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sondern nimm den neuen Kampf muthig auf, um dar- Zuthun, daß die erlangten Rechte nur über deinen Lei­chen zmückgcnommcn oder geschmälert werden dürfen. Euch aber, Ihr Berliner, die Ihr den Manen der Helden erst vor Kurzem eine neue glorreiche Huldigung an den Grabstätten dargebracht habt, Euch bitten wir inständigst, die mit unserem Blute errungenen Freihei­ten zu überwachen, nur mit Eurem und mit unserem Blute können sie uns entzogen werden; wir setzen Euch als Schutz und Schirm darüber und sind nur Eures Rufes gewärtig, um gemeinschaftlich mit Euch einen neuen Kampf für die Freiheit, die volle, wahre Frei­heit zu kämpfen. Glaubet nicht den einzelnen, schlecht unterrichteten Stimmen aus der Provinz, welche Euch schmähen; sie kommen nicht aus freiem Willen, son­dern sind mit List und Geld erkauft oder gestohlen; wir stehen Euch bei und vergessen nicht die Dankbar­keit, die wir Euch schulden, wie sie leider selbst von den Ausgewâhlten des Volks vergessen wird.

Italien.

Mailand, 11. Juni. Diesen Morgen erhieit man die ofsieielle Nachricht der Wegnahme der Höhen von Rivoli durch die Piemontesen, nach einer kurzen Ge­genwehr der Oestreicher. Diese wichtige Stellung be­herrscht die Straße von Tyrol, und öffnet einen guten Ilebergang über die Etsch, um Verona im Rücken zu fassen. Die österreichischen Truppen sind sehr demora- lisirt und unter den höheren Offizieren herrscht Zwie­tracht. (Bas. 3 )

Mailand, 12 Juni. (Fr. I.) Aus den gestern - bier erschienen Bulletins werden Sie ersehen, daß die italienische combinirte Armee unter Karl Albert sich abermals einer der wichtigsten strategischen Stellungen bemächtigt hat, nämlich der Höhen von Rivoli; diese Anhöhen dominiren die Straße, welche von Venedig nach Tyrol führt, und dies dürfte den Rückzug Radetz- kp's auf diesem Wege ziemlich erschweren, und wohl den Satz umwenden, als hätte Radetzky dem Karl Al­bert den Rückzug abgeschnitten, wie kürzlich dieAugs­burger Allgemeinen Ztg." auführte. Ich wüßte wirk­lich nicht, wie Radetzky, der, nach der Schlacht bei Goito (29. und 30. Mai), die so fatal für ihn aus- fiel, nun bei Legnago steht (im Zweifel, ob er nach Verona wird ziehen können), den Weg von Peschicra nach Turin unterbrechen wollte. Radetzky scheint mehr auf seinen Eigenwillen, als auf die Kraft seiner Trup­pen zu rechnen.

Botzen, 11. Juni. Heute langte kein Postwagen von Verona hier an; nur Briefe kamen, die man auf Umwegen über die Höhe des Gebirges brachte. Die Straße soll wegen der anhaltenden hitzigen Gefechte "bei Rivoli und Dolce gesperrt sein. Man behauptet, die Piemontesen hätten mit Ucbermacht sich auf unsern verhältnißmâßig schwachen rechten Flügel geworfen, und sich unserer Verbindungslinie zwischen Tyrol und Ve­rona bemächtigt. Lcuige schon fürchtete man von daher Gefahr. Wird cs gehen, wie mit Peschiera? (A. Z.)

Vom Brenner, 12. Juni. Rivoli ist für den Augenblick von den Piemontesen besetzt. Oberst Zobel zog sich, von fünffacher Ucbennacht angegriffen, zurück, und überließ cs dem Feinde. Dadurch ist die Commu- nication auf dieser Straße unterbrochen. Unsere Mi­litärs sind der Meinung, daß, wenn die Operation auf Vicenza gelungen fei, diese Vorrückung nach Rivoli von keiner großen, noch weniger entscheidenden Bedeu­tung sein könne. Das Uebel aber ist immer, daß Ra- dttzky mit fiiinn halb so starken Corps zu operiren hat, da er überall Besatzungen zurücklassen muß, um

sich Lebensmittel und Commuuicatiou zu sichern. Die Piemontesen haben ganz Italien, wir möchten sagen, selbst Trient für sich; sie erhalten täglich Verstarke- rungen aus allen Theilen der Halbinsel, während man diesseits kein Land der Monarchie von Truppen ent­blößen, noch mit Lieferungen in Anspruch nehmen kann. Man führt einen Krieg ohne Mittel, und hat auf nichts zu rechnen, als auf die Tapferkeit der Truppen, die freilich überall einer gegen zwei stehen! (A. Z.) Taruopol, 6. Juni. Für den 31. Mai war eine zweite Empörung der Bojaren gegen ihren Fürsten be­stimmt, doch dann sollte auch das Landvolk mitzichen. Daß die Moldau Grund habe zur Unzufriedenheit mit dem fetzigen Fürsten wird allgemein behauptet, da jedes Amt erkauft werden mußte; so hat der Erzbischof von Jassy seine Stelle um bloß 60,000 Ducaten gekauft rc.

