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^U NEV Wiesbaden Sonntag, L. Juni L8L8.

^^ Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Halbjahr-Abonnement auf die täglich erscheinendeFreie Zeitung". Die Richtung, welche die Freie Zeitung vertritt, ist die durchaus freisinnige, deren Bestreben dahin geht, die vom Volk errungenen Freiheiten zum vollen Ausbaue zu bringen. - Daß das Streben der Redaction von vielen Seiten Anerkennung gefunden hat, dürfte wohl daraus hervorgehen, daß dieFreie Zeitung" seit der furzen Zeit ihres vierteljährigen Bestehens sich schon jetzt einer Auflage von 2300 Exemplaren zu erfreuen hat.

Der Abonnements-Preis beträgt vom 1. Juli an halbjährig 3. fl. 30 kr. für die hiesige Stadt; auswärts durch die Post bèzogeü innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgraffchaft Hessen-Homburg, sowie des Kurfürstenthum Hessen 4. fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 5. fl,

Bestellungen auf dieFreie Zeitung" bitten wir noch vor Ablauf dieses Monats zu machen und zwar für (Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer & H. W. Ritter, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" eignet sich dieselbe vorzüglich zur Aufnahme von Anzeigen aller Art. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Spedition der Leeren Zeitung.

Die Aufgabe der konstituirenden National- Versammlung.

III. Artikel.

0 Vom Taunus > im Mai. Wird es unserer Nationalversammlung gelingen, die deutsche Einheit zu Stande zu bringen? Schon fangen die Besten an, daran zu verzweifeln. DieTrier'sche Zeitung", welche in den schlimmsten Zeiten der preußischen Censur und unter den größten Gefahren, welche ihrer Eristenz droh­ten, mit dem ausdauerndsten Muthe für die Rechte des nkedergetretenen Volkes gekämpft hat, sie gibt dne Hoffnung auf. Ein leitender Artikel in Nr. 146 kommt im Wesentlichen auf Folgendes hinaus: Zwei Wege gibt es, die deutsche Einheit zu verwirklichen: den nach französischem und den nach englischem Muster. Die erstgenannte Weise istdie Eine untheilbare deut­sche Republik, oder doch das Eine untheilbare deutsche Kaiserreich mit Beseitigung aller entgegenstehenden Hohcitörechte". Das englische System dagegen erfor­dert die Mediatisirung der 37", um aus ihnen daS Oberhaus zu bilden. DasBeseitigen" ist aber eben so wenig als dasMediatisiren" möglich, ohne einen dreißigjährigen Krieg". Darum, so schließt der Ar- tikel, müssen wir alle Ideale aufgeben, müssen dies Mal wirklich etwasUreignes" produciren: es ist dies dieFöderation auf Grundlage der Volks- sonverânität".

DaS wäre nun allerdings schon EtwaS. Aber es erhebt sich hiergegen sogleich das Bedenken: wird nicht das Bestreben der Nationalversammlung, föderirbare Gleiche", wenn auchmit möglichstem Anschluß an die mächtigsten bestehenden Ansprüche und Interessen, her- vorzubringen", eben so heftigen Widerstand finden? Doch das Hauptbedenken ist dies: ist dieVerwirk­lichung des deutsch-demokratischen Princips" bei der blosenFöderation", ist die Freiheit ohne die Einheit möglich? Kann dieVolkssouveränität, oder die abso­lut freie demokratische Selbstbestimmung des Volkes", welche dieTrier'sche Zeitung" fordert, in einem ein­zelnen deutschen Lande oder Ländchen für sich ver- verwirklicht werden? Baden hat uns soeben ein schla­gendes Beispiel gegeben, daß dies nicht möglich ist! Oder ist die scheußliche Reaction, unter welcher in die- sein Augenblick das edelste deutsche Volk seufzt, etwa aus derabsolut freien demokratischen Selbstbestimmung" dieses Volkes hervorgegangen? Woher diese Erschei­nung? Daher, daß dieFöderation" immer nur eine Föderation der Fürsten, nicht aber der Völker ist und sein wird. Oder vielmehr, was die erster» betrifft, so ist, wenn es gegen die letzter» geht, die Föderation mehr als bloße Föderation, sie ist Einheit des Willens und der Erecutivgewalt, wie der bisherige-deutsche Bund", der ja eine Föderation war, seit 30 Jahren bewiesen hat. Dagegen was die Völker betrifft, so wäre die Föderation ein bloßes Wort, ein Nichts, wenn sic nicht ebenfalls Einheit des Willens, der Exekutivgewalt wäre, und eine solche Einheit hält ja eben die Triersche Zeitung" für unmöglich I Beati possidentes! Die deutschen Fürsten sind im Besitze der Souverä- netät; die Völker wollen ihre Freiheit, ihre Souverän mtät erst gründen; vereinzelt und getrennt können sie dieselbe nicht gründen, weil sie eine Einheit, eine ewige Erecutivgewalt gegen sich haben. Können die deutschen Volksstämme also aus ihrer Vereinzelung nicht herauskommen, können sie es nicht zur Einheit dringen, so können sie es auch nicht zur Freiheit dringen, so kann die Volkssouveränetât nimmermehr eine

