gegenwärtiger Zeit, wenn er fortschreiten will, waS doch hoffentlich bei unserm Staate der Fall ist, de Pflicht, eine Steuer, welch? auf Einem Stande auö- schließli'ch liegt, aufzuheben und durch die alle Stande treffende Einkommensteuer tu ersetzen. Der Domanial- Zehnte ist eine solche ausschließliche, also ungerechte Besteuerung: folglich muß derselbe aufgehoben weiden, aufgehoben ohne Ablösung. Hier von einer Entschadi. gung des Zehntberechtigten zu reden, ist nicht andeiS, als wenn man z. B. von den ^ewerbtreibeiiden, falls dieselbe durch Einführung der Einkommensteuer von der Gewerbsteuer befreit werden, eine Ablöiung fordern wollte ' So weit wird aber doch wohl das deutsche „Rechtsgefühl" sich nicht erstrecken wollen. Was den andesherrlichen Zehnten betrifft, so verhalt cd sich mit demselben eben so, wie mit dem-Domamal- Sehnten. Denn nur die Wüllkür war es, welche den einen Souverän mediatistrte, den andern als Souverän sortbestehen ließ. Eine frühere Handlung der Willkür darf aber die Gerechtigkeit in ihrem Läufe nicht auf, halten. Also ist auch dieser Zehnte, der seiner Natur nach nichts Anderes ist, als der Domanialzchnte, ohne Weiteres aufzuheben. Es bliebe mithin nur noch der Besoldiiiigs- und der Privatzehnte übrig., Hier muß natürlich ein' Ersatz eintreten; aber das Gesetz der Gleichheit erfordert, daß dieser Ersatz nicht von den kiiizeliicii zehntpflichtigen Gemeinden, sondern aus allgemeinen Mitteln geleistet werde. Privatpersonen, die sich für ihr gutes Geld einen Zehnten gekauft haben, müssen vom Staate ihr Geld zurüüerhaltcn, und solche Pfarr- und Schulbesoldungen, wovon ein Zehnten bisher einen Bestandtheil bildete, müssen auf die Staatskasse übernommen werden. Schließlich werde noch bemerkt, daß die Ablösungskapitalten, welche bereits ausbezahlt sind, der Gerechtigkeit gemäß zurückzuerstatten sein werden. So stellt sich nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes für den Laien die Sache sehr klar und einfach. Sehr wünschenswerth wäre cs, wenn sich endlich auch einmal Emer unserer Juristen auf die Arena dieser Blatter hcrabbcmühte und uns, wenn er es vermag, eines Bessern belehrte!
St. Goarshausen, 8. Mai. In einem gut vorbereiteten Flugblatt fordert Herr Amtsaceessist Wilhelm Eberhard den Bauernstand des Herzogrhums auf, durch Ausschüsse bei einer am 7. Mai stattsindenden Versammlung in Limburg,*) behufs Berathung wegen Entfernung von Grundlasten, sich vertreten zu lassen.
Hierauf wurde demselben folgende Erklärung zuge- schickt, mit dem Ersuchen, solche als Stimme aus dem Amte St. Goarshausen der Versammlung müzuthcilcn:
Liebe Mitbürger!
Die Ackerbauern und Weinbauern des Amtes St. Goarshausen erachten sich nicht, vor andern Klassen ihrer Mitbürger gedrückt, sind daher auch nicht gesonnen, sich zu deren Schaden zu bereichern, und dadurch Unzufriedenheit und Uneinigkeit unter den Bürgern des gemeinsamen Vaterlandes zu veranlassen.
Unsere Ansprüche beschränken wir daher auf eine Billigkeit, wobei die Wohlsart und Eintracht aller Bürger und des ganzen Vaterlandes bestehen kann.
Wir wissen, daß alle Kräfte durch Freiheit erstarken und wachsen.
Wir wünschen daher, daß allen Kräften, die den Wohlstand befördern, die hierzu nöthige Freiheit verliehen und gesichert werde.
Von denselben Grundsätzen ausgehend, werden auch die Gewerbtreibenden und alle unsere Mitbürger wünschen, daß der Grund und Boden von allen seinen, Verbesserung hemmenden, Unglcichhe.tm und Lasten gegen eine billige Entschädigung (Ablösung) befreit werden, so daß Niemand sagen kann, wir wollen uns ungerecht oder unbillig zum Schaden Anderer bereichern.
Wir wollen nur eine Ablösung der noch übrigen
*) Ob tiefe Versammlung in der That stattgefunden hat, und welches Ergebniß dieselbe liefert, darüber fehlen uns zur Zeit noch Berichte. D. Red.
Zehnten, Grundlasten, Erbpachtabgaben nach einem billigen Maaß stab.
