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hat bet Kaiser befohlen, am Asowschen Meere einen Hafen mit einer Stadt zu erbauen, welche den Nainen Hafenstadt Jejsk" führen soll. In dieser Stadt kön­nen sich Einwohner allerlei Stände ansiedeln, und es wird denselben bis zum 1. Januar 1859 Grund und Boden unentgkidlich überlassen. Von Abgaben und anderen Lasten sind die Bewohner 15 Jahre lang frei.

(Schl. 3 )

Schweiz.

In La Chaur-dc-Fonds (Neuenburg) wurden am letzten Sonntag die alten Ahnenbilder der preußischen Könige, welche früher auf dein Rathbause paraditten, im feierlichen Leichenbegängniß zur Gruft getragen. Leichenweiber eröffneten singend den Zug. Ein Ser­mon wurde an der Gruft gehalten, und das übliche Leichenmahl fehlte zum Beschluß auch nicht.

Fr ankreich.

Paris, 12. Mai. (Ein Frauen-Club.) Längst schon sprach man hier von einem zu bildenden Club der Frauen. Gestern Abend aber erst constituirte sich ein solcher in dem Salle des. spectacles- Concerts auf i bem Boulevard Bonne nouvelle. Da für 25 Cen- I limes jeder Mann Zutritt erhalten fonnfe, so versäumte ich natürlich nicht, mich auch dorthin zu begeben. In buntem Gemenge drängten sich in dem geräumigen Saale Blousenmänner und glace-behandschuhte Stutzer, mit Operngucker und Lorgnetten die nach Emancipa­tion dürstenden Schönen firirend. Die Zahl dieser Letztern, der wirklichen femmes du club, überstieg | nicht 20; sie saßen am Ende eines Saales auf einer ! Estrade, wo einige sich eifrig mit Schreiben beschäftig­ten. Nachdem die überaus zahlreiche Versammlung schon zu wiederholten Malen ihrer Ungeduld durch Lebehochs auf die Republik Luft gemacht hatte, klingelte endlich die Präsidentin und erhob sich zum Sprechen, wahrscheinlich um den Zweck und die Principien des Clubs auseinander zu setzen. Davon nur irgend etwas Zusammenhängendes zu verstehen, war aber rein unmöglich; denn der Tumult wurde immer größer kurz dieBürgerin" Präsidentin konnte nicht durch­dringen. Da bestieg einBürger" die Tribune , der mit lautem Beifall begrüßt wurde, weil man glaubte von ihm nähere Aufschlüsse im Namen der Clubdamen zu vernehmen. Statt dessen erging er sich aber in abgedroschenen, nichtssagenden Phrasen über die Noth­wendigkeit der Emancipation des weiblichen Geschlechts und dergleichen, wobei er so weit ausholte, daß er seine Argumente aus dem neunten Jahrhundert deducitte. Hier ward. der Redner durch eine Stimme unterbrochen, welche rief:Ja, ja, das war damals!" Nun ungeheures Gelächter und daher ein so betäuben­der Lärm, daß der gelehrte Redner die Fortsetzung sei­nes Vortrags aufgeben und dem tausendstimmigen Rufe: Vive la Republique! weichen mußte. Nach- dcm noch einige Damen, aber natürlich wegen des an­haltenden Lärmes unvernehmlich, zu sprechen versucht

; hatten, nahm nochmals einBürger" das Wort und I erklärte dem Publikum, es sei unmöglich, die Verhand­lungen des Clubs länger fortzuseßcn/ da sich jetzt Män­gel in den getroffenen Anordnungen herausstellten, die erst bis zur nächsten Sitzung gehoben werden könnten.

Uebrigens forderte er zur Ruhe auf, man sei dies den Damen schuldig,comme elles sc sont livrées â votre discrétion ! Auf diesen Calembourg, den man im Deutschen nicht wiedergeben kann, brach nun ein Gelächter los, so anhaltend, daß es erst nach gänz­licher Räumung des Saales mit dem zuletzt Weggehen- den verstummte.

