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DirFreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auèwärtS bei den zunächst gelegenen Postämter». Der AbonnementS-Preis vom 1. März bis 1. Juli b. J. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen LerzogtbumS Nassau, des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau 2 fl" 49 fr inner, halb aller übrigen LSurn und JarWft&en Postbezirken 3 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die JnserationS-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Wehrvei fassrnrg in der absoluten und conftètutionelleu Monarchie.

Macchiavelli, der große und mit Unrecht so verach­tete Lehrer der Fürsten, der Patriot, welcher schon vor Jahrbunderten einen Carl Albert suchte, um sein ge­siebtes Vaterland der Fremdherrschaft zu entziehen, lehrte in seiner von Schwachköpsen und schlauen Des­poten verpönten Schrift:Der Fürst", daß der Fürst Krieger und Jäger sein müsse.

Die neuere Zeit hat eine andere Staatsform erfun­den, in welcher das Schwert und die Militär-Uniform nicht mehr den Fürsten bezeichnen sollen. Sie ist mit dieser Staatöform sogar so weit gekommen, daß nicht nur ein Mann, sondern sogar Jungfrauen und Frauen die höchste Gewalt auszuüben vermögen.

Bisher hat man im Nassauischen, wie in allen Staaten, die gleichsam zum Gespötte constitutio- nelle Staaten genannt würben, dem Militär eine ganz unconstitutionelle Stellung angewiesen. Dem Staats­zwecke zufolge ist der Militär eine dem Staate dienende Maschine, organistrt, um mit einer Masse eine andere Menschenmasse zu bezwingen und dadurch die Rechte des Staates und seiner Bewohner zu schützen. Wie die gewöhnliche Polizei-Gewalt gegen Einzelne, so wird das Militär gegen Massen innerer oder äußerer Feinde verwendet.

Wie Alles im Staate, was Mitglied eines Staats- institnts ist, den BeMten-Eid zu leisten berufen ist, so auch hat der höchste wie der niederste Militär ein Staatsamt, und daher auch den Staatsdiener-Eid so­wohl dem Volke, als der Verfassung und der vollzie­henden Gewalt (deren Repräsentant in constitutionellen Monarchieen der Fürst ist) zu leisten.

DaS Militär, als ein Mittel, das zu gewissen Zwecken angewandt wird, steht in dieser Eigenschaft unter dem Gesammt- Ministerium. Es folgt also da­raus, daß dasselbe eine Vertretung hierin und eine ge- wisse Selbstständigkeit habe, die ihm nur durch ein Kriegs-Ministerium gewährt werden kann.

Das Kriegs-Ministerium, als unter dem Gcsammt- Ministerium stehend, leitet das ganze Militär-Wesen. Unter seinen Befehlen steht ter Oberbefehlshaber und das ganze Militär. Dieses Kriegs-Ministerium ist in constit. Staaten verantwortlich; und es ist daher schlech­terdings unthunlich, daß der Regent selbst als un­verantwortliche Person Milltärbefehlshaber und dadurch sowohl dem Gesammt-Ministerium, als auch direkt dem Kriegs-Ministerium verantwortlich sei. Er kann also nicht Regent u. zugleich Befehlshaber sein.

Eine andere Frage ist es aber, ob er nicht als Chef des Gesammt-Ministeriums und mit Zustimmung und

unter Verantwortlichkeit desselben Truppen inspiciren und Crcrcitien rc. anordnen könne? Diese Frage wird kein mit den Principien der constit. Monarchie Ver­trauter bestreiten.

Wir wissen sehr wohl, daß es Fragen im Staats­rechte giebt, die wie die vorliegende das dunkle Gefühl: die Gewohnheiten und üblichen Lebens-An­schauungen von Hoch- und NiedergesteUten, oft cmfind- lich verletzen. Der Deutsche ist cs gewohnt und freut sich, seinen Fürsten an der Spitze der Truppen glänzen zu sehen; seine Fürsten führen noch Titel als Kriegs- obersten (Fürsten und Herzoge), und es ermuntert den Krieger, wenn» er weiß, daß seine Regenten in Zeiten der Gefahr die Kriegs-Geschicke mit ihm theilen.

Der Nassauische Seidenbau.

Auszug aus dem Schreiben eines Seidcuzüchtcrs in dem Schaumburgischen Amts Diez an den Vorstand, der Gesellschaft für Förderung der Seide- zucht.

Wenn die Seidenraupen sich so fort entwickeln wie seither, dann werden wir diecmal schon eine größere Quantität Cocons in die Filanda schicken können.

