mbc Willkühr und Parteil chkeit auszci'chneten, die die unter ihrer Zuchtrutbc gestandenen Gemeinden mitunter an den Rand des Verderbens brachten, n irg e n d s a b e r das Andenken eines Gerechten hinterließen. Leuten also, die nickt einmal einige Gemeinden wohl zu verwalten im Stande waren, die vielmehr dieselben dem Ruine zuführte v' solchen Leuten gibt man das Wohl und Webe eines ganzen Landes in die Hände! Konnten sie früher nur einige Gemeinden verderben, so können sie nunmehr Unheil über das ganze Land bringen.
Villmar an der Lahn, 17. Mai. Der bedeutungsvolle Act unserer landständischen Wahlen ist nun beendigt, und vor uns liegt das Verzeichniß der Männer, von welchen zunächst die Förderung unserer größten, wichtigsten Interessen - die schwierige Vertretung aller Vollst!assen, mit vollem Rechte erwartet werden muß. Soviel man in u'-seren Lahngegenden durch Erkundigungen erfahren hat, soll zwar die Mehrzahl der neuen Laiidstäude der freisinnigen Richtung angehören; jedoch möchte es im Hinblicke auf die intellertueUen Qualtfica- tim-en derselben sich nur leider zu sehr bestätigen, daß wohl der Bauernstand und die constitutioneUen juristischen Fragen genügende Würdigung in der neue» Kammer sinken werten, dagegen aber der Gewerbsstand sichtbar gar nicht speciell vertreten erscheint!—'Wir finden z. B. in der Liste der Abgeordneten auch nicht den Namen eines einzigen eigen)! i?en Bautechnilers. Wer indessen die traurigen, höchst gedrückten Verhältnisse des seiner Anzahl nach so bedeutenden Theils des nassauischen Gc- werbstandes kennt und dessen nahrungslose Stellung seit laugen Jahren beobachtete, kann sich in dieser Zeit darüber nicht tauschen, daß eine schleunige durchgrei- fcnde Abhilfe dieser Verhältnisse in die Reihe der wichtigsten Eristenzfragen der Gegenwart gehöret.
Verarmung vieler früherhin wohlstehenden Handwerksmeister und zwar weniger durch eigenes Verlchul- den, als durch die Glasereien bei den öffentlichen Versteigerungen der Dauarbeiten, in Folge der Zulassung eines jeden Pfuschers und unreifen Gesellen zur Eon- kurrenz, sowie veralteter Verordnuiigen über mißverstandene Gewerbefreiheit, sind die traurigen Erscheinungen der bisherigen durchaus ungenügenden Behandlung unseres Gewerbewesens. Kommt nun dazu, was wir Nassauer leider so bitter zu bcUagen haben, noch rücksichtslose Concurrenz in Bezug ausländischer Baustoffe namentlich zu größeren Staatsbauten, indem unsere weltberühmten inländischen Bausteine z E. durch notorisch schlechtere Sandsteine verdrängt werden, so leuchtet ganz von selbst ein, daß der sauere Lohn auf6 Acußerste verkümmert und aller technische Aufschwung im Keime erstickt werden muß.
Deshalb ist cs aber auch um so viel mehr die Ansicht des hiesigen zahlreichen, und durch seine 'Marmor- fabriken ganz besonders dazu berufenen Gcwcrbstaudes, daß nur ein Mann vom Fache, ein praktischer, durch langjährigen Umgang mit dem Handwerkerstände, mit dessen Eigenthümlichkeiten, sowie der materiellen, wie geistigen Ausbildung ganz vertrauter Baubeainter derjenige Mann wäre, welcher die gewerblichen Gebrechen gründlich erörtern, zugleich aber auch Mittel und Math zu deren Heilung und Hebung gewähren konnte.
In diesem Sinne nun kann es sich ebensowenig um die landstandische Befähigung eines Juristen als Oeco- uomen oder selbst eines Fabrikanten handeln, sondern lediglich um Repräsentation des Handwciksstandcs speciell durch einen Techniker, welcher auch zugleich Kenntniß der bisherigen Verwaltungsformen, also ihrer Gebrechen und Vortheile besitzen müßte.
Hoffen wir darum von unserer neuen Verfassung, daß sie sich von Einseitigkeit entfernt halte, denn nur darin werden wir die Segnungen und gehofften Resultate einer zeitgemäßen, wahrhaft freisinnigen Volksvertretung erkennen, daß alle Stande, wie sie es verlangen können, gleichmäßig gut, und zugleich so speciell als nur immer möglich vertreten werden.
