Einzelbild herunterladen
 

Freit Mung.

âeiheit und Recht!"

j^ 08 Wiesbaden Freitag, 12. Mai 18L8.

DieAreie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter: auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom I. Marz bis 1. Juli b. 3. betragt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtbnms Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesstschen Provinz Hanau 2 st. 4 ) fr. inner* ^^ sl'3frbJteÖCt"cmnrbe^ betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Wichtige Zeit frage, der Beherzigung Aller dringend empfohlen!

Die Zeit, in der wir leben, ist unleugbar eine große und inhaltsschwere, und wird voraussichtlich auf die zu­künftige Gestaltung unserer Verhältnisse, der politischen sowohl, als der socialen, von dem größten Einfluß sein. Ueber die dem Staate zu gebende Regierungsform wurde schon und wird noch stets viel gesprochen; aber von der Umgestaltung unserer socialen (gesellschaftlichen) Verhältnisse, die doch an Tausenden von Gebrechen lei­den, war fast noch gar nicht die Rede, obschon gerade diese beinahe allein über unser Geschick in der Zukunft entscheiden werden. Wir sehen, wie durch die Concur- rcnz der Besitzlosen (Proletarier) unter sich die Arbeits­löhne immer mehr herabgedrückt werden, wie durch die Concurrenz des geringen Mittelstandes mit dem wohl­habenderen dieser erstere mit Riesenschritten dem Prole­tariate zu eilt und alsbald alle Sorgen und Leiden mit demselben theilen wird. Wir sehen, wie die Maschinen alle kleineren Gewerbe Niederdrücken und einen bei wei­tem größeren Einfluß ausüben, als sich vielleicht Viele träumen lassen. Wir sehen, wie der vom Schicksal Be­günstigte stets sein Glück auf das Unglück Anderer baut, und wie derselbe oft wieder durch einen Zufall oder das überwiegende Glück eines mit ihm Concurrirenden aller seiner Güter beraubt wird. Wie nun diesen Miß­ständen abhelfen? ES ist dies eine Frage, welche für Alle, für den Proletarier, wie für den Kapitalisten, für den Beamten, wie für den Handwerker, von dem größ­ten Jutercsse ist.

Bei dem weiteren Fortbestehen und der ferneren Entwickelung unserer jetzigen socialen Verhältnisse ist es leicht vorauszusehen, daß bei uns derselbe Zustand, wie wir ihn jetzt in England findcu, nämlich auf der einen Seite enormer Reichthum und übertriebener Lurus, auf der andern fürchterliche Armuth und gräßliches Elend, bald eintreten wird. Wir wollen nun zeigen, wie es für die Repräsentanten dieser beiden Klaffen der menschlichen Gesellschaft von dem größten Interesse ist, sich mit der Reorganisation der Gesellschaft zu be­schäftigen, gleichwie dieser Gegenstand für die dazwischen stehende Klasse den Mittelstand von derselben Wichtigkeit ist, indem Einzelne desselben, vom Glück be­günstigt, sich in die reichere Klasse hinaufarbeiten wer­den, die große Mehrzahl desselben aber dem Proletariat zueilen wird.

Jedermanns Stieben auf dieser Erde ist, glücklich zu werden. Der Proletarier sucht -also, wie jeder An­dere, seine Stellung zu verbessern, um sich und seine Familie vor dem heutzutage großen Unglück, dem Man­gel an dem Nöthigste», zu schützen und vor dem Hun-

