Schlüsse seiner Erklärung an die Versammlung dre Mitglieder der Limburger Versammlung auffordcrte, ob die angegebenen Thatsachen in dem Artikel vom 16 Apnl wahr seien, ob namentlich die besprochene Adresse und Petition berathen worden? Bejahende, aber keine verneinende Stimmen erhoben sich. Und diese Bemerkung soll meine ganze Beantwortung der heulenschen Erwiederung aus Limburg sein; denn die Erwiederung kommt von einem Heuler mit eiserner Maske, früher Apostel der Aufklärung in Wein- und Bierhäusern.
# Frankfurt, 20. Mai. Wenn es in der Absicht der verfassunggebenden Nationalversammlung liegt, ein oberstes Reichsgericht cinzuseßen, so hat sie durch ihren Beschluß vom 27. d. M., wonach alle Bestimmungen einzelner deutscher Verfassungen nur nach Maßgabe des von ihr zu gründenden allgemeinen Verfassungs- werkes als giltig zu betrachten sein sollen, dafür gesorgt, daß dieser richterlichen Behörde der Stoff zu Verhandlungen so leicht nicht ausgehe. Wievielerlei Deutungen gibt dieser Beschluß nicht Naum und zu wie vielen MißhcUig- keiten zwischen Völkern und Fürsten wird er nicht Veranlassung geben, insofern nicht den letzteren durch die bündigsten positiven und negativen Bestimmungen des neuen Reichsgrundgesetzes alle Mittel abgeschnitten werden, ihre Sonderinteressen zu verfolgen und Sonder- befugnissc in Anspruch zu nehmen. Daß aber hierzu keine Aussicht vorhanden ist, zeigt der Gang der jüngsten Verhandlungen selbst. Denn der obbcregte Beschluß ist nicht etwa dasjenige, was die compakte Majorität, obgleich in ihren Frciheitsbcwilligungen möglichst zurückhaltend, dennoch auszusprechen für gut fand, sondern er ist das Ergebniß eines förmlichen Uebereinkommens zwischen Majorität und Minorität, wozu letztere nur in der Ueberzeugung die Hand bot, daß endlich wenigstens Etwas geschehen müsse, worin ein Princip ausgesprochen werde, und erstere, die Majorität, sich nur verstieg, damit nicht ein dem Beschlusse in der Mainzer Angelegenheit analoger Ausspruch ihr Ansehen beim deutschen Volke wiederholt gefährde. Unter solchen Umständen ist der Besorgniß nur zu viel Raum gelassen, die gerechten Erwartungen der Nation werden von dieser Versammlung nicht, oder was vielleicht nur' noch trauriger Ware, nur stückweise in Erfüllung gebracht werden, denn wer weiß, ob in den Hauptfragen die Minorität sich in ihrem Gewißen für berechtigt halten wird, tief genug herabzugehen, selbst wenn die Majorität in diesem Falle etwas mehr bewilligen wollte, als das Minimum, welches sie durch ihr numerisches Ueberge- Wicht zu diktiren im Stande ist. Möge die Zukunft unseren Befürchtungen nicht entsprechen!
•V Frankfurt, 29. Mai. (9. öffentliche Sitzung der National-Versammlung.) Einige Reklamationen gegen das Protokoll und die Verhandlung über den Naveaux'schen Antrag, namentlich spricht Sommaruga aus Wien im Namen von 37 österr. Deputirten daS Bedauern aus, ihre Ansichten wegen des gefaßten Beschlusses über die Abkürzung der Debatte nicht haben ausdiücken zu können, namentlich, daß es ihnen unmöglich gewesen sei, im Angesicht von ganz Deutschland zu erklären, daß die Söhne Oesterreichs keine Sonder-Interessen kennen, daß vielmehr die Einheit, Macht und Stärke Deutschlands ihnen über Alles gehe. Die 3 Abgeordneten von Luxemburg und die 2 von Triest glauben bezüglich ihrer Sonder-Interessen ihren Protest zu Protokoll geben zu müssen und treten die Luxemburger Abgeordneten durch den Beschluß vom Samstag, als gegen ihre Coustitutionsbestimmungen und ihr Mandat gehend, gravirt, aus der Versammlung so lange aus, bis sie aiiderwcite Instruktion von ihrer Regierung erhalten haben.
Unter den vielen verlesenen Anträgen macht sich vorzüglich der von Möring auf Bildung eines Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und ein Antrag von Wiesner auf eine Amnestie politischer Verbrecher bemerklich; dann unter den Petitionen eine Begrüßung „des freien deutschen Reichs,, von einer großen Anzahl Bürger aus Newyork mit einer Gabe von 3500 Dollars zur Unterstützung der Marty er der deutschen Freiheit oder für den Fall, daß für diese von den Regierungen und der Nation schon gesorgt sei, als Beitrag zur Bildung einer deutschen Kriegsmarine. Diese Gabe und Adresse wird mit lebhaften Acclama- tionen begrüßt.
