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Wahl des Prinzen v. Preußen in die preuß- Nechs- vrrsammlung und als Gegensatz hierzu die Wahl Heckers und Struve's in die Reichsversammlung nach Franr- furt" (SG)'-.)

Leipzig, 31. Mai. - Wir hatten gestern Abend am Vaterlandsverein eine förmliche auf. Anbahnung der Republik in die Gemüther der Mehrzahl des Volks berechnete Discussion. Sie ward hervorgerusen durch einen Antrag von Hrn. Theodor Oelkkers das Grund- qfffh abzuändern, für dee demokratische Republik sich zu erklären und nach ihrer Herbeiführung mit allen humanen Mitteln zu streben. Im Ganzen ließen sich 13 Redner vernehmen, welche sämmtlch im Prinzip für die Republik als die vernunftgcmäßeste Staatsform sprachen. Allein acht von den neun Ausschußmitglie­dern, welche sich an der Debatte betheiligten, sprachen sich als im Interesse des Ganzen und des Vereins liegend, dagegen aus, jetzt schon durch den Verein der Republik gewissermaßen officiell Vorschub zu leisten. Ebenso aus der Mitte der Versammlung Hr. Kohner. Auch der Präsident, Dr. Wuttke, that, mit besonderer Hinweisung auf seine doppelte Stellung als Präsident des hiesigen Zweigvercius, und als Präsident des lei­tenden Ausschusses aller Vereine, soweit seine Pflicht als Leiter der Versammlung dies zuließ, sein Mög­lichstes, um den Uebcrgang" zur Tagesordnung zu er­wirken. . Er erklärte, eine Abänderung des Grundge­setzes beschließen wollen, sei soviel als sich von sämmt­lichen übrigen Vereinen löslösen wollen. Gleichwohl sahen sich die Stimmzähler nach vorgepflogenem Mei­nungsaustausche über die Mehrzahl der nach einander von den beiden Parteien erhobenen Hände veranlaßt, - die Majorität der so zu nennenden republikanischen Par­tei zuzuerkennen. Der große Saal des Odeons war gedrängt voll. (D. A. Z.)

Provinz Sachsen- Folgende mit mehr als 1000 Unterschriften bedeckte Adresse an das Berliner Volk aus Magdeburg ist mir zugegangen, und mache ich die­selbe hierdurch bekannt. Berlin, 2. Juni 1848. Iu­lius Berends.

An das Berliner Volk. Im ganzen Vaterlande wurde längst der Drang gefühlt, die hemmenden Ver­hältnisse, deren Druck die besten Kräfte unserer Mit­bürger lähmte, aufzuheben. Ebenso lebendig fühlt es jeder Aufrichtige, Jeder, der sich nicht von verderblichen, nur im Geheimen schleichenden Einflüssen bestechen läßt, dass Euch, Ihr braven Berliner, Euch Vorkämpfer un­serer Freiheit, für Eure heldenmüthige Aufopferung in den Tagen des 18. und 19. März, deren moralisches Gewicht, wie man auch die persönlichen Leistungen be­urtheilen mag, dennoch fortwirken für alle Zukunft, der erste" Dank gebührt. Wir die Unterzeichneten, sind ganz und gar durchgrungen von dem Gefühle der Dank­barkeit, die wir Euch schulden, und beklagen nur, daß wir Euch diese nicht anders auszudrücken Gelegenheit haben, als durch Worte; möchten wir in den Fall kom­men, diese Worte durch die That dereinst bekräftigen zu können! Rechnet, wenn dieser Fall eintritt, fest auf uns; denn nicht die Scholle, die uns geboren werden ließ, der wir in unseren jetzigen Verhältnissen angehören, prägt die Gesinnung aus, sondern wo das preußische Herz schlägt, da lebt auch die Anerkennung, die Liebe für Euch, und feierlichst verwahren wir uns gegen alle die Regungen, die Euch unlautere Bestrebungen unter­schieben wollen. Fahret fort als Diejenigen, unter deren Augen das künftige Heil unserer Nation gegründet wird, fest zu beharren auf dem Wege der Freiheit, vertheidigt unerschrocken das Recht unseres Volkes und laßt Euch nicht befangen durch den Schrei der Aengstlichen, deren Herz nicht hoch genug schlägt, um zu begreifen, daß die jetzige Zeit, geht sie unbenutzt vorüber, nie wieder- kehrt, und daß das unglücklicheZu spät" als Fluch allen Denen entgegen gerufen wird, die heute von klein­lichen Rücksichten gefesselt sind. Wir haben es für hei­lige Pflicht gehalten, diese Adresse an Euch zu richten, um Euch zu zeigen, daß, welche entgegengesetzte Stimme auch von hier und hiesiger Umgegend aus gegen Euch laut geworden sind, dennoch hier viele Herzen schlagen, die vollkommen das erkennen, was Ihr gethan, den Bann zu brechen, der so lange unser Volk gefangen hielt. Nie werden wir Eure Thaten, nie Eure Aufopferung vergessen, und von Geschlecht zu Geschlecht wird eS der Vater seinen Kindern erzählen, was Ihr thatet, um uns die Luft der Freiheit, in der allein wir nur leben und gedeihen können, zu verschaffen. Unter uns wird Euer Gedächtniß nie verlöschen."

