Freit Zeitung.
„Freiheit und Recht!"
M 63.
Wiesbaden Sonntag, 7« Mai
L8L8
Di- »rei- ^eituna" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei'den »wächst aeleaenen Postämtern. — Der Abonnements» Preis vom 1. März bis 1. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzoztbumâ Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 fl. 4 - tt. inner- falb “^f“^9^^ betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
Linien», ilitär «nd Volkswehr.
C^n Nr. 56 der freien Zeitung ist unter andern an die neue Ständcversammlung zu stellenden Anforderungen auch die für Verschmelzung der kmtentruppen mit der Volkswehr aufgezählt.
Wenn nun gleich unterstellt werden kann, daß die Neichsversammlung in Frankfurt dieserhalb die Hauptpunkte festsetzt, so liegt doch die Wahrscheinlichkeit vor, daß die einzelnen Ausführungen, wozu der Geldpunkt gehören dürfte, den betreffenden Staaten überlassen bleiben wird. Dieserhalb ist^zu wünschen, daß sich mehrere Stimmen hierüber öffentlich vernehmen lassen, und diese Kosten ersparende Vorschläge einer zum all- aemeinen Besten führenden Kritik unterworfen werden. Zu diesem Ende erlaube ich mir meine Ansicht in folgenden Punkten auszusprechen:
1) Das Conscriptionsgesetz von 1844 kann nicht fortbestehen.
2) Die Dienstzeit für das Linie, mrilitâr (erstes Aufgebot) dürfte auf drei Jahre herabzusetzen sein.
3) Möchte den Cadres hierfür (Instruktoren) nur in geringster Zahl präsent gehalten und vom 1. März bis Ende Septembcr alljährlich in die verschiedenen Aemter Compagniewcise verteilt werden, um das erste Aufgebot (bisher Linien -Truppen) an Ort und Stelle einzuüben, und gleichzeitig die Volkswehr in Handhabung der Waffen zu unterrichten.
4) Der jährliche Zugang für den Kriegsdienst (erstes Aufgebot) könnte aus folgende Weise statt finden:
a) Sim 1. Januar jcdcss Jahres stellt der Orts- geistlichc in Gemeinschaft mit dem Schultheiß eine Liste aller Jünglinge auf, die im Laufe des Jahrs das 20ftc Lebensjahr zurücklegen.
b) Diese Liste wird den drei ältesten Burschen ein» gehändigt, welche hieraus eine Einladung an »hre Kameraden zur Versammlung im Schulhause erlassen. Hier wird die Liste im Einzelnen geprüft, und werden alle Anstände, sowie die-auf Dicnstuntaugiichkeit bekannten Fehler re in der Liste bemerkt.
(!) Diese Liste wird Anfangs März dem in dem Amtsorte eingetroffenen Offizier (s. pos. 3) eingehän- digt, welcher hiernach das Ererzieren für sämmtliche darin verzeichnete M^unschaft (sichtbar Ungestaltete ausgenommen) auf den 16. März anordnet, und seine Offiziere, Unteroffiziere und Corporals in Distrikte (d. h. mehrere nahe gelegenen Ortschaften zu>ammen genommen) so eintheilt, daß die Leute nicht weit zum Erereiren zu gehen nöthig haben.
<J ) Bis zum 1. Mai muß die Soldaten- und Peloton-Schule erlernt sein, und findet alsdann, da sämmtliche Leute in das erste Aufgebot nicht eintreten
können, eine Loosung unter den Burschen jeder Gemeinde statt. — Hierdurch allein kann Unterschleifen vorgebeugt werden, und die Burschen werden wachsam sein, daß sich kein Kamerad dem Dienst entzieht, wofür sie den Ersatz leisten müssen.
' Körperliche Untersuchungungen finden von dem Sanitätspersonal nur dann statt, wenn cs der Mann wünscht. Soll hierdurch eine Befreiung vom Dienste erzielt werden, so haben die Cameraden das Recht, eine Commission von 1—3 Männern bei der Visitation erscheinen zu lassen, um sich von dem Stand der Sache zu überzeugen.
f) Wie viel Mann jede Gemeinde zu dem ersten Aufgebot zu geben hat, richtet sich nach dem für das Herzogthum zu stellenden Cvntigent, und ist jedesmal öffentlich bekannt zu machen.
g) Die durch das Loos zum Eintritt in das erste Aufgebot bestimmten Burschen werden am 1. Mai assor- tirt und gekleidet.
