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Freit Zeitung.

âeiheit und NeehL!"

Wiesbaden. Donnerstag, 18 Mai '

18L8.

DK Trete Leituna" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. März bis 1. Juli d. 3- beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des aanren SerzoathumS Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgraffchaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 fl. 4j lk. inner, bald aller übrigen Thurn und TariS'schen Postbezirken 3 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Inserations-Gebühren betragen für bie vlerspaltrge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

S2. Sikuna der deutschen Bundesversamm­lung vom 15. Mai 1848.

J der heutigen Sitzung der Bundesversammlung nahmen der neue f. preußische Bundestagsgesandte, wirk­licher Legationörath v. Usedom, und der k. sächsische Bundestagsgesandte, â geheimer Legationsrath Todt, ihre Plätze ein.

Ein Schreiben des Generals v. Wrangel vom 8. d. meldet, daß beinahe das ganze Jütland von den Dä­nen geräumt ist und die preußische Artillerie- mehrere glänzende Gefechte gegen dänische Kanonierboote bestan­den hat.

Ein Bericht des Syndikus Banks aus London äu­ßerte sich über die Möglichkeit und Nützlichkeit des An­kaufs von Kriegsschiffen nebst Zubehör, welcher nebst einem ein schlagenden Schreiben des Fünfziger-Ausschusses in den bestellten Marine-Ausschuß abgegeben wurde.

Für Hannover,,- Mecklenburg, Dessau, Bernburg, Hohenzollern-Hechingen, Schaumburg-Lippe wurde ange­zeigt, daß die Wahlen der Abgeordneten zur National- Versammlung geschehen seien.

Vorgelegt wurden die Gesetze über Volksbewaffnung im Luxemburgischen und die Wahlen zur National-Ver- sammlung in Schaumburg.

Der großh. Hess. Gesandte zeigte mit Bezug auf den Bundesbeschluß vom 26. April an, daß nach der Ansicht seiner Regierung allerdings einem landständischen Abgeordneten, der zugleich in die Nationalversammlung gewählt worden sei, freistehen müsse, auch diese zweite Wahl anzunehmen und zwar entweder mit Beibehal­tung oder Niederlegung der ersten Stelle und daß in beiden Fällen wohl keine Kammer der hessischen StänDe- versammlung Anstand nehmen werde, den nöthigen Ur­laub oder die Niederlegnng des Amtes zu verwilligen. Ebenso, daß nach jener Ansicht in den einzelnen deut­schen Staaten constituirende Ständeversammlungen mit der Aufgabe, die Verfassungen neu zu gestalten, vor der Vollendung des Verfassungswerkes für ganz Deutsch­land nicht zu berufen seien, weil bei Revision der Ver­fassung der einzelnen Staaten die Grundsätze ebenfalls Anwendung finden müßten, auf welche jenes Werk ge­baut werde.

Der würtembergische Gesandte beantragte zur Wi­derlegung irrthümlicher Auffassung des Verfahrens der Bundesvcrsammluug bezüglich des Separatprotokolls vom 4. d. eine beruhigende öffentliche Erklärung zu erlassen.

Der holsteinische Gesandte stellte einen Antrag be­züglich ausgedehnterer Verantwortlichkeit der Bundes- tagögesandten, welche Anträge an den Revisionsaus- schuß zur Begutachtung abgegeben wurden.

Deutschland.

Wiesbaden, 16. Mai. Zufolge des heute ausge­gebenen Verordnungsblattes Nr. 16 sind unsere Land- stände auf den 22. d. M. cinberufen, an welchem Tage die Eröffnung der Ständeversammlung Statt finden wird.

Das Verordnungsblatt bringt sodann das Resultat der Deputirtenwahlen zur öffentlichen Kenntniß, das wir jedoch schon in Nr. 63 dieser Blätter mitgetheilt haben. Außerdem liegt demselben ein Gesetzentwurf über die künftige Ausübung der Jagd im Herzogthum Nassau bei. Dieser Entwurf ist gut ausgearbellet und wird zweifelsohne in seinen wesentlichen Theilen die Zustim- mung der Stänbe-Versammlung erhalten. Das Jagd­recht geht, wie es nie hätte anders sein dürfen, wieder auf die Gemeinden über.

Wiesbaden, 16. Mai. Am Vorabend des Zu­sammentritts des vom deutschen Volke so energisch ver­langten deutschen Parlaments, also morgen, den 17. wird von hier aus ein mächtiges Feuerzeichen auf der iy2 Stunden von hier entferntenPlatte" veranstaltet werden. Auch wurde von dem hiesigen Sicherheits- Komite bei den weltlichen und geistlichen Behörden der Antrag gestellt, daß der 18. Mai als Feiertag be­handelt und am Vorabende durch Glockengeläute und Kanonendonner angekündigt werden möge.