Geben wir also die Hoffnung, die . ^ Einheit zu gründen, auf, so müssen wir auch b cmf die Freiheit aufgeben, so müssen wir

n Schlussel aufs Grab legen, so bleiben wir, was

wir waren: ein elendes, geknechtetes Geschlecht, der Spott und das Gelächter Europas! -=- Doch wir wollen die Hoffnung noch nicht aufgeben! Wir können das Beati possidentes in diesem Augenblick auch auf uns anwenden. Augenblicklich ist die uns gegenüber- stehende einheitliche Macht, theiiweise wenigstens, de- rangirt, verblüfft, ohnmächtig; und wir sind im Be­sitze einer momentanen Einheit. Unsere Einheit und mithin unsere einzige Hoffnung ist eben die deutsche konstituirende Nationalversammlung, welche ihre Volks­fahne auf der Stelle aufgepflanzt hat, wo bisher die schwarze Fahne der uns entgegenstehenden Einheit des Bundestages wehte. O möge sie diesen Augenblick, wo der Feind derangirt ist, benutzen! So, wie jetzt, kehrt er so bald nicht wieder! Möge sie die deutsche Einheit und Freiheit, die wie ein Silberblick uns leuchten, er­greifen und fest halten und an den deutschen Boden fesseln! Möge sie sich durch die Furcht vor demdrei- ßtgjährigen Kriege" nicht irren lassen: es ist jedenfalls eine Gcspensterfurcht, da im äußersten Falle Ein Punkt dabei vergessen ist: die Solidarität der Freiheit Eu- ropa's!

Nasfan è scher Landtag.

V. Sitz u n g.

(Fortsetzung und Schluß.)

Wiesbaden, 31. Mai. Indem wir in unserem Berichte über die heutige Sitzung fortfahren, haben wir vor allen Dingen zu berichtigen, daß, bevor Ber­tram seinen Antrag begründete, der Antrag des Se- crctärs von Schütz auf Anschaffung der Verhand- Inngen der Landstände von Baden, Baiern rc. als zweckmäßig von der Kammer befunden und angenommen worden war. von Schütz begründete seinen Antrag damit, daß es zur Erreichung des großen Zieles einer nationalen Einheit in Deutschland von Wichtigkeit sein müsse, die Ansichten und Beschlüsse der verschiedenen deutschen Kammern kennen zu lernen, von Eck un­terstützt diesen Antrag, will ihn aber auch noch auf die sächsischen und braunschweigischen Kammer-Verhand­lungen ausgedehnt wissen, von Schütz ist damit einverstanden und meint, es sei überhaupt wünschens- werth, wenn man einen gegenseitigen Tausch in Betreff der Verhandlungen mit allen deutschen Kammern ciu- leiten könne.

Die Kammer erklärt ihre Zustimmung, und B e r- tram begründet darauf, wie schon früher erwähnt, seinen Antrag auf Errichtung von Leih- und Hilfs­kaffen, deren vorzugsweise Aufgabe es sein soll, den mittlern und geringeren Geschäftsleuten, Handwerkern und Oekonomen einen ihren Verhältnissen angemessenen Kredit zu verschaffen und sie gegen Ucbervortheilung und Schaden bei augenblicklichen Geldverlegenheiten zu schützen.

