Bequemlichkeit der AdinnHeutw» ist hier, wie man sieht, das Interesse der Steigerer untergeordnet. Ferner dürfte dahier, gleich wie an andern Orten die Anordnung zu treffen seyn, den Taratoren das Mitbieten bei den Versteigerungen strengstens zu untersagen; denn dadurch würde dem Mißbrauch gesteuert, daß diese Herren alle verlegenen Waaren mit Vortheil an den Mann bringen. .
Schließlich erlauben wir uns, aus den Inhalt des 8. 33 der Ministerial-Verordnung vom 21. April 1847 noch besonders aufmerksam zu machen. Derselbe lautet wörtlich: n
„ Die Leihhauscomullssion legt der Herzogs. Landesregierung am Schluffe jeden Jahres einen übersichtlichen Verwaltungsbericht vor, welche darauf die Einholung der höchsten Entschließung wegen Verwendung des etwaigen reinen Ueberschuffes zu gemeinnützigen Zwecken veranlassen wird."
Seit dem Ajährigen Besteheu des hiesigen Leihhauses ist bezüglich des erzielten Gewinns, welcher anderwärts den Armenkassen zufließt, eine öffentliche Rech- nungsablage noch nicht erfolgt, überhaupt das Verdienst des Direktors (Herrn Regierungsrath v. Trapp) sehr im Stillen geblieben. Die Zeitumstände gebieten jedoch, daß die Verwaltung endlich einmal öffentliche Vorlage mache, dem Direktor aber zugleich aufgege- ben werde, in Zukunft die ohnedies bedeutenden Vortheile des Leihauses weniger auszubeuten, dagegen das Interesse der Bedürftigen — welche in ihrer Noth oft das theuerste Andenken dem Pfandhause überliefern müssen — mehr, als bisher geschehen, zu berücksichtigen. An der Leihhausverwaltung und der ihr vorgesetzten Behörde ist es nunmehr, das Ihrige zu thun und Verfügungen zu treffen, wodurch den Bedürfnissen der Zeit entsprochen werden kann.
Tagesordnung
für die öffentliche Sitzung der Abgeordneten-Versammlung Montag, den 26. Juni, Vormittags 11 Uhr.
1) Regierungs-Erigenzetat II; Abtheilung;
2) Gesetz für Erhebung eines weiteren Steuersim- plums;
3) Antrag der Abgeordneten Lang, Müller II., Wenkenbach L und Hehner, die Standes- aufwandsgkldcr und den Fruchtmehl betrag der Angestellten in Wiesbaden betr.;
4) Verschiedene Petitionen.
Deutschland.
Wiesbaden, 25. Juni. Wenn man sich durch die Schlafstube der Nass. Allgem. Zeitung ohne wirklich ; einzu schlafen hindurchgearbeitet {tat, so gelangt man in , einen Sprechsaall, der einen ganz besonderen Cha- ' rakter besitzt. Hier findet man nämlich solche Artikel, die nach „999 Erklärungen" der Red. der Nass. Allg. Ztg. weder in die Zeitung noch unter die Annoncen gehören und deren Verantwortlichkeit oder Vertheidigung die Redaktion nicht übernimmt. Mit welchem Recht lehnt dieses denn die hochlöbliche Redaktion von sich ab, ist dieser Sprechfaul etwa für jede Meinung geöffnet, wählt nicht die Red. nur Das dazu aus, was ihr gerade zusagt? Dieser Sprechsaal mit seinen hinein gelegten Kukukseiern, deren Vaterschaft man nicht kennt, ist freilich die zweckmäßigste Einrichtung, um „unverantwortliche" Beruhigungsphrasen und selbstlobenden Artikel der Gesellschaft für Freiheit, Gesetz und Ordnung der Geschichte zu überliefern. Da sie ohnehin unverantwortlich sind, wollen wir hier uns nicht weiter mit dem Inhalt beschäftigen und nur noch eine Note der Redaktion der Nass. Allg. Staatszeitung etwas beleuchten.
In dieser war nämlich gesagt, daß die Nass. Allg. sich in den von ihr vertretenen Tertesspalten niemals
i zu einer Polemik gegen tue Freie Ztg. Hera blassen!!! werde. Auch noch abgesehen von dem Auskunftsmittel des „unverantwortlichen" Sprechfaules ist für ein ae- wipenhaftes Regierungsblatt, was in jedem Fall ja unbedingt sagen muß, was ihm aufgegeben wird diese Erklärung sehr ruthsum, denn es könnte hin und wieder schwer halten, mit vernünftigen Gründen alles was darin stehen muß, z. B. den berühmten „Faullenzerartikel" oder den Unsinn in dem „Rechenerempel" zu vertheidigen, du schweigt man viel lieber still.