Die Theilnahme für die Seidenzucht nimmt in hiesiger Gegend bedeutend zu. Wer jetzt schon Blätter von seinen Maulbeèrstämmchen beziehen kann, bedauert, daß er nicht einen ganzen Wald dieser Bäume besitze und von Andern hört- man vielseitig die Aeußerung, sie wollten nicht mehr anstehcn, sich Maulbeerbäume zu pflanzen. Kein Jahrzehend wird mehr nöthig sein, um diesen Erwerbszweig gehörig zu benutzen und dank­bar wird man den beharrlichen Vorstand verehren.

Deutschland.

Wiesbaden, 16. Juni. Die Ruhestätte der Ver­storbenen ist ein Gegenstand tiefer Verehrung der Le­benden, und um so inniger je näher diese mit jenen verbunden waren.

Mit Entrüstung nnd innerem Schauder wurde da­her seit einiger Zeit bemerkt, daß die Schutzmauer des alten Todtenhofes gebrochen und auf demselben die Ver­wüstung eingerissen ist.

Noch nicht volle 16 Jahre sind es, daß die letzte Beerdigung daselbst statt fand. Viele Aeyern, Kinder und Geschwister ruhen daselbst kaum so lange, und Grabmale zeigten die Stätte, wohin einen die Pietät zog. Jctzt sucht man vergebens. Selbst kostbare Grab­male sind dem Vandalismus verfallen.

Man war geneigt diese traurige Thatsache den Zeit­umständen beizumessen und den Mangel einer geeig­neten Aussicht zu bedauern. Jetzt aber verlautet, daß das Brechen der Mauer von dem Stadtvorstande und dem Herrn S t a d t sch u l t h e i ß c r e i - A d j u n c t e n angeordnet und dadurch der Verwüstung Eingang ver­schafft worden ist, was wir wünschten, bezweifeln zu dürfen.

Indem man alle, welche Theilnahme fühlen, auf die Thatsache aufmerksam macht, wird zugleich der Wunsch ausgesprochen, daß von Seiten der Behörden dem Unfuge nicht nur gebührender Einhalt gemacht, und geschützt werde, was noch zu schützen ist, sondern auch daß die Verhältnisse so weit möglich, wieder herge- stellt werden, damit die Bethciligten ihre Maßregeln nehmen können.

Wiesbaden, 17. Juusi Heute Vormittag 11 Uhr ist endlich unsere Artillerie wieder aus Baden hier eiu- gerückt. Sie wurde auf der Bicbrkcher Chaussee von der Bürgerwehr mit klingendem Spiele empfangen und unter dem Zudrang einer außerordentlichen Men- schcnmasse nach ihrer Kaserne geleitet.

Unsere Truppen sehen gut aus. Es scheint sic ein kriegerischer Geist zu beleben.

Möchten sie recht bald Gelegenheit haben, ihre Ta­pferkeit an den russischen Horden zu erproben.

Möchten sie aber nie wieder in den Fall kommen, einem deutschen Brudervolke feindlich gegenüber zu stehen.

Der Rest unserer Truppen, noch 3 Bataillone In­fanterie, wird morgen ebenfalls cintreffen. Dann haben wir die Freude, nicht nur alle unsere Söhne und Brüder wieder unter uns zu sehen, sondern auch die grade in der jetzigen Zeit so drückenden, ungeheuren Summen für Kriegskosten nicht weiter zwecklos ver­geuden zu müssen.

Wallmerod. In Nro. 95 der freien Zeitung wirb mit vollem Rechte ein Mißstand bezüglich der Beam- tcnbesoldungeii gerügt. Diesem Mißstände steht aber ein noch größerer und bedeutungsvollerer zur Seite. Dieser ist das Gratificationswesen. Unter dem gestürzten mit unzähligen Mängeln behafteten Systeme das jedem Fortschritt abgeneigt, dessen höchster Grundsatz militärische Subordination war, kam es nicht selten vor, daß für vermeintliche Verdienste Gratifikationen, Remunerationen, oder wie die Lockspeisen alle heißen mögen, ertheilt wurden.

Ist es denn nicht die heiligste Pflicht jedes Beam­ten, seine ganze Thätigkeit dem Berufe zu widmen und innerhalb desselben in der Ausdehnung zu wirken, als es seine Kräfte immerhin erlauben? Wozu also noch besondere Belohnungen? Einsender dieses kann keinen

Jäger Stevans und sein Hund Poppy.

Eine wunderbare, traurige Geschichte.

