Einzelbild herunterladen
 

ml-Versammlung hätte in der That keinen besseren Weg einschlagen können, um das Vertrauen des Volkes zu ihr, das in dem Laufe der letzten Zeit man- chcn bedeutenden Stoß erlitten hatte, zrr befestigen, als daß sie diesen Antrag der Linken zum Beschlusse erhob. Morgen werden die Verharidluiigen fortgesetzt, ,o daß ich Ihnen wohl bis zum Abende den Namen des Neichsverwesers werde mittheilen können.

Nassauischer Landtag.

XII. Sitzung, vom 28. Juni.

Die Tagesordnung führt zur Berichterstattung des Eriaenzetats der höheren Jnstizstellen; das Oberappel- lationsaericht bedarf nach Anforderung der Regierung 27 211 fl., davon werden für Standesaufwandsgelder des"Präsidenten und mehrere kleinere Posten, z. B. für Federmesser! Büreaukosten :c. gestrichen oder verringert, zusammen im Betrag von 1535 fl. Es werden die übrig gebliebenen 25,766 fl. bewilligt. Un­ter den nämlichen Umständen werden statt der für das Hofgericht zu Dillenburg angeforderten 24,067 fl. nur 23,388 fL, für das Hofgericht zu Usingen statt 22,336 fl. nur 21,719 fl., für das Crimnialgericht zu Wiesbaden statt angesorderten 17,897 fl. nur 17,583 und für das Criiuinalgericht zu Dillenburg 20,328 fl. bewilligt. Bertram macht bei diesem letzteren Posten darauf aufmerksam, daß das Criminalgericht zu Dillenburg bei geringeren Geschäften immer mehr Kosten vei Ursache, als das Wiesbaden, er daher bitte, diese Thatsache ge­hörig zu erklären. Reg.-Com. Werren und Abg. Heyner führen zur Entschuldigung an, daß in Dillen­burg die Verpflegung um 200 fl. höher und dort eine eigene Gardistenwache nöthig sei, was hier wegfalle. Siebert glaubt, daß Bertram nur die Sparsam­keit des Wiksbader CrimmalgerichtS hierdurch hervor

heben wolle u. trägt auf Tagesordnung an, was auch geschieht.

Unzicker rechtfertigt den mit Schmidt gemein­sam gestellten Antrag auf Einführung einer LuruSsteuer: die höheren Stände verwendeten eine Menge Geld für un nöthige Ausgaben, sie besteuerten manche Sachen nicht, welche die niederen Stände besteuern müßten, wie z. B. die Equipagen der Capitalisten nicht, da die Fuhrwerke der Armen besteuert seien. Es fehle jetzt an klingender Münze, man solle deßhalb Ketten, Gold, Schmuck rc., welche als todtes Capitel nicht zinsenbringend seien, versteuern lassen; der Reiche zahle weiter für den Hund, den er zum Vergnügen halte, nur ebensoviel, als der Arme, der ihn nöthig habe (?) Deßhalb müsse man eine Progressiv-Hundesteuer einführen. (Man sieht, der Fortschritt erstreckt sich auch aufs Thierreich.) Den Einwand, daß manche Gewerbe durch Einführung nur solchen Steuern leiden würden, könne man nicht berücksichtigen, da dieses nur einzelne seien und durch den allgemeinen Nutzen der Nachtheil der Einzelnen ausgewogen würde.

Dieser Antrag wird nur bekämpft, keine Stimme erhebt sich zu seinen Gunsten. Die Gegcnrcdncr schei­nen alle die Ueberzeugung zu haben, daß gar keine Aussicht für diesen wirklich im höchsten Grad unzeitge­mäßen und seine beabsichtigte Wirkung ganz verfehlen­den Antrag vorhanden ist; sie sprechen nur kurz und theilweise mit sehr gutem Humor. So meint Wimpf, es sei für die Reichen Pflicht, Lurus zu treiben, da­durch unterstützten sie die Armen, man solle ihnen also, statt einer Steuer, eher dafür eine Gratifikation geben.

Wenkenbach I. Ich kann nicht begreifen, wie man einen Antrag auf Einführung einer LuruSsteuer hat stellen können.

Von dem Lurus der Reichen leben eine Menge Arme, und der Lurus sollte also eher befördert als ein­geschränkt werden.

Wenn man ermöglichen könnte, den Lurus Jeder­mann zugänglich zu machen, so würden in demselben Verhältniß die Armuth schwinden.

