Einzelbild herunterladen
 

reit Zeitung.

âeiheiL und Recht!"

J£ 103» Wiesbaden Dienstag, 2V Juni IBM.

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom L März bis 1. Juli d. J. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen HerzogtbnmS Nassau, des GroßberzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhelfischen Provinz Hanau 2 ff. 4m fr.' inner» halb aller übrigen Thurn und Tariö'schrn Pvstbezirken 3 fi.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die JnserationS-Gebühren betragen für die vierspaltige PetitzeUe oder deren Raum 3 Kreuzer.

Erste Betheiligung nassauischer Freiwilliger am Kampfe gegen die Dänen.

(Auszug aus dem Berichte eines Freiwilligen, Wilh. Valentin von Biebrich, an dasComite zur Aus­rüstung und Unterstützung Freiwilliger für Schleswig- Holstein, in Biebrich.")

Uck (drei Meilen hinter Flensburg), den 8. Juni. Nachdem wir die letzten Wochen in Rendsburg still ge­legen und im Schildwachendiknst auf den Wällen der Eiderfestung ein ziemlich einförmiges Leben geführt hat­ten, erging am 2. Juni an alle disponibel,, Truppen, vorab an unser FreicorpS unter dem wackern Major von der Tann, der ersehnte Aufruf, unverzüglich dem Kampfplatze im Norden zuzueilen. Am 3. von Rends­burg abmarschirt, langten wir den 4. in Flensburg an, erhielten Pulver und Blei, und wurden bei Bürgers­leuten einquartirt. Am 5. rückten wir von da nord­wärts vor, passirten hannover'sche und preußische Can- tonirungen und drangen, ohne vom Feinde belästigt zu werden, bis Uck vor, wo wir Quartier machten und Kugeln gossen. Der Vormittag des folgenden Tages verging unter Erereiren und Uebungen im Tirailleur­dienst; Nachmittags traten wir an, mit Waffen und Munition vollständig ausgerüstet und fuhren, es mochten unsrer etwa 60 an der Zahl sein, auf Bauernwagen ab. Anfangs glaubten wir, es ginge über Tondern nach Lpgumkloster; da uns aber die Bauern die ver­schiedenen Ortschaften nannten, durch die unser Weg ging, und da auch einige Landkarten zur Hand waren, so merkten wir schnell, daß es darauf abgesehen sei, die feindlichen Vorposten zu umgehen und gegen Haders­leben vorzurücken.

Wo es die Breite des WegeS erlaubte, fuhren wir in 2 Colonnen, als unsere Vorhut Nachts um 12 Uhr einen Dragoner aufsing, der als äußerster Vorposten ausgestellt war. Kampfbegierig setzten wir rasch unsere Fahrt fort und um halb 2 Uhr Nachts fielen durch eine dänische Feldwache die ersten Schüsse; ohne jedoch einen von uns zu treffen. Unaufhaltsam ging cs jetzt wieder vorwärts, aber in südöstlicher Richtung, indem wir die Dänen, die wir 12 1400 Mann stark wußten, un­vorbereitet zu überraschen gedachten. Dies war aber nicht der Fall; denn schon seit 1 Uhr standen dieselben, wie wir später durch Gefangene erfuhren, zu unserm Empfange bereit, nur daß sie uns nicht aus dem Nor­den, sondern von Süden her erwarteten.

Um halb 3 Uhr entspann sich das Gefecht zwischen unserer Vorhut nnd dänischen Dragonern und Schützen. Wir saßen noch auf den Wagen; ba4 brausten schon die Kartätschen und Paßkugeln über uns weg; aber wie der Blitz waren wir unten und in Schlachtordnung.

Die dritte Compagnie, unter Hauptmann Wirsig, hatte den ersten Cavallcrie-Angriff anszuhalten und hielt wacker Stand; da stürmte die sechste Compagnie mit gefälltem Bajonnet gegen die Geschütze und nahm eines derselben weg, konnte sich aber gegen die Angriffe der Garde-Husaren nicht halten. In diesem bedenklichen Augenblicke erscholl es von allen Seiten:Die fünfte Compagnie vor! Reichenbach vor!" und in Sectio- nen ausgestellt, rückten wir dem Feinde auf den Leib. Obgleich die Kugeln unS von drei Seiten her entgegen schlugen, so hinderten sie uns doch nicht, vorzudringen, und obgleich bei den ersten Schüssen der Hauptmann C o r n e l i, der an der Seite unseres Hauptmannes ging, verwundet vor uns niederstürzte, so wankte doch Keiner. Halb links vorwärts, Marsch!" wurde kommandirt und wie am Faden ausgeführt. Die 1 ste und 2te Scc- tion Schützen unter Lieutenant Traut schwärmten zur Linken aus; die 3te und 4te Section Schützen rückte an den linken Flügel der Musketiere. Marsch! scholl es von allen Seiten, Marsch! Unter Hurrah! Hurrah! gingen die Musketiere mit gefälltem Bajonnet vor und wir unterstützten ihren Angriff durch ein kräftiges Feuer.

