I rasch fortschreitenden Entwickelung unserer socialen Re- ; voltuion eine gewisse Reattionspartei in unserer Kammer hervorgerufen hatte, der sich vorerst zum Ziel setzt, durch allerlei Machinationen und Intriguen die entschiedene äußerste Linke ans der Kammer zu drängen, namentlich dadurch, daß man die Wahlmänner dazu aufreizt, die Deputieren der Linken zum Austritte aus der Kammer zu bewegen. Man wirst diesen Republikanismus und Communismus vor und täuscht hierdurch die b e si tz e n d e K l a s s e, aus der meistens unsere Wöhlmänner genommen sind. Möge man übrigens daran denken, daß die Wahlmänner nur die Beauftragten unserer Urwähler sind und daß diese sich einen solchen Schritt Seitens der Wahlmänner sicherlich nicht gefallen lassen, vielmehr heftig dagegen pro- testnen werden. Wir erwarten hier ruhig das Resultat der Zusammenkunft unserer Wahlmänner, sollten sie durch obige Täuschungen irre geführt, etwas thun, was gegen unsere Ansicht ist, so können sie sich darauf gefaßt machen, daß wir unsere Unzufriedenheit mit ihren Beschlüssen geltend machen, namentlich unsere Deputir- ten direct auffordern werden, seinen Sitz in-der Kammer zu behalten.
Grönberg, den 24. Juni. Daß das Resultat der Berathungen über die in §. 5 und 6 der Verordnung vom 16. d. M. bezeichneten Gegenstände, die neue Kirchen-Verfassung im Herzogthum Nassau betr., in den 20 Dccanatcn ein gar verschiedenes fein werde, ist voraus zusehen. Je mehr indessen von einerlei Principien ausgegangen wird, um so leichter wird auch für die General-Synode die Vereinbarung dieser Verschiedenheit sein. — Der Unterzeichnete hat schon früher diese Principien unmaßgeblich vvrgeschlagen, und wenn er hier aufs Neue, nur noch mehr zusammen gezogen, und mit einigen Modifikationen in Rücksicht auf Zahlen und auf Zeit, eine Unterlage zu diese» Berathungen bezeichnet, so hofft er darob nicht getadelt zu werden. — W ü nschenswerth wäre es übrigens, wenn die sämmtlichen Protokolle der jetzt zusammentretenden Dkcanats-Synoden gedruckt und ein Ercmplar davon jedem Kirchspiel, noch vor dem Zusammentritt der General- Synode, mitgetheilt würde. —
Die angedeutete Ueberlagc wäre folgende:
I. Völlige Trennung der Kirchengewalt von der Staatsgewalt. Eine theilweisè Trennung möchte auf große Hindernisse stoßen; der Einwand aber, daß bei einer völligen Trennung auch der Kirche der Schuß des Staates fehlen würde, ist nicht schlagend; denn die Kirche, als Corporation, bedarf dieses Schutzes n cht mehr als jeder einzelne Staats-Bürger. Alle Rechte und Pflichten dieser Corporati m sind conventw- r.cU und der Staat kann den verlangten Schutz, sei es von Selten her Corporation gegen das einzelne Glied, oder umgekehrt, nach Maßgabe der Convention nicht versagen. Der Weg zu diesem Schutze ist durch die Staatsgeseße be- zrichnct.
II. Die gesetzgebende Gewalt hat nur fdie. General- Synode, welche aus einem Drittheil der geistlichen und einem Drittheil der weltlichen Mitglieder der Kreissynoden zusammengesetzt ist, und welche Mitglieder auch auf den Kreissynoden bestimmt werden. — Die General-Synode tritt wenigstens alle drei Jahrcn Einmal zusammen.
111. Die vollziehende Gewalt hat der General-Ausschuß, welcher von der General-Synode auf drei Jahre gewählt wird, und aus einem Vorsitzenden, . drei geistlichen und drei weltlichen Mitgliedern besteht. Der Vorsitzende in diesem Ausschuß wird ebenfalls von der General-Synode gewählt; er besorgt die keinen Aufschub leidenden Geschäfte unter Verantwortlichkeit vor- dem General-Ausschuß, der sich o bis 6 mal im Jahre am Wohnort des Vorsitzenden versammelt.
6s-Corrcspondenten waren alle bis gestern Nachmittag in Berlin umlaufenden ministeriellen Combinationen erdichtet.)
