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waS ich gehört und gesehen. Nein, so elenb haben sich noch nie Menschen gegen Menschen benommen! Die ganze Nacht und den ganzen Morgen über begräbt man die gefallenen braven Nationalgardchen; ein schrecklicher Anblick; kein Auge bleibt thränenleer, wenn einLcichen- zuz durch die Strassen kommt. Im Faubourg St. Au- toine und in der Nähe des Boulevard Beaumarchais kämpft man Noch; es wird hoffentlich bald beendet sein. Aber was alsdann? O Gott, was werden wir dann erleben, wenn die politischen Fragen wieder in den Vor­dergrund treten; die Umstände machen natürlich vor der Hand eine militärische Diktatur nothwendig; wir haben sie im weitesten Sinne des Wortes; die freie Presse ist für den Augenblick dahin. Man untersucht und liest jedes Stück Papier, das man in der Tasche hat; man muss sich über den Besitz einer nur einiger­maßen bedeutenden Summe legitimsten ,- die man bei sich trägt; man wollte mich gestern nöthigen, meinen Brief an Sie auf die Maierie zu bringen, um ihn in meiner Gegenwart zu öffnen; man will nicht, daß falsche oder übertriebene Nachrichten nach dem Auslande ge­langen; man arretirt provisorisch Jeden, der nur zum leisesten Verdacht Veranlassung gibt. Vor der Hand ist dieses Alles sehr nothwendig, denn es befinden sich viele verborgene Insurgenten in der Stadt, die hier und da vereinzelte Nationalgardisten überfallen oder aus Schlupfwinkeln auf sie schießen; aber wie lange wird es dauern? Viele Gerichte sind über Vincennes verbreitet; da der direkte Weg dahin durch das Fau- bourg St. Antoine führt, ist die Verbindung sehr ge­hemmt.

Paris, 26. Juni, 7 Uhr Morgens. In diesem Augenblicke ist noch Alles ruhig in den FaubourgS; ich benutze dieses, um Ihnen einige Details über den gcstri- gen Tag zu geben; der Kampf war schrecklich; General Negrier ist todt; dem General Lamoricière wurden mehrere Pferde unter dem Leibe gctödtet; der Deputirte Carbonuel ist gefährlich verwundet. Die Insurgenten haben eine Grausamkeit bewiesen, wie sie die Araber nie gegen die Franzosen gezeigt, sie haben die gefange­nen Truppen auf jede nur mögliche Art und Weise ver­stümmelt; von Seiten der Truppen verfährt man so gelinde als möglich mit den gefangenen Barbaren.

Paris, 26. Juni. Aus anderen Berichten ent­lehnen wir folgende Details: Cavaignac hat befohlen, daß in jeder Legion die getödtcten Nationalgardisten ausgeschrieben werden sollen, weil der National -Ver-

I sammlung Pensions-Vorschläge für ihre Hinterbliebenen gemacht werden sollen. Es heißt, der Belagerungs­zustand dürfte schon morgen aufgehoben werden. Man kündigt ein Decret an, welches die Mobilgarde der Armee einverleiben soll. Die Minister sollen dein Ge­neral Cavaignac ihre Abdankung eingerekcht haben.

Um f 2'2 Uhr erfuhr man, daß folgende Depesche des Polizek-Präfecten Trouvë- Chancel auf der Mairie des 4. Bezirks angelangt war:Ich vernehme soeben, daß die Vorstadt St. Antoine ohne alle Bedin­gungen capitulirt hat." Nichts desto weniger feuerten noch die Kanonen. Ein Club zu Batignolles wurde durch die Truppen rc. angegriffen und die Mehrzahl (etwa 300) kam im Kampfe um. Auf der Barrikade Rochechouart fand inan zwei Engländer

Erwiederung

In Nr. 112 derFreien Zeitung" befindet sich ein Artikel:Das Leih - und Pfandhaus in -Wiesbaden" bezeichnet, welcher manche Unrichtigkeiten enthält, auf welche von betreffender Stelle Antwort erfolgen wird.

Im Allgemeinen bin auch ich der Meinung, daß eine Umgestaltung der Leihhaus-Ordnung wünschens- werth ist (sie wird nicht ausbleiben); was aber den Punkt ad 5 betrifft, so ist derselbe theils gegen mich gerichtet. Ich glaube mich gegen diese Angriffe, weil sie auf Unwahrheit beruhen, vertheidigen zu müssen.

