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Freit Zeitung.

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Wiesbaden Sonntag, 28. Mai

1848*

sAeint täaU» in einem Logen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter;

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des ganzen ° Her"oM,E Nassau, de^ GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 st 4» -r. inner- ^^^JnstrM?weÄ^der-itwMg'a!figm betragen für die vierspaltige Petitzelle oder deren Raum 3 Kreuzer.

Nassauische Zustände

III. Das Ministerium und die Schule.

Volksbildung ist Zollbefreiung.

H. Zschokke.

Es haben sich in allen Staaten, die eine freiere Gestaltung erhalten, von jeher die edelsten Männer der Volks-Erziehung mit besonderer Vorliebe angenommen.

Das Alterthum erzog durch die Schule die Kinder dem herrschenden Systeme. Das Mittelalter bildete die Jugend in den Städten dem Stadtleben heran; und heute noch haben sich Neste demokratischer Volkscrziehung in einzelnen übrig gebliebenen Republiken erhalten. Die Neuzeit erzog in den Schulen sogenanntegute und ruhige" Bürger.

Bei der Erziehung eines Volkes läßt sich, die Me­thode von dem Organismus unterscheiden, obgleich Beide zusammen nur ein Ganzes bilden und innig mit ein­ander .verbunden sein müssen.

In dem Polizeistaate war es ganz am Platze, daß die Schule der Polizei (Landesregierung) beigegeben war und in ihr aufging. Im demokratisch - monar­chischen Staate kann dieses nicht sein.

Die Erziehung und Bildung beabsichtigen mehr, als den Polizcischutz; und die Polizei, die sich damit begnügt, diesen Polizeischutz zu leisten, dürfte die ungeeignetste Behörde sein, ein freies, .frisches Leben in der. zarten Jugend zu entfalten oder zu erhalten. Sie ist eher ge- tignet, gehorsame Unterthanen, als freie Bürger zu schaffen.

Eben so wenig würde die Erziehung einem andern Zweige der Staats-Verwaltung sich unterordnen lassen. Der Steuer-Verwaltung liegt das Sparen ob, und der Soldat betrachtet wie das Heer, so den Staat und jedes Institut als eine lebendige Maschine.

Die Republiken (die Staaten, wo der Mensch et­was gilt, und nicht das Phantasiegebilde einer hoch- adeligen Geburt oder der Geldsack) haben daher die Erziehung von der Staats-Verwaltung getrennt; aber nicht allein diese, auch die konstitutionelle Monarchie hat die Schule von den übrigen Verwaltungszweigen gesondert.

Wir verlangen ein besonderes Ministerium für den öffentlichen Unterricht, das nur unter Controle des zu bildenden gesummten Staatsministeriums stehe; dessen Aufgabe es sein soll, sich hauptsächlich diesem Zweige der Staats-Verwaltung zu widmen.

Die Folge der Verbindung von Schule und Ver­waltung war:

a) daß man sich mit diesem Verwaltungszweige nur dann beschäftigte, wenn man sonst nichts zu thun

hatte oder nicht mit andern. Geschäften überla­den war;

b) daß man ohne ein bestimmtes System reformirte, | und nichts Durchgreifendes schaffen konnte, weil man in anderer Beziehung Besorgnisse hegte und sich nicht wegen solcher Schulsachen persönliche Feinde machen wollte;

c) daß man sich höchstens für die Schulen seines Standes, nicht aber für das gesammte, besonders das Volksschulwesen interessirtc.

An allen diesen Gebrechen hat das bisherige Schul­wesen gelitten; und es ist gar nicht möglich, daß diesen Gebrechen auf eine andere Weise abgeholfen werden könne, als durch eine Ablösung der Schulverwaltung von der Polizei.

Ueber die Trennung der Schule von der Kirche ist man allgemein einverstanden. Allein die Polizei war der Schule noch viel gefährlicher und verderblicher; und es ist unmöglich, daß die Schule, so lange sie von der Polizei geknechtet ist, ihre schöne Aufgabe erfülle.

Es ergeht daher an alle Eltern, denen ein freieres Leben lieb ist, an alle.Jugendfreunde, die nicht der jüngeren Generation freien Sinn unter polizeilicher Zucht gebrochen sehen wollen, an alle Lehrer, die ihre schöne Lebensaufgabe zu erfüllen streben, an alle die Lehrer, die unter dem alten Systeme noch einen Funken männlichen Stolzes und männlicher Würde sich bewahrt haben, an alle Lehrer höherer und niederer Schulen, welche nicht ferner als Schergen die niedersten Polizei- dienste versehen wollen, die dringende Aufforderung:

bei der Stände-Kamlner die Bildung eines Mi­nisteriums für das gesammte Volks- und Gelehr- ten-Schulwesen des Herzogthums zu beantragen".