Der Lurus auf die höchste Potenz getrieben, heißt Verschwendung. Der Verschwender gießt Ströme Gol­des um sich aus, von denen Hunderte leben, während er sich allein ruinirt; er bezahlt also selbst die höchste Steuer, die es gibt.

, Ich möchte daher eher den Antrag stellen, denje« mgen zu besteuern, welcher keinen Lurus treibt, damit jeder Filz dadurch genöthigt wird, sich zum Besten sei­ner Mitmenschen zu Grunde zu richten.

Bei der Abstimmung erhebt sich außer den Eintrags strllern kein Abgeordneter für den Antrag, der also glänzend durchfällt.

Der Abgeordnete Schmidt rechtfertigte nun den mit Unzicker gemeinschaftlich gestellten Antrag, auf Ein­führung einer Kapitalsteuer:

Das alte Steuersystem ist verhaßt, die Kapitalisten waren bisher nicht besteuert, wir können nach dem alten System n cht noch fort die Steuern erheben, sondern müssen auch die Kupitalisten ihren Beitrag zur Unter­haltung des Staates geben lassen, diese werden es gerne thun, denn sie haben die Zeit begriffen." Diese Meinung von unseren Kapitalisten ist für dieselbe zwar sehr schmeichelhaft, allein ich bezweifle doch, ob alle in diesem Punkt das in sie gesetzte Vertrauen recht­fertigen. Die Nothwendigkeit und Gerechtigkeit eines Griffes in den Geldsack wird oft nur sehr ungern ein- gesehen. (Schluß folgt.)

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Möller.

Bekanntmachungen.

Wiesbaden, den 28,'Juni 1848.

Motto: Nahe den Esel in eine Löwen­haut,Langohrschaut doch hervor.

(816) Am Sonntag den 25., Abends, stand der fahrende Kanonier Steub an dem obern Ecke der Schwalbacherstraße in Unterhaltung bei einigen Mädchen; Herr Oberlieutenant v. Nauendorff ging eben vorüber, ohne von Steub sogleich bemerkt zu werden, und als er sich eben umdrehen wollte und diesen großen Herrn annchtig wurde, machte er, durch die hohe Gegenwart überrascht, fern Honneur ohne ge­rade die Mütze abzunehmen. Dieß war aller­dings eine Beleidigung, die ein Herr von sol­chem Adel und Verdienst nicht so mir nichts dir nichts hinnehmen durfte, und mußte und konnte um so mehr gerochen werden, als die Eanaille keinen Säbel anhatte. Dieses schreckliche Verbrechen von seiner Majestät sehen, die Zähne fletschen, dem Steub di« Mütze vom Kopfe zerren, ihm ins Gesicht werfen, ihn einen vermaldeiten Hund, Canaille, Bauernkerl re. heißen, die Mütze von der Erde aufhcben (welche Mühe), denselben Act da capo auf­führen , war daS Werk eines Augenblicks wahrhaft russische Geistesgegenwart der Geister wobnt in dieser irdischen Hülle er kam, sah und siegte an einem wehrlosen Untergeord­neten: welche Tapferkeit, welchen Heldenmuth wird dieser Held zeigen, wenn ihm dereinst ein fliehender, geschlagener Feind zu Ge­sicht kommt, webe ihm.

Deutsche Offiziere, Bürger und Kame­raden des Gemißhandelten, wir fordern Euch aus. Euer Urtheil zu fällen, den Helden nach Verdienst zu belohnen: denselben, begleitet von unserer Verachtung, nach Rußland zu schicken, und ihm zum Abschied das Lied singen:

W o kann's ihm Wohler sein, Als in dem Kreis der Seinen."

L. V.,

im Nomen vieler seiner Mitlürzer.

An das Volk!

(822) Dem alten System in seiner Niederträchtigkeit stehen keine andern Mittel mehr, um sich aufrecht zu erhalten, zu Gebote, als Lug, Trug und Verdächtigung. Die Grundsätze der Republikaner sind zu erhaben, als daß die Verfechter der Tyrannei dieselben anzugreifen vermöchten. Darum suchen sie die Träger dieser Grundsätze mit dem Geiser der Gemeinheit zu besudeln.