1) Es kommt -äußerst selten vor, daß Pfandgeber geringere Darlehen ansprechen, als der Werth desOb- jektes beträgt, vielmehr werden gewöhnlich die höchst möglichsten Summen verlangt. Wenn eS aber vor­kommt, so habe ich folgendes Verfahren cingeführt: Ich schreibe den Tarationsschein, wie folgt:

Ein halbes Dutz. 13 löthig Silber wiegen 20^ Lth., Werth 25 fl. 3 fr. Auf Verlangen 15 fl. Darlehn.

Der Psandgeber erhält abzüglich der Kosten letzte Summe und ist ein voller Werth gesichert.

Ich habe dieses Verfahren schon vor Jahren deß­halb eingeführt, weil ich die Möglichkeit unterstellte, daß Pfänder vorkommen können durch Einbruch, Brand rc.

2) Die Angabe des Gewichtes bei Gold und Sil­ber geschieht jedesmal und wird im Versteigerungsfall von mir garantirt, die der andern Metalle ebenfalls, was die Leih-Handbücher, die Tarationsscheine, sowie die Pfandscheine selbst beweisen, und wird bei Verstei­gerungen nebst dem Gehalt des Gold und Silbers jedesmal laut und ehrlich angegeben, wie es die Scheine enthalten. Natürlich kann man bei hohlen auSgefüllten,

häufig vorkommenden Gegenständen unmöglich das Ge­wicht, aber (immer doch den Feingehalt angeben, was auch geschieht.

Den nächsten Angriff weise ich mit Indignation zurück, ich glaube mich dagegen nicht vertheidigen zu müssen, fordere aber Einsender, sowie jeden Andern auf, den Beweis zu liefern, daß mir irgend Jemand einmal etwas in Auftrag von mir ersteigerte, und erbiete mich in diesem Fall Demselben 20 fl. auszusetzen.

4) Ferner muß ich bemerken, daß ich selbst schon zwktmal darauf angefragen, man möge die Einrichtung tressen, daß die Gegenstände meiner Taxation an einem -rage Vorkommen, denn es ist mir selbst zu Zeitraubend und unangenehm 4 bis 5 Tage in dieser Atmosphäre zu sitzen, während die Versteigerung der Metalle, in bestimmter Zeit auf einander folgend vorgenommen, rn^^^â so viel Stunden abgehalten sein würde.

Es wurde meiner Bitte nicht willfahrt.

5) Das Mitbieteu endlich auf Versteigerungen wird uns nicht untersagt werden können, indem wir nicht allem für das gegebene Darlehn, sondern auch für die restlrende Zinsen und Steiggebühren einstehen müssen. Letzteres scheint mir nicht recht zu sein.

Wir müssen demnach doch .das Recht haben, so lange mit zu bieten, bis wir schadlos sind, gehen wir aber weiter (was ich oft thue) so ergibt sich daraus ein höherer Eilös, was ja gerade das Interesse des Pfanders fördert.

Sollte Einsender fraglichen Artikels an diesen mei­nen Angaben zweifeln, so erbiete ich mich bei der Di- rection dahin zu wirken, ihm wo möglich Einsicht von den Tarationsscheinen eines ganzen Jahres zu ver­schaffen, er möge sich persönlich an mich wenden, an- ? dern Falles erwarte ich von seiner Rechtlichkeit Berich- fr--. I tigung des Irrthums.

Meine eiste und letzte Erklärung.

____________Rohr, Gold- u. Silberarbeiter u. Tarator.

Nachschrift»

Wiesbaden, 29. Juni. Nach soeben eingetroffenen Nachrichten ist Erzherzog Johann mit 436 Stimmen zum Reichsvcrweser erwählt worden. Präs. v. Gagern erhielt 52, v. Jtzstein 32 u. Stephan v. Oestreich 1 Stimme. 25 Stimmen enthielten sich der Theilnahme, weil es sich nicht mit ihrem Gewissen vertrage, einen un­verantwortlichen Reichsverweser zu wählen.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Möller.

Bekanntmachungen.

