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Freie Zeitung.

Freiheit und Recht!

M 70.

Wiesbaden Sonntag, 14. Mai

1848.

Die Sfr eie Seifuna" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements - Preis vom 1. März bis 1. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des aanten Lerroatbums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 fl. 4a tr. inner* aller übrigen Thurn und TariS'schen Postbezirken 3 fl.

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Noch ein Wort über die Beamten- Pensionen, alS Entgegnung auf die in Nr. 62 der freien Zeitung aufgestellten Bedenken.

^n Nr. 62 der Fr. Zeitung ist eine Entgegnung auf den Artikel in Nr. 58 dieser Zeitung, hauptsächlich wegen der Beamten-Pensionen.

Der Verfasser dieser Entgegnung scheint unseren Vorschlag nicht richtig aufgefaßt zu haben.

Da wir damit gerade bezweckten, die Landcskaffe zu erleichtern und dem Lande befähigte und pflichtge- treue Beamten zu verschaffen, so müssen wir die Gründe für denselben etwas näher entwickeln. Wir werden dabei zugleich die Bedenken in Nr. 62 dieser Zeitung in die Augen fassen und dürfen erwarten, daß das Urtheil sich dadurch aufkläre, zumal, wenn, wie wir wünschen, sich noch mehrere Ansichten in der Sache aussprechen.

Einen Hauptschaden deS Pcnsionsspstcms sehen wir in dem übermäßigen Zudrang und zwar keineswegs besonders fleißiger und fähiger Arbeiter. Der Staats­dienst wird von Vielen als eine Versorgungsanstalt angesehen und deßwegen ist nicht zu verwundern, wenn Asspirantcn Berücksichtigung finden, welche entweder aus angesehenen Familien stammen oder die von diesen angesehenen Familien protegirt werden. Wir sahen das in unserem Lande. Wer einen Posten erlangen wollte, der konnte es nicht sowohl durch Brauchbarkeit und Fleiß, als dadurch, daß er vermochte, Vettern, Basen, Schürtzen und Intriguen für seine Sache in Bewegung zu bringen. Namentlich hatte der Adel in dieser Beziehung aller Schaam entsagt. Daher die ge- ' wissenlose Vermehrung von Stellen in den höchsten und untersten Regionen. Seltener suchte einer die Dienste, den Nutzen des Staates; meist wurden Ehre, Bequem­lichkeit und Geld gesucht. Daher das Andrängen an Personen von Einfluß. Steht er gut? Das war die Frage. Und stand er gut, so standen alle lahmen und blinden Familienangehörigen gut. Es war in unserem kleinen Lande sogar zu Familiencifersuchten und Par­teien im Dienste gekommen. Je nachdem ein gewich­tiger Einfluß eines Chefs abgenommcn, je nachdem traten seine Verwandten in den Hintergrund, um den Verwandten anderer Emporkömmlinge Platz zu machen.

Daß in solchen Fällen der Pensions-Etat herhalten muß, wenn eine PensionShrrèchtigung besteht, wer wird daran zweifeln? Kann aber bei solchen Zuständen, die, wenn auch für jetzt die Absicht vorliegt, sie abzustel­len, sich wiederholen können und werden, kann da, fragen wir, überhaupt von Beibehaltung der Pensionen aus Staatsmitteln noch die Rede sein?

Man bedenke: früher wechselten Familien, das ko­stete schweres Geld; jetzt werden Parteien wechseln,' das kostet, jetzt können wir uns schon davon über­zeugen, noch ungleich mehr. Man wird demnach den Pensionsfond vergrößern müssen, wenn man die Pensions-Berechtigung aus'Staatsmitteln beibehalten will.

Wir glauben, daß unser Land dazu kein Geld hat, daß es aber die Mittel besitzt, seine Beamten so zu­reichend zu bezahlen, daß sie noch etwas zurücklegen oder mit anderen Worten, daß sie die Sorge für ihr und ihrer Angehörigen Zukunft selbst übernehmen können.

Das ist's, was wir vorgeschlagen haben. Wir waren aber weit entfernt, anzurathen, den Gehalt der Beamten um daö Doppelte zu vermehren. Uns leitete rin anderer Gedanke.

Die Besoldungs-Budjets für die Ccntralbchördcn stehen in keinem Verhältniß mit den Besoldungs-Bud- jets der Lokalstcllcn, weil von oben zuviel regiert und von unten zu wenig verwaltet wird.

