Leitung von Vorurtheilen der Geburt abhängig gemacht wird.
Aus dem Amte Rennerod, 30. Juni. Wie an vielen andern Orter» hat auch in hiesiger Gegend die edle Zunft der Heuler ihre Thätigkeit begonnen. — Ihr nächstes Opfer war unser Abgeordneter, AmtSsecre- tär Hehn er, den sie bei den Wahlmännern des Bezirks Rennerod-Marienberg zu verdächtigen suchten.
Getrieben von eigennützigen Beweggründen und unter dem Vorgeben, Hehner habe communistische Ideen gepredigt, suchten einige Wahlmänner des Amtes Rennerod ihre Kollegen zu einer Versammlung in Höhn auf gestern zu vereinigen, um hier die Aufkündigung der Vollmacht HehnerS zu beschließen. Diese Heulerei brachte unter dem Volke eine große Erbitterung hervor, da HehnerS Auftreten in der Kammer die allgemeine Anerkennung mit Ausnahme einiger weniger Reactionäre in hiesiger Gegend findet.
Um der beabfichtigten Versammlung und dein Treiben jener Heuler beizuwohnen, zog denn gestern Nachmittag das Volk in Masse (man spricht von 800 Personen) nach Höhn. Zum Glück für die Heuler hatte sich jedoch keiner von ihnen eingefunden, weil sie wahrscheinlich von der Erbitterung deS Volks Kenntniß erhalten, und ihr Vorhaben ausgegeben hatten; sie würden sonst vielleicht auf eine sehr eindringliche Weise von der Achtung HehnerS durch das Volk überzeugt worden sein.
Frankfurt. Der Schluß des Briefes, den Hecker wegen seiner Wahl an den Präsidenten der National- versammlung gerichtet, lautet:
„Daß Ihr mit dein Ausspruch „daS Volk ist souverän" die Verneinung der monarchischen Gewalt lediglich in Beschlüssen ausdrücktet, wir dem Beschlusse auch die Mittel des Vollzugs, die Waffen beilegten, das ändert in der Hauptsache nicht daS Mindeste, es ändert dieses um so totniger, als die glorreichen Barrikaden Wiens und Berlins, sich von dem Dampfe in Baden nur darin unterscheiden, daß sie Sieger blieben. Mit einem Worte, Mischen der redenden und dekrctirendcn und zwischen der bewaffneten Revolution besteht grundsätzlich kein Unterschied. Im Namen 'des Grundsatzes der Volkösouveränität, im Namen deS souveränen Volkes, an welches ich hiermit appellire, und dessen Vertreter Ihr seid, ersuche ich Euch, Bürgervertreter Deutschlands, sofort die Wahlakten der in Thiengen stattgc- habten Wahl einzufordern, und mich von der geschehenen Erwählung in Kenntniß zu setzen.
„Muttenz, 20. Juni 1848.
Friedrich Hecker."
Hannover. Ein am 22. d. publicirteS Gesetz bestimmt, „in' Erwägung, daß der Unterschied der Geburt bei Besetzung der Staatsämter unberücksichtigt bleiben muß", die Aufhebung der in dem hannöverschen OberappeUationsgerichte bestehenden Einrichtung einer adeligen und einer gelahrten Bank.
Schleswig-Holstein. (W.-Z.) (Vorrücken der Truppen.) Die deutschen Truppen haben von Flensburg aus sich am 28. Juni nach dem Norden in Bewegung gesetzt und es scheint, als ob die bisherige Waffenruhe ihr Ende erreicht habe. Die Generale Wrangel und Halkett sind ebenfalls von Flensburg abgegangen und die dortige Garnison am 27. von den hanseatischen Kontingenten abgelöst worden. Das preußische 20. Regiment, welches die Avantgarde bildet, stand nach dem Briefe eines Preuß. Offiziers am 28. bei Bau, doch wird es f ^t schon weiter vorangezogen sein, da fortwährend neue Truppen nachrücken. In Altona sind 600 Mann Mecklenburger(Strelitz) ein» getroffen, ebenfalls um eilends nach Flensburg zu rücken. Man bringt diese Vorbereitungen zur abermaligen KiÖffnung der Feindseligkeiten mit der Vereitelung der in London betriebenen Fvirdensunterhandlungen in Verbindung, die nach der Rückkehr des Hrn. v. Reedtz und Frhrn. v. Pechlin auS London als gänzlich unterbrochen angesehen wekden dürfen.
