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Innsbruck, 20. Juni. (Inns. Z.) Se. k. Hoh. der Erzherzog Johann ist gestern Abends, als Stellver Vertreter Sr. Majestät des Kaisers nach Wien abge- reist. Er äußerte sich bei der Abschiedsaudienz der hier anwesenden Cvngrcßmitglieder auf die rührendste Welse. Er gehe ungerne aber gehorchend dein Befehle Sr. Majestät des Kaisers von hier, mit bangen Besorg­nissen erfüllt für die Zukunft. Aber was da immer kommen möge, und wenn er vielleicht Tirol nicht mehr Wiedersehen sollte, so habe Er doch die Bestimmung ge­troffen, daß seine Gebeine in Tirol ruhen sollen. Sein Sohn/der junge Graf von Meran, Welcher Tirol jetzt schon lieb gewonnen habe, werde einst seinen Wohnsitz im Lande nehmen"

Auch die Hrn. Minister Weffenberg und Dobblhof sind nach Wien abgereist und sämmtliche Gesandtschaf­ten werden bald ihren Beispielen folgen. Die große syrmisch-serbische Deputation und Banus Jelachich wei­len noch hier.

Belgrad, 17. Juni. Von Karlowitz aus langte die Nachricht durch Eilboten an, daß am Pfingstmontage, als die Serben eben in der Kirche waren, 400 Mann ungarische Infanterie, 1 Escadron Husaren mit sechs Stück Kanonen von Peterwardcin aus die Unvorberei­teten überraschten und ohne Schonung mit schwerem Geschütz feuerten. Als die Zahl der überraschten Ser­ben sich mehrte, wurde von ihrer Seite die Vertheidi­gung standhaft geführt nach dreistündigem Gefecht zogen sich die Truppen in die Festung zurück. Die Serben haben elf, die Magyaren sechszehn Todte.

Bis zu' diesem Augenblicke wußten die Serben nicht bestimmt, welche Stellung die Grenzfestung ihnen gegenüber einnehmeu wird, eine neutrale ward ver­muthet. Da nun ohne vorangegangene Untersuchung die Offensive von der Festung aus gemacht ist, wissen die Serben, was die Glocke geschlagen hat. Kirchen- nnd Kreiskassen werden von Sirmien nun nach Bel­grad gebracht, eine schwere Kasse unter Deckung der Panzowaer Naationalgarde wurde gestern Abend bald nach dem Anlangen in die hiesige Finanz geführt, die wichtigen Documente der Serben von 1690, un­gleichen sehr kostbare Kirchenparamente von der Karko- Witzer Kathedrale sind ebenfalls hierorts in Sicherheit ponirt. Auf diesen Posten sammeln sich nun die Ser­ben diesseits, um ihren jenseitigen von den Magyaren bedrängten Brüdern alsbald zu Hülfe zu eilen. Be­waffnete Freischaaren vom ganzen Lande- ziehen Tag und Nacht hinüber. In Neusatz sind Frauen und Kinder in der Festung untergebracht.

Bürgerkrieg beoroht nun ganz Sirmien, ja wir möchten fast ahnden, daß, wenn nicht Pacificateurs au­genblicklich einflußreich auftreten, den bedrückten Serben nicht ihr gutes volles Recht gewährt, das mißliebige Beamtenpersonal aus der Zopfzeit überall weit, weit­hin entfernt wird, eine Metzelei wie in Posen nun in Aussicht steht; möge, mandann nicht rufenzu spät": möge man die ohnedies aufgeregten Slawen auf jede Weise zu beruhigen suchen und nicht Zündstoffe wieder im Süden auflodern lassen, wo im Osten noch heiße Glimmasche aufgehäuft daliegt! Möge man anstatt mit Kartätschen und Husarensäbeln blindlings hineinzuschleu­dern lieber das heilende Element der Gerechtigkeit und Billigkeit menschenfreundlich hineinzaubern, möge man den Fäulniß bringenden Geschwürstoff aus der chronisch metternichschen Zopfperiode lieber wegätzen und crtödtcn, als die tiefgreifende Putrescenz durch die geächtete met- ternichsche diplomatische Quacksalberei weiterhin führen und ausbreiten !