Die Central-Verwaltung verbraucht, aus­schließlich des Militärs, dessen Unterhalt in den letzten Jahren zwischen 600,000 und 700,000 fl. jähr­lich erforderte, alleinanBesoldungen 332,000fl.') während die Besoldungen der Lokalbeamten sich auf 285,000 fl.") belaufen haben.

DaS scheint uns kein richtiges Verhältniß. Wer den Lokaldienst kennt und bei den verschiedenen Be­hörden sich aufmerksam mgeschen hat, weiß, daß Port gearbeitet, an den Centralbehörden dagegen von vielen Personen auf Arbeit gewartet wird. Es find der Kollegien, Direktionen und Kommissionen zuvielc; es sind also auch zuviele Personen mit der Leitung der Geschäfte, deren eigentliche Erledigung übrigens nur eine gewisse Anzahl von Personen übernommen hat,

*) Gesandtschaften......21,000 fl.

Ministerium und Kabinet . . 31,000 Landes-Regierung..... 90,000 Justizverwaltung ..... 84,000 Finanzvcrwaltuttg . . . 47,000 Rechnungs-Kammer .... 59,000 332,000 fl.

**) Justiz- und Polizei-Aemter ..... 121,000 fl.

Forstwesen, ohne die Oberförster u. Förster- besoldungen .......... 22,000

Medieinalwcsc», ohne die Beträge aus Gc- mcindckaffen......... 33,000

Wasser- und Landstraßen-, sowie Hochbau 39,000

Berg - und Hüttenwesen...... 11,000

Finanzverwaltung.....i . . 59,000

2857ooO".

beauftragt. Gerade diese Leit- und Rath-Stellen kosten aber Geld und sollten nach unserem Vorschlag vorzüg­lich gespart werden.

Man darf annehmen, daß fi10 der Beamten bei den Ccntralstcllen entbehrlich ist; die Ersparung deren Ge­halts beträgt aber nicht den zehnten, sondern einen weit höheren Theil der budgetmäßigen Besoldung und dieß gibt einen zureichenden Fond ab zur anständigen Besol­dung der nothwendigen Beamten, ohne daß die Landes- kaffe vermehrte Opfer zu bringen hat.

Werden nun die Beamten besser bezahlt, so finden sie dadurch die Mittel, sich selbst eine Penfionskaffe zu bilden, deren Verwaltung der Staat zu beaufsichtigen, zu der er aber keinen Kreuzer zuzuschießen hätte. Dazu bedarf cs aber nicht der Erhöhung der Besoldungen um das Doppelte. Es ist nur nöthig, daß der Spielraum in den Gehalten der einzelnen Beamtenklassen wegfällt und die Gehaltsumme einer jeden Klasse nach den Lei­stungen normirt wird, welche die Staatsverwaltung von jeder Klasse im Allgemeinen fordert.

Von den gegenwärtigen Besoldungen und bei den gegenwärtigen Bcamtrnvcrhältnissen läßt sich aber diese Einrichtung nicht ausführrn. Daher haben wir in un­serem ersten Artikel eine durchgreifende Aenderung durch Bezeichnung der bestehenden Mängel auregcn wollen.

Die. von dem Verfasser der Entgegnung in Nr. 62 vorgebrachten weiteren Bedenken werden nach dieser Auseinandersetzung verschwinden.

Die Furcht vor Bercichcrungsversuchen scheint uns unbegründet. Die freie Presse ist der beste Schutz ge­gen Staatsbetrüger und wir wenigstens halten es übri­gens auch nicht für möglich, daß ein Staatsbeamter blos aus dem Grunde, um sich seine Pensionsansprückc gesichert zu erhalten, ein ehrlicher Mann bleibe.

Der Beamte aber, der wegen gemeiner Vergehen durch Urtheil seiner Stelle entsetzt wird, trägt die Schande durchs Leben, während der Redliche durch das Bewußt­sein treuer Pflichterfüllung sich gehoben fühlt und in der Achtung aller Mitbürger den schönsten Lohn findet.

Wir refiimiren hiernach unsere Ansicht dahin: der Staat kann in jeder Hinsicht nur gewinnen, wenn er die Pensionsberechtigung seiner Beamten aufhcbt und zwar 1) weil dadurch nicht unbedeutende Summen er­spart werden, und bemnad) 2) cs dem Staate möglich wird, das Loos der nothwendigen befähigten und nütz­lichen Beamte» so zu stellen, daß sie für ihre und der Ihrigen Zukunft unter seiner bloßen Oberaufsicht selber sorgen können, 3) weil damit die Idee beseitigt wird, als sei der Staatsdienst eine Versorgungsanstalt für einzelne bevorzugte Staatsbürger, und endlich in Folge dessen 4) weil er auf solche Weise den Zudrang unfä-

Schleswig-Holsteins Selbstständigkeit in einen» dreistigjährigen Kampf behauptet.

