Pension; damit glaubt es diese Männer gewonnen zu haben.
Beabsichtigte die Regierung von Baiern nicht, auf das Parlament einzuwirken, so war es ebensowohl eine Entschädigung an Wirth, Sieben Pfeiffer'- Erberrc/ schuldig. — Aber nein! es gibt sie nur denen, die im Parlamentssitzen und macht sich dadurch selbst verdächtig; cs verdächtigt aber auch diese Männer, deren Entschädigungs-Ansprüche wohl begründet sind. Die diesen gewährte Ausnahme und die Art der Zahlung lassen den Akt der Gerechtigkeit nur als einen Gnaden- Akt oder als einen Bestechungs-Versuch missen.
Steuer für Lehrlinge und Gesellen, wo sie solche in der Mitte des Jahres wegschickcn, gleichmäßige Besteuerung der Handwerksmeister auf dein Lande mit denen in der Stadt, Errichtung. eines Büreaus für Arbeitsnachweise, Verjährung der Forderungen der Handwerker für Hand, werkscrzeugnissc in Jahresfrist, damit ihreAusstände sicherer tingehen, Verbote der Vergebung der öffentlichen Arbeiten an den Wenigstnehmenden, Einführung der Submission, Aufnahme der Etats und Revision der Arbeit durch ein Geschworenengericht der Handwerker, Vergebung der Arbeiten schon im Monat Januar jeden Jahres, aber nicht an Hauptaccordanten, sondern an die einzelnen Handwerker direkt, Aushebung des Handels der Direktionen der Strafanstalten mit Handwerkserzeugnissen, welche inländische Handwerker fertigen, ebenso der in- und ausländischen Kaufleute, Einführung des Lohschälens für die inländischen Gerbereien und Besteuerung Luxemburger Gerbereibesißer, weil sonst die inländischen Gerbereien ihrem Ruine entgegengehen. Dieses waren die Hauptbeschwerden, welche die Handwerker geltend machten. Der Geist der Versammlung war dem Ernst der Sache angemessen, und es traten mehrere Hand- weicker als Redner auf, die den Beweis lieferten, daß dieser Stand einer geistigen Erhebung würdig ist; sie fanden allgemeinen Beifall, demnächst wurde beschlossen, daß Prokurator Verflossen binnen 3 Tagen die Petition an den Landttag und das Parlament zu entwerfen und der Ausschuß des hiesigen Local-Vereins solche zu unterzeichnen habe, und sie dann sofort an den Ort ihrer Bestimmung abzusenden sei, dabei wurde eine anerkcunungs- wcrthe edle Gesinnung von allen Handwerkern an den Tag gelegt. Man war durchdrungen von den Leiden von Hunderten von Bergleuten, welche durch die Geldstockung und gehemmte Geldcirculation arm und verdienstlos geworden waren, und bat, in die Petition den besondern Antrag aufzunehmen, daß den Bergwerks- und Hüttenbesitzern sofort Vorschüsse auf ihre Besitzungen gemacht würden, damit diese unglücklichen Menschen wieder zu Verdienst kämen. Erhebend war die eindringliche Rede des Herrn Bauch von Montabaur. Diese Menschenliebe möge die Vereinsbestrebungen leiten, und wir können von den Local -Gewerbvereinen mit dem Centralverein ein Ersprießliches erwarten. Alle Handwerker, welche noch Materialien zur Petition einzureichen haben, wollen sie unter der Adresse des Procurator Verflossen hierher gelangen lassen. Die Handwerker ersuchen alle Menschenfreunde und Freunde der Freiheit, des Rechts und der Ordnung, dieses edle Unternehmen kräftigst zu unterstützen, denn es hängt dieses eng mit der allgemeinen Staatswohlfahrt und der Verwirklichung des höchsten Staatszweckes zusammen.