So schloß die erste Sitzung des Pariser Damen- Clubs. Man hätte zwar von der französischen Galan­terie ein anständigeres Betragen dem weiblichen Ge- I schlechte gegenüber erwarten dürfen, um so mehr, als die anwesenden Club-Damen alle berrespectabeln" Mittelklasse anzugehören schienen allein, wie es scheint, hat auch da die Revolution nivellirt! da jetzt auch die Deutschen, das Vereinsrecht benutzend, überall Clubs bilden, so werden Sie mir wohl gestatten, von Zeit zu Zeit Ihnen über interessante Sitzungen der hervorra­gendsten Clubs aus eigener Anschauung berichten zu dürfen; heute habe ich mir dieses Recht schon usurpirt, glaube aber die Neuheit der Sache als Entschuldigung Vorbringen zu können. (B. Z.-H.)

Großbritannien.

London, 13. Mai. Bei ber vorgestrigen Debatte über die Fremdenbill standen sich Cobden, der Füh­rer der neuen Reformpartei, und Lord John Russell, welcher das WortFinality," d. h. Abschließung der Reformen , berühmt gemacht hat, persönlich gegenüber. Cobden sagte:das Land erwartet keine Zwangs­und Knebelgesetze, keine Gesetze um das englische Volk gegen Fremde zu schützen, sondern es erwartet von ab» helfenden Maßregeln zu hören. (Beifall.) ES er­wartet zu hören, daß unser Ministerium bereit ist un­sere Vertretung mit dem Geiste der Zeit mehr in Ein­klang zu seyen. (Beifall.) Das Volk dieses Landes ist nicht gemeint die ganze Welt im Fortschreiten zu sehen, während es selbst stillsteht oder gar eine rück­gängige Bewegung macht. (Beifall.) Das Land' er­wartet Ersparung und Einschränkung, und ich scheue ' mich nicht es zu sagen, wenn Ihr die Monarchie gegen republikanische Neuerungen behaupten wollt, so werdet Ihr diesen Zweck besser fördern, wenn ihr ein wenig jenen barbarischen Pomp beschneidet, welcher- entschwun­denen Zeilen angehört, welcher eine Bürde für das Land und ein Gewinn nur für die Aristokratie ist, und wenn ihr einige jener unnützen und unheilvollen An­hängsel des Königthums beseitigt, als wenn Ihr dem Volke verbietet republikanische Lehren zu besprechen oder wenn ihr zu solchen Gewaltmaßregeln schreitet wie die vor­liegende. Und ich bitte das Ministerium nicht zu glau­ben, das Land werde sich stillschweigend bei solchen Maßregeln beruhigen. (Hört! hört!) Ihr habt die

Mehrheit in diesem Hause; aber die Stimmung draußen, das versichere ich Euch, ist eine ganz andere, (Hört! hört!) und wollt ihr die Institutionen dieses Landes aufrecht erhalten, so setzt eure Zuversicht nicht auf Zwang, sondern auf Zugeständnisse, reformirt Euch und schränkt Eure Ausgaben ein." (Lauter Bei­fall.) Lord John Russel vertheidigte seine Zwangs­maßregeln, die namentlich in Irland sehr heilsam ge­wirkt hätten. Der dortige blutdürstige Aufruhr sei zum faden Milch- und Wasser- Verrath herabgesunken. Die Fremdenbill sei gegen keine besondere Nation gerichtet, namentlich nicht gegen Frankreich, dessen Negierung in einem kritischen Augenblicke den Anschlägen einer irischen Faktion eine Haltung entgegengesetzt habe, welche Hrn. Lamartine ebenso sehr als Menschen wie als Staats­mann ehre, welche beweise, daß ihm die Erhaltung des Friedens zwischen England und Frankreich wirklich am Herzen liege, eines Friedens, dessen Störung ein großes Unglück für die Menschheit sein würde. (Lauter Beifall.) Gleichwohl sei es weise bei Zeiten dafür zu sorgen, daß die Sendlinge derjenigen Parteien des Continents, welche die Welt nach philanthropischen Phantastereien oder vielmehr nach einem Plane offtciefler' Plünderung umgestalten wollten, in England kein Unheil anrichten könnten. Die loyalen Unterthanen Ihrer Majestät hätten Anspruch auf Schutz gegen solche Möglichkeiten.^ Er glaube, die Fremdenbill werde wohl die letzte Maß­regel dieser Art sein und dann könne der Weg zu wei­teren Verbesserungen beschritten werden. (Lauter Bei­fall.) Der Quäker Bright ging dem Mi­nister hart zu Leibe mit einigen kleinen Erläuterungen zu der Lehre von der Würde des Throns. Er erwähnte, daß in England der Oberjagdmeister mit seinem Etab­lissement mehr koste als der Präsident der Ver. St»ms- ten; er fragte, was das Amt des Großfalkoniers mit der Würde der Monarchie zu schaffen habe? Das seien Sinecuren für adlige Drohnen, und die wolle das Volk nicht bezahlen. (W-Z.)