Biebrich-Mosbach, 15. Mai. Nachstehende Adresse wurde heute mit mehreren hundert Unterschriften bedeckt durch eure Deputation von hier o den Fünsziger-Aus- schuß nach Frankfurt überbracht:

Deutsche Männer!

Die Reaction der Volksfeinde ist in vollem Anzuge, aber sie findet ein waches, ein nüchternes Volk, das die gegenwärtige Bewegung vollkommen zu würdigen versteht. Wird auch diese heutige Bewegung von ocr materiellen Noth mächtig gehoben, so steht sie doch ih­rem innersten Wesen nach unter der Herrschaft der Bil­dung und Intelligenz; die geistigen, die sittlichen In­teressen sind in ihr noch überwiegend; erringt sie die Oberhand, so ist der Sieg des Geistes, der Freiheit für immer entschieden und die Zeit der gewaltsamen Revv- lution ist geschlossen.

Wird sie aber gehemmt und unterdrückt, läßt man sie nicht mit allen ihren nothwendigen Folgen sich ent­falten, dann mag man wohl eine Weile den Erfolg ausbeuten; aber endlich wird eine Revolution heran- brechen, und diese wird nicht mehr unter der Zucht des Geistes stehen: sie wird ein Krieg sein des Hungers, der Wuth und der Verzweiflung gegen Habsucht, Ueber- muth und Wollust, und der Verwilderung durch Elend

wird gegenüberstehen die Verwilderung durch Ueppigkeit. Dies müßte das gräßliche Loos unseres schönen Vater- landes nothwendig werden, wenn die Reaction, als de­ren Herd die Bundes-Versammlung durch ihren neuesten Lcbcnsact sich unzweideutig erwiesen hat, wenn diese höllische Reaction abermals siegen sollte! Hat doch diese Bundes-Versammlung Angesichts der großartigsten Volkserhebung nochmals gewagt, ihre geheimen Be­schlüsse gegen des Volkes Interesse in Kraft bringen und dem erwachten Volke wieder neu die Fesseln anle­gen zu wollen!

Deutsche Männer, Ihr seid die Schirmer unsrer Freiheit, tretet kräftig allen Reactions-Versuchen gegen­über, verfolgt sie mit dem Feuer und Schwert Eures Geistes in ihre verborgensten Schlupfwinkel und zählt auf unsre volle Zustimmung, nöthigen falls auf unsre Kraft!

(Folgen die Unterschriften.)

Limburg, 8. Mai. Mit Bezugnahme auf den Ar­tikel d. d. Limburg vom 18. April l. J. in dieser Zei­tung Nr. 52 und dann in Nr. 58 vom 29. April l. J. und die Ministerial- Verfügung vom I. Mai L I. die Errichtung einer besondern Commission zur Berathung der auf den Schutz und Förderung der Arbeit be­züglichen Einrichtungen, findet sich Schreiber dieses veranlaßt, seine Ansicht über die Hebung der arbeitenden Volksklaffe, der Handwerker, der un- bcmttielten Landlcute und der Taglöhner in diesen Zei­len darzustellen, da ihn dieser wichtige Gegenstand schon seit Jahr und Tag beschäftigt, beseelt von den besten Ab­sichten, nicht geleitet von selbstsüchtigen oder eigennützi­gen Zwecken. In einem Augenblick, wo eine Nation mit den Königsthronen Rechnung hält, wahre Frei­heit mit festen Garantien verlangt, wo die Sünden der vorangegangenen Jahrhunderte, die man gegen diesen Stand begangen hat, gesühnt wer den sollen; da laßt uns in die Hütte der Armen, deü schweißtrie- fenden Taglöhners und Landmannes, in die Werkstücke des fleißigen Handwerkers treten und nach der Quelle ihrer Leiden fragen, damit sie bei dem großen Verfaj- sungs- und GtsetzgrbungSbau Deutschlands für alle Zu­kunft eine gebesserte Lage erhalten. Bei der Behand­lung dieser wichtigen Fragen lassen wir uns nur nicht von leeren Hirngespinsten, Träumereien von Eommu- nismus u. s. w. bemeistern, denn Niemand kann den Rechtsstaat mehr ehren wie Referent; nur mit hinge- bender Menschenliebe müssen wir diesen Gegenstand be­gleiten. Sehèn wir Deutschlands zunehmende Bevölke­rung und Deutschlands zunehmende Armuth, sehen wir die bleichen Hungertodsgesichter der schlesischen Weber

Schleswig-Holsteins Selbstständigkeit in einem dreißigjährigen Kampf behauptet.

