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Freit Zeitung.

âeiheiL und NeehL!"

M 111 . Wiesbaden. Montag, LG. Jrmi IMS.

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der AbonnementS-PreiS vom 1. März bis 1. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb d-S ganzen HrrzogtdumS Nassau, des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Lanograffchast Hessen-Homburg, sowie der Kurhessrschen Provinz Hanau 2 S 4- inner- halb aller übrigen Thurn und TariS'schcn Postbezirken 3 fl

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die JnserationS-Grbühren betragen für die vicrspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Was Oesterreich von Frankfurt erwartet.

Von den Nordküsten Deutschlands erscholl ein ban­ger Ruf um Bruderhilfe; Schleswig-Holsteins Bewoh­ner wandten sehnsüchtig die bittenden Blicke auf Frank­furts Parlament, nicht Lügen strafte selbes die alte Bundesacte, nicht getäuscht wurde daS Vertrauen auf die Leistungen des jungen Deutschlands; mächtige Preu- ßenheere, Freiwillige aus den entfernten Gauen rückten den unter Skandinaviens Joche seufzenden, in ihrem heiligen Rechte beeinträchtigten Brüdern zu Hilfe, und schnell war der Sieg der guten Sache hold, Germania triumphirte. Aus finstern Nussenreichen erdröhnte un- heimliche Drohung einer Intervention, eines Trutzbünd- nisses; für einen Augenblick zog das erschreckte Parla­ment (?!) seine Schaaren zurück; doch bald drang die bessere Ansicht siegreich durch, und Schleswig-Holsteins Sache ist des ganzen Deutschlands Sache geworden, wird in ihm siegen, zur Freiheit ruhmreich cingehen.

Aber Oesterreich? Oesterreich, das in Ketten, geschmiedet von der unheiligcn Allianz, so lang gelegen und den deutschen Brüdern die sehnsüchtigen Arme nicht reichen konnte, Oesterreich, erwacht aus giftig-narkotischem Schlummer, hat seine Bande gesprengt, die schlaftrunke­nen Augen geöffnet, und schließt sich mit innigem Ver­trauen, mit unbeschränkter Hingebung an Deutschland an, zum Schuh und Trutz, nach Innen und Außen, bereit, für die so lange vermißten Bruderländer das Aeußerste zu wagen, zu opfern ; daß dies sein ehrlicher Wille ist, hat es in den jüngsten Tagen, hat es stünd­lich gezeigt. Keiner seiner kräftigen Aussprüche, keine thatsächliche Betheurung, wie es durch und durch deutsch sein wolle, konnte sich in friedlicher Berathung seiner Brust entringen; die Bajonnette mußte es aufpflanzen, in Sturmpetitionen, aus Barrikaden seinen todesmuthi- gen Willen verkünden, bis die entfette Camarilla, bis tückische Panslavisten, bis der Magyaren hochherzige, aber hyper-cnthusiaßmirtc Nation ihm Glauben schenkte; ja, patliotischen Kleinmuthes, vaterländischer Beeinträch­tigung mußte es sich Auflagen lassen, weil es gewagt, das einzig rechte und richtige zu erkennen, weil es in in Stnrmeswchcn des Zeitgeistes ernste Worte beherzigt: Oesterreich werde deutsch, wenn Oesterreich bestehen soll! Alles die's kennt und weiß Deutsch­land, hat es bewundert, anerkannt, trotz der kindisch- neidischen Entstellungen, trotz boshafter Verleumdungen, die in Wort und Presse die glorreichsten und doch nicht bluttriefenden Erhebungen Wiens zu verunstalten bemüht waren.

Durchdrungener als je von unserer brüderlichen Ge­sinnung muß es im gegenwärtigen Augenblicke sein. Wir, die selbst so hart Bedrängten, sahen in Westger­maniens republikanischen Regungen Gefahr für die Ruhe der Frankfurter Berathungen, und schon laden Männer unseres Vertrauens den gefeierten Senat in unsere schützenden Mauern.

Und was thut Deutschland für das ihm so durch und durch zugethanc Oesterreich? Hat es Bundcshccre geschickt, um sich in der j.ßt so fürchterlich zerklüfteten Großmacht eine Stütze für die Zeit der Noth zu er­halten? Hat es Oesterreich, das aus tausend Wunden blutende, ermächtigt, etwa feine in Buirdesfestungen garnisonirenden Truppen, deren cs jetzt so nöthig "be­dürfte, jum eigenen Schutz zurück zu ziehen? Dat es auch nur angcdeutct, den in Böhmens Kreisen bedroh­ten deutschen Brüdern zu Hilfe ziehen zu wollen, wie es in ganz analogem Falle in Posen gethan? Oder sind Böhmens Deutsche etwa minder des Brnderschu- tzcs werth, als die in Posens Marken? Hat das Par­lament auch nur Oesterreichs Völkern die tröstende Zu- sagc gegeben, daß es helfen würde, wenn die eigene Kraft nicht mehr ansreicht? lind wahrlich, sie droht zu brechen, die eigene, da sie nach zu vielen Seiten hm erhalten, kämpfen, siegen soll. Feindlich steht der ^.ssche bem deutschen Mitbürger entgegen, wagt er das -Welche» der ihn ganz erfüllenden Gesinnungen, diedeut- lchen Farben aufzustecken. Der Völkerspaltung unseligste Holge, der Bürgerkrieg, wie lodert er in Böhmens al- ^r Hauptstadt! Wird er nicht auch in den andern l a sichen Ländern Oesterreichs die deutschgesinnten Be- wvhner bald ebenso bedrohen? Tyrol, das dynastische, ugkbilch so treue, des letzten deutschen Ritters liebste