Es beginnt die Diskussion über die neue Geschäftsordnung. Annahinc des Entwurfs der Geschäftsordnung von Seiten der Commission in Bausch und Bogen unter dem Vorbehalt, auf die Berathung jedes einzelnen Gegenstandes der Geschäftsordnung jederzeit zurückkommcn zu können, wenn wenigstens 50 Mitglieder dies verlangen.
Schließlich wurde noch ein Antrag auf Bildung eines Ausschusses von 15 Mitgliedern zur Berathung politischer und internationaler Verhältnissen Deutschlands genehmigt.
Berlin, 26. Mai. (Reformelub.) (Sitz, vom 24. Mai.) „Die Revolution des 18. und 19. März hat das Volk mündig gemacht; es darf Hinfort kein anderer Wille gelten, als der des gesammten Volks, der aus den vielen Partcikämpfen, die nützlich, ja sogar nothwendig sind, geläutert hervorgeht. Diese Souve- rainetät des Volkes muß in allen Sphären unseres Lebens eingeführt werden, unseres staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, das von dieser Grundlage aus gänzlich reformirt werden muß. — Alle Diejenigen, welche an der Lösung dieser Aufgabe, die demokratische Reform unserer politischen und socialen Zustande zu be
fördern, mit dem Ernste und der Begeisterung Mitarbeiten wollen, welche das erhabene Ziel verlangt, werden freundlichst zur Theilnahme aufgefordert." — Dieses Programm hatte eine große Versammlung hcrbei- gezogen. Der Saal der Concordia in der Blumenstraße vermochte sie kaum zu fassen. Dr. Retslag eröffnete die Sitzung mit einer längeren Rede, in welcher er sich über das Programm und das Wesen der Demokratie weitläufiger ausließ. Nachdem die Versammlung durch Acclamation sich für die demokratische Tendenz des I Clubs ausgesprochen hatte, ging man zu der eigentlichen * Verhandlung, einer Kritik des Verfassungs-Entwurfs, ; über. Ungefähr 20 Redner sprachen gegen ihn, nicht ; ein einziger erhob sich für denselben. Die Versammlung beschloß schließlich, ihre Entrüstung über dies Machwerk in einer Adresse an die Nationalversammlung zu äußern, und diese zu bitten, den Entwurf als ihrer unwürdig gar nicht zur Diskussion zu bringen. (Z.-H.)
Berlin, 27. Mai. (Demokratischer Club, Sitzung v. 25. Mai.) Waren die bisherigen Club-Sitzungen (im Circus auf dem Dönhofsplatze) schon zahlreich besucht, so war es diese noch mehr; cs mochten 4090 Personen zugegen sein. Ueberhaupt scheint es, als wenn der klassische, aus allen möglichen Constitutionen, : welche zum Theil (wie Frankreich mit feiner Pairs- kammer) ihre völlige Unhaltbarkeit documentirt haben, zusammengewürfelte Verfassungsentwurf dem demokratischen Club eine große Anzahl Anhänger verschafft habe. Es scheint, daß die Fanatiker der Ruhe doch teilweise zu der Ueberzeugung gelangen, daß die sogenannten Aufwiegler vielleicht nicht so unrecht hatten, wenn sie gegen ein Ministerium Opposition machten, das die Revolution durch einen solchen Verfassungsentwurf auffallender als durch alle früheren Schritte zu verleugnen oder doch um ihre Resultate zu bringen sich bemüht. — Der demokratische Club hat in seiner heutigen Sitzung eine Adresse in dieser Verfassungs-Entwurf-Angelcgcn' Heit verfaßt, welche nur von den Clubmitgliedern, nicht vom Club als solchem, gezeichnet wird; cs haben sich diesen Unterschriften bereits die einer nicht unbeträchtlichen Anzahl Bürger angeschlossen. — Nächstdem wurden die neuesten Mainzer Berichte vorgelesen; man ersah aus denselben, daß es nicht blos das revolutionäre und anarchische Berlin sei, das sich mit der preußischen Soldateska nicht zu vertragen möge, sondern daß dieselbe auch an anderen Orten des gemeinsamen ; deutschen Vaterlandes — wir müssen cs leider sagen — | verhaßt sei. Hr> Dr. Heramer, Monccke, Boerner u. A. sprachen über diesen Gegenstand. Hr. Boerner erwarb ganz besonders durch seine wirklich vortreffliche Rede den Beifall nicht allein aller Clubmitglieder, son- , dern auch des ganzen Zuhörerkreises. Man beschloß eine Adresse an die Bürger von Mainz, in welcher man seine Sympathien an den Tag legte. Dieselbe wurde von Dr. "Heramer entworfen und ist bereits an die armen Mainzer abgesandt. (N. W.)
