Frm Zeitung.
„âeiheit und NechL!^
jg HO Wiesbaden Mittwoch, 24. ^ai 1S48.
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Eröffnung der neuen Ständeversammlnng
Wiesbaden, 22. Mai. Heute wurde unsere neue Stände -Versammlung durch Se. Hohest den Herzog mit nachstehender Rede vom Throne eröffnet:
Meine Herre» und lieben Stände!
' Ich heiße Sie willkommen in Ihrem neuen Berufe. Ein ocr- jungte« Leben ist aufgegangen über unserm Vaterlände. Ich schließe mich ihm an mit vollen! Herzen.
Mein Ziel ist wie das Ihrige: die größtmögliche Verwirklichung der Freiheit und Wohlfahrt der.Einzelnen, wie der Gesammtheit. Lassen Sie ünS nach diesem Ziele streben mit Enlschdedenheit, mit Wahrheit, aber auch mit klarer Erkenntniß reffen, was wahre Freiheit ist.
Meine Herren und lieben Stände! Was ich in deni mit meinem Volke geschloffenen neuen Bunde am 4. März d. I. über- nommen, soll, so viel an mir liegt, ohne jeden rückhaltigen Gedanken, zur vollen Entwickelung kommen.
Die Volksbewaffnung ist in ihrer Organisation begriffen. Eine Commission, aus der Volksw hr selbst gebildet, ist mit deren möglichster Beschleunigung beschäftigt. Das provisorische Wehr
wied Ihnen zur Prüfung vorgelegt werden.
ie Preßfreiheit besteht in vollen: Maaße, eben so das Recht
der freien Vereinigung. ,
Das Militär hat den Eid auf die Verfaffung geleistet; es ist fortan vor Gort verpflichtet, zu deren Aufrechlhaltung milzn- wirken.
Ich habe an geordnet, daß Ihnen sämmtliche auf die Domänen bezüglichen Döeumente und Acten vorgelegt und alle Aufschlüsse, die Sie wünschen, gegeben werden sollen. Die Frage, d:e wiederholt den Frieden dieses Landes störte, wird auf diesem Wege zur Lösung kommen.
Ein Gesetzesentwurf zu einer freien, auf dem Prinzip der Selbstverwaltung Vernhenden Gemeindeordnung wird Ihnen vorgelegt werden.
Ihrer Zustimmung im Voraus gewiß, habe ich die letzten Reste der Feudallasten, die Jagdfrohudeu — in Bezug aus die Domänen ohne Entschädigung — aufgehoben; ein Gesetzesentwurf zur Aufhebung des Iagdroyals ist bereits veröffentlicht, und zur Beseitigung der Banurcchte sind Einkeilungen getroffen worden.
Dem in der Arbeit befindlichen Entwurf zn einer neuen Ver- waltnngSorganisatiou soll das Prinzip der möglichsten Vereinfachung und der vollständigen Trennung der Justiz von der Verwaltung zum Grunde liegen, welche letztere durch einen frei gewählten Beirath auS den Bürgern eine vvlksthnmlichc Grundlage erhalten wird.
Die Rechtssprechung wird öffentlich und mündlich sein, und Schwurgerichte werden in Strafsachen eine weitere Garantie der unabhängigen Justiz gewähren. Auch darüber wird Ihnen ein Gesetzvorschlag vorgelegt werden.
Eine, den Anforderungen der Gerechtichkeit gegen die Gc- fammthrit des Volkes entsprechende billige Ablösung des Zehntens wil-d Gegenstand Ihrer Thätigkeit sein müssen. Zum Schutz uud j zur Förderung der Interessen der arbeitenden Klassen, zu welchem Zwecke eine besondere Commission ernannt worden, werden Ihnen Maßregeln vorgeschlagen werden.
Das aus die gegenwärtige Dermal tungsor gauisattou gegründete Bndjct wird Ihnen zur Prüfung übergeben werden. Die Ver- behcrung des StenÄsystems zum Zweck der möglichst gerechten Verthciliing der Staatslasten nach Verhältniß des Einkommens wird Gegenstand Ihrer Untersuchung sein.
Es ist mein inniger Wunsch, daß unser deutsches Vaterland zu nationaler Einheit gelange und dadurch in Macht und Größe wachse. Zu diesem Zwecke ist gegenwärtig die cqnstitnircnde Na- tionalvcrsammluug in Frankfurt vereinigt.
Hoffen wir, daß es ihr gelingen werde, den rechten Weg zn jenem großen Ziele zu finden.
Ich lade Sie ein, Ihre Arbeiten zu beginnen. Möchten dieselben zum Heile des Landes gereichen, damit noch die späte Zukunft segnend auf die Zeil zurückk'licke, in welcher der Grundstein zum neuen Aufbau des Staates gelegt. worden ist.
