Jahren eingetretenen Zinsreductionen der StaatSpapiere aufhöbe; wenn sie nicht länger mehr zögerte mtt der Emanation der neuen Hypothekenordnung, welche vollständig zur Veröffentlichung bereit liegen soll, kurz wenn sie durch eine Menge von Thatsachen bekundete, wie sehr ihr die Hebung der Verkehrsverhältmsse am Herzen liegt. Jedenfalls schadet die gegenwärtige völlige Un- khätigkeit am meisten, und wir müssen deßhalb noch einmal an das Staatsministerium und den Finanzm,Nister Hansemann insbesondere das Ansuchen stellen, schleunigst Sachverständige ju versammeln und die dann als nothwendig erachteten Maßregeln ohne Zögern ins Werk zu setzen. (W.-Z)
Berlin, 13. Mai. Mit dem heutigen Frühzuge ist daS sogenannte Schill'schc Freikorps, 300 Mann stark, unter dem Kommando des Hauptmanns Roth von hier nach Stettin abgegangen, um sich von dort zum Schutze gegen die Dänen nach Swinemunde zu begeben
Aus Berlin, 16. Mai. Wir haben bereits gestern von der großen Mißbilligung gesprochen, welche die Buriufberufuna des Prinzen von Preußen, Seitens des Ministers Camphausen, beim Vol e gefunden hat. - Die preußischen Zeitungen wimmeln von Adressen für und wieder die Zurückberufung des Prinzen. — Die einen machen geltend, daß der Prinz bei der Armee so beliebt sei, daß, im Falle er nicht zurückkehren dürfe, das Militär in Schleswig-Holstein und Posen den Gehorsam verweigern würde; die andern, d. i. die Volks- Partei macht geltend, daß es dem Minister Camphausen nicht zukomme, aus eigener Machtvollkommenheit die Zurückberufung des verhaßten Aristokraten zu bewerkstelligen. Diese verschiedene Ansicht geht durch den ganzen preußischen Staat und die Aufregung wird um so größer von Tag zu Tag, da Camphausen, dessen Abtritt vom Ministerium ungestüm verlangt wird, bis jetzt immer nur ausweichende Antworten giebt. — Die Volkspartei stützt sich darauf, daß nur dem preußischen Landtag und nicht dem Ministerium die Entscheidung darüber zustehe, ob der Prinz zurückkehren dürfe oder nicht.
Berlin, 16. Mai. Hr. v. Pfuel meldet Folgen- des: Es hat sich im Publikum die Meinung verbreitet, als sollte mit demJnsurgentcnführer Mieroslawski glimpflicher verfahren werden als recht sei. Das Pub- likum mag aus folgendem eine richtige Ansicht über diese Angelegenheit gewinnen. Hr. v. Talzanowski kam am 8. b. M. Abends zu mir, mit der Nachricht, daß Mieroslawski bereit sei zu capituliren, und erbat sich die Erlaubniß, ihn zu mir zu führen. Der Gene- rallieutenant v. Wedell hatte bereits von mir die Ca- pitulationsbedingungen erhalten, und da mit einer Reise des Mieroslawski hierher eine Zögerung dieser ganzen Angelegenheit cingetreten sein würde, die nicht statt- haben durfte, so gab ich dem v. Talzanowski einen Paß für sicheres Geleit für ihn und Mieroslawski, um sich mit Letzterem zum GeneraUieutenant v. Wedell zu begeben, und theilte ihm zugleich schriftlich die Ca- pitulationsbedingungen mit. Mieroslawski hatte, wie mir v. TaczanowSki sagte, bereits das Commando nie- dergelegt und sich aus dem Lager entfernt, in der Besorgniß vor seinen Leuten, unter denen schon alle Disciplin aufgehört hatte. Taczanowski hatte untcrdeß seinen Entschluß geändert, und statt mit Mieroslawski zum Generallikutenant v. Wedell zu gehen, hatte er sich mit dem Oberst v. Brzanski dahin begeben, der nach Mieroslawski augenblicklich das Commando im Lager führte, Oberst Brzezanski schloß die Capitulation ab, indem er zugleich erklärte, daß er eigentlich auch nicht mehr commandire, und auch nicht mehr wage ins Lager zurückzukehren, und daß Oberst Oborski den Oberfehl übernommen habe.
Während der Unterzeichnung der Capitulation traf aber ein Schreiben des Oberst Oborski ein, in welchem derselbe erklärte, daß nur ein Theil seiner Truppen die Bedingung annehme, die übrigen aber sich zerstreut hätten.