Breslau, 23. Mai. (Verspätet.) Vergangene Woche war Hr. Dr. Julius aus Berlin, Redacteur der „Zeitungshalle", hier, um durch Subscriptionen eine Anleihe zur Erhaltung seines vielgclcscnen Blattes zu Stande zu bringen. Die Beiträge sollen hinlänglich zusammengekommcn sein. Bekanntlich ist die „Zeitungs- Halle" das einzige namhafte Berliner Blatt, welches die ultra-demokratische Tendenz vertritt, Paper sich die hiesige demokratische Partei auch bei den Subscriptionen am meisten bctheiligt hat. Wir hören, daß die früher zweifelhafte Fortdauer dieses Blattes nun vollständig gesichert sein soll. (Schl. Z.)
Tilsit, 17. Mai. Zn unserer Gegend stehen seit etwa 14 Tagen starke russische Truppen -Abtheilungen an der jenseitigen. Gränze; den Behörden werden darü- ; ber vermuthlich offizielle Berichte zugegangen sein. Der : Gränzverkchr ist sich ziemlich gleich geblieben. Der ; Personenverkehr ist jetzt sehr unbedeutend; er wird erschwert oder erleichtert, je nachdem die verschiedenen russ. Gränzbehvrdkn bei Ausführung ihrer Instruction strenge ober ängstlich verfahren. Die russ. Offiziere I sollen sich sehr zuvorkommend dabei benehmen und keine j feindliche Stimmung gegen Preußen zeigen; ebensowenig ist eine solche bei den russischen Behörden und der Bevölkerung jener Gegend zu bemerken. Im ganzen ruff, Litthauen soll eine für das russ Gouvernement günstige Stimmung herrschen und sich nicht die geringste Neigung zum Aufstande kundgeben. Die Masse des russ. Volkes soll von den neuern Begebenheiten in Preußen und Deutschland keine Kenntniß haben, dagegen die gebildete Klasse, besonders in den Städten, bis weit ins Innere des Reichs, von diesen Vorfällen genau unterrichtet sein. (K. Z.)
Hadersleben, 24. Mai. Am 2t. wurden hier 4 Personen aus Norder-Stcnderup eingebracht, welche sich mit den in der Koldinger Bucht stationirten dänischen Kriegsschiffen in Verbindung gesetzt hatten, und später noch von der Gjennerbucht 8 Mann, die von den Kriegsschiffen ans Land gesetzt waren, um Lebensmittel zu re- quiriren; zwei von den letzteren waren bei der Gefan- gennehmung verwundet worden. Alle 12 find nach Rendsburg transportirt. An demselben Tage hat auch der wackere Aldosscr wieder von sich hören lassen. Ein paar hundert Schritt vor der Schiffsbrücke von Aarö- sund lag ein Kriegsdampfschiff, das ihm ein Dorn im Auge war. Er begrüßte es mit einer Salve seiner Freischaar, bekam Antwort aus den 24pfündern des Dampfschiffes, die ihm aber keinen Schaden zufügten, und so entspann sich ein Kampf, der fast den ganzen Tag anhielt, bis sich das Dampfschiff und ein Kutter,
der ihm zu Hülfe gekommen war, entfernten, und zwar nicht ohne Verwundete oder Todte, wie man meint, während von den Freiwilligen kein Verlust erlitten ward. Am folgenden Tage kamen beide Schiffe wieder und eröffneten ihr Feuer gegen die deutsche Fahne, die auf der Schiffbrücke wehte. Das Freicorps verhielt sich ruhig, doch wurden leider 3 Mann einer Patrouille verwundet, zwei leicht, bem dritten, Hrn. v. Morsai aus Sachsen, wurde ein Bein weggefchossen. (Börsenh.)
Hamburg, 26. Mai. Heute Vormittag sind wieder gegen 160 dänische Gefangene, fast lauter Gemeine, unter Escorte von etwa 20 Mann Hamburger Hanseaten, mit dem Zuge von Rendsburg in Altona eingetroffen.
— Auf der hiesigen preuß. Post ist aus Kolding vom 24. die Nachricht eingegangen, daß dort ein prcuß. Courier angekommen sei, der den Befehl überbracht hätte, Jütland zu räumen und die in Jüt- Iano ausgeschriebene Contribution aufzn- geben. Das preußische Hauptquartier ist nach Ha- dcrslebcn, das hannoversche nach Flensburg verlegt.
