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M »3 Wiesbaden Freitag, 9. Juni 1848.

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2VÄ. Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Halbjahr-Abonnement auf die täglich erscheinendeFreie Zeitung". Lie Richtung, welche die Freie Zeitung vertritt, ist die durchaus freisinnige, deren Bestreben dahin geht, die vom Volk errungenen Freiheiten zum vollen Ausbaue zu bringen. - Daß das Streben der Redaction von vielen Seiten Anerkennung gefunden hat, dürfte wohl daraus hervorgehen, daß dieFreie Zeitung" seit der kurzen Zeit ihres vierteljährigen Bestehens sich schon jetzt einer Auflage von 2300 Exemplaren zu erfreuen hat.

Der Abonnements-Preis beträgt vom 1. Juli an halbjährig 3 fl. 30 kr. für die hiesige Stadt; auswärts durch die Post bezögest innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie des Kurfürstenthum Hessen 4. fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Laris'schen Postbezirke 5. fl.

Bestellungen auf dieFreie Zeitung" bitten wir noch vor Ablauf dieses Monats zu machen und zwar für Wiesbaden in best Buchhandlungen von H- MjcHer & H. W. Ritter, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Bei der großen Verbreitung derFreien Zeitnng" eignet sich dieselbe vorzüglich zur Aufnahme von Anzeigen aller Act. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Spedition der dreien Zeitung.

Ein Wort über die Centralisation der Arbeit.

Frankfurt im Juni. Wir haben schon in ei­nem früheren Artikel auf die soziale Seite der Revo­lution unseres Jahres hingedeutet und dabei die An- sicht ausgesprochen, daß wohl die Centralisation der Arbeit sich am anwendbarsten von den verschiedenen Vorschlägen, die bis jetzt zur Hebung unsrer darnieder­liegenden industriellen Verhältnisse geinacht worden sind, bewähren möchte. Wir wollen es jetzt versuchen, unsere Ansicht etwas genauer auszuführen und zu begründen.

Wenn wir unS fragen, was wohl die Hauptursache der zerrütteten Arbeiterverhältnisse ist, so können wir leicht die Antwort darauf finden: es ist die maßlose Concurrenz, die in der letzten Zeit einen wahrhaft erdrückenden Charakter angenommen hat. Man ist, in­dem man der Concurrenz der Arbeit einen freien Spiel- raum darbot, dabei von der an und für sich ganz rich­tigen Idee ausgegangen, daß dieselbe der Gewerbthä- tigkeit ein außerordentliches Feld eröffnen und die Ent­wicklung derselben sehr begünstigen müsse. Und in der That thut sie dieses, wenn sie in beschränktem Maß­stabe angewendet wird. Allein in der Art, wie sie sich zulötzt gestaltet hatte, erzielte sie gerade das Gegentheil, und wird, wenn sie in derselben Weise, wie bisher? fortdauern sollte, gradezu den Ruin der ganzen Indu- strie herbeiführen. Sie erdrückt den Mittelstand der arbeitenden Klasse, indem sie Demjenigen, der mit der Arbeit eine Spekulation zu machen versteht, Alles in die Hände liefert. Einen Beleg dafür liefern die gro­ßen Magazine fertiger Arbeiten, die oft um einen Spott- verkauft werden, so daß es auf den ersten Anblick unmöglich zu sein scheint, daß der Unternehmer dabei nur fein Auskommen findet. Und doch findet er cs nidcin er entweder die kleinen Meister, die aus Mangel an Arbeit gezwungen sind, für einen Preis zu arbeiten, der ihnen kaum erlaubt, ein elendes Leben mit ihrer ganzen Familie zu führen, beschäftigt, oder indem er dem Publikum Stoffe liefert, die auf den ersten Anblick sehr gut scheinen und sich nach einem kurzen Gebrauche als schlecht und dauerlos erweisen. Es findet also hier cin von dem Gesetze autorisirter Betrug statt, denn Niemand kann sich darüber beklagen, wenn er für das geringe Geld eine Arbeit erhält, die selbst zu die­sem oft in gar keinem Verhältnisse steht. Und in dieser Weise hat sich die Concurrenz fast über alle einzelne ^"verbe ausgedehnt, und wird, falls diesem Unwesen nt entschieden gesteuert wird, immer mehr um sich greifen. Selbst der Staat hat sich dieses ver­derblichen Treibens bedient, um öffentliche Arbeiten zu dem geringsten Preis angefertigt zu bekommen, indem er sie an den Wenigstnehmenden versteigerte. Mancher Meister, der, wenn er nicht vollkommen feiern wollte, lieber eine wiche mit der Aussicht auf einen geringen Gewinn, oder um nur gerade sein persönliches Auskom­men dabei zu finden, erstand, wurde durch einen unvor- hcrzuschenden Fall, als ein Aufschlagen des Materials oder eine Krankheit, dabei in eine Schuldenlast gestürzt woraus er sich nicht mehr emporzuarbeiten im Stande war. Untergang des Mittelstandes, betrügerische Ban- kerotte, Auflösung des gegenseitigen Vertrauens: daS das Werk der Concurrenz, die, wenn es möglich ae- wesen wäre, den Punkt zu ermitteln, wo man sagen konntr:Bis hierher und nicht weiter!" das ganze Übliche Leben zur schönsten Blüthe hätte bringen