Mieroslawski hatte die Einleitung zur Capitulation gemacht, und sich gewissermaßen zu meiner Verfügung gestellt, und demzufolge von mir einen sicheren Geleitbrief erhalten, welcher für ihn und Taczanowski galt. — Der Kriegsgebrauch gestattet mir hiernach nicht, den Mieroslawski anders, als der Capitualation gemäß, zu behandeln — und der Capitulation gemäß, wird er daher nach einer preußischen Festung gebracht werden, wo er entweder nach Bestimmung des Gouvernements zuerst nach einem Depot zwischen Elbe und Weser ab* gegeführt werden, oder sogleich einen Paß nach Frankreich erhalten wird.
Schließlich bemerke ich noch, daß die Capitulation nur Geltung hat für das Jnsurgenten-Corps, welches am 9. Mai dem Generallikutenant v. Wedell in der Gegend von Schroda gegenüberstand.
Posen, 13. Mai 1848.
Der Königl. Commissarius, General der Infanterie v. Pfuel.
Berlin, 16. Mai, 1% Uhr Nachmittags. (Telegraphische Depesche des Minister-Präsidenten Camphausen an den Negierungs-Präsidenten zu Köln.) Die neuen Demonstrations-Versuche sind gescheitert.
Breslau, 11. Mai. (Ausweisung der Polen- Flüchtlinge.) Vorgestern ertheilte der Polizei-Präsident den polnischen Emigranten den Befehl, sich aus Breslau nach einem Aufenthaltsorte zwischen der Elbe und Weser, oder nach Frankreich zu begeben. Die Emigranten verlangten einige Tage Frist zu einer Deputa
tion nach Berlin, welche den Ministerial- Erlaß rückgängig machen könne, da doch die Polen mit Wissen der preußischen Regierung angekommen seien, um sich ihrem Vaterlande zu nahen, und nicht, um sich von demselben zu entfernen. Gestern hatte, sich eine Abordnung zu dem Polizei-Präsidenten begeben, um mit ihm Rücksprache zu nehmen. Indessen wurden alle Polen durch eine Abtheilung Constabler und Gensdarmen auf Wagen gepackt und nur auf das Ehrenwort eines Mitgliedes der Abordnung ihnen erlaubt, bis 5 Uhr früh zu bleiben, um noch ihre Effekten mitzunehmen. Während dieses Ereignisses hatte gestern Nachmittag die Stadt wieder ein sehr kriegerisches Aussehen. Bürger-Compagnien durchzogen die Straßen und besetzten das Rathhaus, auf dem Ringe und in den angränzenden Straßen wurden die Läden geschlossen, der Schlachthof barrika- dirt und verrammelt, während auf dem Ringe ein starker Trupp Tagearbeiter stand, und von dem Magistrat Schutz gegen die Fleisch crgesellcn verlangte, welche Einzelne von ihnen gemißhandelt hatten. Dieser Schutz wurde versprochen, die Arbeiter zogen ab, der Schlachthof wurde von der Bürgerwehr besetzt. (W.-Z)
Breslau, 14. Mai. Im Krakauer Gebiet sind sowohl die Grenzen gegen Preußen hin als die gegen Rußland mit österreichischen Truppen dicht besetzt.
(Bresl. Z.)
Hamburg, 14. Mai. Man erfährt von gutuntcr- richteter Seite, daß die Hülfssendung eines schwedischen Heeres auch nur zur Vertheidigung gegen einen Angriff auf die dänischen Inseln an eine schwer zu erfüllende Bedingung geknüpft ist. Die schwedische Regierung hat sich nämlich eine genügende Garantie, wegen Erstattung sämmtlicher Kriegskosten ausbedungen, eine Garantie, welche bei Dänemarks kläglichen Finanzzu- ständen schwerlich zu leisten sein wird. (W. Z.)
Schleswig, 12. Mai. AuS dem Privatbriefe eines Ofsiciers, datirt Veile den 10. Mai, erfahren wir, daß der StiftöamtSmann von Aarhuus sich geweigert hat, den an ihn ergangenen Requisitionen, Folge zu leisten. Demnach wird jetzt außerhalb des Amtes Veile militärisch requirirt, wobei die Einwohner sich natürlich schlechter stehen, als wenn die Obrigkeit die Vermittlung übernimmt. Es scheint, daß der Stiftsamtmann von Aarhuus im Auftrage der Kopenhagener Regierung handelt. Die Jüten fangen nach der durchaus zwecklosen Beschießung von Fridericia durch ihre eigenen Landsleute an zu begreifen, daß die Kopenhagener kein Herz für Jütland haben, was dieselben schon lange hätten einsehen können. Einzelne fangen schon an, von einer provisorischen Regierung sür Jütland zu sprechen. Unter dem Major v. Zastrow ist ein Detaschement nach Norden abgegangen. ES besteht allein aus schles- wig-hvlstcin. Truppen aller Waffen, darunter 4 Kanonen. Außerdem wird diese Erpcdition wahrscheinlich der Widerspenstigkeit der nördlichen Obrigkeiten ein Ende machen. (Tagebl.)