Flensburg, 27. Febr. (H. Korr.) Gestern Mittag kam das Dampfschiff Glückstadt, welches die Dänen nebst der Caroline Amalie aus unserm Hafen geraubt, mit 21 Deutschen, die bei den Dänen in Gefangen, schaft gewesen, hier an: dagegen wurden 21 Dänen wieder zurückgeliefert. Unter diesen befand sich auch der verwundete Lieutenant v. Husum. Unter den Deutschen, die bei uns anfamen, waren keine Schleswig-Holsteiner.
und Kraft und Muth genug in sich fühlte, den mitten Männern zu trotzen, mit denen er übrigens auf ziem- lich freundschaftlichem Fuße lebte, so beschlich doch manchmal bange Sorge um die Lieben sein Herz, wenn er, von der Jagd hinweg gelockt, fern von HauS im Walde übernachten mußte, und dabei der nur zu häufigen Mord- thaten dachte, die sogar erst kürzlich wieder von hcrnm- streifenden Banden verübt worden waren. Endlich ge- wöhnte er fid^ freilich an solch Leben, und da auch die Seinen keine Zolche Furcht zu hegen, ja nicht einmal daran zu denken jchiencn, so hütete er sich wohl sie erst darauf aufmerksam zu machen. Monat nach Monat verging dabei, ohne daß ihm daS Mindeste Verdächtige begegnet wäre, und wie wir jcr dann, sobald wir eine Gefahr verschwunden glauben, dreister und zuversichtlicher werden, so hielt er bald das, was ihn bis dahin mit banger Sorge erfüllt hatte, für eitel Grille und Tand und gab sich nun, sein Herz jeder weiteren Angst absichtlich verschließend, um so eifriger der Jagd hin, die ihm in dem wildreichen Walde guten Ertrag sicherte.
Ta traf er eines Tages, mit seinem Hunde buixl) dm Wald schlendernd, eine ganz frische Bärenfährte; der Hund folgte langsam, und etwa drei englische Meilen der Spur nachgehend, sah er den Bär emsig beschäftigt, mit den Vordertatzen das Laub unter einer Weißeiche wegzuscharren, um die darunter verborgenen süßen Eicheln zu erlangen. Er hatte jedoch das Krachen eines dürren Zweigs, auf den der Jäger unvorsichtig getreten,
gehört, stellte sich auf die Hinterbeine, und sich mit der red)ten Vordertaye an dem Stamme der Eiche festhal- tcnd, schaute er aufmerksam umher.
Obgleich nun Wilson eigentlich noch nicht recht in Schußnähe .war, wußte er nur zu gut, daß die geringste Bewegung seine Beute verscheuchen würde; er hob also leise die Büchse, zielte sicher, und die Kugel fuhr der Bestie in den Leib, sank aber durch die lange Entfernung und traf zu tief. Der Bär stürzte zwar und stöhnte kläglich, doch ehe ihn noch der Hinid erreichen konnte, raffte er sich wieder in die Höhe »nid verschwand bald, von diesem verfolgt, hinter den steilen Bergen.
Langsam nur konnte Wilson der undeutlichen Fährte über den unebenen felsigen Boden folgen, doch sah er bei dem verlorenen Blute und der Farbe desselben, daß das Thier schwer verivundet sei und nicht mehr lange aushalten könne. Wie groß war nun sein Erstaunen und seine .Wuth, als er endlich seine Beute ersah, einen Indianer aber schon ruhig beschäftigt fand, die losge- famitteuen Fettfeftcn in daS abgestreifte Fell einznwickeln, wal)rend sein eigener Hund, sein treuer Ponto, todt zu teilen ,znßen lag. In wenigen Sätzen war er an der Seite der Rothhaut, und fast sprachlos vor Wuth fragte er den Indianer:
Wer tödtete meinen Hund?
Ist bei graue Falke ein Lamm, das; ihn die Zähne eines Hundes ungestraft zerfleischen sollten? fragte" mürrisch der dunkele Jäger.
Der graue Falke sollte einen Weiberrock anziehcu und mit den Frauen gehen, wenn sie das Wild Heim- tragen; er ist wie ein Aasgeier, der auf die Beute des Jägers wartet, knirschte Wilson und faßte krampfhaft den Griff seines Messers.
Wer hat dem weißen Mann den Weg in unsere Jagdgründe gezeigt? knurrte der graue Falke — wäre Euer Hund jenseit der Allcghani o geblieben, mein Tomahawk hätte sein Hirn nicht gcfnnven — bah — es ist nur ein weißer Hund, und während er noch sprach, berührte sein Moccasin verächtlich den Körper des treuen Thieres.
Da hielt sich aber auch der Jäger nicht länger, und ehe der Wilde im Stande war einen Arm zu bewegen oder sich.dem so raschen Angriff zu entziehen, fühlte er sich schon im Griff deS markigen Weißen und flog, von der Erde emporgcrissc», hiinveg über den Körper des Bären, daß er auf den dahinter liegenden spitzen Steinen zusammenbrach.
Aber schneller zuckte nicht der Blitz aus den dunkel» Wolken, als der Krieger wieder auf den Füßen war, den Tomahawk' ergriff und ihn nach der Stirn Wilson's schleuderte. Die scharfe Waffe riß diesem die Mütze vom Kopfe, aber noch schärferer Stahl blinkte in der Hand des grauen Falken, der sich jetzt wie ein Tiger auf den, sich dessen nicht verjehenden Wilson warf lind ihm das Messer zwei Mal in den Leib stieß, ehe dieser die eigene Waffe ziehen konnte. (Fortsetz, folgt.)