Die 2te Abtheilung Musketiere und Schützen, un­ter Letzteren unser Leutner und Beer, rückten rechts nach dem genommenen Geschütz vor, um dasselbe zu vertheidigen; Freiwillige von einigen andern Compag­nien schlössen sich ihnen an. Jetzt machten die Husa­ren einen zweiten heftigen Angriff; aber unsere'wohl- gezielten Büchsenschüsse lichteten ihre Reihen, noch ehe sie zum Einhauen kommen konnten, und in Verwir­rung mußten sie von ihrem Vorhaben abstehen. Bei diesem Angriff wurde unser Georg Beer von einem Husaren verwundet. Unser Bat.-Arzt, der ihn verband, erklärte jedoch seine Wunde für nicht gefährlich; er wurde nebst unsern andern Verwundeten nach Flens­burg ins Hospital gebracht, wo er aufs beste verpflegt wird.

Die Angriffe der Unsrigen kann ich nicht anders als wüthend nennen; denn Jeder war sich bewußt, daß ihm, wenn wir nicht siegten, der Tod oder eine scheußliche Gefangenschaft bevorstand. Die Schützen, worunter Scheffau er und ich, hielten überall Stand; unser Adolph Hennies hat sein Meisterstück bestanden; sein erster Schuß streckte einen Husaren vom Pferde nieder. Ueberhaupt folgten sich unsre Schüsse so rasch und lebhaft, daß die feindlichen Reiter und Schützen glauben mußten, es seien unsrer Tausende, während wir doch nicht viel mehr als 300 Mann beisammen passen. Aber auch die feindlichen Kugeln umsausten uns dermaßen, daß ich glaubte, es müßten etliche von

Unsern eigenen Leuten links von nns, die nicht wüßten, daß wir da ständen, auf uns schießen. Um dieselben davon zu benachrichtigen, erstieg ich die nächste Hecke und wollte ihnen zurufen. Nun sind aber die Hecken hier zu Lande gewöhnlich auf 3 bis 4 Fuß hohen Erd­wällen angepflanzt. Als ich dieselbe erstiegen hatte und eben den Kopf in die Höhe brachte, flog mir aber das Feuer einer Büchse beinahe in die Augen und die Kugel eines feindlichen Schützen streifte meinen Hut. Voller Wuth stieß ich sogleich diesem Zudringlichen den Kolben inS Gesicht, daß er zurückstürzte und- wahr­scheinlich nicht mehr aufstand. Unsre Schützen, die links ausgeschwärmt waren, drangen nun gleichfalls in dieser Richtung vor; die feindlichen Jäger konnten ihre Stellung nicht mehr behaupten; sie wichen, setzten sich zwar hinter anderen Erdwällen noch einmal fest, wur­den aber auch da vertrieben und ergriffen endlich die Flucht. 300 Mann Freiwillige hatten somit gegen 121400 Mann Dänen aller Waffengattungen den vollständigsten Sieg errungen. Wir eroberten 2 scchS- pfündige Kanonen nebst Protzkasten und vollständiger Bespannung, 2 gefüllte Munitionswagen, 25 Pferde, 1 Wagen mit Lebensmitteln, und eine Menge Waffen, Tornister und bergt, wurden erbeutet. 3 Offiziere, worunter einer verwundet, und 29 Gemeine wurden zu Gefangenen gemacht und sind nebst dec erwähnten Beute bereits in Flensburg eingetroffen. Von unsrer Seite sind, soviel ich bis jetzt habe erfahren können, 5 oder 6 Todte und 25 Verwundete geblieben; auf Seite der Dänen, soweit sie dieselben nicht mitgeschleppt haben, 25 30 Todte und Verwundete. Ain besten auf feindlicher Seite und mit wahrer Todesverachtung haben sich die Husaren geschlagen; im Ganzen standen 2 Escadrons Husaren, 1 Escadron Dragoner, 1 Ba­taillon Jäger. einige Compagnien Infanterie und 3 Geschütze nebst Bedienung uns gegenüber. Der Ort, wo das Gefecht vorfiel, heißt Hoptrup und liegt zwischen Hadersleben und Apenrade. Nach einer kurzen Rast kehrten wir, Anfangs zu Fuß, dann auf Bauern­wagen, wieder hierher zurück. Außer dem Genannten ist von uns Biebrichern keiner verwundet oder krank, und wir können kaum den Augenblick erwarten, wo uns von Neuem Gelegenheit gegeben wird, auch in den fernsten Marken unseres großen Vaterlandes den Ruhm nassauischer Waffen behaupten zu dürfen.