gertodc sicher zu stellen. Daß dies gerechte, von der Natur selbst in uns gelegte Streben oft vereitelt wird, daß jetzt schon in einigen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes die Noth eine schreckliche Höhe erreicht hat, daß sogar schon Viele als Opfer unserer socialen Ver­hältnisse (man denke nur an Schlesien!) gefallen sind, das kann Niemand mehr leugnen. Die Verbesserung unserer socialen Verhältnisse ist also für den Proletarier eine Lebensfrage, daS unterliegt keinem Zweifel. Was diese sociale Frage aber für den Neichen ist, wollen wir sogleich zeigen. Vom religiösen Standpunkte aus be­trachtet, ist es, gelind gesagt, ein schlechtes Zeugniß für unsere Christlichkeit, wenn wir unsere Nebenmenschen darben, ja sogar verhungern lassen; besonders wenig Ehre aber macht es den Würdenträgern unseres christ­lichen Glaubens, daß sie nicht schon lange darauf hin­arbeiteten, wenn cs ihnen selbst nicht möglich war, durch Andere diese Frage zu lösen. Die Noth ist die Quelle vieler Verbrechen; wollen wir also eine Menge greu­licher Verbrechen beseitigen, so müssen wir die Quelle derselben verstopfen, d. h. der Noth, der gräßlichen, ein Ende machen. Wie aber sieht cs aus, wenn dies nicht geschieht? Die Frage ist leicht zu beantworten: Die Zahl der Besitzlosen wird immer größer und dadurch muß auch das Elend immer größer werden. Kommt nun hierzu noch eine Theurung oder sonstige Krisis, so daß dann der herabgedrückte Tagelohn nicht mehr zur Beschaffung der nöthigen Nahrung ausreicht, so ist es höchst wahrscheinlich, daß der Proletarier durch die Pflicht der Selbsterhaltung, die doch in jedem Menschen liegt, durch den Hunger und die Verzweiflung gesporitt, sich zu Ercessen aller Art Hinreißen lassen wird und somit die Anarchie mit allen ihren Greueln über uns herein­bricht. Wer hierbei am meisten verliert, läßt sich leicht errathen. Die Organisation der Arbeit und die Ver­besserung unserer socialen Verhältnisse überhaupt ist da­her auch für den Begüterten von großer Wichtigkeit, und gar Mancher, welcher im Augenblicke der Umgc- staltiing zu nicht unbedeutenden Opfern angehalten ist, sichert vielleicht dadurch, ohne cs zu ahnen, seine eigene Eristenz oder die seiner Kinder und Nachkommen.

Schaart euch also alle zusammen, ihr Männer, die ihr cs mit euch selbst und euren 'Nebenmenschen wohl meint, um über diese wichtige Frage, um über die Besserstellung der sog. niederen Klasse zu berathen. Nur durch gemeinschaftliches Wirken kann diese Aufgabe gelöst werden und nur durch die Lösung dieser Aufgabe habt ihr eine sichere Garantie gegen den Umsturz des Bestehenden, indem wir alsdann auf einem friedlichen Wege, dem Wege der geistigen Entwickelung, rüstig vor­wärts schreiten können. Die sociale Reform ist ein

großes und schwieriges Werk; laßt uns deshalb aber nicht davor zurückbeben, sondern mit Muth und Selbst­verleugnung daran arbeiten, damit uns nicht der schauer­liche Ruf:Zu spät!" furchtbar aus unserer Saum­seligkeit rüttelt!

Unsrer Ansicht nach sind Arbeiter-Vereine zur Be­sprechung dieses wichtigen Gegenstandes unumgänglich nöthig, und wir fordern daher alle Orte, wo solche noch nicht bestehen, zur alsbaldigeu Gründung eines solchen Vereins auf.

Ueber Gemeinde-Verfassung.

Zweiter Artikel.

Gemeinde- S o u v c r ä n e t ä t.

Die Gemeinde erhält von dem Staate die Befug- niß, sowohl ihr Vermögen selbst zu verwalten, als auch innerhalb bestimmter Schranken die Ortspolizei zu handhaben.

Die OrtSbürger-Gemeinde hat für sich, d. h. ihre Bürger, sowie für bereit Nachkommen das Ortsver- mögen zu verwalten. Sie hat also Korporationsrechtc und Pflichten, sie ist nur Nutznießerin, nicht Eigenthü- merin. Sie kann demnach nicht ganz frei schalten und walten. Dieses zeigt die Gränzen ihrer Defugniß, nämlich: das Kapital muß bleibend, der Nutzen ihrer freien Verfügung einhcimgegcbcn bleiben. Die Gesammtheit, der Staat hat also nur das Recht, darauf zu sehen, daß das Kapital unangegriffen bleibe.

Die Einwohner-Gemeinde dagegen hat kein bleiben­des Interesse; sic wechselt, und wenn es auch Inte­ressen gibt, die immer an einem Orte bleiben, so sind diese mit der Persönlichkeit derer nicht unzertrennlich verbunden, die eine Ortschaft in dieser oder jener Zeit- epoche bewohnen.

Die Ausgleichung der Lokal- und der Perso­nal- Interessen, wird immerhin ihre Schwierigkeit haben. In freien Staaten hat man die Lokal­interessen, resp, die dafür erforderlichen Auslagen öfter der KorporationSgemeindc überbunden, die Zinsen dagegen, sowie die Unterhaltungskosten der Einwohner- gemeinde aufgebürdet. (Ein Beispiel wird die Sache klarer machen. Es bedarf die Einwohnerschaft Wasser. Statt daß jeder Einwohner einen Brunnen gräbt, wird eine gemeinsame Brunnenleitung veranstaltet. Die Be­wohner A. und B. bleiben nur ein Vierteljahr in der Gemeinde; sie haben also dafür, daß eine Brunnen- leitung angelegt werde, die 100 und mehr Jahre währt, kein Interesse. Dagegen haben sie ein Jntc-

Gastronomische Rundschau.