Kiel, 11. Mai. (Die Einmischung Schwedens.) Die gestern hier eingctroffene Nachricht von der Einmischung Schwedens in unsere Angelegenheit mit Dänemark hat hier wenig Effekt gemacht, weil man allgemein der Ansicht ist, daß Schweden post fest um komme. DaS schwedische Kabinet hat, als es die fragliche Erklärung an Preußen erließ, offenbar zweierlei noch nicht gewußt, einmal daß die englische Vermittlung bereits faktisch begonnen bat. und von beiden streitenden Parteien acceptirt ist — nach der offiziellen Erklärung Lord Palmerstons — und zweitens, daß die eigentlich dänischen Grenzen von den deutschen Truppen bereits überschritten sind. Was will nun Schweden mit seiner Hülfe? Soll dieselbe etwa unsere in Jütland stehenden Truppen angreifen, um sie über die Königsau zurückzuwcrfen? Allein dies geschähe denn im Widerspruch mit dem Wortlaut der Erklärung, wonach sich das schwedische HülfScorps nur defensiv verhalten soll. Sodann zweifeln wir nicht, daß der General Wrangel, wie er mit den Dänen fertig geworden ist, so auch mit den Schweden fertig werden würde. Soll das schwedische HülsscorpS aber nicht angrcifcn, sondern sich nur etwa in Seeland, oder Fünen, oder in dem unbesetzten Theil von Jütland aufsteUcn, so wäre dies eine sehr überflüssige Maßregel, da die Preußen offenbar nicht weiter vorzurücken beabsichtigen, weil die Unterhandlungen begonnen haben. Man glaubt hier in der schwedischen Einmischung nicht unschwer einen Streich der russischen Politik zu erkennen; auch fehlt es nicht an Nachrichten, welche bestimmt besagen, daß Rußland bei der Sache im Hintergründe steht. Rußland hat ein sehr handgreifliches Interesse, Schwedens Aufmerksamkeit in diesem Augenblick von Finnland abzulenken, wo nach allen Nachrichten die alten Sympathien für Schweden gegenwärtig aus leicht erklärlichen Ursachen stärker wie je wieder erwacht sind. Zu dem Ende muß es das Bestreben Rußlands sein, Schweden in anderweitige Kollisionen zu verwickeln, die es ihm unmöglich machen, den Finnen seine Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Insbesondere mußte für Rußland die Gelegenheit erwünscht sein, Schweden in einen Konflikt mit Deutschland, Schwedens natürlichen Bundesgenossen gegen Rußland, zu bringen. Wenn man nicht Ursache zu glauben hätte, daß das schwedische Kabinet zu jenem Schritt nur wider seinen Willen bewogen ist, aus Rücksicht auf das unverständige Geschrei der skandinavischen Partei, so könnte man nur annehmen, daß es von Rußland in dieser Beziehung gänzlich düpirt sei. Hoffen wir, daß die schwedische Regierung die falsche Position,
von der sie weder Ehre noch Vortheil haben kann, baldmöglichst aufgebe. Hoffen wir, daß man in Stockholm baldigst von einer Politik abstehe, die auf dem unnatürlichsten Mißverhältniß beruht, den natürlichen Feind zum Bundesgenossen und den natürlichen Freund zum Feinde zu haben. (38. Z.)
Altona, 13. Mai. In den letzten Tagen sind wieder mehrere Detaschements Infanterie und Kavallerie nebst 9 Geschützen nordwärts gezogen und bereits bis Horsens vorgerückt. Major von Zastrow hat den Befehl erhalten, einen Streifzug bis Aarhuus zu machen, wo sich der Stiftsamtmann geweigert hat, den an ihn ergangenen Requisitionen wegen Lebensmittel und Fourage Folge zu leisten. Auch soll er sich darüber Auskunft verschaffen, ob im Norden Jütlands noch dänische Truppen, oder ob sie wirklich, wie versichert wird, nach den Inseln übergegangen sind. Während das südliche Jütland sehr fruchtbar, zumal kornreich ist, ist das nördliche um so steriler, von Haide, Sanddünen und Moräste durchzogen, dabei auch schwach bevölkert.