Wir werden nicht versäumen, in diesem Sinne bei der nächsten Ständeversammlung Anträge zu stellen, indem wir dieses für den allein richtigen gesetzlichen Weg erkennen und wohl wissen, daß auch der Ackerbau und Weinbau nicht durch Ungesetzlichkeit befördert werden kann. Wir sind aber auch fest überzeugt, daß alle Klassen unserer Mitbürger hierin beistimmen werden, und daß wir auf dem Weg der Billigkeit unser Ziel in Frieden und Eintracht rasch erreichen werden.
Wir bitten Euch, liebe Mitbürger, dieses cbenwohl zu bedenken und mit uns auf dem Wege wahrer Freiheit, nämlich der, durch Recht, Gerechtigkeit und Billigkeit mit dem Wohl Aller vereinbarten Freiheit fest und vertrauensvoll voranzuschreiten.
St. Goarshausen, den 5. Mai 1848.
(Folgen die Unterschriften.)
Aus dem Amte Selters, 4. Mai. Nro 57 der freien Zeitung vom I.Mai bringt eine vom 26. April datirte Correspondenz aus Selters über die Wahlver- ! andlung zu Montabaur am 25. April. Ich habe bis heute vergeblich darauf gewartet, daß Hr. Joseph Siebert zu Hadamar sich hierauf erklären werde. Ich glaube, Hr. Siebert müsse das thun, damit der Schatten, welchen das tadelnswürdige Benehmen des Hrn. Decans Hofmann zu Meudt und die Ungenauig- feiten des angegebenen Correspondenz - Artikels in der Darstellung des Sachverhaltes auf den Charakter und die Handlungsweise des Hrn. Ministers Hergen- hah n werfen, gänzlich verschwinden. Einstweilen will ich zur Aufklärung des Sachverhalts das Meinige beitragen.
Am Morgen des 25. April hatte Hr. Siebert zwei Briefe, einen von Hrn. Legationsrath von Gagern, den andern von Hrn. Minister Hergenhahn. Beide Briefe waren Antwortschicibcn. Hr. v. Gagern erklärte sich dahin, daß er die Wahl gern annehmen, und daß es ihn schmerzen würde, wenn ihm von den andern Candidaten einer vorgezogen werden sollte, es sei denn Hergenhahn, dem er gerne nachstehen wolle. Hr. Minister Hergenhahn antwortete auf die Frage nach Hrn. V. Gagern, daß er denselben als einen Mann kennen gelernt habe, der nicht allein für den Beruf eines Mitglieds der National-Versammlung vollkommen befähigt, sondern wirklich aufrichtig freisinnig sei. Zugleich gab jedoch Hr. Minister Hergenhahn zu verstehen, daß er einen zu großen Wprth auf daS Vertrauen aller Nassauer setze, als daß ihm nur irgend eine Stimme gleichgültig sein könnte.
Nachdem nun die Wahlmänner in der Kirche versammelt waren, bestieg Hr. Decan Hofmann zu Meudt in der Eigenschaft alS Alterspräsident die Kanzel. Er hatte den Brief des Hrn. Minister Hergenhahn, und las daraus die Stelle vor, welche das eben angeführte Lob des - Hrn. v. Gagern enthielt. Den Brief des Hrn. v. Gagern, und was dieser zur Empfehlung deS Hrn. Ministers enthielt,' las er nicht vor. Dagegen sprach er nach dem Lesen ungefähr Folgendes frei: Selbst Hergenhahn erkenne die Tüchtigkeit des Hrn. V. Gagern ginn Parlamentsglied an, das sei eine große Empfehlung, und man müsse dem lieben guten Manne, dem Hergenhahn, der so viel fürs Vaterland gethan habe, den Gefallen thun den Hr. V. Gagern zu wählen. Ueberdieß sei es billig, den Hrn. V. Gagern durch diese Wahl zu erfreuen, da er über den Verlust seines tapfern Bruders tief betrübt sei. Auch habe sich Hr. V. Gagern durch seinen Eifer bei seiner Gesandtschaft großes Verdienst erworben. Was aber ganz vorzüglich für Hin. v. Gageru spreche, sei der Umstand, daß er ein frommer Mann und ein. wahrer Christ sei, das habe er dadurch bewiesen, daß er vor einigen Jahren katholisch geworden. Von allem, was Hr. Hofmann nach dem Lesen der Stelle aus dem Brief des Hrn. Ministers sprach, stand Nichts in dem Brief.