Berlin, 26. Juni. So eben gelt uns das letzte Publicandum des anhalt-dessauischen Ministeriums vom 17. Juni zu. Das Ministerium hat darin den letzten Schritt gethan, der ihm innerhalb der Grenzen des monarchischen Princips übrig blieb; es hat, ohne durch bestimmt ausgesprochene Forderungen getrieben zu sein, aus dem Bewußtsein seines revolutionairen Ursprungs und in voller Anerkennung desselben in einemNach­trage zum Verfassungsentwurfe" das suspensive Veto und direete Wahlen bewilligt! Die anhaltische Ver­fassung (im Entwürfe des Ministeriums), die bisher schon unbedingt die freisinnigste in Deutschland genannt werden konnte, ist durch dies letzte Zugeständniß zur freiesten in ganz Europa geworden. Selbst die norwe­gische reicht ihr jetzt nicht mehr das Wasser. Denn diese, die einzige, die außer der anhaltische« ein suspen- sives Veto hat, kennt noch eine Staatsreligion, die an- Haltischc ignorirt die Religion; die norwegische hat ein Zweikammersystem, die anhaltische eine einheitliche Ver­tretung; die norwegische kennt noch Ausnahmegerichte,/ welche die anhaltische für alle Fälle verwirft; die nor­wegische hat einen Census und iiidirectc Wahlen, in Anhalt ist jeder mündige Mann wahlberechtigt und wahlfähig und wählt seinen Vertreter direkt. So ist Anhalt, dessen patriarchalisches Bevormundungssystrm noch vor wenigen Monaten sprichwörtlich war, durch die Energie zweier Männer ganz Deutschland voraus, geeilt, und hat, unbekümmert um die Bewegungen rings umher, seine Nachbarländer weit hinter sich zurückge­lassen. Hier mögen unsere Minister in die Schul« ge­hen, hier mögen sie lernen, in welcher Weise ein revo­lutionäres Ministerium die Revolution anerkennen soll; hier mögen sie lernen, wie man eine höfische Camarilla (denn eine solche hat Dessau so gut wie Potsdam) auf'ö Haupt schlägt. Hier mögen sic aber auch lernen, eine wie viel sicherere Garantie fürRuhe und Oid- nung" die konsequente Durchführung der Revolution,

als ein kümmerliches, knabenhaft-ängstliches Zurückwei- chen davor ist. (B.Z.-H.)

Berlin, 26. Juni. DerPreuß. Staats-Anzeiger" enthält Folgendes:

Nachdem der Präsident des Staats-Ministeriums, Min. Camphausen, so wie die Staats-Minister Graf v. Schwerin, v. Auerswald, Bornemann und Freiherr v. Schleinitz, ingleichen der Chef des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Freiherr v. Patow, von mir auf ihren Antrag aus ihren bisherigen Stellungen entlassen worden sind, habe Ich

1) den Ober-Präsidenten v. Auerswald zum Präsi­denten des Staats-Ministeriums und zugleich in­terimistisch zum Minister der auswärtigen Ange­legenheiten,

2) den Präsidenten der National-Versaininlung, Ab­geordneten Milde, zum Minister für Handel, Ge­werbe und öffentliche Arbeiten,

3) den General-Landschafts-Rath, Abgeordneten Rod- bertus, zum Minister der geistlichen, Unterrichts­und Medicinal-Angelegenhciten, und

4) den Criminalgerichts-Director Maerker zum Ju­stiz-Minister ernannt.

5) Von dem Ministerium für Handel, Gewerbe u. und öffentliche Arbeiten soll die Verwaltung der landwirthschaftlichen Angelegenheiten getrennt und ein eigenes Ministerium für diese Angelegenheiten gebildet werden, dessen Leitung ich dein Stadt- Syndicus Abgeordneten Gierke, unter Ernennung desselben zum Staatsmintster, übertragen habe.

6) Die Leitung des Ministeriums des Innern habe Jchpem Regierungs-Präsidenten Kühlwetter, jedoch auf seinen Wunsch nur interimistisch, übertragen.

Der Finanz-Minister Hansemann und der Kriegs-Minister Freiherr von Schreckenstcin blei­ben in ihren bisherigen Stellungen.

Mein gegenwärtiger Erlaß ist durch die Gesetz- Sammlung zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

SanSsonci, 25. Juni 1848.

(gez.) Friedrich Wilhelm, (contraf.) Hansemann.