(827) Wiesbaden, 28. Juni. Ich kann nicht umhin, folgenden Vorfall dem öffentlichen Urtheile zu übergeben:

Am verflossenen Sonntag stand der fahrende Kanonier Steib von der 1. Compagnie in Wiesbaden, ein Mann, der, nach dem Zeugniß seiner Kameraden, seit 16 Monaten seiner Dienstpflicht treu und gewissenhaft nachgekommen ist, der in dieser Zeit nicht die geringste Strafe erlitten hat, mit einem Frauenzimmer spre­chend, in einer Straße unserer Stadt.

Der Oberlieutenant von Nauendorf ging durcheben diese Straße an dem Kanonier Steib vorüber. Steib, der wahrscheinlich durch die Unterhaltung mit dem erwähnten Frauenzimmer den Oberlieutenant v. Nauendorf nicht frühe genug bemerkt hatte, um, wie es seither Brauch oder Vorschrift war, seine Mütze zehn Schritte vor und hinter dem Osficier abnehmen zu können, griff bei dem Vorüber- grhen des Oberlieutenants v. Nauendorf einfach, jedoch respektvoll grüßend an seine Mütze. Oberlieutenant v. Nauendorf hält diese Salutation des Soldaten vor einem adeligen Officier für nicht ehrerbietig genug, geht auf den Soldaten zu, reißt ihm die Mütze aus der Hand und schlägt ihn mit derselben, Angesichts von vielen Bürgersleuten unter hrstigen Drohungen und Schimpfredcn mehrere Male in's Gesicht!!

Auf die Zuschauer konnte eine solche barbarische Handlungsweise natürlich nur einen empörenden Eindruck machn,, und deshalb veranlaßten sie den bei dem Vor­gänge ganz ruhig gebliebenen Kanonier, die Anzeige von dieser Mißhandlung bei der vorgesetzten Behörde zu machen. Steib that dies; aber der Oberlieutenant v. Nauen­dorf war schlau genug, den Vorfall bereits früher und g-wiß mit der größten Rücksicht auf sein eignes Interesse zur Anzeige zu bringen. Da nun einmal dem Osficicrèworte immer Glauben geschenkt wird, so wurden dem mißhandelten Sol­daten,^ trotzdem, daß er mehr als zehn Zeugen für die Wahrheit seiner Angabe aufries, zu der ihm angethanen Beschimpfung noch drei Tage Arreststrafe dictirt, wäh­rend der Herr Baron v. Nauendorf ungestraft blieb.

Strafe wurde zwar an dem Beleidigten nicht vollzogen, jedoch bedeutete ihm der Herr Hauptm. Heimann unter allerlei Manövern, daß er ja die Sache beruhen mgen möge, indem Herr Oberl. v. Nauendorf im Rechte sei und bei einer Untenuchung nn günstigsten Falle beide Theile bestraft würden. Ein schönes Mittel zur Ausgleichung der Sache!!

Dies ist die Thatsache, wie sie mir von vielen glaubwürdigen Männern und Augenzeugen erzählt wurde. o d

.. Es wäre verlorne Mühe, das Benehmen des v. Nauendorf einer weit- lâurtgen Kritik zu ruck rwerfen, es ,st genug zur Würdigung der Sache geschehen, sie öffentlich zu wachen. Selbst vor dem 4. März würde dieses, so ganz das Junkerthum bezeichnende Betragen Nauendorfs ausgefallen sein, aber jetzt verräth es mehr als eine völlige Unkenntmß des Barons von Aller, dem was wir seit dem 4 März in der politischen Welt erlebten; es verräth, daß der Adel die an vielen Orten selbst mit Kupierten von Leichen erkauften Errungenschaften des Volkes daß er dieses selbst verhöhne. Welchen Eindruck muß ein solcher Vorfall auf die Eltern machen, die ihre Söhne zum Schutze des Vaterlandes stellen mußten, die sie den feindlichen Kugeln ausgesetzt und dann von solchen Offizieren befehligt und mißhan- delt wissen? Die wahrhaft beispiellose Geduld und Mäßigung der Nassauer läßt die so lange besonders begünstigte Adelskaste, welche kein weiteres Verdienst, als das der Geburt für sich hat, wieder ganz ihren alten Uebermuth, ihre, alle Rechte des Volkes verachtende Anmaßung annebmen, nicht bedenkend, daß vielleicht der Augen­blick nicht mehr ferne ist, in welchem sie bitter beklagen könnte, die Liebe des Volkes und der Soldaten nicht für sich zu haben.

Bekanntmachung.