lE diesem verderblichen Unwesen gesteuert Wf ^rage, die so viele Köpfe be- darauf ist: durch Centra- n b' V ""f folgende Weise:

W Dtadt errichtet ein Hauptbüreau, das eben

so viele Zweigbüreau's hat, als die Stadt zu diesem Zwecke in Distrikte eingetheilt wird, und an welches alle zu fertigenden Arbeiten gerichtet werden.

2) Jeder, der die Anfertigung einer Arbeit bedarf, ist gezwungen, sie an das ihm zunächst liegende Büreau zu richten, welches ihm eine vollkommen gute Arbeit garantirt. Wer auf seine eigene Faust eine Arbeit will anfertigen lassen, ist gezwungen, ein bedeutendes Prozent an das Hauptbüreau zu be­zahlen.

Dieser Zwang bedarf keiner Entschuldigung, denn wo das Wohl einer großen Klasse der Bevölkerung auf dem Spiele steht, hat der Staat das Recht, eine Gewaltmaßregel gegen Die "zu ergreifen, welche ohne die Aussicht eines persönlichen Verlustes sich seinen An­ordnungen widersetzen wollen

3) Sämmtliche eingegangene Arbeit wird gleichmä- ßig unter die Arbeitsuchenden vertheilt, und keiner der­selben hat Ansprüche auf ein größeres Quantum der- sclbcn zu machen, so lange Einer da ist, der dabei leer ausgehen könnte. Die Ueberwachung dieser Staats- anstalten übernimmt ein verantwortliches Ar­beiterministerium.

4) Kein Arbeitcrlthrling darf Geselle werden, bevor er ein vollkommen genügendes Gesellenstück eingereicht hat. Dasselbe findet bei den Gesellen statt, die Meister werden wollen.

5) Jede Fabrik darf nur den Stoff und nicht ge­fertigte Arbeiten liefern. In wie weit von dieser An­ordnung abgegangen werden kann, darüber entscheidet eine Commission von sachverständigen Arbeitern.

6) Eine schleunige Niedersetzung eines Arbcitermi- nisteriums in jedem der einzelnen Bundesstaaten.

7) In dem Falle der Noth Ausschreibung einer allgemeinen Arbeitersteuer durch ganz Deutsch­land, welche die besitzenden Klassen zu tragen haben und womit der erste Fond zu der Reorganisation der Arbeit gelegt wird.

Dies sind in kurzen Zügen die Hauptpunkte, von welchen, nach unserm Dafürhalten, die Reorganisation der Arbeit ausgehen muß. Wir sind überzeugt, daß sie nicht Alles erschöpfen können, was geschehen muß, um einen neuen, an allen Gliedern gesunden Staats­körper herzustellen. Mancher wird vielleicht Commu- niömus dahinter wittern; aber er möge sich zufrieden geben: wir sind keine Communisten, weil wir die Un- ausführbarkeit der Ideen desselben, obgleich sie gewiß ei haben sind, anerkennen müssen. Aber wir halten fest an dem Grundsätze: Niemand hat ein Recht auf das Ueberflüssige, so lange nicht Zeder das Nothwendige hat! Und dieser Grundsatz wird sich Bahn zu brechen wissen. ' *

61. Sitzung der deutschen Buuresverfumul- lung vom 3. Juni 1848.

In Folge eines Berichts des Generals v. Wran- gtl über die Zurückziehung der deutschen Truppen aus Jlitland und einem Theile von Schleswig und in Ge­mäßheit einer Mittheilung des Gesandten von Holstein über das verzögerte Eintreffen der vollen Continacnke des zum Kruge aufgebofenen zehnten Bundes-Armee- corpé stellte der genannte Gesandte den Antraa die geeigneten Maßnah,neu zu treffen, um die Vervoll­ständigung der Bmidesarmee in ihrer ganzen Contin- gentsstärke zu veranlassen.