Magdeburg, 28. Mai 1848.

(Folgen die Unterschriften.)

Berlin, 4. Juni. Heute Nachmittag von 4 Uhr ab fand die große Kundgebung: die Gedächnißfeier zu Ehren der März-Helden, statt. Die Studentenschaft hatte, wie bekannt, diese Feier veranstaltet und eine wahrhaft großartige lebendige Theilnahme dafür gefun­den. Der Zug mochte an Größe den am Beerdigungs- tage der März-Helden (22. März) übertroffen haben: wohl 80,000 Menschen bildeten ihn; denn der Vorbei­marsch währte allein über zwei Stunden und über 200,000 Zuschauer hatten sich sicherlich eingefunden. Dabei herrschte eine musterhafte Ordnung, ohne daß sie irgendwie geboten worden wäre. Kein Gensd'arme, kein Policist, ja nicht einmal ein Bürgerwehrmann war zu deren Ausrechthaltung anwesend. Die dichten Massen, welche diesmal nicht unter dem ernsten, tief erschüttern- Elndruck so vieler Särge standen, benahmen sich durch- weg würdevoll. Der große Zug wurde von reitender Bnrgcrwehr eröffnet, der Handwerker-Verein, 200

Mann stark, folgte, alle Gewerke und Innungen schlo- scn sich an, ebenso alle Erd- und Eisen-Arbeiter.

Eine lebhafte Bewegung brachten diebrotlosen Arbeiter" hervor, welche sich eine Fahne mit dieser Auf­schrift vortragen ließen und ihre Kopfbedeckung mit Laub versehen hatten. Alle hier bestehenden Clubs und Vereine, vom constitutionellen bis zum demokratischen (auch der Potsdamer politische), waren erschienen; im Zuge des leßtern befanden sich Frauen, welche dem Ver­eine eine schwere seidene Fahne verehrt hatten. Die vereinigte Landwehr" ersten und zweiten Aufgebots War in Zügen, über 1000 Mann, vertreten und die Bürgerwehr aller Bezirke wie die fliegenden Corps zahlreich erschienen. Da der Zug ein friedlicher war, so trug Niemand Waffen. Mit lautem Jubel wurden die im Zuge anwesenden Mitglieder der National-Ver- sammlung, etwa 150 an der Zahl, begrüßt, es waren meist nur die, welche auf der Linken sitzen. Mit gleich freudigem Zuruf wurden auch die Studenten empfan­gen. Dem Hoch und Gruße der Männer einte sich vas Tücherwehen der Frauen. Auf der Höhe des Friedrichshains begann die Redefeier. Es war jedem Club und Vereine freigestellt, einen gehörig beglaubig­ten Redner aufzustellen, doch konnte dieser auch verzich­ten. Die Studenten und die Mitglieder der National- Versammlung hatten indeß die Verpflichtung zum Re­den übernommen. De Feier verlief ohne Störung und dauerte, wie sich voraussehen ließ, bis zum Abend; um 8 Uhr war sie noch nicht beendet. Die hiesige Stadt­verordneten-Versammlung (von welcher übrigens auch Mitglieder im Zuge waren) hat beschlossen, einen An­trag: die National-Versammlung um Ausarbeitung eines neuen Verfassungs-Entwurfs anzugehen, nicht zu ber ücksichtig en. Das Ergebniß der von der Stadt nach Selbstschätzung ausgeschriebenen Einkommensteuer ist nicht günstig ausgefallen. (K. Z.)