Nachträglich wird die bedauerliche Lücke compctintcr
Gewerbsvertretcr nur in der Art auszufüllen sein, daß unsere Regierung es nicht verschmähen will, technische Beamten zuzuziehen, oder von deren gutachtlichen Ansichten und Erfahrungen bei Discussion der Gewerbs- fragen den erforderlichen, unumgänglichen Gebrauch zu machen.
L. Sechwalbach, 19. Mai. Der in der freien Zeitung dreier Tage erschienene Artikel, betitelt „Grund- züge eines ErwerbSgesktzcs für das Her zogthum Nassau" konnte hier in mancher Beziehung mcht entschiedenen Beifall finden.
Wir verkennen nicht, daß nur Freiheit Alles zum Gedeihen führt, wir erklären uns gegen jede unbedingte Beschränkung, aber wir glauben voraussetzen zu können, daß dem gedrückten Gewerbestand wohl weniger mit ei weiterten Freiheiten, als mit größerer Ordnung und Gesetzlichkeit geholfen werden könne.
Ja, wir halten dafür, daß in der bisher bestehenden Gewerbe-Freiheit hauptsächlich der Grund liegt, warum der geringe Handwerker dem materiellen und moralischen Ruin zugeführt ^wurde, indem dieselbe das Kapital begünstigt und die unbemittelte Klasse durch unbeschränkte Konkurrenz zu Gunsten desselben aus- beuteu läßt.
Dieß ist bereits von erfahrnen praktischen Männern anerkannt, und wir haben die Hoffnung, daß man durch weise Gesetze die Selbstständigkeit des fleißigen unbemittelten Handwerkers sichern wird.
Der hier in diesen Tagen gegründete Verein „Zur Hebung der Gewerbe" hat in einer Versammlung folgende Punkte als durchaus zweckentsprechend festgestrUt:
1) Vertretung der Arbeit bei den höchsten Gewalten (Arbeits-Ministerium).
2) Gewerbe-Ordnung. Keine Befugniß ein Handwerk zu betreiben, ohne dessen gründliche Kenntniß. Sorge für die Bewahrung größerer Selbstständigkeit der einzelnen Handwerker. Schiedsgerichte von Geschwornen der Gewerbtreibendcn.
3) Aufhebung der Besteuerung der Arbeit, dagegen Besteuerung des Einkommens.
4) Aufhebung der Accise und indirekten Steuern, welche auf ben unentbehrlichen Lebensbedürfnissen lasten, dagegen Lurussteuer.
5) Hülfskassen zur Nothhülfe unbemittelter Handwerker.
Wir fordern deßhalb alle Gewerbtreibenden des' Landes auf, sich mit dem hiesigen „Verein zur Hebung der Gewerbe" in Verbindung zu setzen und sich Mit ihm über Vorschläge zur Verbesserung der Gewerbe zu cinlgcu, um diefeloen der in diesen Tagen zusammen- tretenben Deputirten-Vcrsammlung zur Berücksichtigung vorzulcgen. calstellen, insbesondere der Beamten, von der L. Regierung zu gewissen Zeiten angewiesen, über Fähigkeit, Leistungen und Betragen der ihnen untergebenen Angestellten Bericht zu erstatten.
Die Oberbchörde bezweckte damit, über die Leistungen und das Betragen der betreffenden Angestellten genau unterrichtet zu werden. Die Beamten hielten aber regelmäßig ihre Berichte vor ihren Untergebenen verborgen, es schwebte ein geheimnisvolles Dunkel über diesen Berichten. Manchmal wurde indeß der Inhalt derselben bekannt. Es wurden zuweilen einseitig vorgefaßte Beinlingen, unrichtige Thatsachen und verkehrte Beurtheilungen der L. Regierung einberichtet, welche dem Betheiligteu zum größten Nachtheile gereichten, zumal da die s. g. QualificaUonSberichte auf die Veför- dcrung der Amtsangestellten in Besoldung und Rang Einfluß hatten. Der Umstand, daß man in früherer Zeit öfters Amts- und sonstige Angestellte ohne wirkl ch vorhandenen Grund in Besoldung und Beförderung zurücksetzte, während andere unverdienterweise Bcsoldungs- zulage und Beförderung zu Theil ward, ferner, daß zuweflcn AmcsangesteUte plötzlich von einer Stelle, an welche sie kurz zuvor versetzt worden waren, wieder
wandern mußten, ist ohne Zweifel manchmal Folge der geheimen Amts-Berichte gewesen.
Ueberdies sind denn auch manche Beamte beim besten Willen den Beweis schuldig geblieben, daß sie überhaupt fähig sind, ihre Mitarbeiter zu beurtheilen.