Es ziehen Personen im Lande umher, welche aussprengen: Weil ich durch das Eramen gefallen, weil ich keinen Staatsdienst bekommen, sei ich unzufrieden, Republikaner. Ich bin nicht durch das Eramen gefallen, wie dieses ein mir dar­über den 20, Februar 1840 ausgestelltes Dokument beweist; ich wollte keinen Staatsdienst, weil ich in dem System der Gesetzlosigkeit, der Gewalt, des blinden Gehorsams, der DorMett von Gottes Gnaden nicht Mithelfer sein wollte.' Ich war unzufrieden, seitdem ich zum Bewußtsein der Menschenrechte kam, ich war Republikaner, seitdem ich erkannte, daß alle Menschen gleich sind.

In welche Categorie jene Personen gehören, kann leicht Jeder sich denken; was sie durch die niederträchtigen Verläumdungen bezwecken wollen, liegt ebenfalls auf der Haud. Aber Eins will ich ihnen sagen, und das mögen sie sich merken: Verachtet werden sie von Stadt zu Stadt, von Land zu Land ziehen; die Schande wird stets ihr Gefährte sein.

Wiesbaden, den 28. Juni 1848. öl'. öl'Üfe.

Turn-Verein

(819) Freitag, am 30. d. M. Riegenturnen. Da zugleich das Nöthige über das Sonntag den 2. Juli stattfinvenöe Feldbergfest besprochen werden soll, so werden besonders die Turner, welche sich bei dieser Fahrt betheiligen wollen, er­sucht, sich einzufinden.

(810) Die Sonderbündler der hiesigen israelitischen Gemeinde geifern vor Wuth in No. 110 dieser Zeitung und glauben durch Schimpfen und Unwahrheiten sei eine gut­gemeinte Ansprache wiederlegt; allein Schim­pfen und Unwahrheiten bringen nur Indignation hervor.

Es ist eine freche Lüge, wenn diese vier wunderlich zusammengesetzten Sonderbündler be­haupten:außer ihnen finde sich nur noch die Familie des Kultusvorstehers Kirchberger hier."

Gehören denn die Familien Goldschmidt und Siebenmorgen nicht zur hiesigen Ge­meinde? Sind die Familien I. und H. Kirch­berger mehr mit dem Herrn Kultusvorsteher verwandt, als Ihr?

Die Ansprache ging weder von dem KultuS- varsteher, noch vom Herrn Lehrer Mehler aus, was zu bezeugen eine verehrliche Redaction hier­mit gebeten wird *).

Das Urtheil über den religiösen Standpunkt der hiesigen Gemeinde kann füglich jedem wahrhaft Erleuchteten überlassen bleiben, und soll in einem Politischen Tagblatte hierüber keine Polemik geführt werden. Wohl aber wird eine solche, wenn fie verlangt wird in einer jüdischen Zeitschrift geführt werden.

Niederlahnstein, den 26. Juni 1848. __Einer, der die Wahrheit liebt. *) Geschieht hiermit. Die Red.

(«11) Pulver, Schrot L> Zündhütchen billigst bei <X. 1*1*. Reinemer, Rietzgergaffe.

(820) »Der Mensch kennt wohl seinen Aus­gang, aber nicht seinen Eingang.-DerMensch denkt« und der droben lenktS." Ties hat sich auch sichtbarlich an uns bewährt." Wir wur­den an die französische Grenze gesendet zum Schutze Deutschlands, und standen auf einmal und urplötzlich im Kanipse gegen deutsche Re­publikaner. Als wir dann Zeit und Diufe hat-' ten, auf unsern Lorbeern anszuruhen, schickten die verschiedenen Gemeinden Nassaus ihren Stadt- und Landkindern Geld. Sei es, daß sie es als eine kleine Erkenntlichkeit für den Sieg betrachteten; sei es, daß sie zum vebens- miterhalt der Soldaten Einiges beitragen woll­ten, damit das Bruderland Baden um so we­niger in Anspruch genommen würde. Auch die Residenz Biebrich raffte sich auf, und schick:« ihren jungen Helden eine Summe von Zehn Gulden, sodaß auf jeden Mann 45 kr. kamen. Im Gefühle, daß wir diese Summe (mag man auch die Sache von einer Seite betrachten, von welcher man wolle) nicht verdient hatten, schick­ten wir sie, uns für die gau;e Sache bedankend, den Hofrepublitanern unangetastet wieder zurück.

Die Soldaten von Mosbach und Biebrich.

Durchgereiste.

(813) Dem Vernehmen nach sollen zwei der israelitischen Ervorsteher S... l und o... 6 in London eingetroffen und im Hotel Metternich abgestiegen sein.

Adieu Mann.

Gesellschaft

I i807) für Freiheit, Gesetz und Ordnung.