Prag war am 21. Juni ruhig.
Der letzte Zug von Brüssel hat weder Briefe noch Blatter aus Paris vom gestrigen Tage überbracht. Nach den Berichten von Reisenden ist in der französischen Hauptstadt gestern ein heftiger Kampf entbrannt, dessen Tendenz ihnen jedoch gänzlich unbekannt war.
(Ein Courier der preuß. Gesandtschaft zu Paris ist heute Abends hier durchgceilt.)
Nähere Nachrichten kann erst morgen Vormittag die belgische Post bringen, die wir nach Umständen sofort mittheilei! werten."
Langenbünbach, 20. Juni Drei Glieder unserer vcrebrlich'n Ständekammer zu Wiesbaden haben uns i in Nro. Al der freien Zeitung mit einem von ihnen I gestellten Anträge für Errichtung einer Landes-Hypo- | thekeiibank zur Unterstützung des Handels, der Gewerbe rc. ; bekannt gemacht, dem jeder Vernünftige seine volle An- j erkenming zollen muß Doch hat jeder Gegenstand seine Schattenseite. Auch der in Rede stehende macht hiervon keine Ausnahme, wenn man bedenkt, daß das hierzu projeetirte Papiergeld, besonders in der Jetztzeit/ sich i voraussichtlich nicht weit über die Grenzen unseres Her- zogthums verbreiten würde und daher durch die bedeutenden Geldsendungen, die beständig ins Ausland ge- j macht werden, in kurzer Zeit ein fühlbarer Mangel an dem eigentlichen Gelde, der klingenden Münze, nothwendig eintreten müßte. Wir würden alsdann, um einem großen Uebel abzuhelfen, ein vielleicht nicht unbedeutenderes herbeiführen. Diesem nun einigermaßen auszuweichen und doch dem gestellten Zwecke ziemlich ; nahe zu kommen, scheint cs mir zweckmäßiger statt 4 ' Millionen Papiergeld höchstens die Hälfte zu machen. ; Die durch sie entstehende Verminderung des eigentlichen i Geldes in unserm Lande würde alsdann weniger fühl- | bar werden und ich bin überzeugt, daß auch eine Hy- ; pothekenbank mit 2 Millionen im Stande sein würde, wesentlich zur Aufrechthaltung und Belebung des Handels, der Gewerbe und Industrie beizutragen. Die spätere Einlösung der Scheine könnte dann um so leichter geschehen und jedenfalls ganz nach dem sehr durchdachten Plane der H. Antragsteller. Einen kleinen Fond hierzu könnte man aber noch dadurch finden, daß man alle diejenigen herrschaftlichen Gebäude, welche jetzt Staats- | eigenthum geworden sind, ich meine besonder Höfe ; und Mühlen, verkaufte. Dazu liegt um so mehr Grund vor, als das Fortbestehen derselben durch die Unterhaltungskosten dem Staate mehr Schaden, als Nutzen versprechen kann und der Erlöst dafür schon ein hübsches Sümmchen darbn ten würde. Die große Zahl ; der Notbleidenden im Bauernstande macht es dem Staate i ohnehin zur Pflicht, in ihrem Interesse die Höfe, wenigstens die meisten derselben zu zerstören, und die dazu gehörigen großen Liegenschaften parzellenweise zu verpachten. Bis jetzt konnte nur der von den Höfen Nutzen | ziehen, welcher große Summen einzusetzen hatte. Das war aber unrecht und muß anders werden. Dem ge- ringvermögendtn Landmanne, der fleißig ist und seinen i Geschäften gern einen größern Umfang geben möchte, und dem Armen, der nichts hat, oder nicht genug hat, worauf er sich und die Scinigen ernährt, muß in angegebener Weise Befriedigung gegeben werde. Ich habe hinlänglich Grund zu glauben, daß unsere verehrliche 1 Kammer in Wiesbaden diesen Gegenstand nicht unbe- ; rücksichtiget lassen wird. Sollten auch Mitglieder derselben selbst einstweilige Besitzer von ! errschaftlichen Höfen sein, und' in der Realisirung meines Vorschlags ihre Privatintereffen wenig gefördert sehen; so dürfen wir ! doch erwarten, daß sie diese ihrer Pflicht gemäß bei Seite setzen und daß nur das allgemeine Wohl und das des Einzelnen nicht ihre Verhandlungen Hervorrufe und ihre Berathungen leiten werde.
