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DerConstitutioncll" gibt über die Ereignisse vom 26. folgende Einzelheiten:Die Insurgenten wa­ren in Folge der Ermahnungen des Erzbischofs und dreier Repräsentanten mit dem Präsidenten der Natio­nalversammlung in Unterhandlungen getreten. Man hatte denselben die Zeit gelassen, sich zu berathen und sich zu einer vollkommenen unbedingten Unterwerfung zu entschließen. Das Feuer fing um 10 Uhr, wie man gedroht hatte, an. Der Bastilleplaß war am vorigen Tage genommen worden, und man hatte die Nacht da­rauf dazu verwendet, kort eine Batterie Geschütz auf- zupflanzen, welche die Vorstadt bestreichen konnte. Die Haubiß-Granaten hatten bald die ersten Häuser und das Waffenhaus Charamont in Flammen gesetzt. Man hatte eine Mine gegraben, welche sich weit genug er­streckte, um nötigenfalls einige Häuser zu sprengen. Im selben Augenblicke griff der General Lamon'cicre das Stadtviertel Popincourt an, warf die Barricaden mit Kanonen nieder und rückte in die Vorstadt, um dasselbe von der Seite anzugreifen. Als die Insurgen­ten erkannten, daß es vergeblich sei, einen verzweifelten Kampf fortzusetzen, zögerten sie nicht, einen Parlamen­tär zu senden, um zu erklären, daß sie sich auf Gnade und Ungnade ergaben.

Die Truppen rückten in die Vorstadt ein, welche Abends durch eine beträchtliche Streitmacht besetzt ist. Von diesem Augenblicke an hörte jeder Widerstand auf; es wurden noch einige Versuche gemacht, um einzelne Barrikaden zu vertheidigen; es sielen aus den Häusern noch hier und da von den Verzweifelten abgefeuerte Schüsse; allein von Mittag an hatte man mit der Weg­nahme der Barrikaden einen Anfang gemacht. Das Gesetz und die Gesellschaft hatten gesiegt. Unter den in Beschlag genommenen Waffenmassen hatte man meh­rere kleine Kanonen alten Ursprungs gefunden. Die Insurgenten sollen auch eine Art Mörser gegossen haben, aus welchen sie mehrere Male mit Kartätschen schossen.

Der Schauplatz des Kampfes im Viertel St. An­toine, zwischen dem Rathhause und der Paulskirche, bie­tet den Anblick einer Stadt dar, welche die Gräuel eines langen Bombardements bestanden hat. Ganze Faeaden sind unter den Kanonen- und Haubißenschüssen verschwunden, Läden und Räume verwüstet. Vom Platze Boudover ist der Anblick noch trauriger; man sieht nichts vor sich, als verwüstete, von den Kugeln und Granaten durchfurchte Häuser.

Schwede« und Norwegen.

Christiania, 16. Juni. (B.-H.) Von einem Au­genzeugen erfahren wir, daß das DampfschiffCa­milla" , welches am 15. d. M. von London nach Havre abgegangen ist, dort seine Ladung completirt hat und am 17. Abends von Havre nach St. Petersburg abgegangen ist, in London 200 Kisten Gewehre eingeladen hat, welche in Kopenhagen aus­geladen werden sollten. Die englische Regierung hat vor Kurzem auf Reclamtion des dän. Gesandten die Waffen-Ausfuhr nach Deutschland verboten, um ihre Neutralität zu wahren. Wir fragen, wie stimmt dieseWaffen-Ausfuhr nach Kopenhagen mit der behaupteten englischen Neutralität und warum schreitet die deutsche Diplomatie in London nicht zu rechter Zeit gegen diese Verletzung der Neutralität ein?

Erklärung.

Der israelitische Religions-Lehrer Hoffmann auS Limburg hat sich zu der Lehrerversammlung in Wies­baden nichtunbefugter Weise eingedrängt," sondern war stimmberechtigtes Mitglied derselben. DieS zur Berichtigung de« von Langenschwalbach eingesandten Artikels in Nr. 109 dieser Zeitung. F. Spieß.

Bekanntmachungen.

Das Gastspiel des Mimen Godtke- Adlersberg auf hiesiger Bühne durch die Sondir- Luppe betrachtet.

Motto:Ich spiele nur, um den Wiesbadenern einige genuß-

(880 reich« Abende zu verschaffen.

Eigene Worte deS großen Mimen G. A.