Dieselben crerzircn nunmehr mit den zwei früheren Klassen (von 21 und 22 Jahren), womit- sie eine Com- pagnic bilden, jedoch nicht mehr als zweimal in einer Woche.
5) Die übrigen nicht in das erste Aufgebot ringe» treteuen Burschen rücken in die Volkswehr ein, und sind so lange ihre Cameraden zum ersten Aufgebot gehören, dazu bestimmt, mit den vorhergehenden zwei Alterklassen (von 21 unb 22 Jahren), den Dienst zu verrichten, welchen bis jetzt die Reservisten besorgten. *)
6) Vom Monat Mai an (wenn cs nicht früher geschehen kann) haben die Instruktoren der Linie die Voikswfhrmânncr wöchentlich wenigstens zweimal im Ererziren zn unterrichten.
7) In den Monaten Juli und August finden an passenden Tagen Uebungen im Scheibenschießen unter Anleitung der Offiziere und Unteroffiziere statt, woran die Vollowehrmanner Antheil nehmen.
v) Der Schluß des Ererzirens für daS erste Aufgebot findet im September mit Vorposten und sonstigen Felddicusten statt, wonach die Instr uktoren in ihre Winterstationen (Garnison) zurückkehren.
*) Dieser Dienst kann nicht drückend werden, indem die Zahl der dienstthuenden Leute groß sein wird, und die Arrestanten- Transporte an gewissen Tagen nur von einem Ort zum andern erforderlich werden.
Ich würde sur diesen Dienst Gcnsd'arnien wünschen, allein Ob Mann zu Fuß und 30 zu Pferd kosten die fchoiie Summe von 70,000 fl. jährlich, und zudem würde jedes Amt nur 4 Mann erhalten, daher die Schultheißen am Ende doch keine Hülfe Haden, und die Männer der Bolkswehr in Anspruch neh men müßten. Wir werden daher besser thun, wenn wir für dieses Geld Gewehre kaufen.
9) Die zum Garnisonsdienste erforderliche Mannschaft, wird aus der jüngsten Altersklasse des ersten Aufgebots cinbcrufen.
10) Nach dreijähriger Dienstzeit tritt die Mannschaft des ersten Aufgebots zur Volkswehr über und bildet mit allen denen, welche dazu gehören, a) vom 20sten bis 30sten Lebensjahr das zweite Aufgebot, b) vom 31 (len bis 45sten Lebensjahr das dritte Aufgebot, c) vom lösten bis 54ftcn Lebensjahre das vierte Aufgebot.
Von einem alten Soldaten.
47. Sitzung der deutschen Bundesversammlung vom 4. Mai 1S4S.
Statt des ausgetretenen Gesandten tritt für die freie Stadt Lübeck Senator von der Hude ein.
Auf den Vorschlag von Preußen wird die Frage, ob gemeinschaftliche Maßregeln für ganz Deutschland wegen Beschlagnahme dänischer Schiffe zur Vergeltung des von Dänemark aus deutsche Schiffe gelegten Beschlags zu ergreifen seien, und ob der deutsche Bund auf andere Weise eine Garantie für den durch Dänemark gestifteten Schaden zu übernehmen habe, an eine eigens niedergesetztc Commission gewiesen.
Zur Bestreitung der Kosten für die nothwendigen Wohnungs-Utensilien für die Besatzungstruppen von Ulm werden die nöthigen Mittel bewilligt. Des- glcichenZvird die von Oesterreich, Bayern und Wür- temberg für die Besatzung von Ulm zu stellende Mannschaft an Reiterei und technischen Truppen festgesetzt.
Die Absendung hannöverischer Truppen in das Herzogthum Lauenburg zur Unterstützung der dortigen Behörden bei zu befürchtenden Unruhen wird gut geheißen.
Deutschland.
Diez, den 3. Mai. Während die Bewohner unsrer Stadt innerhalb der ganzen Revolutionszeit sehr einig und zufrieden, obgleich nicht weniger als Andere für die gute Sache begeistert waren, fangen jetzt ängstliche, sich'besser dünkende Superkluge an, die Fackel der Zwietracht unter uns zu werfen.
