Freit Zkilung.
„âeiheiL und Neeht!"
Wiesbaden Samstag, 27. Mai 1848*
«.Mutto» »scheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; ^»awär^ be'l' den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. März bis l. Juli d I beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtdu^ Nassau, des Großderzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesstschen Provinz Hanau 2 4 - - inner» hâ â^nsâ/wer^en'berâ — Di/JnserationS-Äebühren betragen für die vierspaltige Petitzelle oder deren Raum 3 Kreuzer.
Entwurf einer Verfassung des deutschen Bundesstaates Nassau.
(Fortsetzung.)
C. Die Rechte auf Erwerb.
§. 28. Die Erwerbs- und Gewerbsfreiheit ist unter Beachtung der näheren Bestimmungen gewährt.
Ein gegenwärtiger Verfassung beizulegendes Gesetz enthält die nöthigen Beschränkungen.
D. Rechte auf Besitz und Eigenthum.
§. 29. Das Recht auf Besitz und Eigenthum ist gewährleistete
§. 30. Das Besitz - und Eigcntbumsrecht kann nur unter Beachtung der gesetzlichen Formen ausgehoben und entzogen werden.
§. 31. Für Entziehung des rechtmäßigen Besitzes soll dem Besitzer vollständige Entschädigung gewährt werden.
Die Ausmittlung der Entschädigungs-Summe geschieht durch ein von beiden Theilen zu wählendes Schiedsgericht.
Das Gesetz bestimmt das Nähere.
§. 32. Dem Gesetze bleibt es Vorbehalten, auch ohne Entschädigung den Besitz oder das Eigenthum gewisser Sachen, Rechte und Nutzungen zu entziehen:
a) bei Gefährdung des Rechtes auf Leben, z. B. durch Wucher, Aufkauf von Land und Lebensmitteln;
b) bei Gefährdung des Besitz- oder Eigenthumsrechts Anderer; c) in solchen Fällen, wo der Besitz oder das Eigenthum usurpirt sind.
8. 33. Das Hausrecht ist unverletzlich.
Das Gesetz bestimmt die Formen, unter denen im Falle eines Krieges, eines Aufstandes, bei Verfolgung einer Person oder im Falle einer Criminal-Untersuchung die öffentliche Gewalt eine Hausuntersuchung vorneh- men kann.
§. 34. Das Briefgeheimniß ist gewährleistet.
Das Gesetz bestimmt die Formen, unckr denen im Falle eines Krieges oder nach stattgehabten Verbrechen dasselbe verletzt werden dürfe.
E. Vom Rechte auf Ehre.
§. 35. Das Recht auf Ehre ist gewährleistet.
§. 36. Die Ehren-Vorrechte sind abgeschafft.
8. 37. Die Entehrungen von Staatswegen, wegen unehelicher Geburt, Verarmung und Ausübung von Gewerben sind aufgehoben.
Ebenso dürfen die entehrenden Strafarten, als: Prügelstrafe — unter welchem Namen dieselbe auch Vorkommen mag —, Ausstellung an den Pranger, Herumfnhren zur Schande, Ablegung eines Widerrufes, einer Abbitte u. s. w., so wie die deßfallsigen Strafen I
bei Militärpersonen nicht mehr erkannt oder vollzogen werden.
§.38. Die Ehren-Titel, als: Ercellenz, Gnaden, Hoch- uiib Wohl-, Edel- und Hochedelgeboren, Hoch- und Wohlehrwürden rc., so wie die Adelstitel sind abgeschafft.
In amtlichen Schriften wird jede männliche Person mit „Herr", jede Person weiblichen Geschlechts dagegen, je nach ihrem Ehe-Verhältnisse, mit „Frau" oder „Jungfrau" näher bezeichnet.
In amtlichem, schriftlichem wie mündlichem Verkehre ist jeder Mensch in der 3. Person der Mehrzahl anzu- reden.
(Fortsetzung folgt.)
Die alte und die neue Zeit.
Die Masse des Volkes lebte bis zum 4. März ohne das klare Bewußtsein ihrer Kraft und Stärke. Wie eine Heerde dem Hirten folgte, so gehorchte sie dem Führer.
Der Soldat vollzog pünktlich die Befehle seines Oberen; der Beamtete gehorchte dem Oberen, und der Bürger wußte kein höheres Gesetz, als den Gehorsam. Die Zauberformel, die all' dieses zusammenhielt, die wundersam wirkte, daß der Starke Unterthan war der Schwäche; daß der Beistand sich unter den Unverstand beugte, daß die Geburt mehr galt, als Tüchtigkeit; diese Zauberformel war die Furcht.