Von Franz Schuselka.

(Schluß.)

Am 2. September zogen die deutschen Fürsten in die Burg ein, ließen sie schnell in Vertheidigungsstand setzen und rückten mit gesteigerter Zuversicht zur Vollen­dung des Sieges aus. Rasch wurden nun die Schlösser Nienhus, Rundhof lind andere erobert und bald war ganz Schleswig, bis auf wenige nördlichste Punkte, von den Dänen gesäubert.

Dieses Waffenglück Schleswig-Holsteins erhielt schon im nächsten Jahre (1432) eine höhere Bedeutung da­durch, daß der jüngere der beiden Fürsten, Graf Ger­hard, ohne successiönsfähige Nachkommen starb, also die beiden Länder Schleswig und Holstein nach so langen verderblichen Theilungen endlich wieder unter einem Haupte vereinigt waren.

Dies alles machte den Dänenkönig abermals sehr zum Frieden geneigt, und noch weit mehr als dies der Um- stand, daß sein eigener Thron zu wanken begann. Es brachen nämlich in Schweden und Norwegen Empörungen gegen Erich aus, uud auch die Dänen verloren eben des langen unrühmlichen Krieges wegen alle Ächtung vor ihm.

Die Hanseaten, die sich ihres Handels wegen nach dem Frieden sehnten , beförderten ihn mit Eifer. Den- uvch zogen sich die Verhandlungen bis ins dritte Jahr

i hin. Endlich nachdem die Schleswig-Holsteiner und die Hanseaten schon wieder zu den Waffen griffen und in Schweden neue Unruhen ausbrachen, schloß König Erich am 14. Juli des Jahres 1435 mit Herzog Adolf und zwei Tage darauf mit den Städten Frieden.

Schleswig-Holstein blieb unter Adolf VIII. vereinigt.

Dr. Middleton.

Von Friedr. Gerstäcker.

Es war ein kalter, doch freundlicher Nachmittag des Monats Februar, als eitr einzelner Reiter aus dem, noch damals nicht sehr bedeutenden Städtchen V in Illinois herauskam, und die breite Straße durch die Prairie verfolgte. Es war ein junger Mann , von ungefähr sieben bis achtundzwanzig Jahren, mit gut­müthigen, Omifeten Augen, von dessen Kleidung übrigens gar Nichts zu sehen war, da er, der Sitte jener kalten Gegenden gemäß, sich in einen gewaltig großen weißen Flanettüberrock ganz eingeknöpft hatte, so daß nur die hellen Augen mit dem oberen Theile eines Paares, durch den kalten Nordwestwind gerötheter Wangen zwischen dem aufgeschlagenen Kragen des Rockes und unter dem Schutze einer feinen, dunkelbraunen Otterfellmütze, her- vvrsahcn.

Der untere Theil der Beinkleider war ebenfalls in ein großes Stück blauen Flanells eingeschlagen, der

unter dem Knie von grünen Strumpfbändern zusammen­gehalten wurde und dadurch eine Art Kamaschen bildete. Ein einfacher, eiserner Sporn war an seinen rechten

Hacken geschnallt, und auf der linken Schulter trug er eine der langen, sehr schön gearbeiteten Kentnckicr Büch­sen, durch welche die Bewohner jener Gegenden den Rnf solcher ausgezeichneten Schützen erlangt haben. Der Reiter schien jedoch , trotz dem Gewehre, gar nicht, zur Jagd eingerichtet zu sein, indem weder Kugeltasche noch Pulverhoru an ihm zu sehen war, sondern er reabte scharf auf seinem kleinen rauhaarigen Poncn Lie bart: gefrorene Straße entlang, die häufig an seiner ^ene unö vor ihm ausfliegenden Prairiehühner hmcv würdigend. Er hatte vor sich einen einzelnen Renn bemerkt und versuchte nun diesen einznbeien, um tu langweiligen Weg durch die einarmige, um m u da« Ang- sch«« iw*. * bcdcckte Prairie, durch «ug-uriu-e rn>u

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"mi Osten id)iencn dunkele, und ac 6e wogende Flame. ' ' , ,, '

hi«, einzeln nervorbrechenden Sonnenstrahlen ganz schwarz ausschende Wvlkcnmasscn, auf dem Horizont de.-. Grasmeeres zu lagern, denen hie unO da durch­schimmernde Stellen des blauen, in das Grüne spielen­den Himmels, einen nur noch wilderen, traurigeren An­strich gaben; kalt und schneidend kam der scharfe 9ivr0= west über die weiten Flächen von den großen Seen