Berlin, 26. Juni. Die städtische Deputation zur Unterstützung der in den Märztagen Verwundeten und der Hinterbliebenen der Gefallenen wird nun endlich eine summarische Rechnung über die eingegangenen Beiträge und deren Verwendung ablegen. Nach der­selben sind bis zum 1. Juni, außer einigen noch zu verwerthenden Pretiosen, baar eingegangen: 100,032 Thlr., wovon bis jetzt im Ganzen 16,574 Thlr. ver­wendet sind, so daß ein Bestand von 83,458 Thlrn. verbleibt. Wenn man bedenkt, daß von diesem Be­stände die erforderlichen und schon bewilligten laufen­den Unterstützungen nach einem ungefähren Ueberschlage au 123 Hinterbliebene mit 1005 Thlrn. 20 Sgr., und an 146 Verwundete mit 1493 Thlrn., zusammen also mit 2498 Thlrn. 20 Sgr. monatlich, oder 29,984 Thlrn. jährlich, znr Zahlung kommen sollen, so werde meint die Deputation der Bestand für die Zu­kunft nicht ausreichen, indem für den angegebenen Be­darf in einigen Jahren Capital und Zinsen aufgezehrt sein dürften.

Italien.

Roms 19. Juni. (S. M.) So eben verbreitet sich das Gerücht, daß sämmtliche Mitglieder unseres beim Volke mit vollem Rechte so beliebten Ministeriums ab­gedankt haben, und zwar weil Pius IX. den Ein­flüsterungen mehrerer Kardinäle Gehör gegeben und den Plan gefaßt habe, daß das Ministerium des Auswär­tigen künftig mit einem Kardinal zu besetzen sei.

Frankreich.

Straßburg, 26. Juni. (Fr. I.) Während des heutigen Vormiltags glich das Aussehen unserer Stadt ganz demjenigen vom 26. Febr. d. J. Bestürzung und Trauer lag in allen Mienen, denn die Briefe aus Paris brachten Schilderungen des Straßenkampfes, die herz­zerreißend sind. Nachmittags sah es schon lebhaft aus, denn Nationalgarde und Linientruppen waren zu einer gemeinschaftlichen Heerschau ausgerückt, wo sich allge­mein der Ruf:vive la république!vive la garde nationale!vive la ligne! vernehmen ließ. Man ist, bei uns aufrichtig der Republik zugethan, denn ein Sturz dieser staatlichen Einrichtung würde namenloses Unglück über Frankreich bringen und einen Parteikampf hervorgerufen, der mit einem allgemeinen Bürgerkrieg âientisch wäre. Gestern hat der Kampf in Paris noch fortgedauert, doch wurde Cavaignac allmälig Herr der meisten von den Insurgenten mit Löwenmuth verthei­digten Punkte. So viel wissen wir auS einer telgra- phischen Depesche aus Ehalous. Mit Paris selbst sind wir ohne alle telegraphische Verbindung.

Straßburg, 27. Juni, Nachmittags 3% Uhr. Telegraphische Depesche.

Paris, 26. Juni, 4 Uhr Abends. Der Chef der vollziehenden Gewalt an die

Präfecten.

Die Jnsurrcetion ist vollständig besiegt. Alle Ins»rgen'tcn haben die Waffen gestreckt oder die Flucht ergriffen.

Die Sache der Ordnung hat gesiegt. Es lebe die Republik!

Straßburg, 27. Juni, 5 Uhr Abends. Tele­graphische Depesche.

Paris, 27. Juni, 8'/2 Uhr Morgens.

Heute genießtParis der vollkommensten Ruhe; Allcs ist zur Ordnung zurückgekehrt.

Strasburg, 27. Juni, 6 Uhr Abends. Telegra­ph ische Depesche.

Paris, 27. Juni, 4 Uhr Abends. Der Chef der vollziehenden Gewalt an die Präfekten.

Die Ruhe ist in Paris wieder hergestellt. DieNationalgarden strömen von allenPunk- ten -Frankreichs herbei.

Strasburg, 28. Juni, 11 Uhr Morgens. Tele­graphische Depesche.

Paris, 28. Juni, 9 Uhr Vormittags. Der Chef der vollziehenden Gewalt an die Präfecten.

Stellen Sie überall die Bewegung der Nationalgarden nach Paris, wo ihreGegen- wart unnütz wäre, ein. Danken Sie ihnen im Namen des Vaterlandes für ihren groß­müthigen Eifer. (F. I.)

Paris, 25 Juni. Man liesst imJournal des Debats": Die Nachrichten, welche vom Kampfplätze eintreffen, melden, daß der Aufstand mehr und mehr besiegt und zurückgeworfen ist. General Duvivier, wel­cher im Viertel des Stadthauses operirte, hat den Auf­ruhr völlig bezwungen; er ist Meister der ganzen Linie bis zur Bastille und bewerkstelligt seine Vereinigung mit General Lamoriciere. Paris ist von dieser Seite also ganz befreit; der Aufstand ist zurückgedrängt und abgeschnitten im Faubourg St. Antoine. Kräftig an­gegriffen, versuchten die Aufrührer, sich nach der Seite des Montmatre und nach der Barriere von Fon­tainebleau zu flüchten. Von allen Seiten umringt, hatten sie keine Hoffnung mehr. Die allgemeine Trauer ist schrecklich; der tapfere General Ncgrier wurde auf einer Barricade getödtet. Fahre wohl, heroischer Sol­dat^ von Constantine, edle und treue Gestalt, welche wir täglich in der Versammlung erblickten! O, wie viel Blut, wie viel Thränen! Wie viel Schmerzen! Wie viel Verwünschungen!

