Einzelbild herunterladen
 

Mik Zkitung.

âeiheit und Recht!"

^ 113, Wèesbadeu. Mittwoch, Ls. ^mu ZHLK.

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements - Preis vom L Juli d. J. an beträgt halbjährig hier in Wiesbaden 3 fl. 30 kr; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen HcrzoMumö Nassau, des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Vandgraffchast Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau 4 fl 30 ft. inner­halb aller übrigen Thurn und TariS'schrn Postbrzwkcn 5 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die JnserationS-Gebühren betragen für die vicrspalttge Petitzeilr oder deren Raum 3 Kreuzer.

^^7T^_^...^z-^=^^^^^^a^£w»äiSäiilia£awm^ '"1».)i«»ai»TwMMMiwgir ««»-.»«^^^^^-«-i^L^SSS^ - n^wSSKSgaa»^

Die staatsbürgerliche Stellung der naffani- scheu Geometer.

Die Aufgabe einer Reorganisation der innern StaatS- verfassung ist für unsere Ständekammer so weit aus­greifend, und der Drang nach zweckmäßigen, das Ge- meinkewohl fördernden Einrichtungen so allgemein, daß die freie Presse zu zeitgemäßen Meinungsäußerungen und Vorschlägen mit -Recht von vielen Ständen in Anspruch genommen wird.

Bei dem vorherrschenden Interesse eines jeden Staatsbürgers für anderweitige Regulirung der Staats- verwackung wird die Lösung dieser großen Aufgabe mit außergewöhnlicher Aufincrksamkcit verfolgt, und bei Manchem zum Drange, Wahrnehmungen aus dem Ge- schästsleben, welche zweckwidrige Einrichtungen, oder seither übliche einseitige unpraktische Verfahrungsarten bezeichnen, zur geeigneten Berücksichtigung und dem- nächstigen Begegnung auch öffentlich auszusprechen.

Sehen wir in dem Heer der sogenannten Ange­stellten, welche den Cvlvß der schwerfälligen allen Staatsmaschine bewegten, manches unhaltbare, nun tut andern ausgehenden Institut, und darnach eine Ver­minderung deren Glieder zum Wohl des Staates ein- treten, so führt dieje Reduction auch nothwendig auf die Frage nach deren seitheriger Wirksamkeit und Ein­fluß auf das öffentliche, wie Privatleben, so wie auf das praktische Verhalten zum Gemeindewesen und an­dern Geschäftszweigen. Hierbei kann es nicht entgehen, daß viele für das Gemeindewohl Bedienstete ihrer Bil­dungsart und anderweitigen Stellung nach nicht die zur Ausübung mancher ihrer Funktionen erforderlichen technische Kenntnisse besitzen, oder sich zur Ausführung noch weit ungeschickterer Werkzeuge bedienten, und so­mit auf das praktische Leben nachtheilig einwirkten; daß aber auch den durch das praktische Leben heran- gebildetkn Männern in der Richtung ihrer technischen Ausbildung keine weitere Wirksamkeit geboten wurde, als deren Operationsfeld nicht in das Reich der Bu­reaukratie zu ziehen war oder nicht befürchten ließe, den Wirkungskreis resp. die Nebenaccidenzien der Besoldeten zu beeinträchtigen. Solche Erscheinungen und hervorzuhebende Mißstände bieten sich besonders in der Abtheilung für Landwirthschaft und National-Oeco- 110mir. Die Regulirung und Sicherstellung des Grund- eigenthums, Erzielung der höchsten Ertragsfähigkeit und des daraus basirten Realcredits ist zur Hebung des allgemeinen Wohls so bedingend, daß die seitherige Be­handlung dieses hochwichtigen Gegenstandes und in wie weit dieselbe den jetzigen Zeitverhältnissen nach dein bestandenen Büreaukraten-System entspricht, gewiß der besondern Betrachtung verdient. Kein Zweig der

Staatsverwaltung so dert in seiner Vertretung wohl mehr einer gediegenen technischen Bildung, der prakti­schen Kenntnisse, Präcision und Gewissenhaftigkeit, als dieser, wenn die Folgen segensreich dauernd fcstgcstillt sein sollen. In wieweit diesen Anforderungen durch unsere seitherige Verfassung eirtsprvchln wurce, hat die Erfahrung gelehrt, und das Nähere mag für die diesem Geschäftsgänge Unkundigen hier eine Stelle finden, zu­gleich aber auch für Andere zur Beherzigung ihres Standpunktes und Beseitigung des oft bemerkten Scr- Vilismus dienen. Fragen wir vorerst, welche Mittel wen­dete der Staat zur Hebung der Landwirthschaft und Sicher­stellung des Grundeigenthums an? so waren es die bei tüchtiger Durchführung gewiß zweckdienlichen Güter- consolidationen, Gemarkungovei Messungen, Aufstellung von Lagerbüchern und Karten, Bneitigung von Grund- und Reallasten, Regulirung der Bäche,-Be- und Ent­wässerungs-Anlagen , Wicftubau, Ländwirthschastsschu- kn re. Fragen wir aber weiter nach den subjectiven Mitteln und der Art der Verwirklichung, so zeigt sich nach der seitherigen Beobachtung das Mangelhafte der Einrichtung, das Einseitige, Pedantische der Behand­lung und überhaupt das ganze Institut nach seinem Standpunkte ohne die erforderliche Garantie eines sichern Erfolges.