Bon Franz Schuselka.

(Fortsetzung.)

Immer toller entbrannte die dänische Mordlust. Bald scheuten sie auch das zarte Geschlecht nicht mehr und ver­übten schändliche Grausamkeit au Frauen und Juugfrauen. In dem Städtchen Burg hatten sich die verzweifelnden Ein­wohner in der Kirche versammelt, um sich durch den Em­pfang des Abendmahles zum Tode zu stärken. Die Dänen ließen die heilige Handlung nicht geschehen. Sie hieben den Priester am Altare nieder, schändeten das Sakrament, schlugen und schossen auf die Versammelten, ließen sie dann in ihrem Blute liegen und zündeten die Kirche an. Die ganze Insel wurde in eine wüste Brandstätte ver­wandelt , das Schloß erhielt eine starke dänische Be­satzung und mit unermeßlicher Beute segelten die Dänen nach Hause.

Der Schmerz über diesen schwere» Verlust brachte in dem alten Grafen Heinrich den Entschluß zu Reife, von bem weltlichen Schauplatz wieder ins geistliche Leben zurückzutreten.- Gequält von dem reuevollen Bewußtsein, durch sein Auftreten die erste Veranlassung zu dem un­glücklichen Krieg gegeben zu haben, zog er sich in das Kloster zu Bordesholm zurück, wo er im Herbst des Jahres 1421 starb , eben als er nach dem Tode des

verrätherischen Bischofs von Schleswig zu dessen Nach­folger gewählt wurde, in welcher Stellung er der Sache seines Hauses wesentlich hätte nützen können.

Nun traten die jungen Prinzen, Heinrich, Herzog von Schleswig, und seine Brüder, die Grafen Adolf und Gerhard von Holstein, selbstständig an die Spitze der Unternehmungen.

Die erste That dieser jungkräftigcn Führer war eine glückliche. König Erich ließ von Hadersleben aus eine bedeutende Streitmacht gegen Holstein vorrücken. Die Holsteiner eilten den Feinden entgegen. Bei Jmmer- wad kam cs zum Treffen. Die Dänen wurden in die Flucht geschlagen und verloren nebst vieler Mannschaft ihre beiden Feldherren Anton Rönnov und Peter Hogen­schild. Das Volk verewigte das Andenken au diesen Sieg durch den Reim:

Hos Jmmerwad

Fick Denmark it Fandens Bad."

Bei Jminerwad

Kam Dänemark ins Teufels Bad.

Darauf bewarb sich der Tänenkönig wieder um einen Waffenstillstand und trug, nachdem er ihn erhalten, in gewohnter treuloser Weise abermals auf ein Schieds­gericht an, um inzwischen neue Rüstungen zu machen. Dabei war König Erich so schamlos, daß er sich sein Reckt auf Schleswig durch das Zeugniß seiner däniscken und schwedischen Unterthanen beweisen lassen wollte. Er

krachte Urkunde» vor, in welchen bic Prälaten und Ritter von Seeland, Schonen und Jütland den Beweis führten, daß Schleswig zu Dänemark gehöre!

Aber, mitten in diesen Fricdenöverhandlungen brack der Dänenkönig den Waffenstillstand und sandte eine große Flotte, unter Iven Bruseckc, aus, um die Insel Alsen zu erobern. Dock die Holsteiner schlugen die Lan­dung ab, der dänische Feldherr kam dabei ums Leben und bic flüchtige Flotte wurde durch einen Sturm hart mitgenommen. (Fortsetzung folgt.)

Adresse beutfeber (Gattinnen ««^ Haus­frauen an ihre Ehemänner.

(Anä b. Flieg. BNM )

D,c totfr^ &ÄS und .^'l'gucn - 'N Gährung in lebt l)ai)d)Ciiu^ können nickt umhin, auch und Amreauna der Genin«"' ibwrfe S u"d ^l^nific laut werden zu - HC in Frankfurt ansgetauchtc und ver- kocktcnc' republikanische Regierungsform, wenn gleich der­malen bekämpft und unterlegen, sie für bic Aufrechthal- tima des monarchischen Prinzips auch in der Ehe in Zukunft ernstlich besorgt machen muß.

Diese Befürchtungen betreffen die Entfremdung sämmt­licher Eheherren von allem, was Haus, Familie, Kinder