Der junge Martin (Hyacinthe), achtzehn Jahre alt, vom 13. Bataillon der Mobilgarde, nahm unter einem Kugelregen eine Fahne, welche die Insurgenten auf der Barricade der Straße Menilmontan aufge­pflanzt hatten. Der General Lammoriciere schickte die- seu Jüngling mau möchte sagen, diesen Knaben. zur National-Versammlung. Martin ward darauf dem General Cavaignac vorgestellt, der ihn freudig umarmte und das Kreuz der Ehrenlegion vom Knopfloche des Obersten Chatras nehmend, ihn eigenhändig damit schmückte, indem er $u ihm sagte:Du hast es wohl verdient!" Martin antwortete:O, wie mein Vater darüber erfreut sein wird." Er weinte vor Freude, und diejenigen, welche bei diesem rührenden Auftritte zugegen waren, konnten selbst der Thränen sich nicht enthalten. Die Nationalgarden kamen fortwährend an, indem sie meistens nur ihre Waffen hatten, ohne Munition und ohne Lebensmittel. Ueberall auf ihrem Wege wurden sie enthusiastisch empfangen, mit dem Rufe: Es lebe die Nationalgarde der Departements! Es lebe das Weichbild! Es lebe die Republik!" In allen Vierteln, wo die Nationalgarden verweilten, führten ihre Kameraden von Paris sie in ihre Häuser,-wo sie die theilnehmendste Gastfreiheit genossen.

Paris, 26. Juni, Morgens 7 Uhr. Der General Cavaignac hat eine sehr versöhnliche Proklamation an die Insurgenten gerichtet; der Erzbischof von Paris hat sie persönlich den Insurgenten überbracht. Eine würdige, wahrhaft großartige That! Man hat gestern die noch von früher her bestehenden Gesetze wegen öffentlicher Anschläge, Zeitungen, Ausrufer rc. in Er­innerung gebracht; alle Decrete sind vom General Ca­vaignac, als alleinigem Chef des pouvoir exécutiv, unterzeichnet; ebenso ein Mandat, um Emil de Girar­di» zu arretiren und sein Journalla Presse" zu ver­tilgen. Am Schluffe dieses Dekrets heißt es:Der Polizeipräfect wird auf der Stelle alle Zeitungen mit Beschlag belegen, die durch feindliche Veröffentlichungen den Kampf verlängern könnten, der so blutig in der Hauptstadt wüthet und das Heil der Republik compro- mitirt." Man hat gestern in Privathäusern eine beträchtliche Anzahl Waffen weggenommen, besonders auch den in der Nationalgarde eingeschriebenen Perso< nen, die jedoch weder früher, noch jetzt in den Reihen derselben erschienen sind; in Milchkannen mit doppel­tem Boden hat man Patronen gefunden. Am Quai de la Möglsserie hat man aus den Fenstern auf die aus der Provinz eingetroffenen Nationalgardisten ge­schossen. Am Platz Chatelet hat man aus einem Hause auf Volksrepräsentanten geschossen; die Truppen, die das Haus erstürmten, haben Niemanden mehr gefun­den; man scheint sich durch die Dachfenster geflüchtet zu haben. Man hat viele verdächtige Leute arretirt, bei denen man große Summen in Gold vorgefunden. Bei einem Ingenieur der Nationalwerkstätten hat man 10,000 Fr.'gefunden. Die meisten Telegraphen sollen zerstört sein. Man hat Insurgenten arretirt, dre das Abzeichen der Volksrepr äsen kanten trugen und Pulver­wagen begleiteten. Die Protestation der Montagne gegen die Belagerungserklärung wird lebhaft besprochen. Der Genceal Duvivier ist schwer verwundet. Ein Obrist des 48. Regiments, der sich sehr muthig gezeigt, ersetzt ihn mit dem Generalstitel.

1 2 U h r. Ich habe einen Theil der Plätze besucht, die gestern den Insurgenten genommen wurden. Das Herz bricht mir, wenn ich mir das ins Gedächtniß rufe,