Hamburg, 3. Juni. Nach den heutigen Meldun- dungcn vom Kriegsschauplätze bestätigt sich die gestrige Mittheilung, daß in den letzten Tagen eine bedeutende Anzahl dänischer Gefangenen gemacht worden; die meistenAngaben schwanken zwischen 100 und 130 Mann ; wenn aber demHamburger Correspondenten" aus Schleswig von der Gefangennahme zweier Bataillone geschrieben wird, so müssen wir dieser Meldung in sol­chem Umfange noch die gerechtesten Zweifel entgegen­setzen. Am 2. Juni sollten die preußischen Truppen die von den hannöverischen, oldenburgischen u. s. w- innegehabte Stellung, Alfen gegenüber, einnehmen und dieselben im Vorpvstendicnst ablösen ; die letzteren neh­men ihre Position vou Flensburg aus nach verschiede­nen Richtungen. Aus dem Eintreffen eines hier am 31. Mai, Abend, angelangten Couriers an den General Wrangel schloß man auf eine neue Operation gegen Norden; von andrer Seite wird dies in Abrede gestellt. Bei Apenrade haben drei dänische Dampfschiffe, eine Jacht und ein Schooner 1500 Mann Truppen ans Land gesetzt, nachdem kaum die letzten Flüchtlinge Abends 10 Uhr ausgezogen waren. Im Flensburger Hafen erschien das DampfschiffGeyser" und legte sich dicht an die Landungstreppe. Die Flensburger haben jetzt ebenfalls eineu Protest gegen eine Theilung Schles­wigs in dänisches und deutsches Gebiet beschlossen; er wird nächster Tage nach Frankfurt abgehen. Ein sol­cher Act hat ein ganz besonderes Gewicht in dieser oft angeklagten Stadt. Aus Rendsburg sind am gestrigen Tage die neuvereinten Freicorps, die sämmtlich unter Major von der Tann stehen werden, nach dem Norden wieder abgezogen.

Am nächsten Montage, d. 5. Juni, werden noch zwei Compangn. Infanterie des Hainburgischen Bun- dèscontingents nach den Hcrzogthüinern aufbrechen.

Cistrup, 1. Juni. (Die Volksversammlung.) In der heutigen von Osnabrück, Otterndorf, von Eimbeck, Hildesheim, Celle, Soltau, Walsrode,' auch vielen Zwischenörtern von Ver­den, Nienburg, Hoya und den nächsten Umgegen­den zahlreich besuchten Volksversammlung hieselbst, ist eine Adresse an die Nationalversammlung in Frankfurt beantragt und einstimmig beschlossen, und sofort mit mehr als 400 Unterschriften versehen dorthin abgesandt. Die Adresse richtet an die deutsche Nationalversamm­lung die Zusicherung, daß das hannoversche Volk un­geachtet der laut gewordenen entgegenstehenden Ansich­ten unserer Ministerialvorstände den Beschlüssen der vom Hannoverschen Volke selbst mitgewählten National­vertreter sich unbedingt zu unterwerfen bereit sei, selbst wenn dies nicht ohne Opfer geschehen können. , Dieser Adresse ist zugleich eine ebenfalls einstimmig genehmigte Beschwerde über das von Regierung und Ständen in der Verfaffungsangelegenhcit beobachtete Verfahren an- gehängt. (W.-Z.)

Brody, 26. Mai. Die Communication mit Ruß­land ist, von gestern angefangen, gänzlich gesperrt. Rei­sende mit österreichischen Pässen müssen vorläufig die Visa des kaiserl. russischen Gesandten in Wien ein­holen, nur einigen ganz gut bekannten Brodyrer In­sassen ist es gestattet, in die Nachbarstadt Radziwilow sich zu begeben. Man hört beinahe täglich in Rußland Kanonendonner und Pelotonfeuer, welches zu dem Ge­rüchte eines in Podolien abgebrochenen Aufstandes Veranlassung gab. Reisende sprechen jedoch nur von großartigen Heeresübungen, die sehr fleißig be­trieben werden. (O. Z.)

Wien. Der König von Neapel hat an General Pepe den Befehl erlassen, seine Truppen unmittelbar zurückjufiihren. Dieser zieht es aber vor, lieber für

die gemeinschaftliche italienische Sache zu kämpfen, als dem Befehle eines meineidigen Königs zu gehorchen.

Ungarn.

Pesth, 29. Mai.Zu den Waffen," das ist jetzt das Losungswort der Magyaren. Buda-Pesth füllt sich mit Waffenklang. Doch die Kriegsgestirne ver­schwinden schon wieder, und die Macht der Slawen zerbricht sich an einander. Kühn und trotzig erhob sich der Banus von Croatien und pochte auf des Kaisers Unterstützung. Hunderttausend Mann bot er diesem, um dierebellische Residenz" zum Gehorsam zurückzu- sühren. Seine Verbindungen reichten bis in die Do­nau-Fürstenthümer und bis zu den Czechen hin; rings von Slawen umzingelt, sollten ihnen die herrschenden Magyaren erliegen. Eine neue Revolution durchkreuzt nun diese revolutionäre Bewegung. In Slawonien haben sich die Slawen selbst gegen Jcllatfchitfch erho­ben und ihn als Landesverräter erklärt. Man hat sein Bild verbrannt und seine Schreiben vernichtet; man betrachtet ihn als ein Werkzeug des russischen Czaren. Auch Dalmatien ist wenigstens sympathielos für ihn. Die ganze Erhebung scheint durch die Con- trerevolution gebrochen zu sein. Ungarn kann wieder ; aufathmen , wenigstens. für den Augenblick, und aller­dings bedarf kein Staat der Ruhe und der friedlichen Entwickelung mehr. Auch der Schatz ist leer, und ; Kossuth hat schon zur Ausgabe von Schaßscheinen zum möglichen Betrage von 12 Vz Mill. Gulden greifen j müssen. (Sie tragen 5 pCt. Zinsen, die schon im Voraus abgezogen werden. Das Capital wird in 3, 6 oder 12 Monaten zurückgezahlt.) Das Ministerium ' steht nicht mehr sicher; vor wenigen Wochen noch war es der Abgott des Volkes, aber schon sind radikalere