Königreich beider Sicilien.

Neapel, 27. Mai. Unsere Stadt ist fortwährend in Belagerungszustand. Alle Provinzen sind unter Waffen. Die Calabresen vereinigen sich mit Sicilie». Die Festung Reggio ist genommen und 4000 Soldaten find zum Volke übergegangen. Das DampfeootVe- suvio" ist von den Calabresen genommen und bewaff­net. Vorgestern begann der Sturm auf die Cita­delle von Mesfina. Ueber 3000 Calabresen sind zum Lvsschlagcu bereit. Den König wurde des Thrones verlustig erklärt. Die französische Flotte segelt im Golf von Neapel umher, und vier Fregatten befinden sich im Hafen mit ihren Breitseiten nach dem Pattaste des Königs gerichtet. Ein großer Tag wird vorbereitet.

bO. Z.)

Fr a n k r e ich.

Straßburg, 13. Juni. Die Zahl der Fremden, welche während treu Feiertage bei uns weilten, war seit Jahren nicht mehr so bedeutend; besonders starken Besuch hatten wir aus dem Badischen, wo viele Fa­milien ihre Angehörigen, die als Flücht!. uge hier sich aufhalten, mit ihrer Gegenwart erfreuten. Was wie über die im Innern von Frankreich wohnenden deutschen Verbannten hören, ist betrübend. Die Leute sollen mit bitterer Noth zu kämpfen haben. Die Mittel, welche dem hiesigen Unterstützungs-Verein geboten, sind sehr schwach und auch aus Deutschland kommt wenig Hülfe.

Straßburg, 14. Juni. Während allgemein bekannt war, daß gegen LouiS Napoleon Bonaparte ein Ver- haftsbefchl erlassen war, hat uns heute der Telegraph die unerwartete Nachricht gebracht, daß die Ausnahme desselben in die Nationalversammmlung gestern decrctirt und somit jede gerichtliche Verfolgung gegen ihn aufge­hoben ward. Die näheren Details dieser plötzlichen Aenderung, so wie die Verhandlungen in der Kammer über diese Angelegenheit können wir erst morgen er­fahren. (Fr. I.)

Paris, 13. Juni. Kaum hatte ich meinen gestri­gen Brief zur Post gegeben, als mich der seit der Re­volution schon so oft gehörte Trommelschlag unter die Waffen rief, die ergreifen zu müssen, Jeder in diesen Tagen voraussah. Eine außerordentlich große Men­schenmenge war zur Zeit der Eröffnung der National- Versammlung vor dem Palais derselben versammelt ge­wesen, was man der Neugier zuschrieb, den neu er­wählten Louis Napoleon zu sehen, der, so hieß es, sich in die Kammer begeben würde. Gegen 1 Uhr indeß wurde die Menschenmenge immer größer; die Quais, die Brücke und der Platz de la Concorde fingen an, sich sehr bedeutend zu füllen; man sprach von verschie­denen Zügen, welche sich unter dem Rufe: Es lebe

Napoleon! nach der National-Versammlung begeben wollten.

Diese Demonstrationen und die Kunde, welche man schon am Morgen von der Polizei-Präfectur erhalten zu haben scheint, daß ein Streich gegen die National- Versammlung unter dem Vorwande Napoleon nicht unmöglich wäre, hatte die Zusammenbernfung der Na- tionalgarde, so wie der Linie und Cavallerie veranlaßt. Letztere hatten damit begonnen, unter Anführung des Generals Negrier, dem Cavaignac zu Fuß folgte, die Quais und die Brücke, welche von dem Platze de la Concorde nach der Kammer führte, von den daselbst ^bsiadlichen Volkshanfen zu reinigen, welche in ihrem Geschrei Napoleon und Barbös auf das brüderlichste vereinten. Inzwischen war die Nationalgarde des ersten und zweiten Arrondissements auf dem Platze angclangt, nachdem einige Compagnie» derselben, worunter auch die meinige, mit zahlreichen Haufen, welche an der Ecke der Rue Olivo Io und tot. Florentin versammelt waren, in ein sehr heftiges Wortgcmenge wegen des von letz- hic» ausgeiufentn vivo Napoleon gerathen waren, bas bald darauf zu einein unsanften Handgemenge wer­den sollte. Denn kaum war die N^ionalgarbe auf dem Platze de la Concorde versammelt, so trat ihr General- Clement Thomas an ihre Spitze und begann mit Sturm­schritt auf die Haufen einzuschreitcu.

Bei dieser Gelegenheit fiel ein Schuß, und trotz so vieler Zeugen war es nicht möglich, ist es heute noch nicht möglich zu erfahren, was Wahres an den da­rüber verbreiteten Gerüchten ist. Larmartine hat von drei Schüssen gesprochen, während ich an Ort und Stelle nur von einer in der Tasche eines National­gardisten losgegangenen Pistole gehört habe, eine Version, der ich deßhalb bcizutrëten geneigt bin, weil ich von keiner Arrestation in Folge'dieses Attentats gehört habe. Jin klebrigen aber hat Man bei den ver- schiedenen Chargen, tue alle Truppengattungen gegen die aufgewiegelte Masse ausübten, eine gewaltige An-' zahl von Gefangenen gemacht, wobei es, wie immer in Paris inmitten der ernsthaftesten Ereignisse, an Hei­deren scenen nicht fehlte. Wir blieben bis halb 1 Uhr des Morgens unter den Waffen. ' (K. Z.)