Hcimath, ist nur zur Hälfte deutsch vertreten; sein be­reits eröffneter Landtag ist vpn der reichern Hälfte, Wälschtyrol, nicht beschickt worden; schon überschreitet der gekrönte Stegreifritter, der Sardenkönig, dräuend im Süden des Landes Alpenpässe. .

Deutschlands wichtigster Seehafen, das herrliche Triest, die stolze, reichste Stadt an Adria's Küsten, ihre für ganz Deutschland so wichtige Thätigkeit ist gelähmt, ihr Hafen blockirt; bleibt er gesperrt, so ist Oesterreichs, so ist Deutschland'ö Handeln aufd tödlichste verletzt.

Nicht sprechen wollen wir vom Veneterlande, von dem wir mit ungeheuren Opfern, endlich einzelne Frag­mente zurückeroberten, von der Lombardei reichen Ge­filden, in denen kaum ein fester Punkt uns noch geblie­ben. Fragend kehren wir zurück zur deutschen Natio- nalyersammlnng. Hat sie in ihren Vorläufern vermittelnd auch nur gesprochen, als die Lombarden im thöricht frechem Wahne Abgeordnete in die alte, deutsche Kai- serstadt sandten; bietet sic jetzt der Vermittelung Hand, wie cs doch selbst zwischen einander fremd geborücn Nationen der edelste Vöikerbrauch gelehrt? Oder hat Deutschland vergessen, wie Oesterreich im Osten und Süden stets seine rettende Schutzmauer gewesen? Hat­ten Oesterreichs deutsche Völker in französischen Kriegen weniger geblutet, als der verwandten Stämme einer? Verdienen die rein germanischen Provinzen, verdienen die so zahlreich in den andern Ländern Oesterreichs wohnenden Deutschen nicht jede brüderliche Hilfe? Ja, wüthet Deutschland nicht im eigenen Fleische, läßt es uns hilflos im jetzigen heißen Kampfe?

Unsere Flotte kann naturgemäß der Krystallisations­kern einer deutschen Seeherrschaft werden; wollt ihr sie nicht retten helfen? Unsere Ströme sind Pulsadern des gejammten Deutschlands; wollt ihr sic nicht deutsch erhalten? Die Repräsentanten österreichischer Finanzen, unsere Papiere, sind sie nicht größtenthcils an euren Börsen? Verarmt ihr nicht mit uns, wenn euer krâf- kiger Beistand uns dem drohenden Staatöbankerotte nicht zu entreißen strebt?

Ihr wißt dies Alles, und doch habt ihr nicht That, nicht Wort für uns?

Laßt ihr unS ferner allein kämpfen, und wir siegen, so habt ihr den kräftigsten Anspruch auf unsern Bru­derdank verloren. Unterliegen wir, so trifft euch welt­geschichtliche Schmach, daß ihr das wiedergeborne Oester­reich schmälig verloren gehen ließet, daß ihr euch selbst der von alther treu bewährten Schutzmauer an den Gränzen europäischer Civilisation beraubtet.

Doch nein, ihr herrlichen Vormänner Deutschlands! Dahin werdet ihr nicht kommen lassen. Ihr werdet die Zusage .noththuender Hilfe gegen Slaven- und Wälschthum nicht länger zurückhalten. Zum ehren­vollen Frieden in Italien, zur Erhaltung der Ruhe und Sicherheit in den slavisch deutschen Provinzen, wird uns euer kräftig Wort, eure markige That nicht entgehen. Und bald werdet ihr die so noththuenden Trostworte auksprechen, denn unsere Wunden werden mehr und größer von Tag zu Tag.

Das einige Deutschland wird uns in sich, sich in uns retten und kräftigen; frei, stolz und sieg­reich stehen wir dann Europa, stehen wir der Weltgeschichte gegenüber. (Orstr. Z)

Volks-Vertretung im Ministerium.

Der Beamten - Stand ist in Nassau schon theils durch Geburt, theils durch gesonderte Erziehung und gesonderten Unterricht, theils durch abgeschlossenes Privatleben, theils durch eine bisher getrennte Stel­lung (Verbot der Gewerbsbetrcibung) theils endlich durch Pension dem Volksleben gänzlich entrückt.

