lich wieder in den vorübergehenden Schwung kommen zu lassen, wollen die Revolution stille stellen und nicht den nachkommenden Jahrhunderten das Opfer einer kleinen Geschäftsstockung bringen. Die Kurzsichtigen, sie wollen sich gegen eine Lawine stemmen, die, jedes Widerstandes spottend, die Widerstehenden in sich sebst begräbt, statt daß sie ihr den freien Lauf ließen, bis sie von selbst in das Stadium der Ruhe gekommen ist, und, nach und nach in sich selbst vergeht.
Diese Parthei macht sich nicht allein im Volke, sondern auch in allen Kammern Deutschlands, selbst im Parlament geltend. Man hätte denken sollen, zu solchen Zeiten seien Oppositionsparteien bei volksvertretenden Versammlungen gar nicht denkbar, und dennoch bildet diese Partei in allen solchen Versammlungen die Majorität. Dieß ist, wie erwähnt, iiy Parlament, in der preuß. Nationalversammlung, der badischen Kammer, der hessischen und auch der unsrigen der Fall.
Wozu wird das aber führen? Wenn in einer Zeit wie der jetzigen, wo nur das Fortgehen mit dem Zeitgeist Fortschritt und das Hemmen des Zeitgeistes, das Hindern in der Ausführung der Consequenzen der Revolution aber Rückschritt ist, sich schon solche rückschrci- tende Gesinnungen geltend machen und in unseren gesetzgebenden Versammlungen zu Parteien bilden; wenn man sich jetzt schon scheut, den Namen Revolution zu- nennen, dann werden wir Nassauer schon am 4. März 1849 unsere Revolution nicht mehr feiern dürfen, dann werden um diese Zeit unsere Kerker schon mit Revo- lutionsmännern angefüllt sein, dann wird im nächsten Jahr jeder Polizeidiener schon das Signalement unserer jetzigen Volksmänner tu der Tasche tragen, wie dieß Alles in Frankreich der Fall war.
Neber die Wurzel dieser rückschreitenden Bestrebungen, über die verschiedenen diesen Bestrebungen zum Grund liegenden Interessen und über die einzig mögliche Art der Abhülfe später.
Diez, 24. Juni. Es wollen hier Viele behaupten, man habe gestern Abend in der Nähe des Briefträgers als er die Briefe und Zeitungen austheilte, einen gewissen „vornehmen, aristokratischen Hofgeruch" gewittert, welcher wie versichert wird, von der Nass. Allgemeinen hergerührt haben soll, welche gestern Abend in einer großen Anzahl von Eremplaren gratis hier ausgetheilt wurde, wahrscheinlich um die „ Verkehrten" doch endlich nach ihrer Art bekehren zu wollen; — sei es nun, daß diese Nass. Allgemeine mit einer wohlriechenden Hofbuchdrucker-Schwärze gedruckt, oder sei es, daß sie, bevor sie gedruckt und ausgegeben erst in „vornehmen" Gemächern revidirt und geräuchert wird — kurz sie soll nach etwas riechen, was dem gewöhnlichen Bürger und Bauersmann nnrKopf- weh verursacht; — andere sagen, cs sei ihr eigener Tod- tengcruch, den dieselbe nach sich führe, sie müsse in ihren letzten Zügen liegen, worauf dieses Gratisaustheilen als ihre letzten Zuckungen schließen ließe. — Diese frohe Trauerkunde wird uns die Nass. Allgemeine wohl nächstens auch bringen.
^ Frankfurt, 26. Juni. (Fortsetzung der 22. Sitzung, 5 Uhr Abends.) Ich schreibe Ihnen 2 Stunden nach meinem vorigen Bericht von heute, weil die Sitzung der Nationalversammlung auf eine ungewöhnliche Weise unterbrochen und geschlossen wurde. Heute vor Schluß der Morgensitzung, nachdem die Linke erklärt hatte, sie werde nicht mit abstimmen, trug Ruge darauf an, daß man dem Präsidenten die Entscheidung überlassen möge. v. Soiron erklärte sich hierauf für Zulassung der Amendements. Es wurden von verschiedenen Seiten die Antragsteller nochmals gebeten zu- rückzutreten, und darauf hin hatte Heckscher um eine Aufschiebung der Sitzung zur Bedenkzeit gebeten.
Heute Abend um 5 Uhr wurde die Sitzung wieder eröffnet mit, wie gewöhnlich, vollgepfropften Gallerien, wo die Zuhörer nie unter 2000 sind. Heckscher erklärt nun, als Organ einer Partei, daß er auf seinem Amendement beharren werde.