Großbritannien.

London, 13. Juni. Die neue Reform findet in allen großen Städten zwar keine begeisterte Theilnahme, aber doch ziemlich allgemeine Zustimmung. In einer Versammlung, welche gestern im West-Ende gehalten ward, sagte Hr. Georne:Ich glaube, es ist in die- fem Raume Niemand, der sich nicht als Conflabler hat beeidigen lassen, um den Frieden der Hauptstadt zu be­schützen. Unsere Loyalität kann daher nicht bezweifelt werden. Aber möge die Regierung sich Glicht tänscheiw Unsere Loyalität zeigt sich nicht darin, daß wir alte Mißbräuche fortbestehen lassen, sondern darin, daß wir sie zu entfernen suchen.

Wir wollen nicht gegen die Armen marschiren, sondern Maßregeln befördern, welche ihre Anhänglichkeit an den Thron und an die Verfassung befestigen könnten. Man kann ihnen die Verfassung werth machen, wenn man sic am Staate Theil nehmen läßt. Die Regie­rung sieht auf dem Festlande, was daraus entsteht, wenn man sich gegen Reformen, besonders gegen die Reform des Wahlgesetzes sträubt, sobald sie von dem denkenden Theile des Volkes verlangt werden. Möge sie sich warnen lassen! Ich wünsche keine großen Zu­ckungen; aber wenn die Regierung die gerechten For­derungen des Volkes verweigert, so muß das Ergebniß eine große Revolution sein." (Hört! Hört!)

Bekanntmachungen.

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Von Vf tri Äeyenrfecfter.

(714) Auf das Inserat in derFr/ Zeitung" No. 100 vom 9. b. M. habe ich sofort gegen Salomon Bernstein und Hirsch V öto von Selters und Mogendorf bei dem Herzogl. und Fürstl. Amt Selters eine Werläumdungs- anzeige ciureichen lassen; das Resultat der Untersuchung werde ich hier veröffentlichen, und bitte bis dahin das »verehrliche Lesepublikum, ein jegliches Urtheil über diese freche, schamlose Verleumdung zu suspendiren.

Nassau-Diez, den 14. Juni 1848.

Dr. Wormser, Rabbiner.

Gutes Flaschen- 87 Schoppen-

Bier ist zu haben bei

Heinrich Engels (715) Wirth am Kranz.

Äirrhweih-âst jn Frauenstein.

(710) Zu dem hiesigen Kirchweihfeste, welches nächsten Sonntag und Montag den 18. 19., und Sonntag den 25. Juni stattfindet, ladet der Unter­zeichnete seine verehrten Gönner und Freunde höflichst ein.

Gute selbstgezogene Weine werden daselbst verabreicht und ist auch für gute Speisen und reelle Bedienung bestens gesorgt.

A. Unkelbach

Gastwirth zur Linde.

(713) Der Herr, welcher am 2ten Pfingst- feiertage, Abends, vor dem Hause der Ritter- schen Buchhandlung eine Kappe, welche vom Fenster herunlergefallen war, aufgehoben hat, wird ersucht, dieselbe in der Expedition b. Bl. abzugeben.

fL 10,000, 10,000, 8,000, 1,300, 6-700,

werden aus hinlängliche gerichtliche Sicherheit in leihen gesucht durch das Geschäfts-Bureau von Carl Leyendecker.

Literarische Auzeige. ww (707) Von nachstehendem Werke liegt das lte ; Heft (Titel, Vorwort und Bogen 1 4 deS 1 ten Bandes) in den Buchhandlungen von H. Fischer S» H. W. Ritter zur Einsicht offen:

Die Gegenwart.

Eine encyklopädische Darstellung der neue­sten Zeitgeschichte sür alle Stände.

Ein Supplement

zu allen Ausgaben des Con versations - Lexikon,

sowie eine neue Folge d.s ConversationS'-UoXilion der Gegenwart.

DieGegenwart" schließt sich in Druck und Format der neunten Auflage deSCoN' versations-Lexikon" an, und elscheint in Hef­ten von vier Bogen, von denen zwölf einen Band bilden. Der Preis eines Heftes beträgt 5 Rgr. = 18 Kr. Ah. = 15 Kr. C. M. Jeden Rtonat sollen, je nachdem der Stoff es erheischt, zwei bis drei Hefte geliefert werden. Leipzig, im Mai 1848.

!<. A. SZmcliliatis»

In Abwesenheit des Dr. Möller verantwortlicher Redacteur : Heinrich Fischer. Verlag v. H. Fischer u. @. Ritter. Druck dir C. Ritter'schen Buchdruckerei.