In dieser Stellung so isolirt hat der Be­amte, und auch der freisinnigste, sich mit seinen Theo- rieen von dem Leben dermaßen entfernt und entfrem­det, daß er dasselbe gar nicht kennt. Früher ver­achtete er das Volk und nun ist cr ganz ohne Kennt­niß der Personen, die er regieren soll. Er ist so wenig mit den Ansichten, mit den Gefühlen und Bedürfnissen der Masse vertraut, daß er jeden Zeitungs-Artikel, jedes ungestüme Begehren eines Einzelnen oder einer Partei gleich als Volkswillen fürchtet oder ehrt.

Ohne Kenntniß des Volkes, ohne Kenntniß der wahren Volkswünsche und Volks-Bedürfnisse aber wird eine jede Regierung gewaltthätig oder schwach sein.

Aber, wie die Regierung ohne Kenntniß des Vol­kes, so war auch bisher das Volk nicht mit seinen Be­amten vertraut. Vor dem 4. März mußte das V.lk gehorchen. Seitdem cs die Macht sich errungen, gehorcht es nur da, wo es überzeugt ist von der Recht- und Zweckmäßigkeit der Verfügung. Das Mißtrauen ist allgemein.

Die höchste Verwaltungsbehörde kann also nur da­durch Vertrauen und die nöthige Kraft gewinnen, wenn sie Männer, die nicht der Beamten-Kaste angeboren, wenn sie Männer ans dem Volke in ihre Mitte zieht.

Deutschland.

Wiesbaden, 23. Juni. Wir haben heute die er­freuliche Wahrnehmung gemacht, daß der Staat dadurch, daß das Jagdrecht an die Gemeinden übertragen wor­den ist, rein 22300 fl. gewinnt. Die Jagden trugen nämlich in letzter Zeit 22000 fl. ein, verursachten aber an Verwaltungskosten, Wildschäden ic. eine Ausgabe von 44000 fl., so daß also der Verlust des Jagd­rechts dem Staat 22000 fl. ein trägt. Was so auf der einen Seite weggeworfen wurde, mußte freilich auf der andern wieder ausgesogcn wordeu. Es hat alles seine Ursuche.

Die Vorbereitungen zur Berathung der ver­schiedenen Gesetzentwürfe und Anträge für die Kammer nehmen jetzt die einzelnen Kainmermitglieder sehr in Anspruch. Es werden jeden Tag mehrere Ansschuß- fitzungen gehalten. Die nächste öffentliche Sitzung wird daher erst Montag den 26. d. M. stattfinden. Im Laufe der nächsten Woche wird auch der Geineindege- setzenkwurf zur öffentlichen Berathung kommen. Die Vorbereitung ist deshalb zeitraubend, weil viele Petitio­nen bezüglich des Gesetzentwurfs vorliegen.

Nach dem vor einigen Tagen ausgegebenen Ver­ordnungsblatt ist der Abgeordnete Dr. Großmann zum Ober - Appellations - Gerichts - Prokurator befördert worden. Er muß sich deshalb nach dem Wahlgesetz einer neuen Wahl unterwerfen. Nun wird es sich also zeigen, ob der Abgeordnete Großmann das Vertrauen der Wähler in dem Wahlbezirke Höchst und Königstein noch in dein früheren Maße besitzt und ob die mehr­erwähnten Erklärungen aus diesem Bezirk durch Ueber® redung und maßlose Verdächtigungen veranlaßt worden sind, oder durch freie Entschließung derjenigen, die die­selben unterzeichnet haben.

Dillenburg, 16. Juni. In Nro. 101 der freien Zeitung find an dem neuen Gesetzentwurf über Ver­fassung und Verwaltung der Gemeinden des Herzog- thums, Ausstellungen gemacht worden, womit wir uns im NUgemeineu einverstanden erklären. Wir können jedoch nicht umhin, die künftige Stellung der Feldge­richte, welche der Natur der Sache nach, wesentlich auf die Agrikultur influiren sollen u. müssen, etwas näher zu beleuchten.

Der §. 31 des Gesetzes - Entwurfs bezeichnet die Grenzen in formaler Hinsicht, worin sich das Feld­gericht in Zukunft bewegen soll, ziemlich schare, während derselbe, nach unserer Ansicht, von der Hauptsache, uaui- lich: kräftige Mitwirkung zur Hebung der L a n d w i r t h sch a ft, ganz schweigt! -

Wenn das neue Feldgericht statt zu einem büreau- kratisch-willenlosen Werkzeug des Bürgermeisters, nicht zu einem selbstständigen Organx der Verwaltung in landwirthschaftlicher Hinsicht, eberio wie die^ Geincindc- räthe in der Gemeindeverwaltung, geschaffen _ werden kann, so daß dasselbe, bei Bestellung des Wiesen- und Feldbaues, bei nachlässigen oder böswilligen Gutsbe­sitzern belehrend, ermahnend und nötigenfalls bestra­fend ein spreiten kann, so ist von vornherein der Zweck abermals verfehlt, und mau hatte dann auch füglich diese Function den Gemcindkrâthcu übertragen kön­nen. Auch ist dann, der sonst an sich schöne Sems