Die Redensart „Herablassen" paßt zu dem Bürcau- kratendünkel, den sie hauptsächlich vertritt. Die Freie Zeitung ist schlimmer daran, wie sie; die hat schon und muß auch wohl noch gegen gar viele häßliche oder zum Sterben langweilige Sachen in ihren Tertesspalten pv- lemisiren, sogar vielleicht hin und wieder noch gegen die Allgemeine Hofbuchhandlungszeitung.
Vom Wcstcrwalde. Wir haben in einem frühern Artikel der freien Zeitung die einseitge und eigenmächtige Bestimmung der unterm 4. März zugestandennen Religionsfreiheit von Seiten des Heren Bischofs in Limburg, wie solche in seinem Rundschreiben vom 9. März zu Tage liegt, angegriffen und in Frage gestellt und darauf in der Naß. Ztg. vom 5. Juni (von der Labn, 26. Mai) eine Erwiederung erhalten, welche das Verfahren des Herrn Bischofs zu rechtfertigen sucht, d. h. ihm das Recht unbedingt.und vollkommen zuge- steht, alle bisherigen gesetzlichen Bestimmungen, welche er für eine Beeinträchtigung der katholischen Religionsfreiheit erkennt, vermöge seiner bischöflichen Autorität und ohne alle Rücksicht auf die obersten Staatsbehörden aufzuheben. Zugleich aber übernahm es die Redaction der Nass. Ztg. in einem Nachworte, diese Rechtfertigung als dem Prinzipe und der Hauptsache nach gänzlich verfehlt darzustellen und den bischöflichen Erlaß, der das Edikt vom 30. Januar 1830 geradezu aufhebt, sowohl vom kirchlichen als vom staatlichen Standpunkte aus als formell voreilig undungerechtfertigt zu bezeichnen. Wir sind der Redaction dafür zum Danke verpflichtet, wenn wir schon einsehen, daß der getreue bischöfliche Anwalt sie ebenso wie uns mit dem seichten, nichtsageuden Grunde aufs Haupt geschlagen zu haben vermeint, ihr und unser „Standpunkt sei ein anderer als der katholische und darum — (hört!) irriger."
Welcher logische Scharfsinn und welche scharfsinnige Logik! man traut seinen Augen kaum, wenn man mit solchen Argumenten, die, anstatt den Knoten zu lösen, ihn mit dem alten, stumpfgewordenen Schwerste Petri zu zerhauen versuchen, aller gesunden Vernunft ins Gesicht schlagen sieht. Das ist die alte, abgestandene und unverbesserliche Römisch-katholische Dialektik! Wer die zu Rom gefertigte Brille nicht aufsetzt, der sieht falsch! Hier heißts: sic volo, sic jubeo; st al pro ratione voluntas, und wenn ihr euch nicht auf unsern Standpunkt stellet, so bleibt uns nichts anders übrig als über eure Verirrung und Verstocktheit in frommer Triden- tinischer Weise das Anathema auszurufen. Wer die Pscudo-Decretalcn, die päpstlichen Bullen und Breven, die Beschlüsse der Concilien, besonders das Triden- tinums mit der congregatio interpretum rc. nicht anerkannt, mit dem, so wird unser fff Gegner von der Lahn sagen, können wir nicht recht rechten.
Wir beneiden ihn nicht um diesen bequemen, gläubigen und glücklichen Standpunkt, auf welchem er vielleicht im Geiste schon die Jesuiten und barmherzigen Schwestern in unser Land einziehen, Convicte blühen, das Schullehrerseminar zerrissen, die Inquisitionen reno- virt und Autodafes auflodern sieht. Denn nach seinem System, dessen obersten Grundsatz ist: Rom hat gesprochen! ist das Alles recht und vortrefflich. Auch rechten wir nicht weiter mit dem bischöflichen Sachwalter, weil wir nun einmal zu schwach sind, uns auf seinen erhabenen Standpunkt zu stellen. Es schwindelt uns und wird uns wehe bei dem Gedanken an all das Ungemach und Elend, welches von diesem Standpunkte ausgegangen ist, und, von ihm aus die Religionsfrei
heit aufgefaßt, von neuem in majorem dei gloriam ausgehen winde. Wir begnügensuns damit, den verehrten Ht Correspondenten der Nass. Ztg. auf das Urtheil seines Collegen in den historisch-politischen Blättern zu vermessen, der im 4. Hefte des 21. Bands p. 213 ganz im Widerspruche mit ihm und in Uebereinstimmung mit uns gesteht: „Wie heute die Dinge stehen, kann diese Grenze (zwischen Staat und Kirche) ulcht durch das einseitige Belieben des einen oeer andern Theils gezogen werden." — Getraut er
auch die gelben Blätter des nichtkatholischen Standpunkts zu bezichtigen?