Als der Herzog geendet hatte, schritt der Chef unseres Ministeriums, Präsident Hergenhahn, zur Beeidigung der Stande-Mitglieder. Derselbe ließ zuerst die Aufforderung ergehen, die Eidesformel in ihren einzelnen Theilen wohl zu beachten, und nachdem er sie dann verlesen hatte, trat auf erfolgten Namens-Aufruf ein Mitglied nach dem andern vor, und leistete den Eid. Hieraus erklärte Präsident Hergen- h a h n im Namen des Herzogs den Landtag für eröffnet.
Was die bei dieser Veranlassung beobachteten Aeus- scrlichkcltcn anlangt, so fand die Auffahrt des Herzogs mit dem bisher üblich gewesenen Pompe Statt. — Ueberdies hatte die Nanonalgarde vom Schlosse bis zum Negierungs-Palaste, in dem die Sitzungen des Landtags gehalten werden, Spalier gebildet.
9tur darin war die heutige Eröffnung des Landtags von den früheren verschieden, daß sämmtliche E i v i l - B e a m t e u diesmal in einfachem schwarzem Anzuge mit weißer Halsbinde erschienen, während wir sonst gewohnt waren, eine.bunte Mustc-rkarte der wunderlichsten goto- und silbergestickcen Uniformen wahr- zunehmen. — In solch' einfachem Anzuge sehen doch auch die Staatsbeamten aus wie Männer, während sie uns in dem Flitterstaat der gestickten Uniformen, mit kurzen Beinkleidern und Schuhen mit Schnallen stets wie aufgeputzte Theater-Figuren vorgekommen sind. —
9? a s s a u i s ch e Z h st äude. il.
-Der Staatsrath.
Unsre Berfassung erkennt den Grundsatz: die Person des constitutionellen Herzogs ist heilig und unverletzlich. — Seine Staatshandiuiigen sind nur dann verbindlich, wenn das Ministerium deren Verantwortlichkeit übernommen.
Also der Minister ist dem Volke und seinen Vertretern verantwortlich, und alle Beamtete müssen zunächst ihm verantwortlich sein. — Nun aber ist zwischen dem Herzoge und dem Ministerium als höchste Staatsbehörde ein 'Staatsrath.
Diese Behörde macht es, wenn sie gegen den Minister entscheidet, unmög.ich, seine Stellung den Stau
den gegenüber zu behaupten; sie entzieht ihn aber auch der Verantwortung. Sie selbst aber ist den Ständen und dem Minister nicht untergeordnet. Sie ist also nicht verantwortlich. — Es tritt sonach der Zustand ein, wo der Herzog persönlich zu haften hätte; und das kann wieder nicht sein, es widerstreitet dem obersten Grundsätze der constitutionellen Monarchie. —
Es erzeigt sich deinnach klar , daß der Staatsrath in den Organismus eines constitutionell-monarchischen Staates nicht paßt, daß er dem Volke und Regenten nur schädlich sein kann.
Der Zweck des Staatsrathes ist, die einsichtsvollsten Männer des Landes in wichtigen Angelegenheiten zu Rathe zu ziehen. Gut! wozu dann ein Collegium mit Rechten und Pflichten? Haben die Staatsräthe in allen Dingen, die dem Staate wichtig sind, Einsicht? Und haben Alle in jedem Falle die nöthigen Kenntnisse? Gewiß nicht! — Braucht man Kenntnisse und Erfahrungen in einer wichtigen Sache, so werden die betreffenden Beamteten, es wird der Fürst jedes Staates solche bei Sach- und Fachkennern einholen. Er wird selbst sich Raths erholen bei Männern, zu denen er im einzelnen Falle besonderes Vertrauen hat, und sich dann ferner entweder mit seinem Minister berathen oder diesen entlassen.
In einem Lande mit freier Verfassung hat der Regent auch gar nicht nöthig, sich mit außerordentlichen Rathgebern zu umgeben; die ordentlichen, nämlich die Stände und die Presse, versehen unaufgefordert — letztere ohne Gehalt und ohne Pension — diesen Dienst.
Also weg mit dem Staatsrathe! —
Man sagt vielleicht: die anderen Staaten haben ja auch einen Staatsrath!! Das ist wahr. Allein die andern Staaten haben auch noch mancherlei Dinge, die wir für überflüssig erachtet haben, z. B. die Adelskam- mer. Im freien Leben der Staaten muß nicht ein Staat dem andern nachahmen, sondern jeder dahin trachten, dem andern voranzuleuchtcn.
Nochmals: weg mit dem Staatsrathe! —
Man behauptet endlich: er werde zusammemgeseßt aus den Verdiensten und der Erfahrung.