Aus dem Rheingau. Allerwarts sieht man Anstalten treffen, das bevorstehende'Frohnleichnamsfest mit Böller- und Flintcnsalven und türkischer Musik feierlichst zu begehen zur Erhöhung (?) der Andacht und Beseitigung der der katholischen Religion drohenden Gefahr, welche indessen außer den Geistlichen, welche ihre Person, Pfründen und Anmaßungen und die Religion identificiren, Niemanden im Lande erkennbar ist. Aber von der Newa droht, wenn auch nicht der Religion als solcher, doch Denen, welche sich zu einer andern als der griechischen Kirche bekennen, augenscheinlich die größte Gefahr. Wessen wir uns hier von dem Czar zu versehen haben, darüber lassen die Vorgänge in Polen und den russischen Ostseeprovinzen nicht den geringsten Zweifel, und schon ist unsere Ostseeküste von einer russ. Flotte bedroht; nur eine deutsche Flotte vermag die Gefahr abzuwenden. Hier, ihr Geistlichen, ist eine Gelegenheit, zu zeigen, ob Euch die deutsche Sache und die Religion heilig sind! Legt die Beträge, die Ihr selbst und die Eure Pfarrkinder zur Beschaffung von Musik und Pulver für das Frohnleichnamsfest bestimmt haben, in die Hände des Marineausschnsses zu Frankfurt a. M. nieder; die deutsche Nation wird Euch dafür Dank wissen; und Euer stilles Gebet am Frohnleichnamsfest wird dort oben nicht weniger Erhörung finden, als ein mit Musik rc. begleitetes. —
Holler, Amts Montabaur, 12. Juni. Nach §. 8 des Verordnungsblattes Nr. 6 über Errichtung der Natioualgarde sollen als unwürdig zum Eintritt in dieselbe Diejenigen ausgeschlossen bleiben, welche keinen guten Leumund haben. Wir fragen an, ob nach dem Geiste dieser Verordnung ein Mann zum Hauptmanne konnte gewählt werden, der seines Dienstes als Schultheiß in Folge einer Untersuchung entlassen wurde und der sich augenblicklich noch eines peinlichen Vergehens wegen in Criminaluntersuchung befindet? Der Aepfel- Wein scheint bei den Wahlen unserer Hauptleute eine Hauptrolle zu spielen, wie das sich namentlich hier gezeigt hat.
Holzappel, 14. Juni. Die Anficht: „Deutschland muß eine Flotte besitzen" findet in allen Ländern und Staaten des noch zersplitterten Deutschlands Wiederhall und Anklang; Viele, die geben können, tragen zum Bau derselben bei, und Viele, die viel dazu beitragen könnten, aber noch nicht wollen, müssen zu diesem großen und schönen Nationalwerk ermuntert und ange- tneben werden. Auch die Sängervereine rühren sich, Geld herbeizusingen , um Deutschlands Ansehen und Macht, besonders nach Norden hin, geltend zu machen. Der Sängerverein in dem Städtchen Holzappel will auch sein Scherflein dazu beitragen, zu welchem Zwecke derselbe am 13. d. M. ein Gesangfest im Freien veranstaltete, das alle Herbeigekommenen befriedigte und Heiterkeit und Frohsinn verbreitete, selbst in einer wir
Deutschland
Limburg, 4. Juni. Heute hatten sich in der Ab- sicht, einen Central-Verein für Hebung des Handwerkerstandes zu stiften und Beschwerde-Material zu einer Petition an den Landtag und die constituirende National -Versammlung in Frankfurt a. M. zu sammeln zahlreiche Deputirten hier kingefunden, und es waren namentlich vertreten:
1) Hachenburg, durch Herrn Christian Adolph. | 2) Ems, durch Herrn Tapezierer Bach u. s. W. 3) Wiesbaden, durch verschiedene Deputirten. 4) Nieder- ; kühnstem, 5) Idstein, 6) Laugenschwalbach, durch Herrn Franz Gruber. 7) Höchst, durch Herrn Victor Bren- . ner u. s. w. 8) Oberursel durch Herrn Adam Kreuz- Inig u. s. W. 9) Holzappel, durch Herrn Karl Haßmann u. s. W. 10) Dillenburg, 11) Montabaur, durch Herrn Kaufmann Flügel u. s. W. 12) Königstein, durch Herrn Martin Hecs u. s. W. 13) Bieberich, ; durch Herrn Bäckermeister I. Leonhard. 14) Camberg, durch Herrn Theodor Schlier. 15) Kronberg, durch Herrn Andreas Kunz. 16) Haigcr, durch Herrn Jakob-Fischbach. 17) Runkel, durch Herrn Wilh. Wilhelmi, Schlosser u. s. w. 18) Meudt, durch Herrn Matthias Reuter, Schreiner. 19) Nassau, durch Herrn Chr. Kreusler. 20) Diez, durch Herrn Georg Phil. Balzer. 21) Braubach, durch Herrn I. P. W. Heiler von da n. s. w. 22) Oberlahnstein, durch Herrn Schiffer Geil und noch.andere Deputirten, deren Rainen wegen der Kürze der Zeit nicht ausgezeichnet : werden konnten. Nach Ernennung eines Vorsitzenden und Schriftführers wurde der Central-Verein für er- ; richtet erklärt und der Vorstand des hiesigen Local- Gewcrb-Bercins mit dem Entwurf der Statuten beauftragt. Derselbe als.Ausschuß des Centralvereins erwählt mit dem Bemerken noch 20 andere Mitglieder, i um demnächst den Vorsitzenden, Schriftführer und Kassirer aus ihrer Mitte zu wählen. ' Die Statuten sollen dem Druck übergeben und so an die einzelnen Localvereine abgescndet werden, demnächst schritt man zur Prüfung der Beschwerden des Handwerkerstandes, welche Verhandlung Prccurator Verflasscn unter dem Vorsitz des Hrn. Chr. Brückmann leitete.