Die Nassauische Hypotheken-Bank.

Aus dem Rheingau. Der Antrag der Abgeord­neten Leisler, Gergens und Jung auf Errichtung einer Bank zur Unterstützung deö Handels, der Ge-

Deutsche Hymne.

Nach der Melodie der Marseillaise,

-Reicht euch die Hand zum Bruderbünde, Der Tag der Freiheit brach uns an; Tyrannei sei ans ewig zernichtet, Unsern Rechten brecht muthig Bahn. (bis) Da, schwört den Eid aus vollem Herzen, Treu, stets treu zu sein euerm Land'.

Es treff' den Feigen ew'ge Schänd'

Der mit Eiden da könnte scherzen.

Ihr Bürger, greift zur Wehr!

Stellt euch in Reih' und Glied!

Drauf los! drauf los!

Wehrt euch voll Muth, wehrt euch für euer Rechts

Gebrochen sind die schweren Ketten, Die lange uns schmachvoll gedrückt.

Viel zu lange lagen wir im Staube Lor der Fürstenwürde gebückt. (bis) Sept sind wir frei und wollcn'â bleiben, Von uns jeder Druck sei verbannt, Und wer uns droht mit frecher Hand, dem wird die Lust man vertreiben.

Ihr Bürger, greift zur Wehr! stellt euch in Reih' und Glied' Drauf los! drauf los!

Wehrt euch voll Muth, wehrt euch für's Vatelckaud.

Seid auf der Hut vor ihren Schlingen,

Vor Lchmâch und vor Despotendruck;

Unverdrossen übt euch in Waffen,

Waffen sind ja männlicher Schmuck, (bis) ll»d leidet nicht, daß Solduerknechte, Bewaffnet das Land keck durchzieh'»,

Vor euern Schwertern lehrt sie flieh'n, Denn ihr kämpft im Schutz hcil'ger Rechte.

Ihr Bürger greift zur Wehr!

Stellt euch in Reih' und Mied!

Dranf loS! drauf los!

Wehrt euch voll Muth, wehrt euch für Haus Und Herd.

Tyrannen bebt! und ihr, Verräther, Die der Parteien Schänd' und Schmach! x

Da, erzittert, denn ench zu bestrafen, Bricht herein bald der Rachetag. (bis) Nichts kann den Math uns jetzt mehr dämpfen.

Wo ein Opfer der Tod sich mäht,

Da gleich ein andrer Held, "ersteht, Eure Horden frisch zu bekämpfen.

Ihr Bürger, greift zur Wehr!

Stellt euch in Reih' und Glied!

Drauf loS! drauf los!

Welnt euch voll Muth, wehrt euch für Weib und Kind.

O heil'ge Lieb' zum Vaterlande, In unsern Herzen lebst du warm;

Unser Heiligthum, Freiheitsliebe,

Stärket muthig den Rächerarm. (bis)

O sei mit unS im heil'gen Kriege,

Bleibe stets unsrer Fahne vereint,

Unb sttrbend schaue unser Feind Deinen Rubm und unsre Siege.

Ihr Bürger, greift zur Webr'.

Stellt euch in Reib' und Glied!

Dräns los'. draus los!

Wcbrt euch mit Kraft, es gili dar höchste Sur

Hub wo ein Sohn wird abgeschlachter,

Da tritt der Vater für ihn ein; MH Stolz wird er im blutigen Kampfe Auf den Ruhm deâ Todten noch sein. <bi»; Denn diesen Ruhm wird er erben, Diesen Ruhm vor dem Vaterland, Unb mit dem Schwerte in der Hant- Wird er rächend für cs gern sterben.

Ihr Bürger, gre>-r zur ««r. Stellt euch t" ^ und Glied.

Drauf los! drauf los!

Webet- euch »»H Murb, eS gilt den FrèiheUSsièg.

Kali>iuka 3i».