c 6 """ weiter den verlangten Beleg zu unserer a11^ u^W' der Herr Bischof habe die Ehe- Machen, die bekanntlich von den Aemtern in Gemein- jchast mit den Hofgerichten geschlichtet werden, durch einen besondern Erlaß vor das Forum des bischöflichen ■ Mhgen und sich dadurch eines Uebergriffs in die Rechte dieser Behörden schuldig gemacht, so hat uns vor Kurzem ein anderer Correspondent der freien Ztg. durch wörtlichen Abdruck des fraglichen, auch in seiner Form und Abfassung höchst merkwürdigen, den Staat im etaate documentirenden Aktenstückes der Mühe überhoben, diesen Beleg hier zu liefern. Das Publikum wird aus der Veröffentlichung desselben die Ueberzeugung gewonnen haben, daß cs sich darin nicht, wie inan nach dein rubrum des bischöflichen Erlasses vermuthen könnte, blos um eine „neue Bezeichnung der bischöflichen Behörde", sondern, wie es mit besonderer Betonung wiederholt in §. 1. und 2. hervorgehoben wird, auch um die fernere Schlichtung der Ehestreit- jachen handelt. Wir kennen Beamte, welche die bischöfliche Verfügung unwillig ad acta gelegt haben. Der gesunde Sinn ,derselben' leistet uns mehr Beruhigung als die Erklärung des bischöflichen Anwalts, Bischof wisse sehr wohl, daß nur die Hofgerichte zur Annahme von Eheklagen kompetent seien. Ist die Sache aber gleichwohl nicht so gemeint, wie man sie aufgefaßt hat, so erbitten wir uns im Interesse der bischöflichen Behörde und zur vollständigen Beruhigung eine authentische Auslegung über die mißverstandene bischöfliche Verordnung vom 13. März d. J. Wird dadurch der bisherige Gcschäftsweg in Ehestreitsachen nicht im Mindesten beeinträchtigt, so nehmen wir gern und zum voraus unser Urtheil in dieser Sache zurück, bleiben aber bei der Ansicht stehen, daß es der bischöflichen Behörde, nicht zukommt, die Religionsfreiheit nach eigenem Gutdünken und nach des PabstesWefehlen zu interpretiren und zu verwirklichen.
•fr Vom Taunus, im Juni. Je größer das Maaß geistiger Bildung bei einem Volke ist und je glAch- mäßiger dieselbe alle Schichten der Bevölkerung durchdringt, desto besser ist cs um die Bürgschaft für des Volkes materielles Wohl und für seine Freiheit bestellt. Darum ist die Schule, zunächst die Elementar- oder Volksschule die Anstalt, an deren Gedeihen es Jedem gelegen sein muß, der es mit Dem Vaterlande wohl- mciuL Namentlich aber ist die Frage wegen Reorganisation des Schulwesens, wenn sie demnächst bei dem Neubau unserer Verfassung in den Vordergrund gedrängt wird, so wichtig, daß sich jeder Staatsbürger, der Beruf dazu zu haben glaubt, an ihrer Beantwortung betheiligen muß.
So wenig man gewillt ist, den .Geistlichen die Gründung einer neuen Kirchenverfassung, allein an- Hcimzugeben; ebenso wenig wird man das Heil der Schule allein von den Schullehrern erwarten; das Volk wird vielmehr diese wichtige Sache selbst in die Hand nehmen.
Daß die Initiative zu Besprechungen über Schul- angelegenheiten von den Schullehrern ausging, ist zu loben; daß aber mehr das Interesse des Standes als das der Schule in Betrachtung kain und daß zu den Special- und Generalversammlungen nicht auch Männer aus dem Volke beigezogen wurden, ist ein Fehlgriff. Denn bis jetzt haben die Schullehrer nur ge-
aufheulend, zu dem Baume, an dessen Fuß sich der zum Tode getroffene Bar in seinem Blute wälzte; mit wenigen Zuckungen schien es dieser aber überstanden zu haben; er streckte sich aus und war nicht mehr.
