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weil die Zehntablösungskommission, unter Mitwir­kung uud Zustimmung der Landstände gehandelt habe. Fiat Justitia, pereat mundus! - Contra principia negantem non est disputandum! Nur gegen Eins müssen wir uns noch verwahren, nämlich gegen die Unterstellung, als wollten wir die Last, die wir den Schultern der verarmten Bauern abgenommen haben wollen, auf die gewerbtreibende Klasse, welche bei der Stockung der Geschäfte ohnehin schwer genug zu tragen haben, hinüberwälzen. Nein nur die starken Schultern sollen schwerer tragen, als bisher, nicht die schwachen» Auch dem zurückgekommenen Gewerbestande muß, und zwar gründlich, geholfen werden. Unten muß man ab- nehmen, oben auslegen und zwar gerade soviel, als zur Deckung bc^ unten stattfindenden Ausfalls erforderlich ist. Das läßt sich aber eben durch die Einkommen­steuer machen, da man ja die progressive Scala fest­setzen kann, wie es Einem beliebt.

Frankfurt a. M., 30. Mai. Durch heute Mor­gen hier eingetroffene Couriere erhalten wir Berichte aus Breslau, Wien und Triest, die vielleicht von den- großartigsten Folgen für ganz Deutschland sind. Bres­lau wurde in Folge der Arbeiterunruhen, welche sich in letzter Zeit oft wiederholt hatten, in Belagerungszustand erklärt. In Wien wurden die Truppen von den Stu­denten und Arbeitern zur Stadt hinausgeschlagen; die Aufregung ist größer als jemals. Briefe aus Wien bestätigen die Beschießung von -Triest, und zwar angeb­lich durch zwei verschiedene Flotten. Mit der Abend- post sehen wir ausführlicheren Berichten entgegen.

Frankfurt, 30. Mai. Briefe aus Wien vom 29. d. M- berichten, daß dort wieder ernste Ereignisse zwi­schen dem Militär und den mit dem Bürgermilitär ver­einten Akademikern statt hätten, bei welchen einige Per­sonen gctödtet wurden. Eine Verfügung der Regierung, welche Anlaß zu jenen Ereignissen gab, wurde zurück­genommen.

Leipzig, 28. Ma». Vor einigen Tagen wurden an die Straßenecken Zettel angeklebt mit dem Aufruf zu einer Versammlung auf gestern Abend 9 Uhr, um die Republik zu proklamiren; diese Zettel wurden je­doch sofort von der Polizei abgerissen. Dessen unge­achtet fant die Versammlung zu Stande, bestehend aus circa 200 Arbeitern, 150 Jungen und mehreren frem­den Aufwieglern. Gegen 11 Uhr zogen sie in die Stadt, setzten sich in der Katharinenstraße fest, warfen mehrere Meßbuden um und bildeten so mehrere Bar­rikaden. Die Wachen waren jedoch sehr stark von der Bürgergarde besetzt, und als diese heranrückte und die Ruhestörer aufforderte, auseinanderzugehen, schrien sie: Es lebe die Republik!" wobei Eiuzelne auf die Bür- gergarde schossen. Das Resultat war, daß die Bürger- garde ihrerseits ihre Gewehre in die Luft schoß unb. dann diese sogenannten Republikaner mit dein Bayon- nete auseinander trieb. Auf beiden Seiten sind mehrere Verwundungen vorgefallen, doch todt ist bis jetzt Keiner. Die Schützen waren auch aufmarschirt; ihr Erscheinen war jedoch »»»nöthig. Hier sagt man, daß die ganze Geschichte eine rein anarchische und keine politische sei. Heute Nacht und heute Früh sind bereits mehrere Ver­haftungen vorgenommen. Die Stadt bietet den ruhig­ster» Anblick und man kann kaum glauben, daß gestern etwas der Art vorgefallen sey. (F. I.)

Jamburg, 26. Mai. Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß am 24. d. der Sohn des Gen. Wrangel in Berlin ange- kommen ist, um einen Waffenstillstand zur Rati­fikation vorzulegen, welchen General Wrangel mit dein Oberfeldherrn der dänischen Truppen abgeschlossen hat. Als Basis desselben wird bezeichnet: die deutschen Truppen ziehen sich bis über die Schlei zu­rück, die Dänen versprechen Nord-Schles­wig zu verlassen und g'-eben die angehaltenen Schiffe wieder heraus. Man glaubt allgemein, daß dieser Waffenstillstand ratisicirt werden wird.