Paffagiere des Mittagszuges haben in Rendsburg ebenfalls von einer rückgängigen Bewegung Ides preußischen Hauptquartiers gehört, welche man vorläufig jedoch nur als eine Concentration der Kräfte ansah. Gleichzeitig war man auch da nicht abgeneigt, an eine bevorstehende Erledigung des Krieges zu glauben. Vor Eckernförde soll gestern ein dänisches Kriegsschiff mit einer weißen Flagge erschienen sein, um Proviant cinzukaufen.
Wien, 23. Mai. Man fängt hier an, nach und nach die Personen zu bezeichnen, welche den Kaiser zur Flucht von Wien bewogen haben sollen. Graf Bom- belles, dessen letztes Auftreten in den Provinzen seine schändlichen Intriguen ans Licht bringt, ist es vor Allen, den die allgemeine Stimme als denjenigen bezeichnet, welcher durch abfichtliche Entstellung von Thatsachen den Kaiser planmäßig zur Flucht drängte, — Von allen Vorstädten kommen Bitten und Petitionen an die Studenten, daß ihre Mission nicht geendet sei, daß die Hauptstadt ihrer Hülse noch bedürfe, um nicht eine Errungenschaft nach der andern sich entreißen zu sehen. Eine Petition von 30,000 Unterschriften gelangt in diesem Sinne morgen an die Universität; ja, die Arbeiter, die um Tagelohn Erdarbeiten verrichten, haben durch Einige aus ihrer Mitte gebeten, die armen Studenten, welche vielleicht der Mangel an Erwerb während der Ferien in ihre Heimath zu gehen zwingt, möchten ihre Unterstützung nicht verschmähen; Jeder von ihnen habe sich erbötig erklärt, 5 Kr. vom Tagc- löhne täglich für arme Studenten herzugeben. Man kann wohl denken, daß dieses wirklich rührmde Anerbieten mit wärmster Anerkennung abgelehnt wurde. Es wird wohl der größte Theil der Studenten in Wien bleiben, trotzdem, daß ein Placat vom Unterrichts-Minister das Schuljahr für beendigt erklärt. (B.Z.-H.)
II ii g « r ir.
Pesth, 21. Mai. Es ist an unser Ministerium daS Gerücht gelangt, daß das Wiener Ministerium die gesammte österreichische Monarchie unter den Schutz Rußlands gestellt habe. Sogleich fertigte unser Ministerium einen Courier an den König nach Innsbruck ab, um anzufragen, ob der König selbst seine Einwilligung zu solchem Schritte gegeben, welcher die augenblickliche Auflösung der pragmatischen Sanction zur Folge haben müßte. In dem Radikal-Kör wurde gestern Nacht sehr ernstlich darüber verhandelt. Man machte den Vorschlag, Frankreich um Hülfe anzugehen, was aber der Präsident, Graf Ladislaus Teleky und Andere nicht billigten, indem Ungarn in sich selbst Kraft genug habe, seinen innern und äußeren Feinden zu wicder- stehtn, und auch erst nach der äußersten Anstrengung auf die Sympathien Europa's rechnen könne. Man bereitet sich aber auf einen Kampf auf Tod und Leben vor. Der Radikal-Kör eröffnete eine Subskription freiwilliger Beiträge zur Ausrüstung von Freiwilligen. 10,000 Gulden kamen bald zusammen. Die Liste ist jedoch noch nicht geschlossen. (Br. 3 )
P o f è n.
Posen, 25. Mai. Mieroslawski hat ungeachtet der Versicherung der preußischen Behörden, bis jetzt noch keinen Paß erhalten, heute ist er sogar im Gefängniß sehr erkrankt. Anstatt der früheren Tättowi- rung mit Höllenstein scheert man nun den zu entlassenden Gefangenen die Vorderseite des Kopfes kahl ab. Das Prügelsystem, bei Herrn und Bauern angewandt, ist jetzt über die ganze Provinz ausgedehnt und wird von den Militairbehördcn systemathisch betrieben. Auf allen Dörfern, in jedem Städtchen zeigen sich^Abthei- lungen preußischer Soldaten, angeblich um Wassn und Insurgenten aufzusuchen, in der That aber, um zu rauben, um zu plündern unb Unschuldige zu ""Aand o, wenn die, nach ihrer Ansicht, Strafbaren sch wr Rache entziehen. Die erste beste Hecke vor J liefert dann die nöthigen Marterwerk^ g j -
Wune unter an nn ^ per anwesende Major, der d"sè Äb-?! A '■* «wy «E- Id« e«« eben flies) bat, Erbarmen mit dem hinfälligen, kranken
Allen u haben; doch vergebens, die blinde Wuth der Soldateska Ivar nicht zu zügeln und ein graues Haupt, was uns Deutschen bis jetzt immer Ehrfurcht cingeflößt hat, unmenschlicher Behandlung prcisgegcben. Ehre den'Commandircnden, die bei Greueln der Art ver-