Furcht vor Ungnade, Fu' cht vor Verlust von Stellen, Furcht vor Zurücksetzung im Avaneement, das hielt die Beamteten in blindem Gehorsam. Der militärische Gehorsam basirte sich auf das gleiche Zauberwort, und zwar meistens auf Furcht vor Strafen. — Den Bürger schreckte man, und hiUt ihn in Furcht durch die geistliche Polizei, welche die Lehre von der Gewalt predigte, und den Teufel an die Wand malen mußte. Furcht mußte der Schulmeister den Knaben cinimpfen vor der Polizei und vor dem öffentlichen Urtheile, das von den Beamteten ausging. Furcht vw dem Militär und den Waffen hielt die große Masse zurück; und da, wo die fürstliche Hausmacht nicht hinreichte, schrecktf die deutsche Bundesmacht selbst den ruhigen Bürger.
Die Zeiten der Furcht sind vorbei. Der Beamtete hat sich nicht mehr zu scheuen, recht zu thun. Das öffentliche Urtheil steht ihm schützend zur Seite. Der Militär ist nicht mehr blindes Werkzeug; er kennt seine Stärke und hat sich fühlcw gelernt. Der Bürger, er ; weiß, welche physische und moralische Gewalt er besitzt; er weiß, daß man ihm eine falsche Moral gepredigt; ' der Pfaffe darf ihm nicht mehr vorlügen: Ruhe ist die 1
erste Bürgerpflicht. Seiner Macht und Stärke bewußt, behauptet er feine Rechte.
Mit Furcht läßt sich nicht mehr regieren.
Die Unordnung und Gewaltthätigkeiten, das eigenmächtige Rechtverschaffen, die ungeordnete Verfolgung von Personen und Rechten, — darin liegt aber auch kein I Heil für den Staat. Dieser Zustand kann nicht fortdauern; er muß ein Ende nehmen. — Daß dieser Zustand eingetreten, war der Natur der Sache gemäß. Die neue Zeit hatte die Formen geändert, aber dje Maximen beinhalten.
Die ^Revolution ist nicht beendet, bevor an die Stelle dieser unhaltbaren Maximen neue getreten.
Das Volk ist Meister, es hat eine Gewalt, die die ' stärkste im Staate. — Dieses kann nicht mehr durch die Furcht vor den Beamteten im Zaume gehalten werden; es kennt seine Macht und der Starke fürchtet den Schwachen nicht. — Es muß also ein anderes Mittel gefunden werden, wodurch die Rechte des Einzelnen und die Rechte Aller durch den Willen Aller oder der größeren Mehrzahl gesichert werden; und ; dieses Mittel ist die freie Ueberzeugung.
Der Bürger muß sich überzeugen, daß ohne eine bestimmte Ordnung kein Rechtszustand bestehen könne; und daß dieser Rechtszustand ihm, wie jedem Anderen gleich nützlich und unentbehrlich fei. Diese Ueberzeugung muß dem Beamteten die Macht verleihen, die er jetzt vergeblich in Titel und Uniform suchen wird. Sie I allein vermag den Militär in schwierigen Augenblicken zu führen und zu leiten.
An die Stelle der brutalen Gewalt, des blin- I den Gehorsams tritt die Einsicht, und die freie I Ueberzeugung von der Nothwendigkeit und Nütz- : lichkeit eines geordneten Zustandes.
Noch ein Wort über das Schnllekrer-S?- mirrar zu Idstein.
Das Schullehrerseminar zu Idstein sollte sich auch der Früchte der freien Presse erfreuen; als Bildungö- anstalt für Männer, deren hochwichtige Aufgabe cs ist, die Jugend für den veredelnden Genuß der neu errungenen Freiheit fähig zu machen, sollte ihm die Aufmerksamkeit und der Einfluß des Volkes und seiner Vertreter in erhöhtem Maße zugewendet werden.
Zu dem Ende wohl brachte uns dieses Blatt einige Artikel über, die betreffende Anstalt und jeder freiheit- liebcnde Bürger Nassau's wird diesen volksfreundlichen Zweck nicht nur gutheißen, sondern auch nach Kräften unterstützen. Auch Referent nimmt einen so warmen Antheil an der Entwickelung des Seminars, daß er sich verpflichtet hält, zu den deßfallsigen Bestrebungen
IV re M iddleton.
Von Friedr. Gerstäcker.