Gestern sind zwei Couriere aus Berlin mit Instruktionen an den General Wrangel hier durchgegau- gen. So viel wir aus guter Quelle erfahren, sollen dieselben die Weisung enthalten, daß die Besetzung Jütlands in der bisherigen Weise „als Repressalie" fortbauern soll, und daß, um für etwaige Folgen, die durch die schwedische Intervention entstehen könnten, gerüstet zu sein, die noch ausstehenden ContiNgente des zehnten Armmecorps einberufen werden sollen. (Andere Blätter bestätigen wenigstens, daß Gen. Wrangel die Einberufung beantragt hat.) Was bis jetzt davon im gelbe steht, beträgt gegen 9000 Mann ; es fehlen also noch 16,000. — Der Bestand der dänischen Flotte ist folgender: 6 Linienschiffe, 5 zu 84, 1 zu 66 Kanonen; 7 Fregatten, 1 zu 48, 4 zu 46, 2 zu 40 Kanonen; 4 Corvetten zu 20 Kanonen, 3 Schooncr, 3 Kutter, 30 Kanonen-Schaluppcn, 2 Kriegsdampfschiffc. Zu diesen letzteren kommen indeß noch sechs, welche in FricdenSzcitcn als Postschiffe verwendet, aber bei Kriegsfällen dem Staate zur Verfügung gestellt werden. — Während in Schweden der Eifer für Dänemark sehr groß ist, zeigt er sich in Norwegen sehr kühl. Der Storthing soll nicht geneigt sein, Geld zu dem HülfScorps zu bewilligen. (K. Z.
Aus Oesterreich. (Kriegsnachrichten.) Die Mai- länber Zeitung vom 6. veröffentlicht ein Gesetz der provisorischen Regierung, in Betreff der Desertionen und Insubordination bei der Armee, welches als die vor- läusigen Kriegsartikel betrachtet werden kann. Die 16 Artikel dieses allgemeinen Strafcoderes für die Armee sind in den meisten Punkten mit denen in anderen europäischen Staaten bestehenden Kkiegsgcsctzcn gleichlautend.
Einem Briefe aus Brescia vom 5. Mai zu Folge hat General Hader mit einem Corps freiwilliger Schweizer ein ans Verona kommendes und nach Botzen marschirendes Convoi mit Geiseln überfallen und genommen. Derselbe General soll, wie in diesem Augenblicke berichtet wird, die Fainilie des Er-Vicekönigö bei Botzen gefangen genommen haben. (?)
Ein Postscriptum meldet die Ausschiffung von 12,000 Mann Neapolitaner in Venedig mit 22 Geschützen. — Lüge auf Lüge.
Ein Brief aus dem Standquartier Durando's versichert, daß dieser General mit etwa 15,000 Mann die Piave passirt habe. Die Venetianer Zeitung bringt folgenden Brief aus Padua von: 3. Mai: Der Ueber* gang der Piemontesen über die Etsch bei Ponton bestätigt sich. Die Qestcrreicher erlitten starke Verluste. Es wurden zwei Generale gefangen genommen (man : glaubt Thurn-Taris und Lichtenstein) und nach Mailand abgeführt. General d'Aspre ward gefährlich verwundet uub starb kaum in Verona angekommen. — DaS ist doch zu viel auf einmal! (O. Z)
Wien, (Offenes Sendschreiben an Se. k. k. Ho- I heit, den Palatin von Ungarn Erzherzog Stephan von einem Magyaren.)
Königliche Hoheit!
Die Ehre der ungarischen Nation ist Ihnen heilig, das weiß jeder Ungar und '.deßhalb lieben und vertrauen alle Ungarn ihrenr Palatin Stephan.
Aber auch Oesterreich blickt hoffend und vertrauend auf Sie, daß es Ihnen gelingen möge Deutsche wie Ungarn immer mehr und mehr zu überzeugen, wie nur in der innigsten Verbrüderung beider Nationen wahres Heil, kräftiger Schutz, wider die beiden Nationen von Osten her drohende Gefahr zu suchen.
Hoheit, es ist nun bis zur Evidenz erwiesen, sowohl in Oesterreich als in unserem herrlichen Ungaui eine Propaganda besteht, welche im Interesse des a= vknthumS durch Verbreitung falscher oder über tu Berichte, über die Weigerung ^"E"" • Uebernahme eines Theils der Staatsschuld, se _ . Zurückberufung des königl. iiugar'/cheii ,
X Pr«-^- W» & Ü^l-Wnt unsms m- giften Münsters in Oesterreich nur zu sehr m bte ^^Dst''â 'Zeitschriften liefern den Beweis dafür, wie jene slavische Propaganda zu wirken sucht, obgleich die Redactionen, wie ich genau weiß, bei weitem nicht alles und nicht das Aergste aufnehmen, was für diesen Zweck ihnen zugesandt wurde.
Allein alle diese Bemühungen jener Propaganda,