34 habe in der Welt schon viele Erfahrungen gemacht. Dieselbe bereist und, nament­lich in theatralischer Beziehung, viel Gutes, ja das Ausgezeichnetste im Gebiete der Kunst, aber auch -recht viel Schlechtes und Erbärmliches gesehen. Zu letzterem kann ich auch mit Recht das Gastspiel des Herrn Gödtke«Adlersberg, welchen Namen ich, beilänsig gesagt, soviel ordent­liche Blätter über Kunst, Theater und Literatur (versteht sich der besseren) ich auch schon seit Jah­ren gelesen, noch nirgends gesunden habe, rechnen. Mit mitleidigem Lächeln schon laS ich eine, diesen Herrn betreffende lobhudelnde Ankündigung seines Gastspiels in No. 63 deS vielsagenden V olkS freundes", die damit anfângt,daß man Endlich mit Bestimmtheit erfahren habe, daß der Landsmann und Jugendfreund G. A. auf hiesiger Bühne in einigen Rollen auftreten, in welchen er Gelegenheit haben wird, sein schönes Talent (wovon er schon vor 3 Jahren Proben ablrgte??!) im vollsten Maaße zu entfalte», und daß ihm auch diesmal die Anerkennung und der gerechte Beifall seiner Mitbürger zu Theil werden wird, bereit Stolz und Freude eS sei, ein sol­che« Kunsttalent (??!) auS ihrer Mitte hervorgehen zu sehen"; so wie ich auch in demselben Blatt« und aus derselben Feder eine Beurtheilung (Selbstkritik) besagten Künstlers laS, worin von dessen meisterhaftem Spiele, klangvollem Organe, rethorischem Redeschwung und künstlerischem Auffassungsvermögen so, alles Schaamgefühls baar, gesprochen wird, daß man mit Bestimmtheit sagen kann: so etwas kann nur ein, von frecher Arroganz aufgeblasener, sichselbst Ueber- sch ätzender" niederschrtibelm denn nimmer will ich der Ehre eines rechtlichen deutschen Mannes zutrauen, daß er, ohne vor nch teldst errothen zu müssen, so etwas gegen alle Ueberzeugung der öffentlichen Beurtheilung übergeben konnte. Was Wunder also, daß ich kaum erwarten konnte, bis der Tag erschien, der Wiesbaden so hoch beglücken sollte. Er kam, aber ich muß gestehen, daß es mir, so mancher Redensarten, die ich vorher von der Selbstmeinung diese« Herrn zu hören be-- kam, doch etwas unheimlich zu Muthe wurde, und ich habe mich nicht getäuscht. Ich sah Herrn Gödtke-AdlerSberg und bin wahrlich nicht vor Entzücken, aber doch vor Mitleid außer mich gerathen. WaS ich hier sprech«, geschieht auS voller Ueberzeugung. Keine Persönlichkeit leitet mich, denn ich kenne Hrn. G. Ad. nicht außer der Bühne Aber die Kritik ist es der Kunst selbst, sie ist eS den braven Mitgliedern der Bühne schuldig, hier mit schonungsloser Strenge zu verfahren, da gerade setzt das Schicksal dieser Bühne und deren Betreffenren von der Gunst des Publikums, ja der Einsicht und dem guten Willen des ganzen Landes abhängt. Was muß man hier und aus­wärts von einer Anstalt denken, wo solche Leute zum Gastspiel zugelassen werden, die schon, ehe si« dasselbe beginnen, sich außerhalb derselben in ihren Privathandlungen, wozu die jüngsten, be­rüchtigten Ausfälle des Hrn. G. A. gegen Frl. Kern und Hrn. P«cz (ohne daß ich denselben, seiner letzten Erwiederung wegen, in Schutz nehmen will) gerechnet werden müssen, sich so compro- mittiren und verächtlich machen? Und ein solcher Mensch gibt sich bei jeder Gelegenheit in ge­fälliger, aberwitziger Selbstüberschätzung für einen Künstler aus? Nimmermehr. Denn der Künstler geht mitdemWorteKunstin der damit bedingten Bildung Hand in Hand und kann sich auf diesem Stand­punkte nie so vergessen, sonst hat er nie Anspruch auf diesen achtbaren Titel gehabt. Gehe ich nun wieder zur Sache selbst, d. h. zu den Leistungen des Hrn. G. A. als Schauspieler über, so ist mein Urtheil folgendes: Hr. G. A. steht als Schauspieler auf einer höchst untergeordneten Stufe und kann als solcher kaum den bescheidenen Wünschen einer Provinzialbühne genügen. Sein Organ ist gar keiner Modulation fähig und schlägt häufig über, wenn es etwas forcirt wird. Von retho- rischer Ausschmückung gar feine Rede, im Gegentheil, Hr. G. A. wirft die Redesätze so schnell durcheinander, daß sie dem Zuhörer ganz unverständlich werden. Di« Körperbewegungen und son­stig« Gesten entbehren alles Anstandes, denn das Rückwärtsbiegen deS Oberleibes und das in der