Vom hohen Westerwald. Es scheint, als ob den !
IV. Die vermittelnde Behörde zwischen dem Genei al- Ausschuß und den einzelnen Presbyterien ist der Kreis-Ausschuß. Es werden nämlich, nach der Lokalität zehn bis zwölf Kreise gebildet. In jedem der Kreise wird jährlich eine Synode ab- gehalten, welche aus sämmtliche Geistlichen des Kreises und eben so viel weltlichen Mitgliedern besteht. Auf der ersten Kreissynode werden drei gcistliche^und drei weltliche Mitglieder zum Ki eis- Ausschuß . auf drei Jahre gewählt, ebenso dessen Voi sitzender, welcher die eilenden Geschäfte be- lorgt, wie der Vorsitzende des General-Ausschusses, während sich die .sämmtlichen Mitglieder des Ansichusses in jedem Monat einmal am Wobn- orte des Vorsitzenden versammeln.
' Z» jedem Kirchspiele bildet sich ein Presbyterium, die Zahl der Mitglieder richtet sich nach der Große des Kirchspiels, der älteste Geistliche ist der Vorsitzende.
Auf dieser Unterlage möchte sich wohl ein eben so vollständiger, dem Bedürfnisse entsprechender als auch den geringsten Kosten-Auswand erfordernder Bau der neuen Kirchen-Verfassung ohne bedeutende Hindernisse errichten lassen. W. Flohr.
Fwansfurl, 24. Juni. (23. Sitzung der deutschen Nationalversammlung. — Schluß.) Nach einer Zwi- schendebatte, welche durch einen neuen Antrag hervorgerufen war, der aber für unzulässig erkannt wurde, ergriff Naveaur das Wort, und gab in seiner Rede Veranlassung zu einer jener großartigen Demonstrationen, welche epochemachend sind in der Weltgeschichte. Er rügte, daß, während man die westlichen Grenzen mit Truppen überschwemme, die östlichen gänzlich verwahrlost blieben, wo Rußland ungeheure TruppenmasseW zusammenziche; er r ügte, daß man über Rußland kaum ein Wort des Tadels höre, während man Frankreich alles Gehässige in die Schuhe schiebe; Frankreich, welches die Bruderhand uns geboten hat! Wir hätten diese Bruderhand ergreifen 'sollcu. Deshalb fordere er die Versammlung auf, zum Beweis der Achtung sich zu erheben/
S a m m t l i ch e Mitglieder der d e u t s ch e n Nationalversammlung erhoben sich, und brachen (vielleicht mit Ausnahme Weniger von der äußersten Rechten), in Verbindung mit den Zuhörern auf den Gallerikn, in einen so ungeheuren Jubelruf aus, wie er selten in einer Natioualversamiu- lung gehört worden sein wird. War es ja auch ein großer Moment! —
Naveaur sprach sonst für den Sater'scheil Vermittlungsantrag, welcher bei der Linken gar keinen Anklang findet und durch GagernsA-ntschiedencs Auftreten, wie wir unten sehen, wahrscheinlich beseitigt sein wird.
Darauf trat Mathy auf die Rednerbühne. Ein vielseitiges „Ah! Ah!" erscholl, als er seinen Namen genannt hatte/ Derselbe will, daß der Bundestag bleibe. Das dritte Wort in Mathy's Vortrag war immer: „das Vaterland"; überhaupt kann ich nicht umhin, die Bemerkung zu machen, daß die Leute der Negierungen das Vaterland unaufhörlich im Munde führen, weil sie es nicht im Herzen haben; denn den Namen der Geliebten spricht man öffentlich nicht gern aus. —
Präs. v. Gagern sprach hierauf, und gab seine Meinung dahin ab, daß der Bundestag neben der neuen provisorischen Gewalt nicht bestehen könne; wenn die Bundesversammlung indessen heute für aufgelöst erklärt werde, müsse morgen eine Staatenvertretung errichtet werden. v. G- würde es bedauern, wenn es als Prinzip gälte, daß die Negierungen hinsichtlich des Präsidenten nichts zu sagen hatten, doch hinsichtlich der Zweckmäßigkeit sei es ein Anderes; er sei deshalb der Ansicht: „Wir müssen die provisorische Ccutral- gewalt selbst schaffen!" (Donnerndes Bravo.) G. will Einen Präsidenten, der die Mehrheit der Versammlung für sich haben muß; Wahl oder Vorschlag
Fünftes Kapitel.