Wippermann wünschte hierauf, Heckscher möge in seinem Amendement den Passus „im Vertrauen auf die Zustimmung der deutschen Negierungen" weglassen, indem man ja denken könne, daß die Beschlüsse der Nationalversammlung des Vertrauens der deutschen Regierungen würdig sein würden, v. Soiron trägt darauf an, daß man die Amendements aufnehmen und in ihrer Reihe zur Abstimmung bringen solle.
Vogt, Giskra und Schafsrath verlangen, daß die Amendements vorerst der Reihe nach verlesen werden, da natürlich die Linke auch mit neuen Anträgen von ihrer Seite hcrvortreten wird.
Heckscher betrat hierauf nochmals die Rednerbühne, und sprach nur einige Worte. So viel ich vernehme, und durch die Aussagen mehrerer Deputaten mich vergewissern konnte, war es in der Hauptsache folgendes: „Ich habe nicht den Beifall der Gallerien, dessen die Linke bei ihren Anträgen zum Voraus vergewissert ist und hinter welchen überhaupt heute etwas zu stecken scheint."
Da entstand ein furchtbarer Ruf der Linken: zur Ordnung, zur Ordnung — ein Getümmel, wie es in diesem Hause noch nie war Man sah, daß schon vorher die Leidenschaften erregt sein müssen, die ein besonderer Anlaß zum vulkanischen Ausbruch brachte. Tausendstimmiger Ruf zur Ordnung nahm wieder eine solche Abwechselung an, daß man auch noch andere Worte zu verstehen glaubte. Kurz, es war eine reine Revolutionsscene, welche den Frankfurter Spießbürgern, die sich in diesen Tagen sehr brutal:, sogar gegen
Abgeordnete betragen haben, die Wangen etwas bleich färben mag. Dem Präsidenten war es unmöglich die Ordnung wieder herzustellen. Er verschob daher zuerst die Sitzung auf eine halbe Stunde und da die gänzliche Ruhe auch dann nicht hergestellt war, hob er sie gänzlich auf bis Morgen 9 Uhr.
Köln, 25 Juni, 6 Uhr Abends. Die pariser Post vom 23. Juni ist bis jetzt noch noch nicht eingetroffen; die nachstehenden, noch sehr unvollständigen Berichte sind wieder brüsseler Blättern entlehnt.
Die Nacht vom 23. zum 24. Juni war für Paris eine sehr angstvolle, doch kam es erst am 24., Morgens, zu einem neuen Kampfe, der mit dem Siege der Sache der Ordnung endete. (K. Z.)
Köln, 25. Juni, 10 Uhr Abends. (K Z.) Die Berliner Post von gestern Abend bringt noch nichts Bestimmtes über das neue Ministerium. Oberpräsi- dent v. Auerswald war angekommen und ist wie man uns schreibt, zur Uebernahme des Vorsitzes im Staats-Ministerium bereit.
Berlin, 24. Juni. Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen 2C. verordnen auf den Antrag der zur Vereinbaeung der preußischen Verfassung berufenen Versammlung, nach Anhörung Unseres Staats-Ministeriums, was folgt:
Zum Schutze der zur Rereinbarung der preußischen Verfassung berufenen Versammlung sollen nachstehende Bestuumungen sofort in Kraft treten:
§. 1. Kein Mitglied der Versammlung kann für seine Abstimmungen oder für die von ihm in seiner Eigenschaft als Abgeordner ausgesprochenen Worte und Meinungen in irgend einer Weise zur Rechenschaft gezogen werden.
§. 2. Kein Mitglied der Versammlung kann wäh- rend der Dauer derselben ohne ihre Genehmigung wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Verantwortung gezogen oder verhaftet werden, außer, wenn es entweder bei der Ausübung der That oder binnen der nächsten 24 Stunden nach derselben ergriffen wird. Gleiche Genehmigung ist bei einer Verhaftung wegen Schulden nothwendig.
§. 3. Jedes Strafverfahren gegen ein Mitglied der Versammlung und jede Haft wird für die Dauer der Sitzung aufgehoben, wenn die Versammlung es verlangt.
Uitunbluy unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem königlichen Jnsiegel.
Gegeben Sanssouci, 23. Juni 1848.
Friedrich Wilhelm, bcontraf) Camphausen, v. Auerswald. Bornemann. Hansemann. y. Patow. v. Schreckenstein, v. Schleinitz.