Elemente mächtig geworden, und irre ich nicht, so wer- - den sie. siegen. Nyari steht an ihrer Spitze; wenn er sich emporschwingen kann an die Spitze des Staates | und der am 2. Juli zusammentretende Reichstag i wird darüber entscheiden, so steht Ungarn einer neuen großen Umgestaltung, vielleicht einem letzten Kampf auf Leben und Tod mit der reactionären Ari­stokratie entgegen.

Sardinien.

In der Sitzung des Parlaments vom 22. wurde ein Protest gegen die Vorgänge in Neapel beantragt. Man verlangte, daß die Negierung des Königs Carl Albert sich selbst zum Beschützer ihrer unterdrückten neapolitanischen Brüder erkläre, und daß der Bombar- datorc Ferdinand für immer mit seinem ganzen Ge­schlechte vom Throne gestoßen werde. Man beschloß, erst weitere Nachrichten abzuwarten.

Königreich beider Sicilien.

Neapel, 19. Mai. Die Schweizer waren es, welche den Lazzarvni das Beispiel zur Plünderung gaben. Von Nationalgarden ist keine Spur mehr; die nicht erschossen sind, befinden sich in Gefangenschaft. Die ersten nach der^ Festung abgeführten 19 Gefange­nen wurden erschoßen. Viele Menschen findet man jetzt in Brunnen, in die sic gestürzt wurden. Der Ver­lust an Menschenleben ist unglaublich; bis zum 16. Mittags waren 1777 Leichen, darunter 450 Soldaten auf den Kirchhof gebracht. Die Reaction hat trium- phirt; der Terrorismus den höchsten Grad erreicht. In wenigen Tagen aber dürften wir schon von dem Falle des Königs berichten. (O. Z.)

Frankreich.

Paris, 4. Ium. DasJournal des Debats" von heute schreibt: Paris enthält in der That viele böse Leidenschaften; die Raserei der Anarchie braust noch in seinem Schooße, allein es ist stark genug, um sie nach Belieben zu ersticken, und cs ist zum Bewußt­sein seiner. Macht gelangt'. Von allen Dictatnren, welche ihm seit drei Monaten auferlegt worden, Dic-

tatur der Politik, Dictatur der Finanzen, Dictatur der Phrasenmacherei, hat sich Paris eine einzige Vorbehal­ten, die Diktatur des gesunden Menschenverstandes, und es ist gesonnen, nicht mehr auf dieselbe zu verzichten. Der 15. Mai, sagt derCommerce," welcher bestimmt war, die Nationalversammlung zu erschüttern, hat der­selben neue Kraft, neues Ansehen verliehen. Man wird jetzt, an die Candidaten der Nationalgarde nicht mehr die Frage stellen:Werden sie gegen die Na- tional-Versammlung ziehen? Man wird keine Voraus­setzungen mehr machen, welche jum Zwecke haben, die Volksvertretung Frankreichs um jedes Ansehen zu btim gen, nicht mehr auf dieselbe als auf eine mehr oder- weniger fehlbare Vereinigung von Individuen bitweisen, welche neunhundert andere, irgend einer Coterie ent­nommene Bürger sehr vortheihast ersetzen würden. Das Recht, welches die Macht der Republik bildet, opm welches die Republik nichts mehr sein würde, als eine Form, eben so wenig logisch, so wenig sichtig, N -

-k ^ T .Mu Ä ""d dm »film " ft l"1 ?^b rr. ^(- Blttschrifts. und Vtrkiui. aufheben durch das Prep-, w 1

gung^W. ,.â besprechen heute das gestrige Votum der National Versammlung, durch welches der Untraa auf Ermächtigung zum gegen Louis Blanc verworfen wurde. Die Ansichten über den Gehalt und sie Bedeutung des Votums sind natürlich getheilt; die Mehrheit der Journale jedoch scheint die gefällte Ent­scheidung zu billigen. (K. Z.)