Die Kriegslist.
Steoanè fing die Sacke an unheimlich zu werden
— cs war etwas unerklärlich Gehcimnißvolles in dem ganzen Wesen rcè Diebstahls und er beschloß, die Nacht noch einmal zu wachen und am andern Morgen mit Tagesanbruch seinen-nächsten Nachbar zu Rathe zu ziehen, nm dem Ganzen wo möglich auf den Grund zu kommen. Der nächste Nachbar wohnte nun freilich einige zwanzig Meilen entfernt; nach jener Gegend zu hatte aber sein Pferd geweidet und er beschloß dies gleich bei der Gelegenheit mit aufzujuchen, und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Als er wieder im Hause angekomrncn war, nahm er die Büchse herunter, reinigte das Schloß, goß frisches Hirschtalg in eine dazu im Kolben angebrachte Höhlung, schnitt sich ein paar neue Legginöriemen ab und schmolz etwas Blei zu Kugeln ein. Poppy hatte sich indessen, als er seinen Herrn mit der Büchse beschäftigt sah, vor ihn niedergeseyt und schaute ihm treuherzig mit den großen dunkeln Augen zu, weil er wahrscheinlich erwartete, day es gleich in den Wald gehen sollte. Das arme Thier war aber, obgleich eS die ganze Nacht geschlafen hatte, müde; die Angcniieder fielen ihm nach wenigen Minuten zu, und mit weit viriles gebogen cm Kopfe knickte er bald nach dieser, bald nach jener Seite zusammen.
(Fortsetzung folgt.)
Schiller's Lied von der Glocke.
(Conzert des Domchors z» Limburg.)
Verspätet.
Während auch das Volk an der Lahn jetzt ganz andre Saiten aufspannt, während ganz andre Töne, insbesondere kein Loblied für die Mehrzahl unserer Kammer, von seinem Munde klingen, hörten wir Sonntag, den 4. d. M. im Gartensaale des Hrn. Hill zu Limburg vom Gesangverein „Domchor" auch wieder einmal ein musikalisches Conzert, worin Schitler's Lied von der Glocke ausgeführt wurde. Söhne und Töchter aus dem mittleren Bürgerstande, trug der junge Verein, unter Leitung des Hrn/ Cantor Gläsep, diese ansprechende Tondichtung im Ganzen recht befriedigend vor und mancher Chor und Soloparthie erntete verdienten Beifall. Schade, daß manche hübsche Frauenstimme zu viel Zaghaftigkeit verrieth, die zum ersten Mal ihre lieblichen Töne vor einem so zahlreichen KreiS von Zuhörern entfalten mußte! - Der herrliche Text gab aber auch jedem Hörer diesen oter jenen Anhaltspunkt; - nur die schönste, jüngstgeborene Tochter Deutschland's, die Freiheit, konnte ihrem Dichter keinen ununterbrochenen Beifall zollen, da sie offenbar sehr sticfväterlich von ihm gegen ihre Schwester Concordia (Eintracht) behandelt ist. Wie würde wohl Schiller die Stelle
„Der Meister kann die Form zerbrechen
Mit weiser Hand zur rechten Zeit;
Doch wehe, wenn in Flammenbächen
, DaS glüh'nde Erz sich selbst befreit!
Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
Da kann sich kein Gebild gestalten;
Wenn sich die Völker selbst befrei'n,
Da kann die Wohlfahrt nicht gedeih'»! rc." «
heute dichten? — Das Volk hat jetzt seine Ketten selbst zerrissen, es hat sich selbst geholfen; doch keine Würger- banden zogen umher, sein Weib wurde zur Hyäne! llnd wer würde jetzt nicht statt der Worte des Dichters
„Weh' denen, die dem Cwigblinden
DeS Lichtes Himmelsfackel leih'» !
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden Und äschert Städt' und Länder ein!"
den Männern )ves deutschen Volkes ein „Heil!" znrufen, die ihn) des Lichtes und der Freiheit Fackel vorgetragen haben? Ein Ball schlnß sich an das Conzert an, der erst mit dem jungen Frühroth endete, welches die um einen schönen Tag Reicheren trennte. A. H.