Wie das Ministerium des öffentlichen Unterrichtes gebildet werden solle, das wird eine Frage der Staats­männer und des Lehrerstandes sein.

In den freiesten Staaten wird dasselbe meistens nicht aus Fach-Männern zusammengesetzt. Man ist der Ansicht, daß der Rechtsgelehrte besser verstehe, was ein Jüngling lernen müsse, um sich dereinst diesem Berufe zu widmen, als der Lehrer. Man behauptet, daß der Arzt, der Kaufmann, der Gewerbsmann und Landmann eher die Bedürfnisse ihres Standes kennen, als der Schulmann. Man weiß aber auch, daß der Schulmann über Methode und Lehrplan ein besseres Urtheil hat, als der Geschäftsmann. Die Fehler dieses Standes, namentlich das vornehme Hcrabsehen des gelehrten Schulmeisters auf das arme Dorfschulmelsterlein, die Pedanterie und die alleinseligmachende Methode sind nun nicht geeignet, ihm die' höchste Leitung des Schulwesens anzuvertrauen.

Der freiere Staat bildet entweder ein Collegium, in welchem Lehrer als Fachmänner mit berathender oder auch entscheidender Stimme zugezogen werden, aber nie für sich allein die Mehrheit bilden können; oder, er überträgt einem Director oder Minister das Schulwesen, welcher je nach Bedürfniß den Rath von Sachverstän­digen einhohlt. In freieren Staaten ist es Grundsatz, diesen Direktor nie aus dem Lehrerstande zn wählen. Man weiß daselbst, daß hierdurch ein Fach oder ein Theil der Erziehung und Bildung immer nothleidet. Die alleinseeligmachende Methode ist einem Theile der Lehrerschaft, der einer andern Methode huldiget, ein Greuel, und die Vorsteher anderer Verwaltungszweige vermögen mit einem Schulmanne von Profession häu­fig nicht auszukommen. Weicht man von die­sem Grundsätze ab, so geräth gewöhnlich ein Direc­tor, der dem Lehrerstande angehört, mit seinen ihm untergebenen Lehrern und mit den Ministern anderer Verwaltungsfächer dermaßen in Händel und Streit, daß wir und das gesammte Volk froh sind, wenn diese Stelle einem Andern übertragen wird.

Damit ist nun nicht gesagt, daß es nicht Ausnah­men geben könne, allein sie sind äußerst selten, und es äst rathsam, das Gewissere dem Ungewisseren vorzuziehen.

Wir verlangen also ein Ministerium für den öffent­lichen Unterricht, worin der Lehrerstand kein Ueber- gewicht hat.

Nassauischer Landtag.

III. Sitzung.

Wiesbaden, 26. Mai. Die heutige Sitzung, die eigentlich nur als eine Fortsetzung der zweiten anzusehen iss, da diese wegen vorgerückter Tageszeit abgebrochen worden war, wurde, von dem Alters-Präsidenten Mül­ler eröffnet mit der Anzeige, daß das Protocoll der vorigen Sitzung noch nicht beendigt sei und daher die Verlesung desselben bis zur nächsten Sitzung verschoben werden müsse. Nun machte vorerst der landesherr­liche Commissarius, Präsident Vollprächt, der Kam­mer die Mittheilung, daß der Herzog von den 3 er­wählten Kandidaten den Abgeordneten Schenk als Präsidenten der Versammlung bestätigt habe. Der Alters-Präsident lud darauf den Präsidenten Schenk ein, das Präsidium zu übernehmen, was derselbe that, nachdem er zuvor eine kurze Ansprache an die Kammer gerichtet hatte. Hierauf wurde zur Wahl der beiden Secretäre geschritten, und dazu durch Stimmenmehrheit die Abgeordneten Professor Bellinger und Damian v. Schütz erwählt. Beide nahmen nach erfolgter Auf­forderung sofort ihre Plätze ein.

Dr. Middleton.

Von Friedr. Gerstäcker,

(Schluß.)

Curneales nahm Preston nach den gewöhnlichen Begrüßungen das Wort ich möchte Euch gern etwas zeigen, wollt Ihr wohl nicht einmal hierher zum Feuer- kommen?