Stuttgart, 24, Juni. Die Ministerien des Innern und der Finanzen machen die Grundzüge einer zu errichtenden Depositen- und Disco ntobank bekannt. Der Staat bethciligt sich bei der Bank mit einem Fünftel, und bildet mit den übrigen Theilnehmern die Baukgesellschaft. Zweck der Bank ist: A. Darlehen gegen Hinterlegung von Faustpfändern zu geben. Die Faustpfänder können bestehen: -a) in gemünztem oder »»gemünztem Gold oder Silber zum vollen inneren Werth tarirt, darauf wird als An- lehcn gegeben höchstens 90 Prozent; b) in Rohprodukten, Fabrikaten, Waaren ; der Vorschuß darauf darf die Hälfte des übereingekommcnen Schätzungswerthes nicht übersteigen, — 50 Prozent; c) in würtembergi- schen Staatspapieren, Vorschuß auf den Courswerth zur Zeit der Huterlegung 75 Prozent; d) in bairischen , badischen und hessischen Staatspapieren ebenso 50 Prozent; c) in würtembergischen Pfandscheinen mit zweifacher Versicherung 66% Prozent; D in wiirtem- vergtschen Pfandscheinen mit 1 % facher Versicherung, Vorschuß 50 Prozent; g) ferner 'eröffnet die Bank gegen die vorstehend aufgezahlten Gattungen von Faustpfändern Kredit in der Weise, daß sie Traktaten mit bestimmter Versallzcit 1 bis 6 Monate dato auf sich ausstellen läßt, welche von ihr, ehe sie in Umlauf kommen , acccptirt werden. B. Die Bank eskomtüt die einschließlich des Ausstellers mit 3 Unterschriften von guten würtembergischen Häusern versehenen, in Stuttgart zahlbaren acceptirten Wechsel. Für das Disconto- geschäft soll nicht über ein Fünftheil des Bankkapitals verwendet werden. Das Darlehen kann für einen und denselben Deponenten, so lange keine Ausdehnung beschlossen wird, die Summe von 10,000 fl. nicht über- stcigkii. Die Hinterlegung kann höchstens auf ein Jahr geschehen, wenn nicht vier Wochen vor dessen Ablauf eine Verlängerung stipulirt wird. Die Bauk darf Noten zu 10 und 100 fl. ausgeben, in welchen dem Deponenten von Werthgegeuständen und Werthpapieren das Darlehen auf das Depot gemacht wird; das Darlehen ist zu 5p Ct. verzinslich^ wofür die Bank weder Provision noch Feuerversicherung anre^nen darf. Dic Noten werden bei allen Staats- und Steuerkaffen an Zahlungsstatt züm Nennwerth angenommen. Die Notenemission daif 4 Fünftel des Bankkapitals nicht übersteigen. Als Garantie für den Staat und die Aktienbesitzer hat die Bankgesellschaft.vier Fünftel des Kapitals in würtembergischen Staatspapieren und ein Fünftel baar zu hinterlegen, also bei 2 Million Kapital 1,600,000 fl. in Staatspapieren und 400,000 fl. baar. Die Baukgesellschaft genießt die Zinsen der de- ponirten Obligationen. Die Finanzverwaltung, als zu % bethciligt, depouirt an dem Garantiekapital 320,000 fl. in würtembergischen Staatspapieren und 80,000 fl. baar. Es werden Aktienscheine zu 1000 fl. auf Namen und cedirbar ausgestellt. Die Bank erhält das
Recht der Noten-Emission im Marimalbetrag bis Ende des Jahres 1849; wird es nicht vor dem 30. Nov. 1849 verlangt, so muß sie spätestens bis zum 30. Juni 1850 ihre sämmtlichen Noten im vollen Ncnn- wcrthe einlösen. Die Inhaber von Noten, welche bis 30. Juni 1850 nicht aus den Mitteln der Bank bezahlt sind, haben ein Anrecht auf das Garantiekapital. Die Aktienzeichnungen werden bei der Hauptstaatskasse i und allen Oberämtern angenommen. Sobald 400,000
Gulden gezeichnet.sind, wird eine Versammlung der Theilhaber veranstaltet, die Bank konstituirt und die Statuten festgestellt. Werden hierbei Aenderungen in den Grundzügen vorgenommen, so können die damit nicht einverstandenen Betheiligten zurücktreten. (F.J.)
Breslau, 22. Juni. (S. Z.) Ein mit dem heutigen MittagSzuge hier angekommener Reisender theilte uns mit, daß der zeitige Präsident der National-Ver- sammlung, Herr Milde, gestern Abend zum Könige beschicken und mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden ist. (?) Zugleich erfahren wir, daß von Herrn Milde heute Mittags ein Schreiben an eine hiesige hochstehende Person angelangt ist, mit der Aufforderung sich schleunigst nach Berlin zu be? geben, um ein Portefeuille zu übernehmen, letztere aber bereits ablehnend geantwortet hat. Mochte es Herrn Milde gelingen, eine Combination zu Stande zu zu bringen, welche zum Heile des Vaterlandes gereicht!