Luft Herumtelegraphireu der Hände sieht sich höchst widerlich an und riecht stark nach Coulissen- reißerei. Gefühlswärme und Ausdruck im Vortrage fehlt auch, und so bliebe von dem ganzen Schauspieler, dem Hrn. G. A. nämlich, nichts übrig als die Figur, und selbst diese verliert durch die oben angedeuteten plastischen Fehler.Don Cesar Bazano ist eine vom Dichter so schön ge­zeichnete Rolle, die gefallen muß, selbst wenn sie nur heruntergelese» wird, und dennoch wußte Hr. G. A. nichts daraus zu machen. Hätte Hr. G. A. nicht eine Clique im Theater gehabt, die pflichtschuldigst applaudiren und den Landsmann herauSrufen mußte, wahrlich Hr. G. A. wäre spurlos mit seinem Cesar Bazano verschwunden, wie eS sich bei der zweiten Rolle, dem Konrad" imMüller und sein Kind" sattsam herausstellte. Möge Hr. G. A. hier in seiner Vaterstadt eine Lehre bekommen haben, in Zukunft feinen wahren Werth besser tariren zu lernen, und einsehen, daß Talentlosigkeit selbst denLandsmann und Mitbürger" trotz aller Verdienste umStadt und Staat" im Stiche läßt, und nicht zu schützen im Stande ist.

Da Hr. G. A. in hiesigen Blättern auch schon Proben seiner journalistischen Thätigkeit zum Besten gab, so zweifle ich nicht, daß er auch über die hier gesagten Wahrheiten, die allerdings für ein so großes Genie nicht gar süß klingen, seine Randglossen in der nur ihm eigenen Weise machen wird. Ich kann ihm aber zum Voraus die heilige Versicherung geben, daß seine Pfeile, wenn auch noch so giftig, mich nicht verwunden werden, daß ich hier nur die mit Füßen getretene Kunst und Künstlerschaft gegen Einbildung und Arroganz in Schutz nahm und rechtfertigte, und daß ich kein Jota von dem hier niedergeschriebene» jemals zurücknehmen würde. Ich bin fest überzeugt, daß ich dem gesunden Urtheil des gebildeten Theaterbesuchers aus dem Herzen gesprochen habe.

Wiesbaden, den 29. Juni 1848.

Ein Freund der Wahrheit und inniger Verehrer jeden Talentes, wo eS bescheiden auftritt, aber ein entschiedener Gegner hohl« köpfiger Comödianterie und Prahlsucht.

(834) Motto: Wer gerne tanzt, bem ist's gut geigen.

Mit Staunen erfahren wir soeben, daß der Kurhauspächter Chabert nächstens die österr. Regimentsmusik hier spielen zu lassen beabsichtige. Will er den Kurgästen dadurch ein größeres Vergnügen bereiten? Dieß glauben wir kanm. Wir hörten dieser Tage die österreichische Musik, ohne besonderen Gefallen daran zu finden. Sie spielen Tänze ganz ausgezeichnet; doch klassische Musik tragen sie nicht so «ract vor, wie die Nassauer. Die nassauische Militärmusik hat sich noch vor Kurzem imBadischcn großen Ruhm erworben, den ihr die Oesterreicher nicht schmälern werden? Auch wäre es sehr Unrecht, den Einheimischen auch nur den geringsten Erwerb zu nehmen, da ja ohnedieß der vielgerühmte badische Feldzug dem Lande viel Schaden gebracht hat. Wir ersuchen daher Herrn Chabert, unS nur nassauische Musik hören zu lassen.

Wiesbaden, den 29. Juni 1848. Mehrere Kurgäste.

(833) Die Versammlung der Bann- und Erbleihmüller, welche auf Dienstag den 4. Juli in Limburg bestimmt war, findet, nach weiterer Besprechung, Don­nerstag den 6. Juli, Nachmittags 2 Uhr, in Wiesbaden im Hdtel Düringer statt.

(837) In bet Tauuusstraße No. 14 sind zwei Familienwohnungen mit oder ohne Möbel auch jahrweise zu vermiethen.

(829) ES wild ein gebildetes, junges Frauen­zimmer vom Lande zur Unterstützung der HauS- fran gesucht. Dasselbe müßte im Hauswesen, der Küche, im Nähen, Stopfen >c. erfahren sein. Ausgeber sagt wo?

(832) Zwei ineinandergehende Zimmer sind billig zu vermiethen und können gleich bezog«» werden: Wo? sagt bie Expedition.

(835) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen auf dem Michelsberg No. 9.

An Herrn Dieffenbach dahier.