Man fand die Mittel zur geistigen Erhebung dieses Standes, in der Verbesserung der Lage der Volksschul- lehrer, dem Einführen von Real- und Abendschulen, Turn- und Lesevereinen, dem Rechte der freien Presse und Rede, Stiftung einer Gewerbzeitung, volksthüm- lscherer Justizpflege, Anstellung eines unabhängigen Richter- und Advèkatenstandes, als einsichtsvolle Führer dieses Standes nicht allein im Rechtsverkehr, sondern auch im politischen Leben.
Zur Verbesserung der materiellen Lage des Handwerkerstandes verlangte man im Allgemeinen:
Aufhebung des Accises und der Bannrechte, stärkere Besteuerung der Branntweinbrennereien, ein Gesetz zur Unterdrückung des Frucht- und Procentwuchers, Einführung der Kapitalsteuer, Anlage von Holzmagazinen in jeder Gemeinde, Vertretung der Handwerker bei den höchsten Staatsgewalten, durch Einführung eines Arbcitsministeriums, Revision des Gesetzes über Hei- rathserlaubniß, strengere Controle, Verbot der Klassen- lottericn und Aufhebung der inländischen Spielbanken, Aufnahme der Arbeitsscheuen und Trunkenbolde in ein Arbeitshaus, Errichtung einer Landeshypothekenbank niit Filialbanktu für jedes Amt und Emission von 2 Millionen Papiergeld mit Verwerfung des Entwurfs Vf .Herrn Franz Bertram wegen einer Leih- und Hülfsbauk, weil er den Bedürfnissen der Handwerker nicht entspreche, Einführung einer zeitgemäßen Gewerbeordnung, mit der Bestimmung, daß der Lehrling nach der gehörigen Aufdingung eine 3jährige Lehrzeit, dann eine Gesellenprüfung, 3jährige Wanderzeit und demnächst ein Meisterstück vor einem gcschworncn Gericht, aus den Meistern des Localgewerbvereins zu bestehen habe, daß eine Bürgeraufnahme, nur dann erfolge, wenn ein Handwerker geprüfter Meister, daß die häusliche Niederlassung nur mit dem 26. Lebensjahr zu gestatten sei, daß nur so viel Meister an einem Orte angenommen werden könnten, als sie ein genügsames Auskommen
hätten, daß kein Gewerbe durch Gesellen betrieben wer- ; den dürfe, daß nur der Meister und, nach seinem Ableben, dessen Wittwe dieses Recht habe, daß alles Hau- siren der Inn- und Ausländer und alle Pfuscherei zu verbieten sei, daß nur Ein Meister Ein Gewerbe treiben dürfe, daß ein Markt,gcld für ausländische Concur- renten auf inländischen Jahrmärkten festzuseßen und Verloosung der Marktstände jedesmal vorzunehmen sei, daß Meister, Gesellen und Lehrlinge die Abendschulen zu besuchen hätten, Errichtung einer Kasse für arbeitsunfähige Handwerker, deren Wittwen und Kinder (Sparkasse), Befreiung der Handwerker von Zahlung der
ren Zeit, die wie ein schweres Alpdrücken auf den Herzen der deutschen Brüder liegt.
Die gesammelten freiwilligen Spend en, wenn auch nicht groß und bedeutend zu nennen, werden demnächst an den Ort ihrer Bestimmung eingesendet werden. Mögen alle deutsche Sängervereine dasselbe thun ! —
Friedberg, 12. Juni. Unser gestriges Pfingstfest ist leider nicht ohne Erceß vorübergegangen. Abends zogen einzelne Haufen von Soldaten, die. wohl etwas über die Gebühr getrunken haben mochten, schreiend und lärmend durch die Stadt und machten drohende Aeußerungen, die Alles befürchten ließen; man schien nur ei- i neu Gegenstand zu suchen, um anknüpfcu zu können. ! Wirklich verbreitete sich nach 8 Uhr deS Abends die ; Nachricht, daß auf der Seewiese einige junge Leute von den Soldaten zusammengehauen worden waren. Auf I den Ruf „Bürger heraus", eilte Alles auf die Straße, die bereits von den zurückkehrenden Soldaten schreiend und brüllend mit geschwungenen Säbeln massenhaft durchzogen wurde. Den herbeigeeilten Offizieren, die hier im Allgemeinen von den Bürgern wie vom Militär sehr geachtet sind, wollte cs nicht gelingen, die Soldaten zu zerstreuen, resp, nach Hause'zu bringen; erst spät konnte die Ruhe durch Patrouilliren von Militär uud Bürgerwehr wieder hcrgcstellt werden. Als Veranlassung dieses leidigen Vorfalles erzählt man sich Folgendes: Ein junger Mann brachte einen Toast auf den Erbgroßherzog aus, worin er unter Anderm sagte, die Franzosen seien keine Feinde von uns, woraus ein junger Eorporal „Republik" heraus bringen zu müssen glaubte und die Soldaten gegen den Sprecher, als einen Republikaner, aufhetzte, der dann auch sofort durch die Soldaten vom Tische heruntergeriffen und aufs Schändlichste maltraitirt und, obgleich nur leicht, verwundet wurde. Hierüber empört, springt ein Zweiter zu, um Jenen zu schützen, erhält aber von einem Fourier einen scharfen Hieb über den Kopf, der ihn augenblicklich zu Boden streckte, und außerdem von demselben Fourier noch einen Stich in den Rücken. Allgemein ausgefallen ist es, daß der Fourier heute sich schon wieder auf freiem Fuße befindet; indessen hoffen wir, auf^ n^uten Sinn des Majors vertrauend, daß dieser die Sache genau untersuchen und die Ueberführten streng bestrafen läßt, damit nicht etwa die Mainzer Ereignisse auch hier i heraufbeschworen werden. (Fr. I.)