Jamburg, 27. Mai. Zu den Einleitungen für den M arineco »Igrcß sind die Herren Senator Büsch, Senator Kirchenpauer, Slomann und I. C. Go- dcffroy zu einer Commission zufammengetrcten und er­suchen die Abgeordneten von ihrem Eintreffen bei einem von ihnen Anzeige zu machen. Der gestern Abend hier durchgekommene Sohn des General Wrangel überbringt die preußische Ratification des Waffenstill­standes; da an der dänischen Ratification nicht zu zwei­feln ist, so muß der Waffenstillstand in den nächsten Tagen eintreten, die Gefangenen und die genommenen Schiffe freikommen und die deutsche Nhcderei wieder aufathmen können.

Kiel, 25. Mai. (S.-H. Z.) Die neuesten Privat- und Zeitungsnachrichten aus Schweden enthalten Folgendes: Im ganzen Lande wird stark gerüstet. Bis zum 4. Juni ist in Gothenburg für 5000 Mann Quar­tier bestellt, die nach Schonen bestimmt sind, wo sammt» liche Truppen, 20,000 Mann, zum 10. Juni in und bei Helsingborg Zusammentreffen sollen. Eine Allianz mit Rußland, das neutral zu bleiben, oder wenigstens nicht direkt einzugreifen erklärt hat, findet - in ganz Schweden lebhaften Widerspruch. Zwölf, nicht mehr und nicht weniger, norwegische Freischärler sind durch Gothenburg den früher durchpassirttn nachgezogen. In Stockholm und andere»» Orten bilden sich Freischaaren, es werden Concerte gegeben, Sammlungen veranstaltet, Bücher und andere Sachen verauctionirt, Alles für die^gerechte Sache des Brudervolkes." Dennoch sind einige Zeitungen in der spätesten Zeit etwas gelinder geworden.

Schleswig, 25. Mai. Heute ist hier die sichere Nachricht eingetroffen, daß die deutschen Truppen sich aus Jütland z-urückziehen werben und zwar so, daß am 29. b. M. das Hauptquartier des General Wrangel in Flensburg sein wirb, das des Prinzen General zu Schleswig-Holstein in Tondern, das des General Bonin in Tinplev, General Halkett bleibt in Apenrade. Worauf diese Translocation der Truppen hindeutet, in einem Augenblicke, wo die Zahlung der jütische»» Kriegscontribution von 2 Millionen Species, und zwar zum 28. b. M» erfolgen sollte, ist schwer zu begreifen. Einige vermuthen, daß die Räumung Jütlands als Friedensbedingung von England ver­langt sei, doch hört man dagegen nichts von einer Herstellung deS Status quo ante durch die Räumung von Alscn und Arröe von Seiten der Dänen, im Ge­gentheil haben die erst kürzlich wieder von ersterer Insel 11 deutsch gesinnte Beamte und Einwohner nach Ko­penhagen abgeführt. Andere glauben, cs werde eine Landung und kriegerischer Ueberfall entweder von Alscn aus oder bei Eckernförde oder Neustadt von den däni- scheu Schiffen versucht werden, weshalb das Aufgebcn der ziemlich entfernten Positionen tin Norden nothwen­dig geschienen. Auffallend bleibt jedenfalls, daß Nord- schleswig, namentlich Stadt und Amt Hadersleben von deutschen Truppen unbesetzt bleiben wird. Man wird doch nicht daö Herzogthum, um nur rasch den Frieden â tout prix zu erlangen, auSeinanreißen oder den nördlichen Theil den höchst unsicheren und unter jetzigen Verhältnissen für die deutsche Sache ganz unbilligen Eventualitäten einer Wahl der Natio­nalität unterwerfen wollen!