Diese sprechen in einem Artikel der Nass allg. Zeitung vom 2. Mai, datirt (7) Diez, unter vielem andern, Gehässigen, auch von einer „anarchistischen Partei" in Diez!— Wer hat je anders gehört, als daß ganz Diez im Gegentheil nur eine gcsctz- und ordnungliebende Partei sei? —Ja man hat sich sogar in den
Gut Heil!
Voran, Ihr Turner, voran, voran Für die Freiheit im heilten Gefechte! Der Geist bricht wetterstünneud sich Bahn, Dao Volk, verlangt seine Rechte.
Der Ruf tönt weit:
Es ist an der Zeit, Daß die deutsche Einheit sich flechte!
Gut Heil!
Tritt fest zusammen, Du kräftige Schaar, Und halte Dich innig verbündet, Zu schüren die Flamme, die leuchtend und klar In allen Herzen gezündet.
Die Nacht war dicht,
Doch hell ist daS Licht, Das den kommenden Morgen verkündet.
Gut Heil!
Wir füllen im Arme die schwellende Kraft, Wir fühlen die Glut in den Seelen.
Drum rüstig am Werke mitgeschafft, Das einige Deutschland zu stahlen. Geschlossen den Bund
Mir Herz und mit Mund:
Dann werden die Thaten nicht fehlen.
(Sut Heil!
Daun mögen sie kommen aus West oder Ost,
Wir ziehen entgegen, entgegen;
Die blitzenden Waffen sind rein von Rost, Die Freiheit gibt uns den Segen.
Hub steh'n wir vereint
Gegenüber dem Feind,
Dann ist er, bei Gott, schon erlegen!
Gut Heil! E. W.
Die Begierde nach Schleswig Holstein, der alte Fluch des dänischen Königshauses.
(Schluß.)
Zudem boten diese dem König bei der Verehrung Erich's auch in materieller Beziehung offenen Trotz. Während sie nämlich am Grabe des todten Königs fortwährend die reichsten Opfer brachten, verweigerten sie dem lebenden Herrscher die verlangten Steuern. Dies thaten namentlich die Friesen im eidcrstädt'schen Marschlande. Sie proteftirten durchaus und für immer gegen jede dänische Schatzung, weil sie erstlich ein vollkommen freies Volk wäre», und zweitens auch keine Abgaben zahlen könnten, indem ihnen der nothwendige Deich- und Schleuscubau zu große Kosten verursachte. Als ihnen Abel mit kriegerischer Gewalt
drohte, opferten sie dem heiligen Erich einen großen Golvschatz, damit er ihnen den Sieg erbitte.
Da beschloß Abel wuthentbrannt, die übermüthigen Bauern gänzlich auszurotten und ihr Land an dänische Kolonisten zu verschenken.
Er sammelte ein Heer von Rittern, die gegen die Freibauern gern zu Felde zogen, und fiel am 2. Juni 1252 in Friesland ein. Er besetzte die Marsch von Trcya bis Schwabstedt, zog dann an die Eider und schiffte sich mit dem Kern seiner Truppen ein. Mit stolz flatternden dänischen Flaggen fuhr er die Eider hinab, bis in die Nähe von Oldensworth, wo er bei einer Kapelle am Deich landete und auf der breitesten Stelle des Deiches ein verschanztes Lager aust.ülug- Ein Vorposten , den er weiter siivirestn'äits hatte, wurde von den Bauern »urürfywW nahe an das königliche Lager luTcinimfs^ ,., ta. WuSter ™ te >"*"^ L W. an die Elder einen tiefen Grauen |i,-hcmana für '»gleich mit Moorwasser MN nur die schwer Sepanzeiun - ^ pmvcj(te der König in machte. ^nrch vol ^ ^^ 9iid)té ,u unternehmen, die Eider entlang entsendete, u w -erstrenten Gehöfte plündern und enläschcrn ließ.
Diese Frist benutzten die Bauern zu einer Vcr- famnilunq der sieben Landgemeinden, in welche sie ge- tbcilt waren. Die freien Männer kamen auf ihren.