Berlin, 13. Juni. (Der Wahrheit die Ehre!) ; Der Abgeordnete Krackrügge hat in dem Deutschen Stadt- und Landboten folgenden Aufsatz veröffentlicht: Das Volk von Berlin und seine Revolution sind, wie in vielen Provinzen, so auch in der Provinz Sachsen, Erfurt nicht ausgeschlossen, verkannt und verdächtigt worden: man hat das Volk „Anfwiegler", seinen Kampf I vom 18. zum 19. März eine „ Emeute" genannt. — Das ist eine schwere Versündigung an der Revolution und ihrem Erkämpfer, dem Volke von Berlin. Ich muß zu meiner Beschämung bekennen, daß ich selbst mit einer üblen Meinung von den Barricaden, von ihren Erbauern und ihren Vertheidigern, von den spätern Demonstrationen und den Führern des Berliner Volkes und seines Sieges hierher gekommen bin. Ich habe mich geirrt. Die Presse, die feile Presse, insbesondere die Vosfische Zeitung, hatten mich getäuscht. Ich fühle mich in meinem Gewissen gedrungen, mein Unrecht durch dieses öffentliche Bekenntniß zu büßen. Die Berliner Revolution ist eine heilige Revolution, das Berliner Volk ein hochherziges Volk. Davon habe ich seit dem 22. Mai nunmehr die festeste Ueberzeugung gewonnen. Es ist die volle Wahrheit, was der König am 28. März sagte: »DaS Berliner Volk hat sich so hochherzig gegen mich benommen, wie es sich vielleicht in keiner großen Stadt der Welt benehmen würde!" — Hochherzig benimmt es sich immerfort, gegen den König nicht allein, auch gegen das Vaterland und seine Freiheit, für die"es, wenn's Noth thut, wachsam ist und thätig. Es sind Ausschweifungen vorgekommen; aber es sind diese nur einzelnen Subjecten, nicht dem Volke und seinem Geiste beizMessen; cs waren nur die gewöhnlichen Erscheinungen und Folgen aller Revolutionen, es waren aber nicht so betrübende Ereesse, 'wie sie die das Volk von Berlin sündhaft schmähenden Provinzen durchziehen, welche die Freiheit von Berlin erst lernen müssen, wenn sie übechaupt sic lernen wollen! — Niemals war die Sicherheit der Person und des Eigenthums in Berlin, gehandhabt eben nur vom Geiste des Volkes, größer, als seit dem 19. März, niemals die Liste der Verbrecher kleiner. Ich bin seit dem 22. Mai ein genauer und unparteiischer Beobachter der Volksversammlungen, der Clubs und Demonstrationen gewesen; und bringe ich nun meine Wahrnehmungen aus dem Ganzen mit dem 19. März in Verbindung, so müßte ich nicht klar sehen können oder wollen, wenn ich die Revolution nicht anerkennte. Ich kann aber klar scheu und will es auch. Stelle ich nur zwei Momente, den des 22. März und des 4. Juni mit dem 19. März zusammen, dann schon erscheint die Revolution sanctionirt.
Die Ordnerschaft der Leichenfeier vom 22. Mär^ war die Regierung selbst, und an der Spitze der Leidtragenden war der König; — Das Revolutionsfest vom 4. Juni aber, ganz plötzlich und unvorbereitet hervor- gerufen und dennoch gefeiert von vierzigtausend freien Männern einer Stadt auf den Gräbern der Barrica- denhelden, mußte auch den verstocktesten Sünder an der Revolution und ihren Errungenschaften, wenn er nur ddnken konnte und wollte, zur Bewunderung Hinreißen