Einzelbild herunterladen
 

Freit Zntung.

âeiheil und Recht!"

JY£ H8 Wiesbaden. Montag, 3. Juli

L8L8.

DieFreie geitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischet und H. W. Ritter; auswärts bet den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements - Preis vom 1. Juli d. I. an beträgt halbjährig hier in Wiesbaden 3fl. 30 ; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau, des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 4 fl 30 n inner- halb aller übrigen Thurn und TariS'schcn Postbrztrken 5 st.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Dir JnserationS-Grbührrn betragen für dir vierspaltige Petitzelle oder deren Raum 3 Kreuzer

Offenes Sendschreiben

an die am 3. Juli l. I. in Freiendiez versam­melten nassauischen Geometer.

(Von einem Reformfreunde)

Männer der Mcßkunst! Jünger Euklids!

Euer Zusammentreten setzt den Begriff zweckmäßiger Regulirung des Nassauer Vermessungswesens voraus und bürgt für gehörig motivirte Vorschläge. Die Frucht Eurer Berathung laßt Anträge auf Verwirklichung der in nachstehendem Programm bezeichneteu Punkte sein:

Eine Triangulirung des Landes als Basis zur LalMSoennessung und der sich daranreihenden geo- meâchen und trigonometrischen Detailmessungen.

^»2) Reduction des wirksamen Personals auf zuvcr» lässige, theoretisch und praktisch gebildete Arbeiter unter besonderer Berücksichtigung der Consolidatoren nach Klassen mit oder ohne Patent, zur Beseitigung aller Pfuscher und Ueberläufer aus anderen Branchen.

3) Gesetzliche Bestimmungen zur Förderung der Güterconsolidationen, Gemarkungsvermessungen, Auf­stellung von^ Lagerbüchern und der Wiesenkultur, ins­besondere auch zur Sicherstellung des Grundeigenthums.

Einweisung der Geometer in bestimmte Bezirke zur Vornahme der vorkommenden Partial - Vermessungen, Fortführung der Messungs-Dokumente, Ergänzung der Grenzmängel ,â-Lcitung des Wiesenbaues und anderer technischen Arbeiten, dagegen zur Förderung der Güter­consolidationen und Gemarkungs-Vermessungen nach accordmäßiger Uebereinkunft freie Operation im ganzen Lande und bezüglich der in Aussicht gestellten trigono­metrischen Arbeiten specielle Uebertragung und Contro- lirung von einer Centralstelle.

5) Bildung einer Central-Verwaltungsbehörde aus wirklichen Sachkennern für das Vermessungswesen, als eine besondere Abtheilung an der Landesregierung, welche auch das Revisions- und Prüfungsgeschäft collegialisch besorgt.

Die Erneute in Paris.

Der gesäete Wind hat wieder einmal in der fran­zösischen Hauptstadt eine stürmische Ernte getragen; die auf den Barrikaden der Februarrevolution ausgestellten Verheißungen haben nach viermonatlicher Sicht zu einem blutigen Proteste geführt, als es den Inhabern der frei­gebig ausgestellten Schuldscheine aufGarantie des Le­bensunterhalts" undOrganisation der Arbeit" endlich einmal ernfiel, auf Honorirung ihrer Ansprüche zu drin­gen. Die französische Nation und ihre Vertreter haben [

die Schulden der ersten Urheber der Revolution nicht anerkannt, und das hauptstädtische Proletariat, welches einige Monate lang den unumschränkten Souverain des ganzen Landes spielte, steht sich mit plötzlicher Absetzung durch den wahren Souverain, durch die Gesammtheit des Volkes bedroht. Es hat zu den Waffen gegriffen, um sich in seinem usurpirten Machtbesitze und im Ge­nusse seiner Civilliste, des Wochenlohns derNational­werkstätten", zu vertheidigen. Das Proletariat ist offen­bar im klarsten formellen Unrecht; aber es ist hungrig und unglücklich, und das Verdammungsurtheil, welches die bewaffnete Auflehnung der Minderzahl gegen die Mehrheit verdient, wälzt sich von selbst ab von den irregeleiteten Massen auf die wenigen Ehrgeizigen, die das Unglück des Volkes ausbeuten, um unter derrothen Republik" sich selbst und den Schrecken auf den Prasi- dentenstuhl der Republik zu erheben nicht zu rcoen von jenen noch verächtlicheren Anhängern der alten Bourbons und des Kaiserthums, welche überall ihre Hand im Spiele haben, wo ihnen eine schwache Hoff­nung schimmert, im Trüben fischen zu können.

