„âeiheit und Recht!"
N lOS
Wiesbaden Mittwoch, 2L Juni
L8L8.
Die „Freie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements - Preis vom 1. März bis 1. Juli d. J. beträgt hier in Wiesbaden 2 fL; auswärts durch die Post bezogen innerhalb deS ganzen HerzogtbumS Nassau, des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischcn Provinz Hanau 2 ff 40 ft, innerhalb aller übrigen Thurn und Tartâ'schen Postbezirkcn 3 fl. —
Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnserations-Gebühren betragen für die viersxaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
Die Politik der netten deutschen Re- gierungen.
Die Staaten, in welchen sich das Volk erhoben, Forderungen gestellt und bewilligt erhalten hat, müssen eine ganz andere Politik befolgen, als die, welche sie bisher befolgten. Die Politik muß, je nachdem die Staaten dem Geiste der Neuzeit näher oder entfernter stehen, sich anders gestalten.
Das Volk stand auf, der Sturm brach los! Und es fragt sich, wie dieser zu beschwichtigen. Wie das anfangen? An dem einen Orte schickte man die Bürger auf die Jagd und ließ sie austoben! Damit war wenigstens die Zeit verthan und das Volk beschäftigt. Es kommen Begehren, und man befriedigt die einzelnen Unzufriedenen; auch diese wurden beschwichtigt. Das Militär, in Unruhe, erhielt Beschäftigung an den Grenzen. Der Handwerker erhielt hier und da Arbeit.
Aber damit ist die große Masse nicht zufrieden gestellt. Das Volk wurde mit Fragen der Bundesreform eine Zeitlang unterhalten, aber nicht befriedigt.
Das Volk, von Natur mißtrauisch gegen die Gewalt, durch die früheren Regierungen und seine Rc- ’ genten keineswegs dazu verleitet, auf deren Versprechungen unbedingt zu trauen, fordert Erfüllung seiner Begehren.
Diese Forderungen zu erfüllen, muß die erste Aufgabe der Politik sein, welche die Staatenlenker zu befolgen haben. Jede Zögerung spannt die Erwartungen des Volkes höher; jede Zögerung mehrt das Mißtrauen; jeder Aufschub reizt zu neuen eigenmächtigen Hand, lungen und mindert das Ansehen der Gesetze.
Wir sehen es ein, daß nicht jeder Staat in gleicher Eile und gleicher Gründlichkeit die Forderungen des Volkes befriedigen kann. Es sind hiefür besondere Kenntnisse und Talente erforderlich. — Allein diese Einsicht ist nicht Allen gegeben und die Masse des Volkes hat nicht die gewünschte Geduld. Es muß also der Politiker Beides vermitteln, und es zeigt sich seine Kunst, inwiefern er dieses Ziel erreicht. Das Mittelding zwischen Verschiebung und geregelter Einführung der verlangten Institute hat man in verschiedenen Staaten auf verschiedene Weise gefunden. Das Militär, die Bürgergarde hat man faktisch organisirt, und die Regel, das Gesetz erst später gegeben oder zu geben versprochen.
Andere Sachen, z. B. das Jagdregale, hat das Volk sich selbst zugeeignet, und solches wird dann später ein Gesetz sanctioniren müssen. Ferner wurde die Vermittlung also versucht, daß man entweder das Volk in kleineren, meist Ortsversammlungen mit Theo- rieen beschäftigte, oder daß man die Stände berief, Com
Jäger Stevans und sein Hund Poppy.
Eine wunderbare, traurige Geschichte.
(Fortsetzung.)
Der Alte hatte mit schmunzelndem Lächeln seinen klugen Husid beobachtet, als dieser aber die Augen schloß und von den ganzen Verhandlungen nichts weiter hören zu wollen schien, redete er ihn aufs Neue an.
Poppy!
Poppy hörte nicht.
Poppy! — Ich mag kein Opossum!
Der Hund zog das Fell am Kopfe zusammen, als wenn er die Ohren spitzen wollte.
Poppy, wollen wir an den Fluß gehen? — Wollen wir Nachsehen, ob der Bär wieder über den Bach gegangen ist? Im Augenblicke war der. Hund an seiner Seite und flaute >h» mit den großen, klaren Augen wie zweifelhaft an. Bären jagen gehn, Poppy? sagte da der Alte, und mit lautem Bellen sprang der Hund in toller Freude an ihm empor , leckte ihm die Hände, setzte sich endlich wieder nieder uub heulte auf eine herzbrechende Art.