DieTimes" bringt laute Klagen aus Rostock über mangelnden Schutz für britisches Eigenthum. Lord Westmoreland, der Vorstellungen ähnlicher Art vor Kur­zem zurückwieß und alles englische Eigenthum durch den Schrecken des englischen Namens für hinlänglich ge­deckt zu halten schien, wird sich jetzt vielleicht an das englische Sprüchwort erinnern:Aus großen Worten buttert man keine Pastinaken!"

(K. Z )

Griechenland.

Athen, 7. Mai. Vorgestern ist ein Mordver­such auf den türkischen Gesandten gemacht worben, bel*- glücklicherweise mit einer bloßen Verwundung desselben am linken Arm ablief, immer aber eine höchst gefährliche und verhângnißvolle Verwickelung mit der Türkei und wohl auch mit England droht, dessen Gesandter sich bereits in der heftigsten Weise geäußert hat.

(Ä. Z.)

Bekanntmachungen.

A U f V U f

des Handwerkerstandes zu Limburg an seine Mitconsorten in den Städten des Herzogthums Nassau.

(506) Die neu erwählten Landstände treten nun zusammen. Wir haben biedere und würdige Männer gewählt. Aber habt Ihr auch deren aus Eurem Stande, oder doch solche, die täglich und stündlich mit Euch im Verkehr standen und darum auch Eure gedrückte, dürftige Lage genau kennen?

Wenn dieß nun meistens nicht wäre, was ist dann zu thun?

Zu unserer allseitigen Beruhigung können wir dieser Frage der Art begeg­nen, daß wir unseren Herren Deputaten die Mittel und Wege zur Verbesserung unserer Lage einstimmig an die Hand geben, damit unser zu Proletariern herab- gesunkener Handwerkerstand wieder gehoben und neu belebt wird (wozu uns in W 72 derFreien Zeitung" der Verfasser der Grundzüge eines Erwerbgesetzes für das Herzogthum Nassau wahrlich nicht die besten Wege, aber eher unsern Untergang zeigt, darum derselbe besser still geschwiegen hätte, als sich mit Sachen an den Laden zu legen, wovon er nicht einmal einen'Begriff zu haben scheint, geschweige noch von Kenntniß der allenthalben herrschenden höchst traurigen und gedrückten Lage der Handwerker).

Ter unterzeichnete Verein macht daher den Vorschlag:

Ev wähle jede gewerbtreibenbe Stadt unseres Herzogthums ein Ausschuß- Mitglied, verwhc Solches mit gehörigen Instructionen, und wollen wir dann in Limburg, als Mittelpunkt des Landes, eine Zusammenkunft auf Sonntag den 4;. Gun b. y., Mittags 1 Uhr, festsetzen, um über Verbesserung unserer Lage uns öffentlich besprechen^ und berathen zu können. Aus freie Kost und Logis können die Herrn Ansrchußmitglieder während ihres Aufenthalts in Limburg sicher rech­nen, denn dazu erbieten wir uns von vornherein.

Unser Versa,nmlungsort ist in dem Wirthschaftslocale des Herrn Wilhelm Koch dahier, woselbst wir Euch sämmtlich Eingeladene auf's freundlichste em­pfangen werden. 1

Sollten jedoch weniger zum Ziele führenden gegenseitige schriftliche Mit­theilungen, die später noch von selbst eingeschlagen werden müssen, vorgezogen werden, so sind wir nicht abgeneigt, auch diese eintauschend entgegen zu nehmen.