Hr. Siebert wird fühlen, daß cd seine Pflicht ist, den Sachverhalt jetzt vollständig darzulegen, nachdem
er den rechten Moment zu Montabaur versäumt hat, wo er sogleich auch von dem andern Brief hätte Mittheilung machen, und die Veranlassung der ganzen Correspon- dtnz darlegen müssen. Ich zweifle nicht daran, beide Männer werden dem Hrn. Siebert gern die Erlaubniß geben, die Originale ihrer Briefe vollständig abdrucken zu lassen. ‘ ?
Nach der Zeitung ist Hr. Siebert zum Landesde- Putirten gewählt. Was er auf diese Zeilen antworten, und was er nicht antworten wird, wird beides als ein Theil seines Programms gelten.
Frankfurt im Mak. (Flüchtige Aufzeichnun- gen in Baden und Frankfurt.) Da ich weiß, daß Ihre Zeitung im Augenblick seinen Naum hat für Touristkuschilderungen, so begnüge ich mich damit, aus dcm seit einigen Wochen Erlebten nur Das in flüchtigen Umrissen zu zeichnen, was der Göttin des Tages, der Politik, augehört. Dieselbe ist mir auf Eisenbahnen und Dampfböten, in Bierstuben und an der Wirths- tafel in mancherlei Gestalt erschienen, bald mit der Pfeife im Munde und dem Bier- oder Weinglas in der Hand, in ächt dcutsch.philiströfer Weise, bald jedoch auch mit dem Schwert umgürtet und die Fahne des Aufruhrs schwenkend. Letzteres besonders an beiden Ufern des Oberrhtlns. Wie es im „Rebstock" zu« Straßburg, dem Hauptquartier der Herweghschen Legionen, herging, sagte ich Ihnen schon neulich. Dort wurde bad Verschwören zur Unterhaltung der nicht betheiligten Wiste sehr öffentlich und cavalierement betrieben. Auf dem Suppenteller wurden die weltumwälzcnden Decrete unterzeichnet und erpedkrt, und hinter den Stühlen der meistens mit langen Bärten versehenen Mitglieder des französisch und deutsch durcheinander parlireriden Wohlfahrtsausschusses, der dort zum Wohl des Vaterlandes speiste, standen hungrige Proletarieradjutanten, nm Berichte zu bringen und Ordres in Empfang zu nehmen. — Doch kein Spott mehr! Die Verführer sielen schon der gerechten Vergeltung anheim und die Verführten bedürfen des thätigen Mitleids, das Deutschland seinen hcimkchrcndcn verlornen Söhnen nicht eiitziehen wird.
Im Lande Baden, wo die Wohlfeilheit des Bieres der Theilnahme an Politik und speciell den republikanischen Bestrebungen großen Vorschub leistet, käme auch nicht, wie oft geschah, das von wohlhabenden Agitatoren in unglaublichen Massen gespendete Freibier hinzu, scheinen mir die Leute in einem großen Irrthum befangen zu sein: sie meinen nämlich, Baden wäre ganz Deutschland, und was dort geschähe, wäre maßgebend für dasselbe. Allerdings, während Deutschland zum Theil noch schlief, wachte das kleine Baden schon und' rührte sich in aller Frühe. Dadurch gewann cs eine Bedeutung, die cs jetzt, wo Alles vom Rhein bis zum Niemen sich plötzlich aufgerüttclt hat und eben so emsig, aber mit größerer Vorsicht und Besonnenheit am Web- stuhl der Zukunft arbeitet, überschätzt. Könnte man doch alle diese Republikaner und Nichtrcpuhlikaner des badischen Landes, die in ihren politischen Ansichten gar zu sehr den nur durch ein Sichhingebcn an Frankreich auflösbaren Zusammenhang mit dem großen deutschen Vater- lande aus den Augen lassen, könnte man diese übermäßig durch speciell badische Angelegenheiten aufgeregten Leute doch nur alle auf einige Tage in den Römer zu Frankfurt führen. Dort würden sie sich gleich mir, der ich der Bierpolitik, der Straßenkrawalle, der bewaffneten Volksversammlungen, der Nepublskerklärungen, der Sensenmänner u. s. w. überdrüssig herüberfloh, gleich in einem größeren Elemente schwimmend fühlen. Was dort im hohen gewölbten Saale im Angesicht der ernst aus ihren Nischen herabblickenden deutschen Kaiser verhandelt und beschlossen wird, darüber bekommen und geben Sie genaue Auskunft. Lassen Sie mich Ihnen daher eine Sitzung des Fünfziger - Ausschusses in seiner äußeren Erscheinung mit wenig Stichen schildern.
Es ist halb 11 Uhr, wer vom Publikum der Sitzung sitzend beizuwohnen wünscht, beeilt sich noch einen der in langen Reihen ausgestellten Stühle zu crhaschcu.