Die Mitglieder unserer Gesellschaft, resp, die Unterzeichner derZuschrift an das Nas­sauische Volk" vom 10. und 15. Juni werden benachrichtigt, daß künftigen Donnerstag den 29. dieses eine Zusammenkunft im Alleesaal dahier, Abends 7/g Uhr, Statt findet. Für später ist der Montag als wöchentlicher Veifammlungstag der Gesellfchaft bestimmt worden. Der Ort der ! Zusammenkunft wird jedesmal vorher augezeigt. Nichtmitglieder, die jedoch an den förmlichen De­batten nicht Theil nehmen, können durch Mitglieder cingesuhrt werden.

Wiesbaden, den 27. Juni 18-18. Der Ausschuß

der Gesellschaft für Freiheit, Gesetz u n d Ordnung.

(795) Die Frankfurter Lebens - Versicherungsgesellschaft versichert zu äußerst billigen Prämien Capitalien und Nenten, sodaß Jedermann in den Stand gesetzt ist, mittelst eines kleinen Opfers den ©einigen eine Erbschaft zu sichern, und sie dadurch vor Sorgen und Noth zu schützen.

Die Prämien können in halb- oder vierteljährigen Raten bezahlt werden.

Die Gesellfchaft übernimmt auch Capitalien zur Constiluirung von Leibrenten. Prospektus und Tarife können bei dem unterzeichneten Hauptagenten, sowie bei dem Herrn Agenten Erner dahier gratis in Empfang genommen werden.

Wiesbaden, den 2a. Juni 1848. W'eychnrM.

I %ur schönen Aussicht in Biebrich.

(814) Heute Donnerstag den 29. Juni, Nachmittags um 5 Uhr, kommt durch die Kapelle vcs K. K. Oesterr. Linien-Infanterie -Regiments Erzherzog Rainer, unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters Hrn. Ludwig Stasny,

Die Wüste,

Symphonie-Ode im.3 Abtheilungen von Felicien David, zur Aufführung. Außer der genannten Symphonie werden, von 3 Uhr ange­fangen, verschiedene Piecen vorgetragen. Gottfried KruuS.

Gemeindegefeh.

(817) Fortsetzung der Besprechung darüber: Donnerstag den 29, 3 uni 1848, Abends 8 Uhr, auf dem Neuen GeiSberg.

Wiesbaden, den 28. Juni 1848.

Fr. Bertram. Fresenius.

(765) Auf dem Louisenplatz No. 6 steht der dritte Stock, bestehend aus 8 Zimmern, Küche, Speise- und Magdkammer, Dachkammer, ver­schlossenen Kellcrln, Bleichplatz, Regen- und Pumpwasser, zu vermiethen.

Wiesbaden, den 22. Juni 1848.

(812) Ein geprüfter Architekt sucht Beschaff tigung, sei eS auf einem Baubüreau oder als Führer eines Bauwesens.

Die Expedition d. Bl. ertheilt Auskunft.

(815) Meinen verehrten Gönnern und Freun­den, sowie dem verehrlichen Publikum mache ich hiermit die ergebenste Anzeige, daß meine Gesundheit soweit wieder hergestellt ist, daß ich meinem Lieblingsgeschäfte, nämlich dem Unter­richte im Clavierspielen, sowie auch im Generalbasse mich freudig und mit voller Kraft wieder widmen kann und empfehle mich zu geneigtein Wohlwollen.

Johann Georg Rupp, Privatniusiklehrer, am Eck der Taunus- und Röderstraße, vis-a-vis. dem deutschen Hause.

Biebrich, 28. Juni 1848.

Anfrage.

(821) In Wiesbaden ist kürzlich das verschie­denen hiesigen Einwohnern von dem dortigen Sicherheits-Comite consiScirte gefrevelte Holz im Schützenhofe von der Polizeibehörde öffent­lich versteigert worden.

Wo ist jenes Holz hingekommen, das den beiden Waldfrevlern Rathsherrn Bader und Schiffscapitän Joseph Blees von dem hie­sigen SicherheitS'Comite abgenommen wurde?

Literarische Anzeige.

(782) In Commission der H. W. Nitter- schen Buchhandlung ist erschienen:

Eine Pfingstpredigt,

im

deutschkatholischen Gottesdienste zu Wiesbaden gehalten

von

Eduard Graf,

Pfarrer.

Zum Besten der deutschkatholischen Gemeinde zu Wiesbaden.

Preis 6 Kreuzer.

Verlag von H. Fischer und E. Ritter. Dnick der C. Rltter'schm Buchdmckerei.