- ■ 77 ^! — Das thut's, lachte Jener. — Komm, P°ppy ~ guter Hund — so recht! und ^ Kugeltasche und Decke um, nahm die Huke» herunter und trat, von seinem il)m letzt folgenden Hund begleitet, vor die Thüre die er wieder von außen mit einem vvrgesteckten Zapfen schloß.
missionen bildete, die Ausarbeitung von Gesetzes-Vorschlägen mehreren Personen übertrug, oder fertige Gesetze den Ständen zur Berathung vorlegte.
Hierzu — nämlich zur Beruhigung des Volkes — dürfte neben sofortigem Erlasse der verlangten Gesetze am wesentlichsten beitragen, wenn das Volk und die Einzelnen an der Staatsverwaltung thätigen Antheil erhielten, z. B. man theile die Funktionen des Gcmcin- dcrathes in Wald-, Armen-, Schul- :c. Commissionen, gebe der Gemeinde eine Gemeinde-Justizbehörde, den Amts-Verwaltungsbeamteten in gewissen VerwaltungsSachen einen Amtsrath und den Gerichtsamtmännern ein Richter-Collegium.
Das Volk vertraut nur den Männern, die ihm selbst nahe stehen, und hat kein Zutrauen zu den bisherigen Beamteten.
Volks-Vertretung in der Verwaltung.
Die Wahlen zum deutschen Parlament und in die Nassauische Deputirtenkammer zeugen deutlich genug die Ansichten, welche das Volk bei Beiden geleitet haben.
Vom Parlamente hat das Volk noch keinen rechten Begriff, sondern eher, als vor etwas Neuem eine Art Scheue. Diese Stellen glaubte man daher mit gelehrten Männern besetzen zu können, uub es haben auch, soviel uns bekannt, nur Gelehrte diese Stellen gesucht, und erhalten.
Dagegen wurde, fast dürfte man sagen, das umgekehrte Princip bei den Deputaten- Wahlen beobachtet. Man wußte mehr oder minder, worauf es ankam; Viele glaubten sich zu dieser Stellung tauglich; und es scheint, als ob das Volk Beamtete, besonders höher gestellte Beamtete in der Kammer nicht gerne gesehen. Es finden sich deren gar keine unter diesen Deputaten.
Bei der bunten Zusammensetzung der Kammer fehlen diese allein.
In bewegten Zeiten, wie die unsrigen, ist eine solche Erscheinung gewiß nicht als ein Spiel des Zufalles, sondern als eine Stimmung dcs Volkes zu betrachten; und diese hat der Staatsmann nicht zu verachten, er hat ihren Grund zu erforschen; er muß ihr, je nachdem er ihn richtig oder unrichtig findet, sich fügen oder er muß sie bekämpfen.
Soll man nun diesen Ausschluß aller Hähern Beamteten einer augenblicklich durch die Zeitblätter erzeugten Mißstimmung zuschreiben? oder ist sie tiefer begründet. Die voraus gegangene Wahl von Beamteten ins Parlament scheint für die Ite Ansicht zu sprechen; aber cs läßt sich dieses Faktum, diese Ite Wahl auch auf andere Weise erklären, und cs darf angenommen werden, daß der Ausschuß bei der Wah! in die nassauische Stäu-
Warte, Poopy! rief er seinem Hund jetzt zu, als dieser die ihm wohlbekannte Richtung einschlug, und dem Thalland zutrabte — warte Poppy — erst wollen wir einmal nach dem Rauchhaus scheu, ob Alles in Richtigkeit ist! Damit nahte er sich dem also benannten Behältniß, das aber kaum den Namen „Haus" verdiente, denn cs war mehr eine Art Verschlag von nebeneinander in den Boden getriebenen Pallisaden, die ein starkes Rindendach vor Regen und Sturm schützte, während einige scchszig, oben darauf gehäufte, Hirschgeweihe die einzelnen Rindenstücke am Hilumterrutschen hinderten. Eine niedere Thüre, mit einem hölzernen Zapfen fest verwahrt , bildete den Eingang und inwendig war das Vvlrathsmagazin des fleißigen Jägers; — mehre Seite» Bäreuspeck — eine Reihe geräucherter Hirschkäulcu und zwei aus Hirschfellen verfertigte Schläuche, mit Honig gefüllt, bildeten die Hauptbcstandlhcilc desselben; sonst standen noch mff dem Boden verschiedene kurz abgeschlagene, hohle Baumstämme, Gums genannt, mit Mais und Salz gefüllt, und an gucrübergclegten Stangen hingen getrocknete Kürbisstreifen, das beste Gemüse der westlichen Staaten.