Die in unserm Staate, namentlich auf demWcstcr- walde vollzogene Güterconsolidation hat sich bei umsich­tiger Leitung als ein kräftiger Hebel zur Förderung der Landwirthschaft bewährt; nicht minder haben die viel­fach vorgekommenen blosen Geinarknugsvermepungen unter dieser Voraussetzung durch Sicherstellung und Regulirung des Grundeigenthums, so wie ausführbare Anlagen ihrem Zweck entsprachen. Es stehen aber dem gegenüber auch so viele verunglückte zum Nachtheil der re,p. Gemeinden und Gutsbesitzer ausgefallenen derarti­gen Unternehmungen, welche von einseitiger Leitung und ungeschickter leichtsinniger Behandlung der Sache Zeug­niß geben, daß eine größere Gewährleistung für die praktische Durchführung und zeitgemäße Fortführung der Documente dringend erforderlich erscheint. Solche Tâu- sa)ungen im gehofften Ei folge einer Eonsolitatioii oder Vermessung von angeorducten Fluß - Regulü ungen oder Wiesenbau sind entweder Folge mangelhafter ein­seitiger Ansichten der betreffenden Referenten, deren Plan sich ohne cvllkgialische Behandlung einer Frage durch Autorität Geltung verschaffte, oder Folge der in diesem Gebiete verkommenden Pfuschereien von Seiten pfuschen­der Landmesser, laukmessenker Forstleute, unerfahrener kaum dem Institute entlaufener W-sser- und Wie- seubauer, superkluger Oeronomen, oder nachlässiger Bauern. Ohne auf die vielen sattsam bekannten Er­

scheinungen dieser Art diesmal speziell einzugehen, soll hier nur das Nassauer Bei messungswesen im Allgemei­nen und die Art der Vertheilung der geometrischen Ar-? beiten erörtert werden.

Wenn in andern Staaten. eine Landesvermessung den Zweck.der Spezialaufnahme mit dem einer generel­len trigonometrischen verbindet und dadurch mit Con- kok für Erstere eine genaue topographische Karte des ganzen Landes liefe,t, so beschränken sich im Gegensatz dazu die nassauischen Kartirungen nur auf die einzelnen Ortsgemarkungen, größere Walkcomplexe, oder die Prc- jecironslienie gewisser Anlagen, und lassen die Vortheile gleichzeitiger Verbindung zur endlichen Verwi klichnng einer genauen Generalkarte bei den kostspieligsten Auf­nahmen außer Acht. Wie wünschenswerh und kosirnce- sparend das Vorhandensein einer solchen Karte, oder ein Zusammeutrag der zu diesem oder jenem Zwecke vor- kommcnkkwSpezialmessungen durch trigonometrische Ver­bindungen wäre, dafür zeugen bei den vielfach sich durch- krenzenden Communications- und Regulirungsplänen in unserm Ländchen die sich oft wiederholenden Terrain- Aufnahmen ein und desselben Strich Lankes, je nach­dem der Zweck ein anderer war.

So oft dieser Gegenstand der Landesvermessung in der alten Ständekämmer zur Sprache kam, konnte die­selbe von deren Zweckmäßigkeit und der Nothwendigkeit einer vvrauSgchenden, mit mäßigem Kostcnaufwandc ausführbaren Triangulirung nicht überzeugt werden.

Unsere neue Kammer wird hoffentlich die Wichtig­keit des Gegenstandes begreifen. (Schluß, f.)

D e u t f <H i 6 n H.

Wiesbaden, 26. Juni. Ein Extrablatt derKöln. Zeit." enthalt folgende etwas mysteriöse Nachrichten, die in dem heute Nachmittag um 2 Uhr ankommenden Hauptblatt wohl nähere Erledigung finden werden.

Köln, Samstag 24. Juni, Abends 10 Uhr. Die Berliner Post von gestern Abends bringt noch nichts Bestimmtes in Betreff des neuen Ministeriums.