Wien, 26. Mai. Eine revolutionäre Auf­regung und Demonstrationen, wie sie hier bisher noch nichtstattgefunden haben, füllen heute die Stadt. Auf den Hauptplätzen und Hauptstraßen sind thurmhohc Barri­kaden errichtet. Alles ist heute unter Waffen. Arbeiter mit Knütteln und Stangen, Studirende, Na­tionalgarde, ja sogar einzelne Weiber aus bem Volke ziehen mit Waffen herum. Die Ursache liegt in einem vorn Rcgierungspräfekten erlaßenen Befehl, der heute Morgen an allen Straßen-Ecken angeschlagen war, dcö Inhalts, daß die akademische Legion sich allsogleich aufzulösen habe, die Aula geschlossen werde und die Stubirenben entweder ihre Waffen abzulegen oder sich unter der übrigen Nationalgarde cinzureihen habe. Gleichzeitig, um diesem Befehl Nachdruck zu geben, wurde die Stadt zahlreich mit Mitlitär besetzt und vor dem Kriegsministerium ein Artilleriepark aufge- pflanzt.. Diese militärische Maßregeln brachten auch den Bürger in Harnisch, der seit der Abreise des Kai­sers allerdings für die Auflösung der akademischen Le­gion gestimmt war. Zu derselben Zeit aber nähme»» die Vorstädte uud die Arbeiterklasse, welche ben Gtu- birenben seit den Märztagen eifrig anhängen, die Partei der akademischen Legion, und die Nationalgarde der Vorstädte marschirte zahlreich bei der ersten Nachricht in die Stadt, deren Thoren abgeschlossen und vom Militär besetzt waren. Was bei so vielen Gelegen­heiten in diesem Jahre schon zum Fluche wurde, ge­schah auch hier. Zwei allzu eifrige Soldaten schossen und ein Bürger stürzte getroffen nieder. Nun heult es durch die Stadt:Bürgerblut ist geflossen, wir sind verrathen !" Man bemächtigte sich der großen Stephansglocke und läutete Sturm. Die Frauen, um das Schicksal ihrer Söhne in der akademischen Legion besorgt, forderten auf öffentlichem Platze die National- garde auf, sich der akademischen Legion anzunehmen, unb so steht plötzlich Alles wie ein Mann gegen das Militär auf. Ein Bataillon ungarische Grenadiere hat sich zum Volk geschlagen. Ob es ein Blutbad geben wird? Der Himmel schütze uns! N ach init- tags. Der Ministerrach hat alles so eben zurückgc- genommen, das Sturmläuten hat aufgehört!

Die Barrikaden bleiben jedoch vom Volk besetzt. Das Militär zieht sich zurück, Noch sind alle Läden ge­schlossen. (F. I.)

Wien, 27. Mai. Gestern Abend wurde der all­seitige Beschluß gefaßt, nicht eher die Barrikaden zu räumen, bis das Militär aus der Umgebung Wiens gänzlich entfernt wirb. Sowohl die Nationalgarde als akademische Legion blieb durch die ganze Nacht zur Vertheidigung der Barrikaden auf ihren Posten. Es war ungefähr 12 Uhr Nachts, da erscholl plötzlich von allen Seiten der RufVerrath! Eine große Militär­macht nähert sich der Stadt!" Man hörte einige Schüsse fallen. Ein panischer Schrecken ergriff die ganze Bevölkerung. Sogleich wurde von neuem das Pflaster aufgerissen, die Barrikaden vermehrt, Allarm geschlagen, Sturm geläutet, und Alles stand gerüstet zum Kampf bereit. Bei näherer Untersuchung ergab sich jedoch, daß das Gerücht rin falsches gewesen, und Alles nur auf Täuschung beruhe. Die paar Schüsse waren von einigen Gardisten zufälliger Weise loS- gegangen. Die andere Hälfte der Nacht verbrachte die Garde beim Wachtfeuer unter Absingung vater­ländischer Lieder. Die Stadt Wien hat ein kriegerisches Ansehen.

So eben trifft aus Innsbruck die (falsche) Nach­richt ein, daß der Kaiser auch diese Stadt verlassen, und nach Botzen abgereist, sei. Die Veranlassung wäre wieder der trügerische Bombclles, der von den Tpro- lern, die von dem wahren Sachverhalt des 15. Mai von ihren eigenen studirenden Söhnen bereits in Kennt­niß gesetzt, eine furchtbare Katzenmusik bekam. Graf

Hopos, Commandant der Nationalgarde, erschien am gestrigen Tage in Feldinarschall-Lieutenants-Uniform, was im Volke großes Mißtrauen erregte. Er wird demnach in seinem eigenen Hause strenge bewacht. Graf Coloredo Mansfeld wurde als Vcrräther der aca- bcmifd)en Legion erklärt. Bereits gestern spät Abends hat er die Flucht ergriffenr Die Börse ist gestern und heute geschlossen. Eine Abtheilung der Arbeiterklasse hat die Brücke auf der Nord-Bahn zerstört, um jeden Transport des Militärs unmöglich zu machen. Heute früh wurde folgende Aufforderung von M. Gritzner (Redacteur derConstitution") öffentlich verlesen:

Wiener! Weichet nicht von den Barrikaden, tragt keinen Stein von ihnen ab, legt die Musketen nicht nie­der, bevor alle heute und schon lange vorher geforder­ten Punkte bewilligt sind, und trauet nicht, bis wir die volle Garantie für die Erfüllung haben. Alles, was die Hohen seit März bis heute gethan, war ein Lug- unb Truggcwebe; der Schleier ist gelüftet und die Scheußlichkeit bet Camarilla steht entlarvt vor uns! Wehe ihnen! Wir stehen fest und todesmuthig und wollen lehen, ob ein freihcitglühcndea Herz den Tod m'cht besser verachtet als ein gedungener Söldner! Nur heran Windischgrätz mit Deinen Regimentern, wir »ver- ben den 15. Mai aufrecht zu halten wissen, und Deine Bajonett, elende schwarz - gelbe Reaction ! werden Dir z»» wenig werden. Für uns sind Hunderttausend und die unbezwingliche Macht der wahren Moral! Wir stehen am Rechtsboden der göttlichen Freiheit ihr seid Rebellen! So lange noch ein Soldat in Wien steht, so lange der Kaiser oder sein Stellvertreter nicht hier ist, so lange der 15. Mai nicht im vollen Maße garantirt ist so lange können wir noch jede Stunde verrathen sein. Vertrauen gibt es nach solchen Täu­schungen nicht mehr! Wir vertrauen Niemanden mehr, als uns! Arbeiter, Studenten, Garden, Bürger, Un­garn, Tproler, ja Soldaten, Mädchen unb Weiber fechten in unsern Reihen. Wir werden und müssen siegen. Wir werden Wien den Lorbeerkranz aufdrücken. Die Provinzen werden sich beschämt vor uns beugen. Hoch, dreimal hoch die Freiheit und nun fort zur Barricade! (§. I.)

Wien, (Nachrichten vom Krigsschau platze.) Ein Reisender, der mit einem Boote des österreichischen Lloyd von Triest nach Constantinopel abzugehen beab­sichtigte, durch nachstehenden Vorfall aber gezwungen ward, seine Reise dahin über Wien zu »nachen, theilt uns folgendes Ereigniß mit. An» 23,, gegen 10 Uhr Vormittag, als man schon seit zwei Tagen wegen der Annäherung der feindlichen Flotte in Besorgniß schwebte, setzten Allarmschüsse vom Castell alle Bewohner der Stadt in Schrecke»» uns Bewegung, da man sich bald nachher überzeugte, daß eine feindliche Flotte nicht nur blos sichtbar, sondern auch sogar schon sehr nahe vor bem Hafen sei. Die Nationalgckrde, we die dort stationirte Garnison griff zu den Waffen, traf besonnen und ver­eint alle Maßregeln zur Vertheidigung, während wel­cher in der ganzen Stadt die beste Ruhe und Ordnung herrschte. Schon einige Tage früher wurden au geeig­neten Plätzen Batterien aufgeführt, eine Abtheilung der österr. Flottille war bereits den Tag zuvor von Pola hier angelangt, um sich vor bem Hafen schlagfertig zu legen, und man erwartete in dieser Stellung ruhig alle etwaigen Angriffe ab, welche erfolgen könnten. Kurz nach den Allariilschüssen ging Sir Stratford-Canning mit seiner Fainilie an Bord eines englischen Kriegs­dampfbootes von hier nach Constantinopel ab, und passirte durch die Mitte der feindlichen Flotte. Bei Abgang deö Couriers, Nachmittags 3 Uhr hatten sich einige feindliche Schiffe schon bis auf fast 2 Schußweiten dem Hafen genähert, und waren im Ganzen 28 Segel stark, worunter 5 Kriegsdampfbootc. Der Geist und die Simmung der Bewohner dieser Stadt für Kaiser und Vaterland ist auch unter den gefährlichsten Mo­menten ausgezeichnet, und verdient nicht nur blos die wärmste Anerkennung, sondern auch, daß man ihnen so schnell als möglich zu Hülfe eile. Wie gesagt, for- mirt sich in der vorhergehenden Nacht eine Abtheilung her österreichischen Flotte in Schlachtordnung vom Leucht- thurin halbmondförmig gegen daS neue Lazaret. Das britische Dampfbootpenible" nebst noch einem,kleinen Boot, zogen sich hinter den Molo St. Theresia zurück. Unsere Schiffe sind mit Tauen verbunden, fest geankert und von Kanoiiircn der Landartillerie besetzt. Die Molos von St. Carlo, del Sale, Klütsch, Sartorio und »Theresia sind mit Feuerschlünden gespickt. Graf Gyulay ist fest entschlossen, sich auf das Aeußerste zu verthei­digen. ' (Oest. Z. >

Illyrien

Triest, 23. Mai, Abends 7 Uhr. Der D-g Er­ging unter Vorbereitungen zum Anguss. hat sämmtliche nach' dem Hafen führe«re Strap-n n- setzt. Die Rationalgarde patronllirt runU bw

Die Ruhe wird keinen Augenblick gestoi t " 1

Mandant tré tnMchtn Dnmpd^ ~ ' d ,

Mändllân ZnnchtiUN^ ^- j ' /' -

InÄ! Mer sehr geschätzten Zuschrift vom 23. Mai 1848 anzuzeigen, beehre ich mich zugleich Sie in Kenut- niß zu setzen, daß das Geschwader Seiner Majestät des Königs von Sardinien unter meinem Kommando