Limburg, den 18. Mai 1848.

Die Ausschußmitglieder des Gewerbevereins ;ü Limburg.

Chr. Brückmann, Vorsitzer.

Turnverein.

(495) Sonntag .ben 21. b. M. Eröffnung des Sommerturnens. Die Mitglieder wer­den ersucht, sich präcis 3 Uhr Nachmittags auf deni Turnplätze einzu finden. Abends 8 Uhr gesellige Zusanimenkiinft inr Gasthaus zur Rose.

Annonce.

(487) Bei herannahender Kurzeit laden wir Alle, welche Wohnungen zu vermiethen haben, ein, sich auf unserm Bureau einschreiben zu lassen und bemerken dabei, daß Diejenigen, welche Dienstleute suchen, oder Wohnungen er- und vermiethen, Häuser w. er - oder verkaufen wollen, keine Einschreibgebühren zu tragen und nur dann dem Bureau das in den Statuten festgesetzte Honorar zu entrichten ^haben , wenn das Geschäft durch Vermittlung des Bureau's wirklich ausgeführt worden ist.

Wiesbaden, den 17. Mai 1848.

Carl Leyendecker, - Mühlgaffe No. 31.

(480) 11,000 fl. g^n Un­terpfand von Gemeinde - Gütern, bestehend in Ackerland und Wal­dungen, werden zu leihen gesucht. Das Nähere im Geschäftsbüreau von Carl Leyendecker.

Zu vermiethen.

(503) In der Louiseustraße eine schöne Woh­nung. bestehend in 8 Zimmern, Küche, Keller, Holzplatz, Stallung, Remise, Hofraum und Garten.Das Nähere im ÄeschâftSburean von Carl Leyendecker.

(491) Don heute au sind sowohl scharfe als blinde Patronen, Jagdpulver und Zünd­hütchen, sowie Kugeln für Gewehre zu fol­genden Preisen zu haben:

12 Stück scharfe Patronen 16 fr.,

12 blinde 10 °

«losfplt Jiemartl Jun.,

am Ecke der Langgasse.

(501) Bei Unterzeichnetem ist ein Zimmer und Kabinet mit oder ohne Blobel zu vermiethen.

A. R. Schmts^^ Buchbinder-M Wiesbaden.

(504) Ein Zimmer mit Cabinet, moblirt, ist zu vermiethen bei L. Levy,

der Post gegenüber.

(507) In dem früher Köpp'schen Haus an der Dambach ist der erste und zweite Stock mit Garten und allen erforderlichen Räumen so­gleich zu vermiethen. Auskunft darüber ertheilt W. Rücker, Taunusstraße No. 29.

(508) In meinem Landhaus am Mühlweg ist der erste Stock sogleich oder später zu ver- mietheu. . W. Rücker,

Taunusstraße No. 29.

(465) Bei Bauinspector Lossen, Rhein­straße No. 9, ist vom 1. Juli an außer der 3ten Etage nun auch die Bel-Etage mit 6 Zimmern, Küche, 2 Dachkammern, Speicher Keller, Holzstall, Waschküche, Stalluüg für 3 Pferde, Remisen, Kutscherstuden w. zu vermiethen.

Großher'zoftlich Badische fl. M Loose.

(502) Staatslotterie-Anleihe von 14 Millionen Gulden; Ziehung den 30. Mai; der kleinste Ge­winn ist fl. 42. Hierzu sind Originalloose coursmaßig und Loose'nur für diese Ziehung aültia fl. 1. 30 fr. zu haben in dem Geschäftsbureau von 9 u J

Wiesbaden, io. Mai 1848. Carl Leyendecker, Kommissionär.

In Abwesenheit des Dr. Möller verantwortlicher Redacteur: Heinrich Fischer.

Berag v. H. Fischer u. C. Ritter. Druck der C. Ritter'scheii Buchdruckerei.