Es ist jedoch nicht der Zweck dieses Aussatzes „ die Beamten allgemein wegen der geheimen Quallfications- bcrichte zu tadeln, vielmehr ist es kein anderer, als nur auf das ungeeignete, unzeitgemäße, ja unter Umständen gefährliche der geheimen Berichte aufmerksam zu machen.
Ohne Zweifel haben die Betheiligteu ein Inte esse habet, daß offen zu Werke gegangen, ihnen also mit- getheilt wird, was über sie cinbeiichtet worden ist. Sie können das gewiß nach dem Grundsätze, daß auch der andere Theil gehört werden muß, verlangen, damit sie cnitretenken Falls für unrichtig gehaltene Angaben berichtigen, widerlegen, auch manches ablegen oder nachholtu können, was Noth thut. Sobald offen zu Werke gegangen wird, wird außerdem das zur gehörigen Erfüllung des Dienstes erforderliche Zutrauen^des Ün- tergebenen zum Vorgesetzten, geweckt und befördert und gar oft störendes Mißtrauen beseitigt werten. M :
Man frage unsre Angestellten, es werden sich nur wenige Stimmen für Beibehaltung der geheimen Berichte erheben.
Unsere Zeit verlangt Oeffcntlichkcit des Verfahrens I im ganzen Staatsleben. Will man nun noch fortwährend die Einziehung von s. g. Qualificationsberichtcn über die in unserm kleinen Lande ohnehin bekannten Staatsdieuer beibrhalten, so ist es erforderlich, daß der Inhalt dieser Berichte, ehe sie an die Oberbehörde ab» gehen, von dem Vorgesetzten jödcm Behelligten eröffnet werden, damit auch er Gegenbemerkungen machen, überhaupt , falls er es für nöthig findet, sein Recht und Interesse wahren kann.
Frankfurt, 20. Mai. Wir beeilen uns unsern Lesern mitzutheilen, daß in der zweiten Sitzung der deutschen Nationalversammlung Heinrich von Gagern, derzeitiger hessischer Staatsminister, zum provisorischen Präsidenten der Versammlung erwählt worden ist. — Wir lassen hier die Antriitöredc desselben bei Uebernahme seines Amtes vollständig folgen:
„ Ueberwältigt, wie ich bin, von dem Eindrücke, den Ihre Abstiimnüng auf mich hervorbrtngcn mußte, bin ich nur im Staude, wenige Worte zu Ihnen za reden. Es ist zwar ein schnell vorübergehendes Amt, das Sie mir übertragen; nur wenige Tage, hoffe ich, werde ich dem Vertrauen zu entsprechen haben, das die große Majorität dieser erhabenen Versammlung in mich gesetzt. Aber auch für die kurze Dauer meines Amtes werde ich genöthigt sein. Ihre Nachsicht und Ihre Unterst ü£uitg-^t4f»$HTr9hTftnTt^
hier feierlich vor dem ganzen deutschen Volke, daß leine Interessen mir über Alles gehen, daß sie die Richtschnur meines Betragens sein werden, so lange ein Bluts-' * tropfen in meinen Adern rinnt; ich gelobe hier feierlich, als das von Ihnen gewählte Organ Ihrer -Versammlung, die höchste Unparteilichkeit. Wir haben die größte Aufgabe zu erfüllen. Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gefammte Reich. Der Beruf und die Vollmacht zu tiefer Schaffung, sie liegen in der Souveränität der Nation (stürmisches Bravo). Den Beruf und die Vollmacht, dieses Verfassungswerk zu schaffen, hat die Schwierigkeit in unsere Hanve gelegt, um nicht zu sagen die Unmöglichkeit, daß es auf anderem Wege zu Stande kommen könne. Die Schwierigkeit, eine Verständigung unter den Regierungen zu Staude zu bringen, bat das Vorparlament richtig vorgesühlt und uns den Character einer constitriren- den Versammlung vindicirt. Deutschland will EiuS sein, ein Reich, regiert vom Millen des Volkes, unter der Mitwirkung aller feiner Gliederungen; diese Mitwirkung auch ben Staaten - Regierungen zu erwirken, liegt mit in dcm Beruf dieser Versammlung. Wenn über Manches Zweifel besteht und Ansichten auseinandergehen: über diese Forderung der Einsekt^tst kein *■
etwas profttiren kann, dachte ich den 15. Mai, als ein College mich abholte, um bei der des andern Tags statt- nntenten Taubsiummenprüfung zu Cramberg anwesend zu sein. Jawohl, Freund, nach so vielen Pvliticis und den anstrcnAEen Gartenarbeiten der letzten Tage, wo uns i das Firmament mit Sage von 'oben herab belästigte, eine ■ feine Gesellschaft, ein Schoppen mit Etiquette , dabei manche Belehrung übers Fach — oui, da kann man j schon einen Bayen wagen, trotz ter theuern Zeit. Wir machten uns also auf ton Weg, und kehrten, am Ziele i unserer Reise augelangt, bei einer befreundeten Familie ein, wo wir uns, ermütet durch des Tages Hiye, nach eingenommenem Vesperbrode der Ruhe überließen. — Wir mochten wohl kaum eine halbe Stunde geschlafen haben, als an unserer Thüre heftig gepoebt würbe: „Um Gottes willen ! sichen sie auf, meine Herren, co geht etwas Wichtiges vor; eben zieht der StüNcorporal Hal- D er st ad t an der Spitze von 30 — 40 Mann mit gezogenem Säbel durch die Straßen, die von Menschen ungefüllt sind." Ei! der tausend, dachte ich, kann man denn nirgends ter politischen Aufregung entgehen?