Co ungeduldig nun auch Poppy immer vorher ge- wesen sein mochte, so gesetzt und anständig betrug er sich jetzt. Er leckte den Anschuß ein wenig und legte sich dann ruhig neben dem erlegten Wilde nieder, um abzuwarten, bis es sein Herr zerlegt habe und bereit sein würde, es nach Hause zu schleppen.
Ein Pferd hatte Stevans aber nicht mitgenommen, da das einzige, das cr sein nennen konnte, wild im Walde umherlief und seit vorgestern Abend nicht nach Hause gekommen war; es währte daher bis fast Sonnenuntergang, ehe er mit der letzten Ladung in der Hei- math anlangte, wo er das Fleijch und die Speckseiten ins Rauchhaus hing, das Fell aufspannte und für sich selber eine Rippenwand und ein paar ganz delikate Stücken von der Keule briet.
Hier Poppy, sagte er, als er dem Hunde ein tüchtiges Stück abschnitt und hinhielt hier Su hast draußen nicht fressen wollen, vielleicht schmeckt 6 jetzt. Es schmeckte aber auch jetzt nicht, denn Poppy roch da» Fleisch an, schüttelte mit dem Kopfe und legte sich auf sein Lager. Stevans sah ihn bedenklich an und frug endlich mitleidig: Bist du krank, Poppy? Poppy hielt es intepen nicht der Mühe werth zu antworten, und war bald in tiefen Schlaf versunken.
Viertes Kapitel.
Der sonderbare Diebstahl.
Die Sonne hob sich schon über die Baumwipfel, ehe Stevans am nächsten Morgen aufsiand; er wollte an diesem Tage nicht jagen gehn — es war ein Sonntag — und kochte in größter Gemüthsruhe sein Frühstück , verzehrte es und setzte sich dann zum Feuer, um seine Moccasins ein wenig auszubessern. Poppy hatte wieder jede Nahrung verschmäht und der Alte warf manchen besorgten Blick nach dem Liebling hinüber, der feiner übrigens wenig zu achten schien ulid zusammenge- kaucrt, mit geschlossenen Augen da lag.
Poppy, fehlt dir etwas? frug der Alte nach einer Weile, in der er den Hund aufmerksam betrachtet hatte — wahrhaftig, er ist verwundet! rief er plötzlich aus und sprang von seinem Sessel auf und zu jenem hinüber, um zn untersuchen, was ihm fehle. Es war aber keine eigentliche Verwundung, sondern die Haare schienen nur an der einen Seite, wie durch einen Riß oder Schlag, abgeschabt, und die Haut selbst, besonders an zwei Stellen, geritzt zu sein.
Der verwünschte Bär! sagte der Alte bedauernd, indem er den Kopf des treuen Thieres streichelte — er hat dir also doch noch eins versetzt? Ich glaubte, er wäre fertig — aber warte, Poppy — wir wollen dich schon kuriren — reines Bärenschmalz auf die Wunde, weißt du wohl, kurirt alle Schäden.
Poppy warf einen unruhigen Blick auf den Herrn, wedelte <iu Bischen mit dem Schwänze, stand dann auf und folgte dem Hinaustretenden vor die Thür. Als Stevans sein Rauchhaus aufmachte, galt sein erster Blick den geräucherten Hirschkeulen, von denen er fürchtete daß ihm gestern eine entwendet war, und schnell überflog er die Reihe.
Eine, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben? rief er mit lauggedehntem Tone ans — sieben? Poppy, sie haben uns wieder eine Keule gestohlen — nein, das geht nicht mehr — du mußt künftig im Rauchhause schlafen, Poppy — hörst du?
Poppy wedelte, zum Zeichen daß er es verstanden, ein wenig mit dem Schwänze, schien sich jedoch sonst nicht besonders für das Ranchhaus zu intcrefftren, denn er war wieder in tiefe Betrachtung des alten Bärenschädels verloren, während sein Herr aufmerksam da^ Rauchhaus umging und überall nachsah, ob irgend eine Pallisade locker, oder ein Stück Rinde auf dem Dache verschoben sei — es lag aber alles fest, und keine einzige fremde Fährte war zu sehen.
Diese Nacht schläfst du im Ranchhansc, Poppy! wiederholte der Alte noch einmal — das geht nicht länger, und wenn du etwas verdächtiges merkst, dann mache Lärm — vielleicht erwischen wir's doch.
(Fortsetzung folgt.)