Kiel, 22. Juni. (Alt. M.) Vom Kriegsschauplätze nichts Neues. Die Armee ist jetzt so concentrirt, daß wenn ein Verrücken der Dänen aus ihren festen Posi- t onen bei Christiansfelde und Düppel stattfinden sollte, ein Haupischlag mit Leichtigkeit und sicherm Erfolge üusgeführt werden würde. Inzwischen sind die Frie- densgerüchte seit einigen Tagen wieder lauter geworden, , und cö ist ziemlich sicher, daß England in Kopenhagen mit großer Energie auf Annahme seiner Veimittelungs- vorschläge dringt. WaS man allgemein wünscht, glaubt man gerne, obwohl es schwer zu verhehlen ist, daß bei der in Berlin und Frankfurt declarirtcn Stimmung die dänische Annahme jener Vcrmittelungsvorschlägc doch noch den Frieden nicht herbeiführcn würde. Daß man auf dem Lande und in den Städten der Ostküste die Personalunion gerne wieder annehmen möchte, kann trotz gegenseitiger Demonstrationen von Bürgervereincn und sogenannten Volksversammlungen nicht bezweifelt werden. Diese Stimmung ist namentlich auch bei der Ritterschaft sehr vorherrschend.
Altona, 23. Juni. (B.-H.) Heute nach 8 Uhr wurden die gestern gegen Abend hier angekommenen oldenburgischen Truppen in einem Doppelzuge, dem der gewöhnliche Personenzug voraufging, nach Rendsburg befördert.
Wien. Oestercichische Blätter sagen über die National-Versammlung: Wie es den Anschein hat, so dürfte zu Frankfurt die conservative, illiberale Partei das Uebergewicht erhalten. Unterlage in den Hauptfragen die freisinnige, demokratische Partei, so wäre dieses für Deutschland ein unberechenbarer Nachtheil. Eine anti-demokrarische Verfassung würde von den demokratischen Staaten Deutschlands verworfen werden, was die Einheit unseres deutschem Relches wieder in ein weites Feld verschieben würde. Die gcsetzgebend- Versammlung muß sich aus den Standpunkt des freisinnigsten Staates iu Deutschland stellen, denn eher werden die zurückgebliebenen Länder unseres Mutterlandes vorwärts schreiten, als ein freisinniger Staat, wie Oester, eich, (sic) zurückschreiten würde. Darum mögen die Männer in Frankfurt btc Lage unseres Vaterlandes wohl erwägen, und bei jedem Entschlusse entschieden im Sinne der Volkssouvcränität handeln. Der Fluch des Volkes droht den Männern, in deren Hände wir unsere Freiheit gelegt baben, wenn sie dessen Forderungen und Rechte verrathen. Und schon scheint eS nachgerade, als wenn diese unglückselige Besürchtung sich bewahrheiten sollte. Man kequettirt mit der Fürstengunst, statt das deutsche Volk, das lang getäuscht, warm an das Herz, als das Höchste und Theuerste, zu drücken. Uns Deutschen wird es in der Zukunft nur Wohlergehen, wenn wir in unserm Reiche durchaus demokratischcVcrfassuugen bekommen, aber Hvhngelächter und Schande wird in den Gauen unserer Oiachbarvölker erschallen, wenn wir jetzt, wo das Volk allmächtig und herrschend ist, gutwillig wieder dessen Rechte an die Cabincte verschenken. Unsere Verfassungen beruhten ehedem aus monarchischen und aristokratischen Stützen, und wir haben nur w ts an Macht und Ansehen verloren. Versuchen wir es einmal entschieden, rücksichtslos und eh: lich mit Nm Volke, und wir werden sehen, welchrs Volk das erste, gebildetste und freitheitSliebkndste der Welt ist. Mit einer solchen Bundesversammlung, wie sie leider noch besteht, geht cs aber nicht; an ihre Stelle trete die von der Nationalversammlung bcaiitragte Crecutivgewack mit Einem Präsidcntcn; die Fürsten stelle man an uc Spitze des Volkes, und nicht demselben ßfgemu cr, und eS wird und muß vorwärts gehen. (Vl. J.)
Dänemark.
Kopenhagen, 21. Juni. (B.-H.) Leider haben wir noch das Vergnügen entbehren müssen, den König von Schweden und Ltorwegen hier zu sehen. Derselbe hat die Einladung hierher vorläufig ausgeschlager, und wollte lieber in aller Stille seine silberne Hochzeit in Malmö feiern. Herr v. Plesscn ist hinüber gewesen, um ein eigenhändiges Schreiben unserm Könige zu überreichen. Zu gleicher Zeit wird derselbe die Nothwendigkeit aus-