66 wird hierauf beschloßen, eine aus dem Gesand- cn von Baiern und dem Vorstand der dem Dundes- age bcigegebenen Militärcommission bestehende Com- nnßlsn an die betreffenden Regierungen abjufenben,

um an Ort und' Stelle zu untersuchen, ob und wclchS Hindernisse der Erfüllung dcr Bundespflicht im Wege stehen und die Beseitigung derselben so schnell wie möglich zu bewirken.

Da zugleich der General v. Wrangel die von seiner Armee genommene Stellung angezeigt und um weitere Instructionen gebeten hatte, so" wurde beschlos­sen, ihm unter Benachrichtigung von der vorhin er­wähnten Verfügung und der hiernach zu envartenden schleunigen Verstärkung zu erwiedern, daß der Bundes­versammlung keine politischen Gründe vorliegen, welche der Wiederbesetzung dcr geräumten Landestheile ent- gegenstehen, und der General v. Wrangel die Be­freiung des von den dänischen Truppen neuerlich be­setzten Theils von Schleswig zu bewirken wissen werde. Es wird ein Schreiben des Festungs - Gouvernements von Mainz zur Kenntniß der Versammlung gebracht, wornach der Zustand der Bundesfestung immer mehr die ordentliche Gestalt annimmt, indem die Beschrän­kungen, welche vom Gouvernement sestgehaltcn werden, nur - och das Tragen von Waffen und die Versamm­lungen im Freien betreffen und im Uebrigen alle po­lizeilichen Maßregeln in die Hände des Territorial- Commissars gelegt worden sind.

Der preußische Gesandte liefert die Nachweise über die Maßregeln, welche in Folge des Buudesbeschlusses vom 20. April zum Schutze der Ostsceküste getroffen worden sind.

Der bayerische Gesandte übergibt eine Uebersicht des Eisenbahnbaues und dessen Beziehung auf die Wehr­haftigkeit des deutschen Bundes. ' Es wird dies der Militär-Commission zur Nachricht zugefertigt.

Auf einen Vortrag des Revisions-Ausschusses, wor­nach die 17 Vertrauensmänner die Beendigung ihrer Arbeit anzeigen und um Enthebung von ihren Funktio­nen bitten, wird beschlossen, die Auflösung dieser Com Mission auszusprechen und derselben den Dank der Bun­desversammlung für ihre Thätigkeit auszudrücken.

Auf den Antrag des Marine-Ausschusses in Betreff der von dem Marine-Ausschuß der Nationalversamm­lung gewünschten Mittheilung von Materialien übet die Marine, wird beschlossen, zur Beförderung die­ser Angelegenheit den Marine-Ausschuß der Bundes­versammlung zu ermächtigen, mit dem Vorsitzenden des Marine-Ausschusses der Nationalversammlung hinsicht­lich solcher Mittheilungen in unmittelbaren Verkehr zu treten.

Namens der großherzogl. Hess. Negierung wird die durch Bundesbeschlüsse vom 25. April und 22. Mai verlangte Anzeige über Einrichtung der Bürgerwehr in Mainz erstattet und dem Militär-Ausschuß zugewicsen..

Deutschland

Wiesbaden, 7. Juni. Die von der deut sch ka­tholischen Kreissynode in Alzei beschlossene, an die constituirende deutsche Nationalver- > a m in l u n g gerichtete Eingabe, mit beren ytebartion die Herren Dr. Duller, Pst. Grar undPfr. Keil­mann betraut worden h»b, lautet apo:

Mit Vertrauen HW das deutsche Volk auf Die aus Männern seiner Wahl bestehende Versamnllung, welche den Neubun einer gemeinsamen Nationalver- fassmig auf festen Grundlagen aufzuführen berufen ist. Zu diesen Grundlagen gehört auch eine der Majestät der Nation entsprechende Ordnung des Verhältnisses i zwischen Kirche und Staat, damit Freiheit und Rechts- ' gleichheit, Einigkeit und Friede auch auf religiösem Ge- ! biete vollständig verwirklicht werden. Diese Lebensfrage, I von deren richtiger Entscheidung die ganze Zukunft des