Der also Angeredete stand still und mürrisch auf und fragte ruhig:

Was Teufel bringt Euch noch so spät her, einen Christenmenschen in seiner Ruhe zu stören?

Kennst Du dies? fragte Preston jetzt schnell und laut, dem unruhig Umherblickenden das gefundene Pulver­horn dicht vor die Augen haltend, daß dieser kaum einen Schrei unterdrücken" konnte und bestürzt einen Schritt zurücktrat, während er mit der rechten Hand krampfhaft unter sein Jagdhemd nach dem Herzen fuhr. In diesem Augenblick legte ihm der von ihm unbemerkt eingetretene Constable die Hand auf die Schulter und sagte ruhig und fest: °

Ihr seid mein Gefangener.

Aber wie ein Blitzstrahl zuckte ein breites, schweres Jagdmesser in der Hand des Mörders, und mit kühnem prnnge, wild um sich stoßend, benutzte er die erste Uebcrraschung feiner Feinde und flog mit einem Satz, uuj der offen stehenden Thür. Sein Triumpf war aber

VDn h"Wv Dauer, denn von dem Faustschlag des

kräftigen Händlers getroffen (der an der Thür die ganze Verhandlung gehört und gesehen hatte, und keinen Augen­blick zweifelte, daß er irgend etwas sehr Schlechtes müsse begangen haben), taumelte er zurück, und wurde augen­blicklich von den drei ihm folgenden Männern gefaßt, und trotz seiner verzweifelten Gegenwehr, niedergeworfen und gebunden.

Knirschend und schäumend wüthete er wohl in den Händen seiner Rächer, doch Preston's Arme hielten ihn wie eiserne Klammern umfaßt, und endlich einsehend, daß alle Gegenwehr unnütz war, verhielt er sich ruhig und lag wie todt auf dem Boden. 9(uf alle an ihn ge­richtete Fragen antwortete er aber nur mit den schreck­lichsten Flüchen, und schwur, daß sie diese Mißhandlung theuer büßen sollten.

Ueber eine Stunde wohl ließen sie ihre Pferde ruhen und füttern, dann aber trieb Preston die Ungeduld und er konnte es nicht mehr im Zimmer aushalten.

Er bat Vollheim, dem Constable in der Bewachung des Gefangenen beizustehen, und ihn in daS Gefängniß abzuführen, warf sich wieder auf sein Pferd und sprengte, so schnell ihn das Thier zu tragen vermochte, dem Hause des Doktors zu.

O, mit wie viel freudigern Gefühlen flog er jetzt dem ersehnten Ziele entgegen. Bald schimmerten ihm, als er in die offene Prairie hinauskam, die Lichter der sonst so freundlichen Wvhnnng entgegen, in der, seit dem traurigen Vorfall, der Schmerz und Gram ihr

schreckliches Lager aufgeschlagen hatten, und stärker trieb er den Gaul, daß dieser schäumend mit ihm über die weite Fläche dahinbrauste. Endlich hatte er das Thor erreicht, sprang aus dem Sättel, und den Zügel seines zitternden , dampfenden Pferdes dem Knechte zuwerfend, trat er in die ihm von Judith geöffnete Hansthür.

Aber der kräftige Körper des jungen Mannes ver­mochte nicht länger sich gegen die übertriebenen Anstren­gungen zu stemmen; seine Knie zitterten, seine Pulse stockten, und da ihm Judith entgegenkam, hatte er kaum noch Kraft genug, auszurufen:er ist unschuldig, wu haben den Mörder," als er bleich und zum -rode n schöpft, zusammenbrach und ohnmächtig w den Fumn des erschrockenen Mädchens niedcrstm'zre.

Er stirbt, er stirbt, säu-e diese, und war; t», alles Andere als die Gefahr des geliebten Manne« . ur gessend, auf ihn, und suchte ihn empor »lurchttii, o heilige Mutter Gottes, er stirbt unfr ; wc ihn getödtet. i enenfd ciftlua umfaßte fu i'S w* ^^ «n» mw B«! halb bewußtlos neben ihm nieder.

Mansfield, der selbst hcrubergckommcn war, die Frauen zu trösten, und sie auf die neue, freudige Hoff- nnng vorzubereiten, trat jetzt hinzu, und seinen und der Dienstlente vereinten Bemühungen gelang es endlich, den znm Tode Erschöpften wieder ins Leben zurückzurufen.

Sie trugen ihn auf ein Bett, wo er sich langsam erholte; kaum aber war er wieder zu sich gekommen und