Erster Artikel.

Der unvergleichlich schöne Herzogliche Garten zu Biebrich, welcher seit den jüngsten warmen Maitagen den Brautschmuck angelegt, und die darin befindlichen, ihrer Vollendung nahen, weit ansgcdehnlcn Gewächs­häuser mit den geschmackvollsten und interessantesten Gruppirungen der seltensten Pflanzen, lockten am ver­flossenen Sonntage von fern und nah, große Massen Besucher dahin , die in Prvzessionâhnlichcn Aufzügen an der Farbenpracht unzähliger Blumen und dem jungen Grün einer verschwenderischen Natur sich ergötzten.

Die Gastwirthschaft desRheinischen Hofes", dicht am Rhein zn Biebrich, ladet zur Erholung freund­lich ein, und bietet ebenso wie das Gasthaus Z u r Krone", nächst dem Residenzschlosse, alle jene Bcgncm- lichkcitcn, welche in größeren rheinischen Städten eine Art von Berühmtheit erlangt haben.

Das überaus freundlich, ebenfalls am Rhein gele­gene und zierlich angelegte ehemals von Brcidbach- sch e L u st g ä r t ch c n, ist in den Besitz des Gasthalters der schönen Aussicht" übcrgegangeu und wird an schönen Tagen so zahlreich besucht, daß die Räume häufig nicht hinreichen, die heran strömenden Gäste alle anfzu- nehmen.

Der Müller'schc Garten in Mosbach, längst

schon ein Lieblingsaufenthalt des Mainzer und Wies­badener Publikums, ist ebenfalls am vergangenen Sonn­tag eröffnet worden ; ganz in der Nähe hat Herr An­dreas Kimmel kürzlich den früher sehr besucht gewesenen Gasthof zumHimmel" käuflich an sich gebracht, um seiner angeborenen Thätigkeit einen größeren Wirkungs­kreis zu verschaffen; bereits ist er mit den neuen Ein­richtungen beschäftigt, und es wird wohl nicht lange währen, bis der alte Himmel im neuen Glanze sich wie­der aufgethan.

Der geistreiche, feingebildctc artige Wirth, wird den Anforderungen der Zeit Rechnung zu tragen wissen, und sich angelegen sein lassen, das bereits schon besitzende Rcnommv nach Aussen mehr noch zu vergrößern und zu befestige».

Schleswig - Holsteins Selbstständigkeit in einem dreißigjährigen Kamps behauptet.

93on Franz Schuselka.

(Fortsetzung.)

Er pries die Macht und Herrlichkeit der Stadt, er klopfte an das deutsche Herz der Bürger, er schilderte die Gefahr, die von dem übermächtig um sich greifenden Dänemark auch der Freiheit Hamburgs drohete. Wäh­rend die Dänen, so schloß Graf Heinrich seine Rede,

vor Schleswig und Gottorp wüthen , richten sich ihre habgierigen Blicke bercirs nach dem reichen Hamburg. Unser Land haben sic in wiederholten Raubzügen schon so ausgeplündert, daß es ihnen keine Beute mehr bieten kann, daher sind eure Schätze, ihr Hamburger, den dä­nischen Kriegsknechten als Siegeslohn versprochen. Die -Bürgerschaft beantwortete die Rede des Grafen mit lautem Beifallszuruf; der Rath aber hatte gar manche Bedenklichkeit und wollte sich nach langer Ueberlegung nur zu einer Geldhilfe entschließen. Allein die Bürger­schaft verwarf diesen engherzigen und obendrein sehr 11115 weisen Rathsbeschluß. Es handelt sich um unser Gut und Blut, riefen die Bürger, also wollen wir mich Gut und Blut daranseycn! Geben wir den Holsteinern nur Geld, so werden sic unterliegen, die Dänen ader ivnun sich auch dieser fruchtlosen Geldhilfe wegen an uii.- ra­chen. Graf Heinrich dankte den Burgern sm um Gesinnung und erklärte, daß er nur erne ausgwbtge mannhafte Hilfe annehmen könnte, w.dngenfatto über auf alles verzichten und dem traungenWerhangn.,; Nord- albingiens seinen Lauf lassen müße. Cv wuue nun uv Sâluß durebgesent, daß Itrb Hamburg mit <cbk vivup Holstein -u offenem Schutz- und Trutzbündniß vereinige und dies dem König von Dänemark durch einen feiern ließen Fehdebrief kund gebe. Kaum war dieser Vertrag rechtskräftig geschlossen und beidtheilig besiegelt, so kam Vic Trancruachricht von bem Falle Schleswigs in Ham­burg an. Am 15. Juli hatte sich die Besatzung der