Zur fticdlichen S^chr zogen wir au-, Urö betteln vielleicht ehiey heftigen Strauß?
Gewiß spukt es hier in einem geheimen Cltibb, wo Disput entstand über ben erblichen deutschen Kaiser, oder über die Zur ürkbcrufung tes Prinzen von Preußen! Vielleicht haben auch Guizot oder Metternich hier ihr Ver
*) Soll wohl Meuten „herablassend". Anm. d. Rèd.
steck, und man hat dies erfahren! Nichts von Allem dem, wie unsere ftennklichc Wirthin uns bald belehrte. Sie war auf Kundschaft auszegangcn und berichtete bald, wie folgt. Der Herr Oberschullehrer aus Wiesbaden sei da zur Abhaltung der morgigen Prüfung und dem hätte man eine Abendmusik bringen wollen; aber der Herr Stadtschultheiß Lauer, dessen scharfem Auge Nichts entgehe, habe dies erfahren und um Hülfe an den Stadt- corporal geschrieben , auf daß die Ruhe nicht gestört
■ würde und Samberg seinen alten Ruhm der Ordnungsliebe bewahre. Sie fuhr fort: „ES ist sehr unrecht, „den Mann des llibcndS so zu überraschen und zu cr- „schrcckcn, der es doch gar nicht verdient. Wie gemein*) „unterhält er sich mit Allen, die ihm nahe kommen; wie „angelegentlich erkundigt er sich nach den Wünschen und
' „Verhältnissen der Lehrer, fragt Alle nach ihnen auS, ; „sogar die Dienstboten aus der Küche seines Gasthauses, : „ob dieser und jener auch vielen Wein oder Bier trinke ’ »und sich ordentlich aufführe. Heute morgen war er : „wieder in der Schule, setzte sich zu ben kleinen Mäd- ■ „eben, streichelte und kneipte sie in die Wangen; bann I „ging er mit einer Anzahl spazieren und that so freundlich ; ja, es fehlt bloß her gelbe Schein um sein Haupt, „und man müßte ihn für den göttlichen Kinderfreund „halten. Gewiß haben Alle Unrecht, die mit ihm un- „znfricden sind." Ah! da hängt es, sprachen wir und
mischten unS unter die auf den Straßen wogenden Leute. Es war monthell und man konnte Alles, so ziemlich genau unterscheiden. „Er muß ein Ständchen haben," sagte Einer, der ein mehrere fäcula altes Blechinstrument bei sich führte, „er wollte unsern Herrn Lehrer G. weg- Lhnn;" „ja wohl," erwiederte ein zweiter, „er hat sich gestern bei dem Einzuge der Turner spöttisch über diese geäußert;" dabei schlug er mit seinem Stöcke auf die Kaye in seinem Sacke, daß diese schauderhafte Töne von sich gab. „Ich bin auch dabei," ein Dritter, „er hat schon mehrmals Musik bekommen; Samberg soll und darf nicht Zurückbleiben." Dieser Sprecher führte einen mächtigen irdenen Topf mit sich herum. Eben patrouil» lirte die Schaar mit ihrem Führer an der Spitze vorüber, und eS wurde still. Aber, o Wunder, ein großer Theil der Wehrmainsschaft schien mit den Musikern einverstanden zu sein; denn dem Sitten guckte ein Stück alte Flöte auS der Tasche, während ein Anderer blecherne Dcckcl unter seiner Blouse hervorschimmern ließ und der letzte etwas als Stock trug, was dem Blasinstrumente bes Sauhirtcn ganz ähnlich war. Ucbrigens' lief Alles, einige Mißtöne vor dem Hanse deS Gefeierten abgerechnet, ganz ruhig ab und nachdem wir uns überzeugt hatten, daß keine gefährliche Unternehmungen beabsichtigt wurden, gingen wir wieder gut Ruhe, —•
(Schluß folgt.)