Die Berichte über den Aufstand, welche wir bisher mittheilten, sind unter dem Heulen der Sturmglocken und dem Prasseln des Gewehrfeuers geschrieben, und sie entwerfen daher nur ein ziemlich verworrenes Bild von den Vorgängen des 23. und 24. Jmu. Aber sie genügen vollkommen, um den wahren^ffarakter der Bewegung erkennen zu lassen. Dieselbe ging aus von der Unzufriedenheit derNationalwerkstätten", deren der Staat sich zu entledigen suchte, und sie ward geleitet von den neuen Jacobinen, der kommunistisch-radikalen Clubs, denen sich wie Schakalle dem blutlechzenden Löwen Legitimisten und Bonapartisten «»geschlossen. Unter den Aufrührern ertönte ein dreifacher RufHein­rich V.!"Napoleon!"die rothe Republik!" Aber der letzte verschlang die beiden andern. Mit einem Worte, der Kampf, um den es sich heute handelt, ist ein weit furchtbarerer, weit mehr weltgeschichtlicher als der, welcher von Guizots Hotel sich nach dem Château deau vor dem Palais Royal bis in den Thronsaal der Mutierten wälzte: es gilt hür nicht mehr König oder Präsident, Monarchie oder Republik, das sind heutzutage Zeitfragen, im Grundsätze gleichgültig, sondern es gilt nun: Eigenthum oder Communismus, Gesellschaft oder Chaos, Civilisation oder Barbarei.

Paris ist wiederum ausersehen zuerst seine blutigen Opfer der Lösung dieser furchtbaren Frage zu bringen, und die wunderbare Stadt bietet unter den Greueln des Bürgerkrieges, welcher sich in ihren Straßen ent­sponnen hat, einen großartigen Anblick. Die Nation selbst hat ihre ganze Hoheit und Machtvollkommen­

heit in einem Augenblicke m'edergelegt in die Hände eines Mannes, undalle, in denen nur noch ein Funke von Verstand und Einsicht neben Bürgersinn und Pa­triotismus lebt, beugen sich vor dem Dictator Cavaig- nac, welcher berufen ist den Staat und die Gesellschaft zu retten. Gelingt ihm der Sieg, und wir zwei­feln nicht daran dann wird um Ströme Blutes der Kampfpreis nicht zu theuer erkauft sein, das Bewußtsein meinen wir, das lebendige Gefühl, das nun auch den Lauesten, auch den Gleichgiltigsten, auch den Schüchternsten mit Allgewalt durchflammen muß: daß es in unsern Tagen die eiserne Pflicht eines jeden Bürgers ist mit Leib und Leben, mit Gut und Blut, an dem einen Anker aller Freiheit und Wohlfahrt fest­zuhalten: an der Majestät des Gesetzes.

Denn nur diesem gilt der Angriff, dem Gesetze, welches Eigenthum, Freiheit des Einzelnen, Familie und sittliche Ordnung schützt und welches selbst in sei­nen offensten Unvollkommenheiten und Mängeln, ver­glichen mit den Gelüsten der Pariser Junikämpfer, noch heilig ist. Mögen auch wir Deutschen unsere Lehre aus der französischen Tragödie ziehen, und uns, so viel unser sind, mit Entäußerung aller Selbstsucht und provinzieller Engherzigkeit dein in ächtem Bürgersinne unterwerfen, was der Wille der Gesammtheit uns von Frankfurt aus als Gesetz aussteUt. Sei cs noch so mangelhaft, noch so mißliebig, es ist und bleibt immer tausendmal besser und annehmbarer als das was danach folgen würde.

Auch bei uns wie in Frankreich sind es im Grunde nicht die Staats formen, um die man kämpft, und dort so wenig als hier darf man vie Krisis in welcher jetzt die Gesellschaft sich ängstigt den politischen Erschütte­rungen dieses Frühlings zur Last legen." Es ist ein altes, lange verhaltenes Uebel, welches endlich zum Ausbruch gekommen ist und welches in diesem Augen­blicke uns allen die scharfe Frage: Sein oder Nichtsein? stellt. Ohne Kampf ist die Antwort nicht möglich, aber wir haben einen zu festen Glauben an den in der Geschichte waltenden göttlichen Geist, als daß wir einen Augenblick an der letzten siegreichen Entscheidung zu Gunsten unserer guten Sache zweifeln sollten. Un­serer guten Sache! denn wenn wir uns gegen die Commun sten und ihren Anhang erheben, so ist es nicht der Mammon um den wir kämpfen, sondern die per­sönliche Freiheit, die sittliche Berechtigung der Familie, die Gott dem Menschen ins Herz geschrieben hat, und die der Communismus so wenig wie der Absolutismus es vermocht hat, wegzudekretiren vermag. Darum ist der Dictator Cavaignac in diesem Augenblicke auch un­ser Feldherr. (W. Z.)

Jäger Stevans und sein Hund Poppy.

Eine wunderbare, traurige Geschichte.