Greise am Bettelstäbe, Säuglinge an der Mutterbrust. Da ein Priester (Johann Keding) den Holsteinern bei der Eroberung ter Insel brigestanden, so wurde an allen Geistlichen tie wüthendstc Rache geübt. Man kleidete die Unglücklichen in ter Kirche am Altare nackt aus, geißelte sie fürchterlich und ließ sie an vielen kleinen Wunden langsam verbluten.
(Fortsetzung folgt.)
An die Lehrer.
Wiesbaden, den 7. Mai 1848. — Den Lehrern, die sich gegenwärtig in Angelegenheit der Verbesserung des Volksschulwesens in die Reihe der Sprechenden stellen, diene zur Beherzigung, was Gruner in seiner 1833 in der Ritter'scheu Buchhandlung erschienenen Schrift „über Volksschulmcsen und Volksveredlung, 'als gegenseitige Bedingungen der Begründung eines besseren bürgerlichen Zustandes :c.", gesagt hat.
Gruner hat mit Aufopferung ein Jahrzchend als Seminardircktor in Idstein gewirkt und — nicht umsonst. Er hat viel für Nassaus Volksschulen gethan, und seine Begeisterung ist nicht mit zu Grabe getragen; Gruner wirkt noch fort am Tagewerk in den Schulen. — In dem hier in Erinnerung gebrachten Werke redet er in einer seltenen Offenheit, wie sie nur einem so Wahr
heitsliebenden eigen ist. In der Vorrede sagt er unter Anderem: „Ich fühle mich auch jetzt (1833, eine bekannte Zeit) gcdrnngen, mit aufrichtiger Offenheit, so vollständig, wie ich vermag, meine entschiedene Ueberzeugung darzn- legcu, daß es gegen die Uebel, welche den geselligen Zustand der Menschen von jeher störten, besonders in unserer Zeit, auch bei uns Deutschen, beunruhigen, bedrücken, bedrohen, kein harmloseres, sichereres, besseres, überhaupt f.iti anderes ausreichendes Mittel gebe, als die Veredelung des Volkes durch die Gerechtigkeit, d. h. durch die Al.crkeunulig des Gesetzes der Natur, im ganzen Umfange der Wortbedeutung." —
Der Verfasser hat bad Buch in II. Abschnitte, mit vielen Unterabteilungen, eingcthcilt. Der erste Abschnitt handelt vom Unterrichte im Allgemeinen und dem in der Volksschule K. Der zweite Abschnitt behandelt 1) bad Leben der Schule durch die Kinderführung in ihr; 2) daS Leben in der Schule durch ihre Stellung in dem bürgerlichen Verhältnisse. Hier kommt die Verbindung der Schule und der Kirche -zur Sptache (Beher- zigcnswerthes); das Verhältniß der Volksschule und des Lehrers zu der Gemeinde und ihrem Vorstände und zu den bürgerlichen Behörden überhaupt; — ferner das Leben im gesummten Volke, eine Bedingung deS Lebens in der Schule und der Veredlung des' Volkes aus ihm. — Das Buch enthält überall BeachtenswertheS — Treffliches. — '
Schgde, daß es keine glückliche Laufbahn betrat.
Der damalige Referent des WWschRwefens fand in der in dem Buche enthaltenen lauteren Wahrheit, die überall ohne Rückhalt ausgesprochen ist, hier und da Anstößiges und fürchtete zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn das Buch unter den Lcbrern Aufrcgnng veranlassen sollte, und die bereits an sämmtliche Schul- Jnspectionen des Herzogthums von der Direktion des ' landwirthschaftlichen Vereins dahier gratis abgegebenen Exemplare, sollten nachträglich unter Verschluß gethan, wenigstens den Lehrern nicht in die Hände gegeben werden. Der damalige Präsident deS landwirthschaftlichen Vereins hatte nämlich das Buch mit Interesse gelesen und von seinem Standpunkte aus, als Präsident dieses Vereins, aufgefaßt und erkannt, daß derselbe mittelbar and) in landwirthschaftlicher Hinsicht das Seine zur Hebung des Volkes beitragen würde. In den Händen der Lehrer sollte cs ein Mittel sein, in den Schulen durch den hier ungebahnten Weg auf Vvlksvcredclnng zu wirken. Die gute Absicht blieb durch die Einschrittc der ciuschlagendcu Behörde unerreicht, und die Verbreitung des Buches war gehemmt. — „ Jetzt aber sehen wir hinaus auf eine Zeit der Blüthe; der der Gerechtigkeit in Staat und Völkerleben," darum hier die Erinnerung an das Buch. ES ist Familienvätern, Stqatöbeamten Lehrern in Kirche und Schule, zunächst den deutschen Volksvertretern gewidmet.