In ten Börskn-Notirungen ist keine bemerkenswerthe Veränderung eingetreten. Hauptsächlich hemmend sagt derStaats-Anzeiger" ist die Unfich rheit über die Bildung des neuen Ministeriums, obschon solche keinerlei Besorgniß erregt.

Nach derNeuen Berliner Zeit." sagte man am Schlüsse der Börse, Herr Camphausen sei wieder mit der Bildung eines neuen Ministeriums brau straff.

(Gemäß dem Schreiben unseres wohlunterrichteten

An die Kalendermacher.

Vor euren Künsten, trüb und matt, Ist mir feine Achtung geblieben.

Habt Ihr in irgend einem Blatt'

Vom vierten März was geschrieben?

Und wo erwähntet ihr den Stvß, Der die weite Welt erschüttert; Daß Fürstenpalläste, stolz und groß, In ihren Festen gezittert?

Wer sagte vorher von dem hellen Stern',

Der aufging in unseren Tagen, Daß glanzgeblendet die großen Herrn Die 91 eng le in Niederschlage» ?

Wer dachte an den verkehrten Lauf Der Sonne, an das Wunder? Sie gehet jetzt im Westen auf, Und im Osten gehet sie unter.

Dr. K v e in e r.

Jäger Stevans und sein Hund Poppy.

Eine wunderbare, traurige Gcschjchte.

. (Fortsetzung.)

Gesagt, gethan. Poppy schlief von dieser Nacht »in auf weichen, für ihn ausgcbrcitcten Fellen im Rauch­

hause und die Diebstähle hörten auf, aber auch auf die Gesundheit des Hundes schien dieseLuftveränderung" äußerst günstig gewirkt zu haben, denn seine Seite heilte und sein Appetit stellte sich auf eine sehr vorthcilhaftc Art wieder her er fraß was ihm vorkam, Lären- und Hirschfleisch, ja verschmähte sogar zu Zeiten den sonst gründlich verachteten Truthahnbraten nicht.

Nach vierzehn Tagen etwa, in denen weiter nichts Besonderes vorgefatleu war, schien Poppy keine Lust mehr zu haben, seine neue Schläfkammer zu benutzen, denn er kam zu seines Herrn Lager und kauerte sich zu dessen Füßen nieder.

Alles sicher, Poppy? frug Stevans Alles sicher? willst du nicht mehr draußen Wache halten?

Der Hund schien die Frage seines Herrn zu ver­stehn, er erhob sich ein wenig und strich ihm mit der Vorderpfote über die MoceasinS.

Guter Hund! sagte StevauS und streichelte ihm den Kopf vorzüglicher Hund!

Beide waren jetzt einverstanden, das Rauchhaus für diese Nacht seinem Schicksat zu überlassen. Wie staunte aber der Jäger nm nächsten Morgen, als er nach seinen geräucherten Hirscbkcmcn fab, und nur noch sechse vörfand! Das war zu râthselhaft. Er hatte in den letzten Tagen vier andere Hirsche erlegt, deren Keulen ebenfalls aufgchangen waren, der nächtliche Dieb ,

zog aber die trocken geräucherten vor nad rührte das übrige Fleisch nicht an.

Poppy, sagte Stevans die Sache wird mir be­denklich ich muß die Nacht wachen. der Mond scheint und ich kann von meinem Lager aus, wenn ich die Felle znrückschicbe, das Rauchhaus beschießen und du, Poppy aber komm hierher und laß den verwünschten alten Schäkel liegen und ku, Poppy, sollst nicht in, sondern neben dem Rauchhanse sivlafen naht sich etwas, so hast tu besseren Wink und kannst cs verfolgen.

Drei Nächte hielt Stevans hinter einander Wache drei Nächte lang umschlich Poppy im Monden gbein daS Rauchhaus aber Nichts ließ sich sehen; in der vierten, wo Beide, vom vielen Wachen ermüdet, das Lager suchten, kam der Dieb wieder, und am nachyen Morgen hingen nur noch fünf Keulen da. Die v -'tulD eines Heiligen hätte bei solcher Gelegenheit nicht auv- gereicht, und Stevans war nur ein gewöhnlicher Ebri,l; er blieb also, mit der Ranchhausthür in der Hand, ver­wundert auf der Schwelle, oder wenigstens auf dem Orte wo die Schwelle hätte sein können, stehen und Ghvnr "er wolle verdammt sein, wenn er wisse, wie das zugmge"- Poppy wußte eS auch nicht, denn er stank dicht neben seinem Herrn und schaute ebenfalls ganz erstaunt zu den leeren Stangen hinauf Beide schüttelten höchst verwunderungsvoll die Köpfe.