'(Fortsetzung)

Hierbleiben! Poppy! rief er jetzt mit lauter Stimme diesem zu, der sich durch mehrfache Wendungen näher und näher an die Thür gebracht hatte und nun im Be­griffe war, sich dem ihm unangenehm werdenden Gespräche zu entziehen Hierbleiben, Poppy, schämst du dich, du schlechter, undankbarer Hund? aber warte erst wol­len wir den Beweis deiner Schuld finden komm mit mir zu deinem Lersteck.

Damit nahm er Büchse und Kugeltasche (denn ein richtiger Jäger geht ohne sein Gewehr nie zehn Schritte von feinem Hause fort) und bedeutete durch eine gebie­terische Geberde dem Hunde zu folgen; Poppy aber, der wohl schon aus den verschiedenen Zeichen seines Herrn, die Kaminecke betreffend, Verdacht geschöpft haben mochte, merkte kaum, welche Richtung jener einschlug, als er die Ohren senkte, den Schwanz zwischen die Beine nahm und sehr kleinlaut hinter drein schlich. Zweimal blieb er unterwegs stehen und sah sehnsüchtig nach dem Hause zurück, Stevans gab aber genau auf ihn Obacht, und vergebens suchte er sich dessen Aufmerksamkeit zu ent- ziehen. Endlich gelangten sie zu dem Platze, auf wel­chem Stevans im Traume die Knochen verscharrt hatte dort lag der Baum, hier war die alte Wurzel mit dichtem Gebüsch von Sassafras und Sassaparilla durch­wachsen , und dicht unter dem Stamme (Stevans schob

mit der Büchse die Blätter und daS Moos bei Seite) lagen die Beweise deS Diebstahls die Ueberbleibsel der entwendeten Keulen.

Hätte Poppy in diesem Augenblicke durch ein Ast­loch kriechen können, so würde er es mit dem größten Vergnügen gethan haben, so demüthig , so erbärmlich war ihm umS Herz; er sah sich entdeckt, überführt und wußte daß der Blick seines sonst so guten Herrn jetzt mit Zorn und Aerger auf ihn geheftet war. Poppy hielt sich in diesem Augenblick unstreitig für den unglück­lichsten Hund in Missouri.

Mit gesenktem Kopfe, schlotternden Beinen und halb geschlossenen Augen, wehmüthig in das helle Laub vor sich hinstierend, stand er eine lange Weile und er­wartete die Strafworte oder wohl gar die Züchtigung seines Herrn. Zu seiner Verwunderung erfolgte aber Nichts von alle dem, der alte Stevans sah ihn nur eine Weile recht scharf und wehmüthig an, schulterte dann seine Büchse und wanderte schweigend in den Wald. Poppy trabte traurig hinterdrein.

ES ward Nacht und Beide lagerten unter den auS- gebreiteten Heften einer Eiche aber die frühere Freund­schaft war zwischen ihnen vernichtet Poppy wollte zwar einmal wieder den zerrissenen Faden anknüpfen, doch wehrte StevanS ihn ab und sagte: Geh fort du bist ein Wolf! und er hätte ihn nicht schlimmer schelten können, denn er verabscheute auf der Welt nichts mehr, alS einen Wolf Poppy aber ging traurig zu­

rück und legte sich, weit vom Feuer und seinem Herrn fort, unter einen Baum.

Siebentes Kapitel. Die Strafe.

Am nächsten Morgen marschirte StevanS mit Tages­anbruch weiter, und erreichte, etwa um zehn Uhr, den Missouri. Sein Plan war im Anfänge eigentlich grau­samer Art gewesen; so sehr er seinen Hund früher ge­liebt, um so schmerzlicher hatte ihn das Hinterlistige seines Charakters geschmerzt, und er beabsichtigte im Anfänge, ihn todt zu schießen, konnte cs aber doch nicht über sich gewinnen, sondern wollte ihn lieber zur näch­sten Ansiedlung nehmen und dort verschenken, obgleich er wohl wußte, wie schwer es fein würde, den Hund am Zurückkehren zu hindern, Als er noch |o da hw und wehmüthig , unentschlossen vor sich hinstarrte, hörte er eines der Dampfboote den Fluß heruuterkommeu, die dann und wgnn hinaufgcheu, um theile die Jäger der Felscngcbirge eine Strecke ins Innere des Landes zu befördern, theils die Felle und Pelze der Fallensteller, wie die Produkte der Laudleutc nach St. LouiS zu schaf­fen. Wenige hundert Schritt von dort, wo er saß, legte das Dampfboot an, um mehre Klaftern Holz ein­zunehmen, die hier von dem nicht sehr entfernt woh- nenben Ansiedler gespalten waren. StevanS ging darauf zu.

Hallo, Alter - Ihr habt da einen wunderschönen Hund! rief Einer der Passagiere, ein blondhaariger, schlanker Mann wollt Ihr ihn nicht verkaufen?