Von Friedr. G erst â <ker,

Win schöner, schwarzer Neufundland-Hund, dem Advocate» Floyd von Holmsirth gehörig, ertränkte sich, nachdem er einige Lage vorher eine ungewöhnliche Trau­rigkeit gezeigt hatte, in dem Flusse, der dicht hinter der Wohnung seines Herrn vorbei fließt. Man sah, wie er sich ins Wasser stürzte und unterznsinkcn strebte, indem er sich ganz still verhielt. Er wurde herausgezogen und für kurze Zeit an die Kette gelegt, kaum aber war er losgebunden, als er auch schon seinen Versuch erneuerte und nach mehrer» Wiederholungen, die seine Kräfte er­schöpften, gelang es ihm endlich, indem er seinen Kopf entschlossen einige Minuten unter Wasser hielt, seinen Vorsatz auszuführcil. Als man ihn wieder ans Ufer brachte war er todt.

Fast in jedem Journale stand vor noch nicht so langer Zeit die vorhergehende Anekdote von dem wnnker- baren Selbstmord eines Hundes, und wenn sie auch von fielen bezweifelt wurde, so läßt sich die Thatsache doch leider nicht ableugnen. Wie aber das arme Thier zu

Verzweiflung getrieben wurde, der in oei .vegel sonst nur bei civilisirten Menschen vorkommt, ist eine nur Wenigen bekannte rührende Geschichte, die ich hier mittheilen will.

Erstes Kapitel.

Die Hütte.

Weit, weit im fernen Westen, dort wo der Mis- sonri feine trüben Fluchen dem mächtigenVater der Wasser", dem Mississippi zuwälzt, am Fuße der fichlen- gekrönteu Hügel, die das niedere fruchtbare Thailand einschließen, steht ein unscheinbares Hüttchen, aus rohen Stämmen errichtet und mit gespaltenen Brettern bedeckt.

Nur selten geschieht es aber, daß menschliches Auge cv gewahrt, oder menschlicher Fuß den Eigenthümer ausgenommen cs betritt, denn tief im Walde drin liegt es, rings von dem mächtigen llrwald umschlossen, und ein kleiner, kaum erkennbarer Fußpfad ist das ein­zige, was es »och mit der übrigen Welt verbindet.

Es ist eine wild romantische Gegend und der Mensch wie das wilde Thier fanden dort, nicht weit von ein­ander entfernt, ihr Lager, da sich ein einzelner Jäger hier angcsiedclt hatte, um so leichter die Jagd zu betreiben und nicht durch die langweiligen Gesichter seiner klleben- menschen gestört zu werden.

Die Hütte selbst ist aber wohl, ehe wir zu den Bewohnern derselben übergehen, einer kurzen Beschrei­bung werth, da durch eine gar'eigene, sonderbare Laune ihr Inneres auf die seltsamste Weise anssiassirt war. ~fl ^'un den unbehauenen Stämmen eingeschlossenc Raum mochte etwa vierzehn Fuß im Quadrat halten, wenig aber war von dem rauhen Holze inwendig zu sehen, denn mächtige Büffelhäute hingen überall von den Wän­

den herunter und den Fußboden bedeckten große, dicht­haarige Bärenfelle. Die Hälfte der einen Seite nahm ein tiefes, mit Lehm beworfenes Gamin ein, in dem cm munteres Feuer loderte; diesem gegenüber befand sich ein etivas erhöhtes Lager von aufeinander gelegten Wild­häuten , und zu bereit Füßen wieder ein kleines Bett, auf dem einige âbgcnagte Knochen den Ruheplatz des Hundes verriethen. Ueber dem niederen Eingänge lag, auf zwei mit hölzernen Zapfen befestigten Klammern, eine lange gezogene Büchse und hinter der Thüre hing die Kugeltasche mit dem Pulver Horn, in deren breitem Vebergurt vorne ein kleines Scalpirmesser, hinten eine Ahle stak.

Das einzige Hausgeräth war ein roh gezimmerter Ti;ch, der blos die Spuren der Art trug, ein eben w» chcr Stuhl, mit Bärenfell überspannt, ein auf eine gar künstliche Art an der Wand angebrachte».' Brett, bav cinen hölzernen Teller, einen kleine» eisemen Kessel und einen Blechbecher enthielt, und ein Stuck eines bolücn Baumstammes, das mit geschaltem Ma-o gefüllt in der Geh' stand Rock prangte über dem Kamme eine Har nunc und mehre leere, aus Hirschhäuten gefertigte Swlänrbe hingen an Querhölzern von den Balken, die sich über die Stube hinzogen, herunter. Wer waren aber die Bewohner dieser eigenthümlichen Wohnung? Das wollen wir im nächsten Kapitel untersuchen.

(Fortsetzung folgt.)