(818) Ich mache hierdurch bekannt, daß ich von heute (Donnerstag) an die Wirthschaftzum Karpfen" in der Metzgergasse angetreten habe, und bemerke zugleich, daß ich die imBayrischen Hof" vorderhand gleichzeitig noch betreibe, bis ich Näheres darüber veröffentliche.

Ich bin wie bisher mit sehr gutem Kafteler Bier (den Schoppen zu 3, die Flasche zu 6 fr.), sowie fortwährend mit ächt Bayrischem Bier (die Flasche zu 9 fr.) versehen. Auch sind verschiedene gute Weine, kalte und warme Speisen stets bei mir zu haben; ebenfalls kann bei mir logirt werden.

Ich bitte meine verehrten Gönnern und Freunde, mir ihr Wohlwollen auch in der neuen Wirthschaft zu Theil werden zu lassen, nnd bitte um zahlreichen Besuch. Wiesbaden, den 30. Juni 1848.

Jk Heck, zum Karpfen.

Wiesbaden, dm 28. Juni 1848.

(824) Mit Bezug auf den Artikel in No. 84 dernassauischen allgemeinen Zeitung" vom 25. d. Mts., finden wir Veranlassung unsere Meinung dahin zu äußern, daß man der Auf­seherin am Kochbrunnen keineswegs Mangel an Aufmerksamkeit vorwerfen kann. Was die Dieüstfertigkcit dieser Frau anbelangt, so muß gewiß jeder Besucher des Kochbrunnens sagen, daß dieselbe stets Jedermann mit > Höflichkeit und Zuvorkommenheit entgegen gekommen ist. Die Anstalt des Brunnens im Allgemeinen macht es indessen im höchsten Grade wünscheuS- werth, solche Vorkelrrungen zu treffen, die es unmöglich machen, ohne Vorsatz in die Quelle zu gelangen, wodurch allein der Wiederkehr ähnlicher trauriger Ereignisse vorgebeugt wird.

Mehrere Kurgäste.

Ginladung.

(826) Die Besitzer von zehntpflichtigen Grund­stücken in hiesiger Gemarkung werden auf näch­sten Samstag, Abends 5 Uhr, zu einer wichti­gen Besprechung auf'S Rathhaus eingeladen.

Witsb.iden, den 29. Juni 1848.

C. Christmann, Stadtschultheißerewerwalter.

(828) Für die hiesige Stadtgemeinde wird ein Capital von lOCO fl. gegen 5 pCt. Zinsen zu leihen gesucht. Hierauf Reflektirende belieben sich in portofreien Briefen an den Unterzeich­neten zu wenden, oder persönlich anzumelden.

Hochheim, den 27. Juni 1848.

Der Stadtschultheißereiverwalter: S ch l e i d t.

(743) 10000 fl. sind gegen ge­richtliche Sicherheit auf Güter auszuleihen.

Näheres in der Redaction die­ses Blattes.

(823) Ich bin besiegt! Auf solche end­lose Gemeinheiten des k. Pecz in No k I t derFr. 3tg.< die ein ganzes Institut bla- miren, daß ihm rc. Pecz als Mitglied ange­hört, kann ich Nichts mehr erwiedern, ohne daß ich mich ihm gleichstellte. Er rufe mit stolzem Siegesjubel seinem Freunde ?c. A. Bär zu:Arm in Arm mit Dir, so fordere ich mein Jahrhundert in die Schranken!"

Wiesbaden, 26. Juni 1848.

Gödtke-Adlersberg.

(825) Ein schwarzseirener Regenschirm ist von dem Unterzeichneteten am 25. April d. J. in der Kirche zu Königstein mit einem ähnlichen verwechselt worden; vor einigen Tagen ist dem­selben der eigenthümliche übersendet worden, der Eigenthümer des verwechselten wird ersucht, diesen hier abholen zu lassen.

Wehrheim, den 8. Juni 1848.

Karl Gregory.

Literarische Anzeige.

(782) In Commission der H. W. Ritter- schen Buchhandlung ist erschienen:

Eine Pfingstpredlgt, im deutschkatholischen Gottesdienste zu Wiesbaden gehalten von Eduard Graf, Pfarrer.

Zilin Besten der deutschkatholischen Gemeinde zu Wiesbaden.

Preis 6 Kreuzer.

Berlag von H. Fischer und Ritter. Druck der E. Ritter'scheii Buchdruckerei.