Die neue Zeit weiß nichts mehr von diesen alten Sachen. Die Verdienste der alten Zeit sind am 4. März erloschen, und die neuen Regierungs-Systeme datiren sich auch vom 4. März her. — Das dein Staatsrathe gespendete Lob ist also, genau betrachtet, sein Todes- urtheil; und wir schließen damit, indem wir den Ständen zurnfen:
Weg mit dem Staatsrathe!
I>r. Middleto n.
Von Friedr. Gerstäcker.
(Fortsetzung )
Wer 3 der Doktor? frug Preston rasch — lächerlich, der und Jemanden meuchlings ermorden? eben so leicht wollte ich glauben, mein eigener Vater sci's gewesen ; nein, nein, das ist Tollheit, was sollten auch die beiden Buchstaben M. D. meinen, daS ist doch unbedingt der Namen.
Paul Middleton, Medicinae Doctor, las Voll- Heim mit eintöniger, nachdenklicher Stimme.
Unsinn, Unsinn, schrie Preston dazwischen, und doch — doch habe ich den Doktor gestern Nachmittag, ' bald nach dem alten Smithsield, die Stadt verlassen sehen, und wenn ich nicht ganz irre, trug er eine Buchse auf der Schulter — Gott, es wäre ja schrecklich — die arme Frau — die alte Mutter! —
Er setzte sich auf einen der umgestürzten Bäume nieder, und stützte den Kopf, in tiefes Nachdenken versunken , in die Hand»
Komm, Preston, rief Vollheim, laß uns der Spur nachgehen, Du bist ja fast so gut wie ein Schweißhund auf einer Fährte, vielleicht kommen wir dadurch auf den rechten Mann.
Eine Wache wurde jetzt bei der Leiche gelassen, ein Anderer nach der Familie des Unglücklichen gesandt, diese davon in Kenntnis; zu seyen, damit sie den Leichnam
nach ihrem Hause holen lassen könnten, und die Männer fingen nun an, Jeder mit einer Leuchte versehen, sorgsam der Spnr des Mörders im weichen Boden zu folgen, was übrigens gar lansam ging, da die Schatten, welche die Fackeln warfen, der Erde eine sehr ungewisse Beleuchtung gaben.
Endlich, als es schon im Osten an zu dämmern fing, erreichten sie den Platz, wo Jener sein Pferd bestiegen , und folgten nun mit größerer Leichtigkeit und Schnelle den Huftritten des Pferdes.
Der Himmel hatte sich die Nacht hindurch dicht umzogen, drohende Wvlkeumassen waren von Nordwesten schwarz und finster heraufgerückt , und gerade als die Männer in der Ferne des Friedensrichters Mansfields Haus erkennen konnten, auf das die Spuren geradezu hinführten, die überdies jetzt in einen wenig betretenen Weg einliefen, fing es etwas an zu schneien und verstärkte sich so, daß, noch ehe sie des Richters Haus erreicht hatten, schon eine weiße Decke die Fährte ihren Blicken entzog, was alles weitere Spüren nnmöglich machte.
Ein Glück ist's, rief einer der Geschworenen, daß ' wir noch so zur rechten Zeit der Spur folgten; ein paar Stunden später, und wir würden nicht mehr gewußt haben, ob nach Norden oder Süden zu gehen.
Preston erwiederte Nichts; — er war nicdcrgc- )d)tagcn und in sich gekehrt; dieß sonderbare Zusammentreffen von Umständen, das auf des Doktors sonst so
redliches Betragen Argwohn warf, machte ihn sehr betrübt, denn er war in dessen Familie fast wie zu Hause, und gleichwohl konnte er nicht anders handeln, als er gehandelt hatte. Jedoch belebte ihn immer noch die Hoffnung, daß der Doktor zu solcher That ganz unfähig sei und sie schon die Spur deS wirklichen Mörders in ManSfield's Hause finden würden.
-lls sie das doppelte Blockhaus des Friedensrichters erreichten, wurde gerade das Frühstück aufgetragen, und dieser nöthigte die Männer sogleich, zu ihm cüßutrctm und einen Bissen zu essen, da sie früh ausgericcen sein müßten, jetzt schon bei seinem Hause zu sein. ^r m dein Mädchen in der Küche zu, noch mehr sänoemeflei: ) zu braten und Eier in die Pfanne zu schlagen, wie am' einen guten, starken Kaffee zu brauen, und r zu seinen früheren Gästen in die
Richter, ch.tr d., W*;^^ liehen Begrüßungen vorär waieu, bei Euch gewesen? ,, ,„ ?
J Middleton — warum.
sich einen bedeutenden Blick zu. Ausserordentliches an ihm bemerkt? einer der Geschworenen jetzt weiter.
r J wahr, er war fröhlich, wie immer? frug Preston schnell dazwischen.
Aussergewöhnliches? wiederholte langsam der Richer, ohne die letzte Frage zu beachten, Aussergewöhnliches? nein, und doch schien er mir etwas unruhig zu