Schon wollte Stevans, so hieß der Jäger, nach einem zufriedenen Blick in das Innere, die Thüre wieder schließen, als er noch einmal die Reihe Hirsckkcutcn überflog und |icb dann aufmerksam zu einer der Pallisaden mederbog, augcnichciulich emsig damit beschäftigt, die vvrt gemachten Einschnitte in dem Holz zu zählen. j
dekammer eher das Product dcs in jedcm Volke vorherrschenden Mißtrauens sei, und daß dieses namentlich seinen Grund in der früheren Abgeschlossenheit des Beamtenstandes habe.
Sobald der Beamtenstand mit dem Volke in geselligen Verkehr tritt, wird auch dieses Mißtrauen schwinden; man wird die Männer kennen lernen, und sehen, wem man vertrauen kann, und wem nicht.
Einstweilen, und bis dieses gesehen, muß aber doch der Staat regiert werden, wie soll nun dieses geschehen? Wie soll Ordnung und Gesetz gehandhabt werden?
Durch Männer des Vertrauens, und diese Männer des Vertrauens kann der Staat nur dann finden, wenn er eine Gemeinde-Verfassung gibt, in welcher die Gemeinde selbst die Männer in ihren Vorstand wählt. Weiß sich dann der Amtmann bei diesen, nicht bloß durch Befehle, sondern auch durch den Umgang und außeramtlichen Verkehr Vertrauen zu erwerben, so dürfte es ihm ein Leichtes sein, das Ansehen der Gesetze her- zustellcn. —
Das Versetzen der Amtsvorgesetzten hilft wenig oder nichts; cs verwirrt öfter die Verhältnisse noch mehr.— Die Gemeinde ist die Grundlage des Staates; und ohne daß diese geordnet, wird das Ganze in Auflösung und Verwirrung verbleiben.
Der Gemeinde-Vorstand steht jedoch in zu enger Verbindung mit der Gemeinde selbst; ja er ist dieser in vielen Fällen untergeordnet, so daß derselbe nicht in allen Fällen und namentlich dann nicht, wenn eine größere Masse gegen ihn ist, die erforderliche moralische Kraft besitzen wird, um mit gehörigem Nachdruck die Befehle vollziehen zu können.
Es muß also der Einfluß der Amtsverwaltungs- bchörde auf andere Weise vermehrt werden; es muß das Vertrauen in die Gesetzmäßigkeit und Volksthüm- lichkcit der Amtsbefehle sich dergestalt befestigen, daß der Ungehorsam Einzelner, ja selbst einer Gemeinde und des Gemeinde-Vorstandes sich hieran bricht; und dieses ist nur dadurch möglich, daß dem Amte ein Beirath aus dem Amtskreise beigegeben wird. — Das Volk vertraut nur Männern aus dem Volke.
Deutschland.
Wiesbaden, 19. Juni. Soeben erfahren wir, daß der Obrist Alefeld zum General und Generalcom- manbanten der nassauischen Truppen ernannt worden. — Wir begreifen nicht, womit eine solche Beförderung, und namentlich im jetzigen Momente, sich rechtfertigen läßt, und wir halten diese Maßnahme für
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun — richtig — und drinnen, fuhr er, sich wiedcr aufrichtend, fort — eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht — hm! sagte er und sah bedenklich den leeren Fleck an, wo die nennte geräucherte Hirschkeule gehangen hatte, das ist doch sonderbar! Poppy! weist das Poppy nicht, wo die neunte Keule hingekommen ist'
Poppy, der sich seinem Herrn wieder angeschlosscu batte, ichicu die Frage überhört zu haben, denn er war ganz in dem Anblicke eines sonncugeblcichteii Baren- schädels vertieft, den er mit außerordentlicher Stufmerk- kamkeit betrachtete.
Hm — wunderbar, brummte Stevans zwhckcn den Zahnen hindurch — keine Spur weiter von etwas benbem hier, als Popp» und ich, und die Keule reu (»II« id, mid' 4' »™
Kbvu das dritte Mal, daß mir etwa- Mt, J b nicht länger - einem »uudc wendend, Mit, i »
• ■ mach ich dir dem Bett wenn nur wieder etwa-.-
ins Rauchhaus!
Popp» warf einen scheuen Seitenblick zu seinem Herrn empor und sprang dann, als dieser jetzt die Thüre schloß und die Büchse auf die Schulter hob, fröhlich vor demselben her, dem dichten Thalland zu, um die versprochene Bârcnfâhrtc anfzusuchen.