Die Tagesordnung führt jetzt zu den: Antrag der Abgeordneten Leisler, Jung und Gergens'über Errichtung _ einer Landes-Hypothekenbank. Der Antrag wird verlesen. Als die wesentlichsten Punkte desselben heben wir hervor. Die Antragsteller sind der Ansicht, daß unser dermaliger Geldbedarf sich auf ungefähr 4 Millionen Gulden belaufen dürfe. Diese Summen in baarem Gelde zu schlagen, ist ein Ding der Unmöglich- lichkeit und ein Anlehen auf Obligationen zu kostspielig Daher wird als Aushilfsmittel die Anfertigung von 4 Millionen in unverzinslichem Papiergelde in Vorschlag gebracht gegen Verpfändung von Staatsgütern im Be­trage von 8 Millionen Gulden. Auf diese Weise ' bietet die Bank den Gläubigern doppelte Sicherheit, * und es darf angenommen werden, daß das Papiergeld ,

deßhalb stets einen günstigen Stand behalten werde, was wohl auch daraus zu entnehmen sei, daß, während sämmtliche Staatspapiere um 20 Prozent gefallen seien, das Papiergeld von Preußen span, dasjenige von Baiern und Sachsen aber nur ein weniges unter pari stehe.

Die anzufertigenden 4 Millionen Papiergeld sollen den Fonds einer in Wiesbaden zu gründenden Landes- Hypothekenbank bilden, und das Papiergeld die Be­zeichnungNassauische Hypothekenscheine" erhalten. Die Scheine sollen nach Ablauf von 4 Jahren baar zurückgezahlt werden, und wenn das nicht geschehe, so solle den Gläubigern das Recht zustehen, irgend beliebige Parzellen der verpfändeten Staatsgü­ter zum Verkauf zu bezeichnen und sich durch den Verkauf derselben bezahlt zu machen. Zu Pfandobjecten sollen genommen werden: Aecker, Wiesen und Wald- Parzellen. Die Haupt-H ypothek soll bei dem Ober­appellationsgerichte deponirt, und das Papiergeld unter die Garantie der Landstände gestellt werden. Die Anfertigung der Scheine soll Statt finden in L 5, 10, 25, 50 und 100 Guldenscheinen.

Die Aufgabe der Bank soll darin bestehen: Dar­lehen zu geben auf inländische Immobilien, Mobilien, Gold, Silber und Pretiosen :e., Wechsel zu diskontiern u. s. w., den Handwerkern und Gewerbtreibenden ein Conto-Corrente zu eröffnen und ihnen verhältnißmâßiae Vorschüsse zn machen u. f. w.

Aller Gewinn, den die Bank abwirft, soll den: Landessteuerftskus zufließen. - Der Antrag geht ferner dahin, daß derselbe schon in 10 Tagen von der Kam­mer sanctionirt werde, und 4 Wochen weiter schon die Ausgabe der Scheine erfolgen möge.

Bei Begründung des Antrags wird ausgeführt, daß, wenn man nur den siebenten Theil unserer Do- manial-Waldungen in Ackerland umwandeln ließe, man nicht uur im Stande sein werde, dnrch eine ganz nie­drige Verpachtung dieses Ackerlandes an die ärmere Klasse, ungefähr 10,000 Familien wesentlich zu unter­stützen, sondern noch überdies aus dem Erlöse des Holzes eine Einnahme von 2 Millionen Gülten für den Staatsschatz gewinne.

Die Kammer beschließt, den Antrag in reifliche Erwägung zu ziehen, und zur gründlichen Prüfung desselben, ,o wie des Antrags des Abgeordneten Ber­tram eine besondere Commission zu erwählen, auch beide Anträge drucken zu lassen.

Die Kammer schreitet darauf zur Wahl einer Eom- mission zur Prüfung der von der Regierung cinge- brachten Gemeinde-Ordnung. Gewählt würden: Born, Habel, Hchner, Heyl, Kürtel, Preiß, Tripp, Weukenbach I., Wirth.

Zum Schluß wurde die Wahl der Commission zur Prüfung der Anträge von Bertram und von bels- ler, Jung und Gergens vorgenommen. Die Wahl fiel auf die Abgeordneten: Bertram, Blum, von Eck, Großmann, Justi, Leisler, Siebert, Wenkenbach II., Wehrfrif »und ^v» t

Die nächste Sitzung ist auf Samstag 3 Juni, 4 mittags 11 Uhr anberaumt.

<xn Folgeuer Mittheilung des Präsidirendeft der . 17 Vertrauensmänner, womit ein Verzeichnis der durch ihre Arbeiten veranlaßten Kosten vorgelegt wurde, wird die Auszahlung des hierfür berechneten Betrags ver­fügt.

Eine Zuschrift des Marine-Ausschusses der Natio­