(836) In Ihrem werthen Schreiben behaupten Sie, es sei eine infame Lüge, daß Sie Ihre Weristält«Stall" genannt hätten. Ich habe die Sache erzählt, wie sie mir mitgetheilt wurde, ohne daß ich mit auch nur den geringsten Zu­satz erlaubt hätte, und wer mich kennt, der wird auch nicht an der Wahrheit meiner AuSsag« zweifeln. Wer nun gelogen hat, daS will ich der Beurtheilung des Publikums überlassen und mache hierbei nur noch auf Folgendes aufmerk- sam: Achtbare hiestge Bürger erzählten mir, Sie hatten ihre Gesellen wegen unverschämter Forderung fortschrckrn muffen. Von wem mag nun diese unrichtige Angabe herrühren'-'

Wiesbaden, den 28. Jnni 1848.

Oswald Dietz.

Anzeige.

(830) Uniformknöpfe vorschriftsmäßig für Wehrmannschaft, im Inland gefertigt, von gelbem Tombak, welche nicht nur schön von Farbe, sondern sich auch sowohl wegen ihre« Stoffes als schöner Politur leicht blank er­halten; bie O-seu mit Schlagloth eingelötet, paß keine derselben losgehen s inn, werden ver­kauft: die Garnitur 18 große und 6 Heine zu 19 kr.; im Gross noch billiger bei

«J7. £. Seibert, in der Langgasse in Wiesbaden. N. S. Auch seine Uniformknöpfe, schön, gut, , und billig, sind vorrâthig.

(743) 10000 ff. find gegen ge­richtliche Sicherheit auf Guter auszuleihen.

Näheres in der Redaction die­ses Blattes.

Frankfurt. Cours der Staatspapiere. 1 Uhr.

Den 29. Juni 1848.

pCt.

Papier

Geld 1

Den 29. Juni 1848.

vEt.

Papier

Geld

Oesterreich

Preußen

Bayern

Würtemb.

Baden

Darmstadt

MelaUiqnes Lbtigalioncn ....

Wiener Bank-Actien ..... 500 fl. Loose........

250 ft. Loose von 1839 .... Bethmännische Obligationen . . .

50 Thaler Prämien-Scheinc . . . Staatè-Schnld- Scheine â 105 . . Obligationen........ Ludwig-Kanal-Actien incl. d. v. C. Bexbacher Eisenbahn-Aclie» . . . Obligationen........

Obligationen........

Lotterie-Anlehcu â 50 fl. von 1840 35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . .

1 Obligationen........

5

4

3

2%

4 1%

3%

3% 4% 3%

3%

58 47% 35% 30' 2

93 58% 47%

84

68%

52% 71% 86% 68% 37% 23%

71%

57% 46 %! 34% 30

1050

92 57% 46%

67% 71

52 % 70%' 86%' 67%

37% 22% 70%

Darmstadt

Kurheffen

Nassau

Frankfurt

Holland

Spanien

Polen

Sardinien

Obligationen........

Lottcrie-Anlchc» von 50 ft. . . . 25 fl. Loose........ Friedrich-Wilhclms-Nordbahn . . 40 Thaler Loose bei Rothschild . . Obligationen bei Rothschild . . .

bitte 25 fl. Loose . . .

Obligationen........

bitte von 1839 ....

bitte von 1846 ....

Taunus-Cisenbahn-Aclien a 250 fl. .

per ultimo

Jntegr.-Obligaüouen . . . . . Syndicats......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoiuè incl. 14 Coup..... Lotterie-Loose 300 ......

bitte 500 ......

36 Frs. Loose bei Gebr. Bethmann

4

4

3%

3 3% 3%

2% 3%

3

77 33% 18% 33% 21

72 18% 77% 91

85

266

42%

16%

57

22

76% 53 17% 32% 20% 71

17% 76% 90 84

262

42

15%

56 21

Cours der Wechsel.

Den 29. Juni. ______ Amsterdam, um ft. Erl Augsburg, io » ft. Cn. '. Berlin, 60 Thlr...... Bremen, SO Rthlr. in Louisd'or Hamburg, 100 Mrk. Bco. . . Leipzig, «iO Thlr. . , W in der Messe .... London, 10 Livr. St. . . . . Lyon, 200 Fr.......

Paris, 200 Fr.......

Mailand, 250 Lir. Anstr. . . . Wien, in 20r 100 fl. C.-M. . Discon to........

Kurze Sicht

Zwei Monat

Gold- und Silber-Sorten.

^

11

9

5

9

10

12

2

1

24

24

M

5 56 36 41

5

2 13% 45 21

18

Briese 101% 110%

99

120% 95 94

101

Geld

104%

87% 104%

94%

101

Briese

120'%

Geld 100%

87

2

Holländische 10 ft. Stücke........

Englische Souverains..........

Hochhaltiges Silber ...........

Gering-miltclhaltiges Silber........

Verlag tw H. Fischer und C. Ritter. Druck brr C. Stttter'schen Buchdruckerei.