(Fortsetzung )
Preston bemühte sich von ihm los zu kommen, als Jener plötzlich nach dem Pulverhorn griff, was dieser trug (dasselbe, das er an jenem unglücklichen Tage im Gebüsch gefunden hatte), und ausrief:
Höll' und Verdammliiß, wie kommt denn Ihr zu meinem Pulverhorn?
Preston und Vollheim zuckten beide bei dieser Frage, wie von einem Blitzstrahl getroffen, zusammen und wechselten einen Blick des Staunens und der Ueberraschung; doch Meßworth ließ sich dadurch nicht irre führen, sondern fuhr eifrig fort:
Ja, mein Pulverhorn, und wenn Ihr Euch auch beide hier so verwundert austaunt, als ob Ihr Euch in Eurem Leben noch nicht gesehen hättet; cs ist mein Pulverhorn; hab' ich's nicht dem Schuft, dem Curneales, kurz vorher, ehe ich wegging, geborgt, und hat sich vcv „son of a gun“*) wohl je wieder bei mir blicken assen, so daß ich mir, wie ich eins brauchte, erst selbst wieder eins machen mußte?
"Èderte Preston, fast seiner Sprache bc- , 'n halb freudiger, halb ungläubiger Ueberraschung,
Amcrillme/" ""^ Gewehrs", ein beliebter Ausruf der westlichen
seid Ihr dessen auch ganz gewiß, daß dies das Eurige I ist, und daß Ihr es an Curneales gegeben habt?
Ob ich gewiß bin? Hol's der Teufel, steht denn da nicht deutlich mein Name und der Ort meiner Geburt drauf? — da seht selbst, P — Philipp — M - Messworth — aus M — Milford — in D — Delaware! Na? wem gehört es denn sonst? Überbein kostet mich das Horn 1% Dollar, denn der Deckel unten ist, wie mir der deutsche Krämer, dem ich's ab- gekäuft habe gesagt hat, gutes Silber!
Preston stand einen Augenblick rath- und thatlos, so heftig stürmten die verschiedenartigsten Gefühle und Empfindungen auf ihn ein, doch der besonnenere Boll- Heim reichte dem Trunkenbold 1% Dollar und bat ihn, ihm das Horn zu lassen, da er es eingehandelt und an Preston vertauscht hätte, damals aber nicht wußte, daß der Manu, der es ihm verkaufte, kein Recht daran habe.
Meßworth, sehr zufrieden mit dem haaren Gelde, das er in der Hand hielt, betheuerte in einem fort, daß er sich nichts aus dem Horn mache, und daß sic es behalten könnten, nur wollte er sie um so eher in die Wirthsstube haben, um mit ihnen das eben eingenommene Geld zu vertrinken, doch machten sie sich von ihm los, sprangen auf ihre Pferde und waren bald, Boll- Heim voran, vor der Stadt in der offenen Prairie.
Bictoria, rief Bollheim, als sic die letzten Häuser im Rücken hatten, Victoria, wir sind auf der Spur!
Aber wohin nun, fragte Preston, um eben diesen
Curneales zu finden, wer kann jetzt wissen, wv der steckt? — und wenn er dann leugnet?
Komm nur mit mir, rief Vollheim, im höchsten Grade lustig und froh, komm nur mit mir, ich weiß wo der Vogel sein Nest bat; wir wollen aber an des Doktors Hause vorbei, und dort können wir mit wenigen Worten den armen Frauen Trost und Hoffnung einsprechen.
Jetzt erzählte er dem Freunde , wie er am vorigen Abend noch diesen Curneales gesehen und gesprochen b.ibe, und wie sich derselbe in einer Schenke, etwa fünf Meilen von dem Hause des Doktors entfernt, aufballe, in der er schon seit längerer Zeit sein. Wesen treibe, und sich fast einzig und allein mit der Jagd beschäftige; ea- bei finster lind in sich gekehrt umhcrgchc und r-nt mit keinem Menschen rede. Nach des Wirtbeo - nH. tete er einzig und allein auf einige k""kz'g » tbm eu. Kaufmann m , miC dicfe bekommen habe, nach hort a^chekelm ^ ^ Leiden Reiter leichten HerwnS und voll von freudigen Hoffnungen auf der ge-
enen Prairie hin, und erreichten Nachmittags das Haus des Richters Mansfield, um noch einmal genau Hack 'u forschen, ob an dem 'Abend jenes Unglücks weiter kein 'verdächtiger Mensch dort gesehen worden sei. Ltie- mand konnte ihnen aber die geringste Auskunft ertheilen und Middleton war das einzige lebende Wesen, das sich